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Originaltext Schulchronik Hochburg 1888 bis 1936

Vorliegende Chronik wurde von Gerda Lenzbauer, VOL i.R. aus Ach, Nachfahrin des auf Seite 5 genannten Theodor Jungwirth (1828-1882), im Jahre 2012 abgeschrieben mit sämtlichen Eigenheiten in der Schreibweise der jeweiligen Chronisten, um den nachfolgenden Generationen das Lesen zu erleichtern und darüber hinaus das Original zu schonen.

Die vorliegende Chronik beinhaltet zudem einen Rückblick, beginnend in der Zeit vor 1869 bis 1888.

Vorliegende Chronik wurde von Gerda Lenzbauer,VOL i. R. aus Ach, Nachfahre des auf Seite 5 genannten Theodor Jungwirth(*1828 +1882),  im Jahre 2012 abgeschrieben mit sämtlichen Eigenheiten in der Schreibweise der jeweiligen Chronisten, um den nachfolgenden Generationen das Lesen zu erleichtern und darüber hinaus das Original zu schonen.

Ach, im November 2012

Gerda Lenzbauer

 

Chronik

der Volksschule

zu Hochburg.

 

 

 

Diese Chronik wurde angelegt im October 1888 vom
Lehrer Franz Felzmann und von diesem fortgeführt
bis 19. Mai 1891. Vom 19. Mai 1891 wird die
Schulchronik vom Lehrer Adolf Mayer fortge-
führt bis 15. September 1895. Vom 16. Sept. 95
wird die Chronik fortgeführt vom Lehrer
Josef Pointner.

 

 

Ergänzung(Gerda Lenzbauer)

Die Chronik wird ab 15. August 1925 vom provisorischen Schulleiter
Herald Richter fortgeführt.

Ab 10. 1. 1926 Fortsetzung durch den Prov. Schulleiter
Hugo Scheichl.

Mit 19. Juli 1926 trat der neuernannte Oberlehrer
Karl Jäger - Waldau seinen Dienst in Hochburg an.

Am 15. September 1932 hat der bisherige Lehrer
Gottfried Probst die prov. Schulleitung übernommen.

Die Chronik endet mit 5. Juli 1936

Die Zeit bis 1869.

Soweit es sich aus dem im Inventar der Schule vorhan-
denen Schriftstücken und nach eingezogenen Erkun-
digungen nachweisen läßt, versahen bis 1871
den hiesigen Schuldienst Lehrer aus der Schul-
lehrer-Familie der Peterlechner. - Der Schul-
lehrerdienst erbte sich vom Vater auf den
Sohn fort. Als Schulgehilfen wirkten
während dieser Zeit theils Söhne der Peter-
lechner, theils Individuen aus verschiedenen
Ländern, die meisten aus Böhmen.

Im Inventar liegt ein gebundenes Buch
vor mit der Aufschrift: Schulverordnungs-
Protocoll“; dieses enthält Currenden /: Verord-
nungen der verschiedenen Schulbehörden:/ vom
21. Februar 1804 bis 17. September 1852.

An der Innenseite des vorderen Einbanddeckels
steht zu lesen: “Joseph Peterlechner, Schullehrers-
sohn zu Hochburg, geboren den 9. März 1797,
als Schulgehülf den 26. Februar 1819 und als
Schul-Lehrer und Meßner den 31. Mai 1827
in Hochburg angestellt worden.

Einer Currende aus dieser in oben angeführtem
Buche enthaltenen Sammlung sei hier Raum
gewährt, möge sie ein wenig diesen Zeitraum
charakterisieren:

                                Currende.

Es gelangen nicht selten Klagen über subordi-               Subordination = Unterordnung
nations u. respektwidriges Benehmen von
Seite des Schulpersonals gegen Pfarrer, Katecheten

u. sonstige Priester zu den Ohren des Ordinariats,
Klagen, die es nur zu sehr außer Zweifel setzen,
daß stolzer Dünkel und Anmaßung des Lehrpersonals
bei den deutschen Schulen ihr untergeordnetes Ver-
hältnis gegen Priester nicht erkennen, und
gehörig würdigen lassen.

Das Ordinariat findet sich deshalb veranlaßt,
den Schuldistrikts-Aufsehern aufzutragen, bei
Schulvisitationen sowohl als bei jeder anderen
Gelegenheit diesen Lehrpersonale ihr untergeord-
netes Verhältnis gegen die Geistlichkeit nachdrück-
lich ans Herz zu legen u. strenge darüber zu
wachen, daß die Priestern die ihnen gebühren-
de Ehrfurcht u. Achtung in u. außerhalb der Schule
von dem Lehrpersonale erwiesen werden, vor-
kommende Fälle eines subordinations- u. respekt-
widriges Benehmen aber strenge u. nöthigen
falls nach der Größe des Vergehens oder
nach der Unverbesserlichkeit der Individuen
selbst mit der Entfernung solcher Individuen
zu ahnden. a/
Zwischen Lehrer u. Geistlichen kann nie ein
coordinirtes Verhältnis stattfinden; schon die
priesterliche Würde erhebt den Geistlichen
über das Lehrpersonale, das seelsorgliche
Verhältnis weiset dem Lehrpersonale nicht
weniger seinen untergeordneten Rang an,
der Pfarrer ist überdies von dem Gesetze
b./ zum ersten u. unmittelbaren Vorsteher der
Schule ernannt u. auch in dieser Beziehung,
wie in der Eigenschaft des Katecheten ist dem
Lehrer  ihr untergeordnetes Verhältnis gegen

den Priester.

       a/) f. Sch. V. § 280 u. 281

       b./ f. Sch. V. § 81

dem Gesetze angewiesen. Überdies sind es die Lehrer,
von denen man als vorzüglicheren Pfarr- u. Ge-
meindeglieder sowohl, als Vermöge ihres Amtes
u. ihres Verhältnisses zur Gemeinde zu fordern
u. zu erwarten berechtigt ist, daß sie nicht bloß
durch Lehre, sondern auch durch Beispiel dahin wir-
ken werden, auch die Gemeinde in ihrem
pflichtmäßigen Verhalten gegen ihre Priester
u. Seelsorger zu erhalten u. zu bestärken.
Die genaue Beobachtung dieses ihres pflichtmäßigen
Benehmen gegen ihre Priester u. Seelsorger
gehört wesentlich mit zur Moralität des Lehr-
personals u. muß wie Moralität überhaupt
eine wesentliche Rubrik der ihnen zu erthei-
lenden Zeugniße seyn, u. in denselben stets
ausdrücklich u. gewissenhaft bezeugt werden,
ob u. wie dieses Verhältnis von denselben
beachtet worden sey. /:Wörtliche Abschrift:/

Bischöfl. Konsistorium Linz den 7. October 1834.

 

 

Vor dem 9. Nov. 1847 wirkte als Schulgehilfe Johann
Stöttinger, vom 9. Nov. d. J. an Theodor Jungwirth
aus Perneck in Böhmen, noch vor Johann
Stöttinger Johann Jungwirth, Bauerssohn aus
Schönau in Böhmen, um 1859/60 herum Laurenz
Peterlechner, um 1865/66 herum Strnad Franz.
Bis 1871 erscheint Josef Peterlechner als Schul-
lehrer u. Anton Peterlechner als Unterlehrer.

An Stelle des heutigen Schulhauses stand bis zum Jahre
1823 u. zwar am gleichen Platze, ein kleineres, hölzer-
nes Schulhaus, zugleich Wohnung des Lehrers. Dieses
scheint im genannten Jahre entweder den Anfor-
derungen der Schülerzahl gar nicht mehr entsprochen
zu haben oder war es baufällig geworden, da
man im genannten Jahre die Schritte zum
Baue eines neuen, des jetzigen Schulhauses
unternommen hatte.

Das alte Schulhaus wurde am 9. September 1823
an den Meistbietenden versteigert u. betrug
der Ausrufspreis 50 fl.C.M.W.W. /:Siehe Bekannt-
machung des k. k. Landesf. Pfleggerichtes in Wilds-
hut v. 28. August 1823, welche in der Mappe
der Chronik hinterlegt ist. :/

Unter Leitung des Maurermeisters Glaner
entstand das neue Schulgebäude in seiner jetzigen
Form u. wurde fertig im Jahre 1825. Nach
der ebenfalls in der Mappe der Chronik aufbe-
wahrten Baukostenrechnung kam das Haus auf
4174 fl.C.M. zu stehen. - Nachdem dieses Schulhaus
noch heute den Anforderungen des Schulgesetzes
fast entspricht, so kann man es wohl einen
glücklichen Bau nennen u. es kommt einem
unwillkürlich der Gedanke, daß der erwähnte
Maurermeister Glaner ein geschickter Mann
gewesen, daß die verantwortlichen dama-
ligen Vertreter der Gemeinde, die einen
so geeigneten, für die Zukunft sorgenden Bau-
plan wählten, das Herz am rechten Fleck hatten.

Wie oft werden noch heutzutage bei ähnlichen Neu-
oder Umbauten die entsetzlichsten Unsinne durch-
geführt. Der Plan zum Baue des heutigen Schul-
hauses ist im Archiv der Schule aufbewahrt.
Im Schuljahre 1853/54 besuchten die Schule 110,
1855/56 111, 1860/61 140, 1865/66 144, 1868/69 130
Schüler, die Sonntag- u. Wiederholungsschüler
nicht mitgerechnet.

Laut Stiftbrief v. 11. September 1857 besitzt die
Schule eine Obligation per 500 fl. zu 1 ¾ %. Schenker
dieses Capitals ist der in Hochburg verstorbene
Hw. Pfarrer Simon Dobler, welcher dieses
Vermögen nach letztwilliger Anordnung
vom 15. Jänner 1817 der Schule vermachte,
mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß die
Zinsen nach Gutbefinden des jeweiligen
Pfarrers zu Gunsten der Schule verwen-
det werden.

Im Jahre 1867 wurde dafür die Staats.Obli-
gation №: 11423 v. 1. April 1858 per 500 fl.C.M.
zu 3 ½ % eingetauscht u. im Jahre 1870
erhielt die Schule dafür die Obligation
№: 26502 v. 1. Februar 1870 per 350 fl
mit jährlichen Interessen v. 14 fl. 70 kr.
Die fortlaufenden Rechnungen über den
Stand des Capitals samt Zinsen liegen im
Archive des Ortsschulrathes auf.

 

Vom Jahre 1869 bis Zur Gegenwart.

Am 27. October 1870 erhielt Lehrer Josef Peterlechner
vom Ortsschulrathe, der früher v. k. k. Bezirksschul-
rathe dazu verpflichtet wurde, den Auftrag,
für die Schule folgende Lehrmittel anzukaufen:

1. Ein Thermometer                                                1 fl. 40 kr.

2. Eine Rechnungsmaschine                                 2 fl. 60 kr.

3. Bilder für den Anschauungunterr.                       3 fl. 49 kr.

4. Steinhausers Karte der Erzherzog-

                        thümer Österreich                            8 fl. 50 kr.

5. L. Holles Wandkarte v. Europa                          4 fl. 16 kr.

6. Kozenus ö. u. Monarchie                                    5 fl. --

7. Netzzeichnungen v. Seidl u. Schmid                 1 fl. 74 kr.

8. Einen Kompaß                                                    1 fl. 90 kr

9. Setzbuchstaben 10 Bog. samt Aufspanner      1 fl. 50 kr.

10. Rapparts Karte v. Palästina

11. Dr. Athmors Atlas                                              ---    50 kr.

12. Karte von Europa v. A. u. C. Gräf.

13. Deutschland v. O. F. Weiland

14. Planiglobien v.  O. F. Weiland

Ende August 1871 ging Lehrer Josef Peterlechner
in Pension u. es wirkte seit 23. August d. J.
an der Schule kurze Zeit Joachim Berger als
Provisor.

Im October 1871 kam Josef Niemetz aus österr.
Schlesien an die Schule zu Hochburg.
Am 20. August 1871 kam hierher Valentin Hauch
als prov. Unterlehrer. Es wurde am 29. August
das zweite Lehrzimmer eingerichtet u. am 30. August  

der ganztägige Unterricht eingeführt.

Berger übernahm die zweite, Hauch die erste
Klasse. Einige Ortsschulrathsmitglieder machten
gegen diese Neuerungen Oposition. Es sollte
bald wieder "besser" werden, denn Hauch wurde
am 2. September 1871 als Provisor nach Han-
denberg versetzt u. es blieb nun bis zum
Jahre 1874 bei der Einklassigkeit und beim
Halbtagsunterricht.

 

 

1873.

Im April besteht die Schülerbibiliothek aus
vierzehn Bändchen, dazu kommen 40 neue,
vom k. k. Bezirksschulrathe genehmigte Bücher.
Lehrer Josef Niemetz besuchte die Wiener
Weltausstellung, nachdem er von der o. ö.
Weltausstellungskommission den Reisebeitrag
von 20 fl. /: zwanzig:/ erhalten hatte.
Lehrer Niemetz mußte über Auftrag des k. k.
Bezirksschulrathes an diesen über die
beim Besuche der Weltausstellung ge-
machten Wahrnehmungen berichten.

1874.

Am 19. September wurd die Schule zweiklassig und
wird der ganztägige Unterricht eingeführt.
Als erste Unterlehrerin wirkt Marie
v. Hafner aus Tirol.
Ende September hat die Schülerbibiliothek 92 Bände.
Am 24. October wurden die Stundenpläne
für die zweiklassige Schule vom k. k. Bezirksschul-
schulrathe genehmigt.

 

 

1875.

Durch die Subskription, welche schon Ende 1874
eingeleitet wurde, gingen ein für die
Erweiterung der Schülerbibliothek 76 fl. 83 kr.
Der o. ö. Volksbildungs-Verein spendete für
die zu errichtende Volksbibliothek 20 fl.

Spender größerer Beträge waren:

Josef Niemetz, Lehrer                                                        5 fl.

Anton Thanner, G. V. u. Ortsschulr. Obmann                     1 fl.

Fz. Steiner, Paßberger, Ortsschrths.Mitglied                   1 fl.

Georg Schmidberger, Pfarrer                                            2 fl.

Georg Koch, Gansbauer, Ortssch. Inspector                   5 fl.

J. C. Wopalka, Uhrmacher in Ach                                     2 fl.

Jos. Weidenholzner, Cooperator                                      2 fl.

Michl Hager, Bauer in Kälbermoos                                   2 fl.

Jos. Limmer, Stöckl in Lindach                                          1 fl.

E. Turnovsky, grfl. Hoyos'scher Forst-Controllor          1 fl. 50 kr.

Georg Fischereder, Wirt in Hochburg                               1 fl.

Barthol. Glöcklhofer, Bauer                                                1 fl.

Graf. Rud. Hoyos, Besitzer d. Weilhartsforstes           25 fl.

Fz. Mascher, Cooperator in Hochburg                             2 fl.

Simon Sinzinger, Wirt in Hochburg                                   1 fl.

P. Heinrich Schwarz in Michaelbeuern                             1 fl.

 

Am 12. April wurde über Antrag des Lehrers
Josef Niemetz vom Ortsschulrathe die Anschaf-
fung folgender Lehrmittel genehmigt:

1. Modelle der metr. Maße u. Gewichte.
2. Die verschiedenen Völkerstämme nach Farbe,
    Gesichtsbildung etc. v. Lathom.
3. Wandkarte v. Deutschland.
4. Eine Wage.
5. Wandkarte der beiden Halbkugeln.
6. Eine Mineraliensammlung.

Ende August wurde die Volksbibliothek ge-
gründet. Den Grundstock bildeten die "natur-
wissenschaftlichen Volksbücher" v. Bernstein, die
früher der Schülerbibliothek angehörten, aber aus
derselben als zu schwer verständlich ausgeschie-
den wurden.

1876.

Im März wurde von den Interessen der Schulstiftung
das Harmonium um den Preis von 80 fl angeschafft.
6. Mai erhielt die Schule von der k. k. o. ö. Land-
wirtschafts-Gesellschaft 49 Stück Schriften u.
Tafeln landwirtschaftlichen Inhaltes, theils als
Eigenthum, theils zur Vertheilung an die be-
nachbarten Schulen.

Am 13. Mai inspizierte Herr Bezirksschulin-
spector Palm aus Ried die Schule.

1. Mai. Zu Beginn des Schuljahres 1876/77
besuchen die Schule 128 Schüler. Die Schule
zu Burghausen in Baiern besuchen aus dem
Schulsprengel Hochburg 19, die Schule zu Ach
16 Schüler.

Seit diesem Jahre wird an der Schule land-
wirtschaftlicher Fortbildungskurs gehalten;
nur in einigen wenigen Jahren entfällt
derselbe.

18. September erhält die Schule von der k. k. o. ö.
Landwirtschafts-Gesellschaft 8 landwirtschaftl.
Tafeln von Hartinger u. zwar:
Tafel   1: Obstbau,
            2: Rindviehzucht,
            3: Rindviehnutzung,
            4: Düngerwesen,
            5: Bienenzucht,
            6: Wiesenbau /:Be- u- Entwässerung:/
            7: Nützliche Vögel
            8: Schädliche Vögel

8. Dezember erhielt die Schule von der k. k. o. ö.
Landwirtschafts-Gesellschaft 6 Stück Lesebücher
von Erzinger zum Gebrauche am land-
wirtschaftl. Fortbildungskurse.

17. Dezember erhielt die Schule vom o. ö. Volksbil-
dungs-Vereine folgende Bücher gewidmet:
Webers illustr. Jahrbücher                                      10 Bände
Zacharias Erdbeschreibung                                  1
Führnrohr, Naturgeschichte                        1
Proschko, Streifzüge                                               1
Plodig, Wechselkunde                                            1
Kapf, Naturkunde                                                    1
Mignet, französ. Revolution                        1
Porträts der deutschen Kaiser                               1
Norwin, Geschichte Napoleons                             5
Ergänzungen u. Fortsetzungen zu Schiller            5

1877.

Im März wurden vom optischen Institute Stettinger
u. Camp. in Linz fisikalische Apparate im Werte
von 9 fl 53 kr bestellt. Darunter: Gasentwick-
lungsapparat, Retortenhalter mit beweglichen
Klammern, Eprovetengestell für 12 Eproveten,                           Eprovete = Reagenzglas
phneumatische Wanne, Salz- u. Schwefelsäure.             pn.W. dient zum Auffangen von Gasen

Im April verläßt die Unterlehrerin Marie
v. Hafner hiesige Schule u. an ihre Stelle tritt
im Herbst /:October:/ der prov. Unterlehrer Andreas
Seidl aus Baiern. Dieser erwirbt das österr.
Staatsbürgerthum u. wird dann definitiv.

Am 18. Mai inspicierte Herr k. k. Bezirks-
Schulinspector Palm die Schule.

Die Schülerzahl beträgt zu Beginn des Schuljah-
res 1877/78 /: 1. Mai:/.............................134.
Die Acher- u. Burghausner Schule besuchen aus
dem Schusprengel Hochburg 23 Schüler.

Im Dezember wurde für die Schülerschaft
eine Christbaumfeier abgehalten.

1878.

7. Februar inspicierte zum erstenmale der k. k. Be-
zirksschulinspector, Herr Karl Hödl, Bürgerschul-
direktor in Braunau a. I. die Schule.

Im Juni wurde das Zeichenwerk von Grandauer
u. die Turnschule v. Niggeler über Auftrag der
k. k. Bezirksschulbehörde angeschafft.

Im August u. September zupften die Schüler für
die Kriegsverwundeten in Bosnien Charpie; es              Charpie = Leinwand zum Bedecken von Wunden
wurden davon 5 Kgr. abgeliefert.

16. November. Der prov. Unterlehrer Andreas
Seidl wurde zum defin. Unterlehrer ernannt.

1. Mai. Schülerstand zu Beginn des Schuljahres 1878/79
beträgt 131; Die Schule von Burghausen
u. Ach besuchen aus dem Schulsprengel
Hochburg 24 Schüler.

1879.

1. Mai. Der Schülerstand beträgt zu Beginn des Schul-
jahres 1879/80 - 142; die Acher u. Burghausener
Schule besuchen aus hiesigem Schulsprengel 25 Schüler.

13. Mai. Dieser Tag ist ein Ferialtag, anläßlich
der Feier des hundertsten Jahrestages der Vereini-
gung des Innviertels mit Österreich. In der
Kreishauptstadt Ried wurde deswegen ein
großes patriotisches Fest veranstaltet, daher auch
der 12. Mai frei gegeben wurde, damit Eltern
u. Kindern Gelgenheit geboten wurde, das
Fest in Ried zu besuchen.

14. Mai. Dieser Tag wurde vom k. k. Bezirksschul-
rathe frei gegeben, als Zehnter Jahrestag der
Sanktionierung der österreichischen Schulgesetze.

1. August. Unterlehrer Andreas Seidl geht auf
einen anderen Posten ab; die prov. Unterleh-
rerin Anna Kofler aus Prutz in Tirol be-
ginnt den Unterricht.

12. September. Der Herr k. k. Bezirksschulinspector
Karl Hödl in Braunau inspiciert die Schule.

29. September. Der weibliche Handarbeits-Unter-
richt wird eingeführt; ertheilt wird derselbe
von der Unterlehrerin, diese bekommt für
die Mehrleistung über 30 Unterrichtsstunden per
Woche vom Hohen o.ö. Landesausschusse eine Remuneration                     = Honorar

1880.

1. Mai. Die Schülerzahl beträgt zu Beginn des Schuljah-
res 1880/81 - 144; Die Schule zu Burghausen und
Ach besuchen 22 Schüler.

28. Mai. Der k. k. Bezirksschulinspector Herr K. Hödl
inspicierte die Schule.

24. Juni. An diesem Tage wurde ein großes
Schulfest abgehalten; Lehrer Josef Niemetz gab
sich als eigentlicher Veranstalter desselben große
Mühe; das Fest verlief aber auch über alle
Erwartung für Eltern, Schüler u. Gäste unter-
haltend und freudig.

In diesem Jahre beginnt neuerdings der Kampf
um den Schulgarten. Während der letzten Jahre
machte der Leiter der Schule, Josef Niemetz, öfters
bedeutende Anstrengungen für die Schule einen
gesetzlichen Schulgarten zu gewinnen, doch stets
vergebens.

1881.

25. Februar. Seit diesem Tage hat der Ortsschulrath das
Simon Doblersche Schulstiftungs-Vermögen in  Auf-
bewahrung. Bis zu diesem Tage befand sich Stiftbrief,
Vermögen und diesbezügliche Acten u. Rechnungen
in Händen des jeweiligen Pfarrers. Diese Verän-
derung gieng nicht ohne kleinen Kampf vor sich,
wie aus mehreren, im Archive aufliegenden
Schriftstücken zu ersehen ist.

18. Februar inspicierte Herr k. k. Inspector Hödl.

1. Mai. Der Schülerstand beträgt zu Beginn des Schul-
jahres 1881/82 - 143; Die Schule zu Ach u. Burg-
hausen besuchen aus dem Schulsprengel Hochburg
24 Schüler.

10. Mai. An diesem Tage wurde anläßlich der Ver-
mählung Sr. kaiserl. Hoheit des Kronprinzen
Rudolf mit Ihr. königl. Hoheit der Prinzessin
Stefanie v. Belgien eine patriotische Schul-
feier abgehalten.

28. Mai,                     inspicierte der k. k. Bezirksschul-Inspctor
12. October,              Herr Karl Hödl die Schule.

1882.

10. Februar. Die Schule erhält vom h. k. k. Ministerium
für Cultus u. Unterricht das Bild Sr. kaiserl. Ho-
heit des Kronprinzen u. Seiner erlauchten
Gemahlin als Geschenk.

22. März. Der Verein für Naturkunde in Linz
spendet der Schule eine ziemlich bedeutende Samm-
lung getrockneter Pflanzen.

1. Mai. Zu Beginn des Schuljahres 1882/83 beträgt
der Schülerstand 143. Die Schule zu Ach besuchen
aus dem Hochburger Schulsprengel 20, die zu Burghau-
sen 7 und die zu Überackern 9 Schüler.

8. Mai. Herr Bezirksschulinspector Karl Hödl aus
Braunau a. I. inspiciert die Schule.

Im Mai dieses Jahres zerstörte ein verheerender
Brand, der im Wirtsstadel zum Ausbruche ge-
kommen war, nebst einigen Nachbargebäuden
auch den Dachstuhl des Schulhauses u. nur der
Umsicht u. dem Rettungseifer des Lehrers
Josef Niemetz war es zu danken, daß nicht
das ganze Innere des Hauses ausbrannte.
Alle Schriften des Archivs, alle Lehrmittel wur-
den gerettet, nur das Lehrzimmer der ersten
Classe litt soweit, daß bis zur Wiederherstel-
lung desselben der Unterricht halbtägig ertheilt
werden mußte. Während dieser Periode
wurde die Unterlehrerin Anna Kofler
auf kurze Zeit aushilfsweise nach Mining
versetzt. Lehrer Josef Niemetz bekam

für sein opfermuthiges u. vom Erfolge gekröntes
Einschreiten von der o. ö. Landes-Brandassecuranz
als Anerkennung den Betrag von 50 fl ausbezahlt.

18. December. Vom Ortsschulrathe wurden die Bildnisse
Ihrer Majestäten im Betrage von 12 fl. und
zwei neue Schulfahnen im Werte von
50 fl. angeschafft.

3. November inspicierte die Schule Herr k. k. Bezirks-
schulinspector Karl Hödl, Bürgerschul-Director
in Braunau a. I.

27. December. An diesem Tage wurde eine
Christbaum u. patriotische Feier abgehalten
zur Verherrlichung des sechshundertjährigen
Bestandes der glorreichen Herrschaft des
Hauses Habsburg.
Welche Mühe sich Lehrer Josef Niemetz gab, solche
Festlichkeiten in würdiger Weise zu begehen,
soll folgende Abschrift des bei oben angeführter
Feier zur Durchführung gekommenen Program-
mes veranschaulichen:

Programm

Der Christbaum- u. patriotischen Feier der Schule
Hochburg am 27. December 1882.

1. Ansprache des hochw. Herrn Pfarrers.
2. Rudolf v. Habsburg, Gedicht v. Frd. v. Schiller,
            vorgetragen v. Barber Elis, Schülerin d. 2. Classe.
3. Die Herzensblume, ein patriot. Lied.
4. Kaiser Rudolf u. der Gerber v. Fr. Günther,
            vorgetr. v. Ertl Marie, Schülerin der 2. Classe.

5. Heute kommt der Weihnachtsmann, Lied.
6. Maria Theresia, v. Friedr. Marx, vorgetragen
            v. Muckenhammer Victoria, Schülerin d. 2. Cl.
7. Zum Christbaum, Gedicht, vorgetragen von
            Huber Marie, Schülerin der 1. Classe.
8. Dasselbe von Kindern gesungen.
9. Der Ackersmann, v. Otto Prechtler, vorgetr.
            v. Russinger Elis, Schülerin d. 2. Classe.
10. Der Besuch im Hospital, Ged. v. Castelli, vorgetr.
            v. Turnovsky Hedwig, Schülerin d. 1. Cl.
11. Der kleine Weihnachtsmann, gesungen v.
            Dicker Josef, Schüler der 2. Cl.
12. Lob Österreichs v. Grillparzer, vorgetragen
            v. Dicker Marie, Schülerin der 2. Cl..
13. "Wir danken dir", Weihnachtslied.
14. "Still, still, still"! Gedicht v. Enslin, vorgetr. v.
            Ehrschwendner Victoria, Schülerind d. 1. Cl.
15. Das Christkind, Ged., vorgetragen von
            Marie Färberböck, Schülerin d. 1. Cl.
16. Hirt u. Engel, ein Weihnachts-Duett, vor-
            getragen v. Herrn Georg Lechner, Krämer
            in Hochburg u. Marie Steindl, Bauerstoch-
            ter in Mitterndorf.
17. Der Kinder Weihnachtsfest v. Isab. Braun,
            vorgetragen v. einer Gruppe Knaben und
            Mädchen der zweiten Klasse.
18. Gloria, Weihnachtslied.

19. Vertheilung der Geschenke.
20. Worte des Dankes, gesprochen von Theresia
            Wimmer, Schülerin der 2. Cl.
21. Volkshymne.

1883.

1. Mai. Zu Beginn des Schuljahres 1883/84 beträgt
            der Gesamtschülerstand 154.

17. bis 20. Mai nahm Lehrer Josef Niemetz am
allgemeinen deutschen Lehrertage in Bremen
theil. Derselbe erhielt zur leichteren Ermögli-
chung dieser kostspieligen Reise aus Landesmit-
teln ein Stipendium per 30 Gulden.

6. Juni. Herr Karl Hödl, k. k. Bezirksschulin-
spector u. Bürgerschuldirector der Knabenbürger-
schule in Braunau a. I. inspicierte die Schule.

22. Juni. Der Ortsschulrath erhält v. k. k. Bezirks-
schulrathe eine Zuschrift /: v. 22. Juni 1883, Z. 1059:/
mit der strengen Aufforderung, für die Schule in
Hochburg einen gesetzlichen Schul- u. Versuchsgar-
ten im Flächenmaße von etwa 200 Quadrat-
klaftern schleunigst anzuschaffen. /:Archiv/)

8. October. Der Ortsschulrath erhält v. k. k. Bezirks-
schulrathe eine ähnliche Zuschrift. /:Archiv/)

1884.

6. Februar. Die Schule erhält v. h. k. k. Ackerbau-Mini-
sterium die landwirtschaftlichen Tafeln 12 u. 13
v. Hartinger zum Geschenk.

17. April,                    inspicierte die Schule der k. k. Be-
13 Juni,                      zirksschulinspector Herr K. Hödl,
11. November           Bürgerschuldirector in Braunau a/I.

24. April. Der Ortsschulrath wird vom k. k. Bezirks-
schulrathe laut Erlaß v. 24. April 1884, Z. 22, neuer-
dings aufs schärfste aufgefordert für die ihm un-
terstehende Schule den gesetzlichen Schulgarten
ehestens beizustellen u. sich hierüber bis
10. Mai l. J. auszuweisen.

1. Mai. Die Schule Hochburg besuchen zu Beginn des
Schuljahres 1884/85 156 Schüler, die Schulen zu
Burghausen u. Ach 22 Schüler aus dem Spren-
gel Hochburg.

20. Mai. Von diesem Tage an tritt die Schulbesuchs-
erleichterung v. 14. Februar 1884, nach welcher
die Schüler des 7. u. 8. Schuljahres in wöchent-
lich 6 Stunden Unterricht erhalten, an hiesi-
ger Schule in Kraft.

5. Juni. Lehrer Jos. Niemetz kommt als Lehrer
an die einklassige Schule Margarethen in Linz.
An seine Stelle tritt gleichzeitig als prov. Lehrer
der Unterlehrer Sebastian Wöhrer v. Aspach.
Derselbe wird im Laufe des Jahres zum definit.
Leiter der Schule ernannt.

1885.

18. April inspicierte der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Karl Hödl die Schule.

1. Mai betrug die Schülerzahl 178.

Im December fand eine bedeutende Christbaum-
feier statt. Besonderen Eifer bei den verschied-
nen Arbeiten, die eine solche Veranstaltung
immer mit sich bringt, legt Ortsschulinspector
Georg Koch, Bauer in Lindach, Lehrer Wöhrer
u. Unterlehrerin Anna Kofler an den Tag.
Das Programm, welches bei dieser Feier
durchgeführt wurde, war sehr reichhaltig, die
Spenden, wleche an alle Schüler verteilt wur-
den hatten einen bedeutenden Wert.

1886.

4. Februar. Von Frau Karoline Michlstätter in Ischl
erhielt die Schule 1 Exemplar Oberösterreichische Dialect-
Dichtung "Aus da Hoamat" zum Geschenk.

8. April,           inspicierte die Schule der k. k. Bezirksschul-
18. Juni,         inspector Herr Karl Hödl.

1. Mai beträgt die Gesamtschülerzahl 199.

18. August. An diesem Tage wurde eine Schulfeier
abgehalten, anläßlich des allerhöchsten Geburts-
festes Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers.

4. October wurde eine interne Schulfeier ver-
anstaltet zu Ehren des allerhöchsten Namens-
festes unseres geliebten Monarchen Franz Josef I.

19. November wird eine würdige Schulfeier
gehalten zur Verherrlichung des Namens-
festes unserer durchlauchtigsten Landes-
mutter Elisabeth.

1887.

1. Mai. Zu Beginn des Schuljahres 1887/88 be-
trägt die Schülerzahl 177.

10. Juni,                     inspizierte Herr Karl Hödl, k.k.Bezirks-
9. October,                schulinspector die Schule.

27. August. Unterlehrer Franz Felzmann von
Ostermiething tritt als Lehrer der Schule in
Hochburg seinen Dienst an. Gleichzeitig geht der
bisherige Lehrer v. Hochburg Sebastian Wöhrer
als Unterlehrer nach Handenberg ab.

18. August. Das Geburtsfest Sr. Majestät fällt
in die Zeit der Hauptferien, weshalb eine
patriotische Schulfeier nicht stattfinden kann.

August u. September. Außergewöhnlich star-
kes Auftreten der Kiefernblattwespe im
Weilhartsforste u. den anliegenden Gehölzen.
Den Schülern wird dieses Insect u. dessen
schädliche Larve veranschaulicht und dessen
verderbliche Arbeit in jungen Kiefern-
beständen erklärt. Die Schüler wurden
aufgefordert, die schriftliche Arbeit, die über
dieses Thema gemacht wurde, daheim vorzu-
lesen, damit Waldbesitzer, in deren Waldthei-
len dieses Insect auftritt, schleunigst die
nöthigen Vorkehrungen u. Arbeiten zur
Vertilgung dieses Schädlings in Angriff
nehmen.

4. October geht die patriotische Schulfeier anläßlich des
Namenstages unseres erhabenen Kaisers in wür-
diger Weise vor sich. In jeder Klasse steht das
Bildnis Sr. Majestät auf einem mit Blumen
geschmückten, altarähnlich hergerichteten Tische.
Nachdem die Schüler dem gewöhnlichen Gottes-
dienste beigewohnt, begaben sie sich in ihre
Lehrzimmer, wo nach der von den Lehrern
gehaltenen patriotischen Anrede mehrere
sich auf unser erlauchtes Kaiserhaus und
auf unser geliebtes Vater- u. Heimatsland
beziehende Lieder u. Gedichte gesungen
u. von einzelnen Schülern vorgetragen
wurden. Zum Schluß wurde die österr.
Volkshymne u. ein Gebet gesungen.

19. November. Der Namenstag unserer verehr-
ten Landesmutter, der durchlauchtigsten Kai-
serin Elisabeth wurde durch eine ähnliche
Feier in würdiger Weise begangen.

13. November. An diesem Tage wurde ein landw. Fortbildungs-
kurs für Jünglinge u. Männer u. ein solcher
für der Schule entwachsenen Mädchen eröffnet.
Den Unterricht an ersterem erteilt Lehrer
Franz Felzmann, den Unterricht an letzterem
Unterlehrerin Anna Kofler.

29 männliche u. 31 weibliche Frequentanten                   Besucher
betheiligten sich an den beiden Cursen.

Die Unterrichtszeit fiel in die Zeit von
½10 Uhr - ½12 Uhr vormittags, respect. 12 - 2 Uhr nach-

mittags eines jeden Sonntages.

Die Besucher, sowohl des männlichen, wie auch
des weiblichen Kurses, zeichneten sich durch
großen Eifer, durch anständiges und
williges Betragen aus.

December. Lehrer Niemetz in Margarethen /:Linz:/
spendete für die an hiesiger Schule bestehenden
2 Fortbildungskurse 20 Hefte der Zeitschrift
"landwirtschaftliche Correspondenz". Die Fort-
bildungsschüler sendeten an den freundlichen
Spender ein Dankschreiben, unterschrieben
von sämmtlichen Frequentanten.

1888.

16. Februar. Die Schule erhält v. o. ö. Volksbildungs-Vereine für
die zwei bestehenden Fortbildungskurse fünfzehn Weber'
sche Lehrbücher zum Geschenk.

19. Februar. Es ist ein Sonntag. In den beiden Fortbil-
dungskursen kommen Prämien im Werte von
fünfzehn Gulden zur Vertheilung. Der Spender ist
ein ungenanntsein wollender Voksbildungsfreund.
Zufällig traf es zusammen, daß an diesem Tage
der k. k. Bezirksschulinspector Herr Karl Hödl die beiden
Fortbildungskurse und den verkürzten Unterricht
inspicierte.

Am gleichen Tage erhielt die Schule das für die 1. Klasse
bestimmte, vom Ortsschulrathe um den Preis von
2 fl 70 kr. angeschaffte Bild Sr. Majestät. Es stammt
aus dem Verlage der k. k. Hof- u. Staatsdruckerei.
Ende Februar erhielt die Schule 25 neue Turnstäbe.

28. Februar. Die zur Unterlehrerin in Vöcklamarkt
ernannte Anna Kofler ist ihres Dienstes enthoben.
Die bereits  zur Unterlehrerin in Hochburg ernannte
Lehrerin Filippine Andres aus Stilfs in Tirol wird
ihres Dienstes erst Ende Juni enthoben. Da we-
gen Lehrermangel von Seite des k. k. Bezirksschul-
rathes für die Schule Hochburg keine Aushilfs-
kraft bestellt wird, so muß bis zum Eintreffen
der neuen Unterlehrerin der Unterricht
halbtägig ertheilt werden.

Ende März. Der Fortbildungskurs wurde geschlossen.

April, Mai, Juni. Während dieser 3 Monate herrschten
in unserem Schulsprengel die Masern, unter dem Volke
"Fleckerln" genannt.

10. - 28. Mai mußte dieser Kinderkrankheit wegen über
Verfügung des k. k. Bezirksschulrathes die Schule
geschlossen werden.
Die Krankheit verlief in den einzelnen Fällen
ziemlich ungefährlich, wenigstens unter der Schul-
jugend kam kein Todesfall vor. Jüngere Kinder
erlagen mehrere dieser Seuche.
Während der Dauer der Krankheit wurden alle
Räume des Schulhauses mehrmals mit einem
vom Gemeindearzte verordneten Mittel / Desin-
fectionsmittel / gewaschen.

13. Mai. Der k. k. BezirksschulinspectorHerr Karl
Hödl inspicierte die Schule.

1. Mai. Der Schülerstand zu Beginn des Schuljahres
1888 / 89 beträgt 182; die Schule zu Ach, Über-
ackern, Burghausen besuchen aus unserem Spren-
gel 45, resp. 5, resp. 7 Schüler.

Mit 1. Mai müssen in allen Schulen Oberösterreichs
die vom h. o. ö. k. k. Landesschulrathe mit Erlaß
v. 17. Februar 1887 genehmigten Schreib- u. Zeichen-
hefte eingeführt sein.

In diesem Monate wurden über Antrag des
Lehrers Felzmann für die beiden Klassen
12 Blumengeschirre vom Ortsschulrathe angeschafft.

18. Juni. Der Ortsschulrath wird laut Erlaß des
k. k. Bezirksschulrathes v. 1- Juni 1888, Z. 570 Sch.
neuerlich strengstens angewiesen der Schule den

gesetzlichen Schulgarten zu verschaffen. Es wird
gleichzeitig die Androhung von Zwangsmitteln
ausgesprochen. Der Ortsschulrath hat über die Regelung
dieser Angelegenheit bis Ende Juli zu berichten.

20 Juni. Empfang des neuen Pfarrers Josef Endemann
aus Waldkirchen am Wesen. Die gesammte Schüler-
schaft, geführt vom Lehrer Felzmann betheiligt sich
am feierlichen Empfange. Die Schülerin der 2. Cl.
Franziska Ofenmacher begrüßt den Herrn Pfarrer
im Namen der Schuljugend, Lehrer Felzmann
im Namen des Lehrkörpers und des Ortsschulraths.

25. Juni. Laut Erlaß des k. k. Bezirksschulrathes
vom 1. Juni d. J. darf von nun an kein Kind
des hiesigen Schulsprengels ohne Erlaubnis des h.
k. k. Landesschulrathes die Schule zu Burghausen
in Baiern besuchen. Mehrere Parteien zeigen
sich anfänglich renitent; einige Parteien geben
ihre Kinder nach Burghausen in Kost u. Pflege.

In diesem Monate erhält die Schule von Herrn
Dr. Ludwig Wendling in Ach ein sehr brauchbares
Taschenmikroscop mit 20 Objecten speciell für den
bestehenden Fortbildungskurs zum Geschenk.

Ende Juni nimmt Herr Gemeindearzt Ludwig
Wendling in Ach mit den Schülern des 7. Schul-
jahres die Impfung vor. 1 Schüler unterzog
sich der Impfung nicht.

8. Juli. Unterlehrerin Filippine Andres aus
Stilfs in Tirol tritt ihren Dienst an.

12. Juli bis 22. August Jahreshauptferien.

September. Das pädag. Werk v. Wiedemann: "Lehrer der
Kleinen" (3fl 20 ) wurde für die Lehrerbibliothek ange-
schafft.

September. Die Schülerbibliothek erhält als Zuwachs:
Zöhrers "österr. Robinson" vom Ortsschulrathe.

4. October. Das allerhöchste Namensfest Sr. Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers u. Herrn wird
in würdiger Weise durch eine interne
Schulfeier gefeiert.

1. 2. 3. October. Lehrer Franz Felzmann betheiligte
sich an der General-Versammlung des o. ö.
Landeslehrervereines.

30. October. Der Ortsschulrath wird laut Erlaß des
k. k. Bezirksschulrathes v. 26. October 1888, Z. 570 Sch.
wiederholt aufgefordert einen Schul- u. Versuchs-
garten zu beschaffen u. bis Neujahr hierrüber
zu berichten.

19. October inspicierte Herr k. k. Bezirksschulinspec-
tor Karl Hödl, Bürgerschuldirektor in Braunau a/I.
die Schule.

21. October. An diesem Tage wurden die beiden
Fortbildungskurse pro 1888/89 wieder eröffnet.
Die Zahl der Frequentanten beträgt im Fort-
bildungskurse für Jünglinge u. Männer 12,
im Kurse für Mädchen 3.
Unterrichtet wird alle Sonntag von ¾ 10
Uhr Vormittags, resp. v. 12 - 2 Uhr Nachmittags.
Den Kurs leitet Lehrer Franz Felzmann,
respect. Unterlehrerin Filippine Andres.

10. November. In unsere Schule kommen 25
aus der Acher Schule wegen Raummangel
ausgewiesene, der Schulgemeinde Hochburg an-
gehörige Schüler. Die 2. Cl. zählt jetzt 84, die

1. Classe 82 Schüler.

November. Der Ortsschulrath schafft für die beiden
Classen 6 neue Handtücher an. Dieselben wurden
von Schülerinnen in den Handarbeitsstunden ein-
gesäumt u. mit dem Namen "Schule Hochburg"
gemerkt.

Im Monate September tritt der neue Ortsschulrath
auf die Dauer von 3 Jahren zusammen.
Derselbe besteht aus folgenden Mitgliedern:
Obmann: Josef Endemann, Pfarrer.
Stellvertreter: Anton Thanner, Bauer in
Inspector: Georg Koch, Bauer in Lindach.
Bürgermeister: Josef Wagner, Wirt in Mitterndorf.
Miglied: Johann Spitzwieser, Bauer in Mitterndorf.
dtto. : Michel Hager, Bauer in Kälbermoos.
Lehrer: Franz Felzmann.

19. November. Das Namensfest unserer geliebten
Landesmutter, der durchlauchtigsten Kaiserin
Elisabeth wurde in würdiger Weise durch
eine interne Schulfeier begangen.

3. December. An diesem Tage ist Ferialtag,
anläßlich des vierzigjährigen Regierungs-
Jubiläums Sr. Majestät unseres Kaisers.
An sämmtliche Schüler wurden vertheilt
150 Festschriften und 100 Druckbilder Ihrer
Majestäten.

Der Sommer des Jahres 1888 war äußerst rauh und
regnerisch, nur selten konnte deswegen der Turn-
unterricht im Turngarten gehalten werden.
Wegen Mangels an einem richtigen Schul-Versuchs-
garten konnten die Kinder nur sehr spärlich

zur Gartenarbeit herangegzogen werden.
Die Schule erhielt im Februar 16 Bändchen Jugend-
schriften von Ottilie Wildermuth vom Ortsschulrathe
angeschafft, welche der Schülerbibliothek mit den
Nummern 112 bis 127 einverleibt wurden.

1889.

30. Jänner. Unser allverehrter Kronprinz plötzlich
gestorben.

5. II. Anläßlich des Leichenbegängnisses Sr. k. u. k.
Hoheit unseres durchlauchtigsten Kronprinzen
wurde dieser Tag vom k. k. Bezirksschulrathe
als Ferialtag bestimmt.

11. II. An diesem Tage, ½ 8 Uhr früh, wurde in
der Pfarrkirche zu Hochburg der Trauergottes-
dienst für den Kronprinzen Rudolf gehalten.
Nach dieser Trauerfeierlichkeit, der alle Kinder
der Schule Hochburg beiwohnten, fand der gewöhnliche
Unterricht statt.

7. II. Conferenz des Lehrer-Zweigvereins Weilhart
in Franking. Lehrer Felzmann nimmt an
dieser Conferenz theil. Starkes Schneegestöber.

8. u. 9. II. Viel Schnee, wenig Schüler in den Klassen.

9. II. nachmittags starb Herr Georg Lechner, Krämer
in Hochburg, Obmann des vorigen Ortsschulra-
thes, ein Freund der Kinder u. der Schule.

12. II. fand das Leichenbegängenis des Herrn Georg
Lechner statt. Die Lehrpersonen u. Schüler
begleiteten den Leichenzug bis zum Friedhofe,
von wo sie sich in die Schule zurückbegaben,
wo der obligate Unterricht seinen Fortgang
nahm.

18. II. Lehrer Felzmann erhielt für den im Jahre 1887/88
ertheilten landwirtsch. Fortbidlungskurs eine
Remuneration von 12 fl angewiesen.

18. II. Fräulein Anna Kofler, bis 28. Februar 1888 Unterlehrerin
in Hochburg, erhielt für den 1887/88 ertheilten Fort-
bildungskurs für Mädchen 10 Gulden angewiesen.

19. III. An diesem Tage feierte Sr. Hochwürden Herr Pfar-
rer von Hochburg Josef Endemann sein 25 jähriges
Priesterjubiläum. - Am Vorabende überreichten
2 Schüler u. 2 Schülerinnen der Schule Hochburg
2 prächtig ausgestattete Glückwunschbogen. Je
1 Schüler u. 1 Schülerin brachten dem Jubilar
ein auf den Ehrentag bezughabendes Fest-
gedicht dar. Die 2 Lehrpersonen der Schule,
von denen die 4 Kinder zum Herrn Pfarrer ge-
führt wurden, beglückwünschten den hochwürdigen
Herrn.

7.III. wurde der Schulleitung angezeigt, daß mehrere
Kinder der Schule Ach am Scharlach erkrankt
seien. Die nöthigen Vorkehrungen wurden
getroffen. Von den Acher Schülern erkrankten
nach u. nach noch 10 bis 12, 1 starb an dieser
Krankheit. Von den Schülern der Hochburger
Schule erkrankten bloß 2 am Scharlach.

4. IV. besuchte Herr k. k. Bezirkshauptmann Graf
Etzdorf, auf einer Amtsreise nach Wildshut
begriffen, die hiesige Schule.

11. IV. Gerichtsbezirks-Lehrerkonferenz in Franking.

1. V. befanden sich an hiesiger Schule 211 Schüler.
37 Kinder des Schulsprengels Hochburg besuchten
andere Schulen: 29 in Ach, 5 in Burghausen, 3 in Überackern

1. V. Mit diesem Tage beginnt der Unterricht um ½ 8 Uhr früh.
(Ortsschulraths-Beschluß v. 6. IV. 1889) diese Sommerordnung
wird bis 1. October beibehalten, solange nämlich die Schüler
zum Besuche der Schulmesse verpflichtet sind.

14. V. Dieser Tag, als der 20. Jahrestag der Sanctionierung
des österr. Volksschulgesetzes, verlief ohne Feier. Vor 10
Jahren hatten alle Schulen an diesem Tage frei und
wurden deren Leiter von den k. k. Bezirksschulräthen
angeeifert eine Schulfeier zu veranstalten.

7. VI. Inspection der Schule durch den Herrn k. k.
Bezirksschulinspector Karl Hödl, Bürgerschuldirector
in Braunau a/I.

13. VII. Conferenz des Zweig-Lehrervereines Weilhart
in Franking.

12. VII. beginnen die 6 wöchentlichen Sommerferien
u. währen bis 22. August.

19. IX. Conferenz des Zweig-Lehrervereines Weilhart in Franking.

2. X. Bezirks-Lehrerconferenz in Uttendorf.

4. X. Die interne Schulfeier, anläßlich des allerh.
Namensfestes Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I.,
ging in üblicher Weise vor sich.

8. XI. Inspection der Schule durch den Herrn k. k. Bezirks.
schulinspector Karl Hödl, Bürgerschuldirector in Braunau a / I.

19. XI. Interne Schulfeier, anläßlich des allerh. Na-
mensfestes Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth.

2. - 11. XII. entfiel der Unterricht an der 2. Classe,

da Lehrer Felzmann krankheitshalber vom wl. k. k.
Bezirksschulrathe Urlaub in der Dauer von 10 Tagen
erhalten hatte. /: Erlaß v. 5. Dezemb. 1889, Z. 994.:/

7. XII. Die Particularien über die Reise zur Conferenz
nach Uttendorf zurückerhalten u. war darin
die Entfernung von Hochburg nach Uttendorf
auf 31 Kilometer richtiggestellt, betrug
also die Reiseentschädigung für 1 Lehrperson 4 fl 3 Kr.

Influenzaepidemie: Schon vor den Weihnachtsferien
machte sich das Auftreten dieser Seuche in ein-
zelnen Fällen bemerkbar; nach den Ferien mehr-
ten sich diese Fälle nach u. nach, so daß am
9. 10. u. 11. Jänner 1890 durchschnittlich in der
1. Classe 28, in der II. Classe 37 Schüler ausblieben.
16. - 19. I. 1890 entfiel der Unterricht in beiden Classen,
da beide Lehrpersonen an der Influenza erkrankt
waren. Derweil wurden beide Classen,
der Gang, überhaupt das ganze Haus gehörig
gereinigt und desinficiert.
Vom 20. Jänner an nahmen die Erkrankungsfälle
bedeutend ab und anfangs Februar schien die
Epidemie erloschen zu sein.

Ende Jänner erhielt Lehrer Franz Felzmann
und Unterlehrerin Filippine Andres vom
h. o. ö. Landesausschusse je 12 fl. für im Winter
1888/89 ertheilten Fortbildungskurs angewiesen.
/:Erlaß v. 21. Jänner 1890, Z. 16.622/ ex 1889, o. ö. Landesausschuß:/

14. II. Seit diesem Tage herrscht in beiden Classen
unter den Kindern fürchterliches Husten,
das etwa 8 Tage in fast gleicher Heftigkeit
fortdauert, so daß ein erfolgreicher Unter-
richt geradezu undenkbar ist.

Anfangs Februar erhält die II. Classe über Auftrag
des k. k. Bezirksschulrathes 2 neue Bänke, die
in gesundheitlicher Beziehung ziemlich entsprechen, und
ein neues Katheder mit entsprechender Erhöhung.

Am 20. März wurde über Antrag des Lehrers Felzmann
an allen alten Bänken beider Classen derjenige Theil
des Tisches, welcher 2 bis 4 cm über die Rückenlehne
hinausstand, weggehobelt u. so das Sitzen einiger-
maßen erleichtert. Die Mehrzahl der Bänke sind
70, 100 Jahre und noch darüber alt.

 

 

27. III. Bezirks-Lehrerconferenz für den Gerichts-Bezirk Wildshut in Franking.

18. III. Nach dem Nachmittags-Unterrichte überreichen einige
Schüler u. Schülerinnen dem hochw. Hrn. Pfarrer
Jos. Endemann, anläßlich seines auf. d. 19. III. fallenden
Namensfestes 2 schöne Gratulationsbogen mit den
Unterschriften sämmtlicher Schüler u. Schülerinnen
der Schule Hochburg.

Anfang April wird der Zaun des rechts von der Hausthüre
gelegenen Gartentheiles neu hergestellt.

Seit Mitte April herrscht im Schulsprengel Gilgenberg eine
bösartige Scharlach-Epidemie, die mehrere Opfer unter
den dortigen Schulkindern fordert u. die erst anfangs Juni
erlischt. Die Bittagsprozession nach Gilgenberg wird
deshalb von den hiesigen Schulkindern über Antrag
des Lehrers Felzmann u. diesbezüglichen Beschluß
des Ortsschulrathes nicht mitgemacht. Desgleichen bethei-
ligen sich unsere Kinder auch nicht an der Prozession
nach Überackern, da dort auch einzelne Fälle von
Scharlach auftreten.

Unsere Schulgemeinde bleibt glücklicher Weise
von einem epidemisch auftretenden Scharlach befreit.
Nur 1 Schülerin des 7. Schuljahres /:Harner Marie:/, welche
anläßlich der Hochzeit ihrer Mutter mit Leuten von Gilgenberg
verkehrte, erkrankte stark am Scharlach. /: 12. Mai; Anzeiger: Hrr.
Ludw. Wendling, Gemeindearzt in Ach :/

29. IV. Schluss des Schuljahres 1899/90.

1. V. Beginn des Schuljahres 1890/91.
Früh 7 Uhr wurden die Schüler zur 1. obligaten Schul-
messe geführt; darauf ist Unterricht wie gewöhn-
lich. Die Vertheilung der Schüler in die Klassen u.
einzelnen Abtheilungen war schon am letzten
Schultage des Vorjahres /: 29. IV. :/ bestimmt worden.
Nachmittag 12 Uhr kommen in Begleitung der Eltern
oder anderer erwachsener Personen die neuein-
tretenden Schüler.

       Schülerzahl am 1. Mai 1890

 

Die Zahl der Schüler welche die Schule Hochburg besuchen be-
trägt also am 1. Mai in der 1. Classe 80, in der 2. Classe
129, zusammen 209 Schüler.

18. V. An diesem Tage begieng der freiwillige Feuerwehr-
Verein Hochburg das Fest seiner Fahnenweihe. Über
Einladung dieser Körperschaft betheiligen sich sämmtliche
Schüler u. Schülerinnen am Festzuge. Die Lehrpersonen
führten die Schülerschaft. Das Schulhaus war mit Krän-
zen, Wappen u. Fahnen festlich geschmückt.

Der k. k. Bezirkshauptmann, Herr Graf Ezdorf, beehrte das Fest mit
seiner Anwesenheit.

3. Juli. Bezirks-Lehrerconferenz in Uttendorf.

6. Juli. Sr. Hochwürden der Herr. Dechant v. Ostermiething hält
hier die Religionsprüfung ab.

9. Juli. Sämmtliche Schüler u. Schülerinnen des 6. Schuljahres
wurden vom Herrn Gemeindearzt Ludwig Wendling- Ach
geimpft.

10. Juli. Die meisten Schüler u. Schülerinnen des 7. Schuljahres
wurden geimpft.

11. Juli bis 21. August. Schulferien /: 6 Wochen :/

31. Juli. Die Vermählungsfeier Ihrer k. Hoheit der Erzherzo-
gin Marie Valerie mit dem Erzherzoge Fz. Salvator
konnte nicht durch eine interne Schulfeier begangen
werden, da Ferien u. beide Lehrpersonen abwe-
send sind.

Im Juli wurden die 2 Zimmer der Lehrerwohnung ausgemalen.
Den diesbezüglichen Antrag stellte Lehrer Fz. Felzmann in der Orts-
schulrathsitzung.

       Das Auftreten der Nonne im Weilhartsforste.

Im Juni u. Juli dieses Jahres verheerten die Raupen des
Fichtenspinners /: Liparis monacha :/ auch Nonne, Fichtenbär,
Rothbauch genannt, große Theile der bairischen Forste.
Im Weilhartforste wurde von einem Raupenfraße
nichts bemerkt, Doch nach der Zeit der Puppenruhe dieses
Falters, also im August wimmelte es in einzelnen
Theilen unseres Forstes von Nonnenfaltern und wur-
den von der hiesigen gräfl. Reichenbach-Lessonitz'
schen Forstverwaltung die umfassendsten Vorkehrun-
gen zur Vernichtung dieses Forstschädlings getroffen u.
auch auf jene Theile des Weilhart ausgedehnt, die sich
in bäuerlichem Besitze befinden. Es wurden bei 38 000 Fal--
ter von Erwachsenen und Schulkindern /: da eben Ferien waren:/

eingesammelt und vernichtet.
Der Herr k. k. Bezirksschulinspector Karl Hödl von Braunau
sandte durch die Schulleitung Gilgenberg an die Schulleitung
Hochburg am                        eine Sammlung von Nonnen-
faltern, damit an der Hand dieses Anschauungsmittels den
Schulkindern das Wichtigste von der Naturgeschichte die-
ses Schädlings mitgetheilt werden könne.
Am 7. September erhielt die Schulleitung vom wohllöbl. k. k.
Bezirksschulrathe die Broschüre: "Die Nonne", naturge-
schichtliche Beschreibung der Nonne, nebst kurzer Darlegung
der Lebensweise u. des forstlichen Verhaltens derselben,
dann Bezeichnung der Maßnahmen zur Vertilgung des
Insectes in den verschiedenen Entwicklungs-Zuständen
/: als Falter, Ei, Raupe u. Puppe :/ Dieses Büchlein ist auf
Veranlassung der betheiligten Staatsministerien für wald-
besitzende Gemeinden etz. u. Privatwaldbesitzer zusam-
mengestellt von bayerischen Forstbeamten.
/: München 1890. M. Rieger'sche Universitäts-Buchhandlung,
Gustav Himmer, k. k. Hoflieferant. Theatinerstraße 15 :/
Das Wichtigste von dem Inhalte dieses gemeinverständlich
geschriebenen Büchleins wurde nun den Schülern in den
Stunden für Naturgeschichte mitgetheilt und dafür gesorgt,
daß auch die Eltern der Kinder und andere Erwachsene da-
von erfahren.
Das Sammeln der Nonneneier während der Wintermonate
unterbleibt, da nach der Meinung der hies. Forstverwaltung
trotz großer Auslagen kein nennenswertes Resultat zu
gewärtigen wäre.
Den Weilhartforst durchstöbern besonder während
des Winters zahlreiche Flüge verschiedener Maisen,
Goldhähnchen etz. Arbeiten diese Nutzvögel recht
fleißig und hilft ein streger Winter, ein nasses
Frühjahr etz. mit, dann kann für diesmal, wenn
auch mit dem Sammeln der Raupen flott weiter gemacht
wird, ein beträchtlicher Raupenfraß wohl nicht eintreten.

1. bis 5. September herrscht fürchterliches Regenwetter. Schulbesuch sehr schlecht.
In Ach richten die Regengüsse an der Straße und an einigen
Häusern bedeutenden Schaden an.

2. October. Die Schüler der Schule Ach machten anläßlich des aller-
höchsten Namensfestes Sr. Majestät des Kaisers /: 4. October :/ mit ihrem
Lehrer Karl Schopper und dem Ortsschulraths-Obmann Eitzin-
ger einen Ausflug nach Hochburg. In den Tanzlokalitäten
des Gastwirthes G. Fischereder wurde eine Jause einge-
nommen, worauf die Schüler einige vierstimmige
Chöre in gelungenster Weise vortrugen. - Lehrer
Franz Felzmann von Hochburg hielt eine patriotische An-
sprache an die Kinder und die anwesenden Gäste und
schloß mit einem 3fachen "Hoch" auf S. Majestät u. dessen
erlauchtes Haus. Einige Turnspiele, die Lehrer Schopper
mit seinen Kindern veranstaltete, schlossen das schöne
und gemüthliche Schulfest. Mehrere Kinder der Schule
Hochburg, die Lehrpersonen von Hochburg und mehrere
Gäste aus der Gemeinde Hochburg hatten die Feier
mitgemacht. Vom Ortsschulrathe Hochburg, dessen sämmt-
liche Mitglieder
vom Schulleiter Felzmann theils mündlich,
theils schriftlich eingeladen wurden, erschien bloß
Ortsschulinspector Herr Georg Koch von Lindach.
                     !!!

4. October. Die Interne Schulfeier anläßlich des aller-
höchsten Namensfestes Sr. Majestät unseres Kaisers:

Um ¾7 Uhr früh versammelten sich die Schüler in ihren
Klassen und wurden um 7 Uhr zur gewöhnlichen Messe
geführt. Nach derselben begaben sich sämmtliche Kinder
in das Lehrzimmer der II. Classe zur Begehung der
internen Kaiserfeier. Das Lehrzimmer war mit frischen
Kränzen u. Blumen reich geschmückt, ebenso die Bilder
Ihrer Majestäten. Auch Wappen u. Fahnen fehlten nicht.
Eröffnet wurde die Feier durch ein kurzes Gebet.
Darauf hielt Lehrer Franz Felzmann eine patriotische Anspra-
che, welche mit einem dreifachen "Hoch" auf unseren erhab-

nen Landesvater und Dessen erlauchte Familie schloß u.
in welches Alle begeistert einstimmten.
Darauf sangen die Kinder die österreich. Volkshymne.
Nun sprach ein Schüler das patriot. Gedicht von I. Proschko
"Des Kaisers Thräne" u. eine Schülerin das Gedicht von
Leo Weber "Dem Vaterlande". Lehrer Felzmann trug
sodann das schöne patriot. Gedicht von Leo Weber "Ohne
Schranken" vor. Endlich sangen die Kinder noch
das frische Lied "Hoch vom Erzgebirg."
Mit einem kurzen Gebete schloß die Feier.
Außer der Schülerschaft und den beiden Lehrpersonen
waren vom eingeladenen Ortsschulrathe anwesend:
der Obmann desselben, Herr Pfarrer Jos. Endemann,
Hr. Ortsschulinspector Georg Koch von Lindach und Mit-
glied Michel Hager, Bauer in Kälbermoos.

4. October. Nachmittags 3 Uhr inspicierte sämmtliche
Räume des Schulhauses Herr k. k. Bezirksarzt Dr. I. Grill
von Braunau in Begleitung des Herrn Gemeindearztes
Dr. L. Wendling von Ach. Diese Herrn fanden die Bänke
sehr schlecht, vermißten eine Ventilation in den Lehr-
zimmern u. versprach Herr Dr. Grill, beim wohllöbl.
k. k. Bezirksschulrathe anzuregen, daß derselbe auf Be-
schaffung einer solchen dringt.

23. October. Conferenz des Zweig-Lehrervereines "Weilhalrt"
in Franking. Lehrer Fz. Felzmann nimmt daran
theil. - An diesem Tage herrscht einige Stunden
Schneefall u. Wind. Nachmittag ist jedoch schönes Wetter,
heiterer Himmel, Sonnenschein.
/: Schon am 21. Ocotober fiel der 1. Schnee u. bedeckte den
Boden ½ dm hoch.:/

6. November. Gerichtsbezirk-Lehrerkonferenz ind Franking

8. November. Die Schulgartenangelegenheit wurde endlich nach 16 Jahre wäh-
renden Unterhandlungen dahin erldedigt, daß zur Anlegung eines
Schulgartens ein an den Pfarrhofgarten anstoßendes ca 200 m²
großes Grundstück angekauft wurde. Nächstes Frühjahr wird
ein Zaun hergestellt und der Grund hergerichtet.

19. November. Anläßlich des Namensfestes Ihrer Majestät un-
serer allergnädigsten Kaiserin Elisabeth wurde in beiden
Classen eine interne Schulfeier abgehalten, nachdem
vorher sämmtliche Kinder der Schule in Begleitung ihrer Leher
dem Gottesdienste beigewohnt hatten.

                        Der Winter 1890 – 1891
war außerordentlich streng u. andauernd. Der Schubesuch litt
sehr, theils infolge großer Schneemassen, theils wegen starker
Kälte. In den Monaten December u. Jänner fehlten fast immer
10 bis 20 %, öfters 30 bis 40 % und manchmal 50 bis 70 % der
Schüler. - Infolgedessen war es unmöglich, das vorgeschriebene Lehr-
ziel nur annähernd zu erreichen.

            Einsicht genommen 25. 4. 1891 Hödl

 

 


Laut Decret des wohllöblichen k.k. Bezirksschulrathes Braunau a/I vom 8. Mai 1891
wurde Lehrer Franz Felzmann als Lehrer an die Schule
zu Moosdorf versetzt und an seinen Posten kam der
bisherige Lehrer von Moosdorf Adolf Mayer. Die
beiden Lehrkräfte sind mit 16. Mai ihrer bisherigen
Dienstverwendung enthoben u. haben sofort ihre
neuen Posten anzutrteten.

Über ausdrücklichen Wunsch des k. k. Herrn Bezirks-
Schulinspectors macht Lehrer Franz Felzmann an dieser

Stelle noch folgende Bemerkung: Lehrer Adolf Mayer
möge im Herbste u. Frühjahr die in den Garten-
theilen beim Schulhause in reicher Zahl sich vorfinden-
den Obstwildlinge u. Sämlinge bis auf den
letzten aufs sorgfältigste in den beim Pfarr-
hofe gelegenen neuen Schulgarten verpflanzen.

Dienstantritt des Lehrers Adolf Mayer.

Der Lehrer Adolf Mayer hat am 19. Mai 1891 den hie-
sigen Schuldienst angetreten und das Inventar sowie
die übrigen Amtsschriften in größter Ordnung
vom Herrn Lehrer Franz Felzmann übernommen.
Derselbe wirkte vom 14. Juli 1877 bis 21. Juni 1891
als Unterlehrer an der zweiklassigen Volks-
schule in Gurten und vom 22. Juni 1881 bis 16.
Mai 1881 als Lehrer an der einklassigen
Volksschule in Moosdorf.

----------------

Schulbeschreibungsakt 1891/1892.

Zufolge des diesjährigen vom Herrn Lehrer Franz
Felzmann durchgeführten und vom wohllöblichen
k. k. Bezirksschulrathe geprüften Schulbeschreibungs-
actes  stellt sich zu Beginn des Schuljahres 1891/1892
die Zahl der schulbesuchenden Kinder nach Klassen, Grup-
pen und Abtheilungen folgendermaßen dar:

       1. Klasse       Obergruppe.             1. Abtheilung.            32
                                                                       2. Abtheilung.            34
                                   Untergruppe.                                    _____25_

                                                                                  Summe          91
            2. Klasse       Gruppe mit All-          1. Abtheilung.            22
                                   tagsunterricht.           2. Abtheilung.            52
                                   Verkürzter Unterricht                        _____55_
                                                                                  Summe.     129

                        1. Klasse                     91
                        2. Klasse                   129
                        _____________________
                                   Hauptsumme 220

Schulgarten.

Der Lehrer hat am 22. Mai 1891 134 Obstbaum-
wildlinge in den neuen Schulgarten ge-
pflanzt.

Impfung der Schüler des 6.
Schuljahrganges.

Am 2. Juni 1891 wurden 39 Schüler des 6. Schul-
jahrganges (20 Knaben und 19 Mädchen) von
Herrn Ludwig Wendling, praktischen Arzt
in Ach geimpft. Am 9. Juni 1891 nahm dersel-
be Nachimpfung und Controle vor.

Religionsprüfung.

Am Donnerstag den 11. Juni 1891 hielt der
Hochwürdige Herr Dechant von Ostermiething die
Religionsprüfung ab.

Ferien.

Die diesjährigen 6 wöchentlichen Ferien waren vom
13. Juli bis 23. August.

Neuanstrich des Schulhausdaches.

Während der diesjährigen Ferien wurde das hiesige
Schulhausdach von Herrn Rupert Huber, Tischler
in Hochburg № 15, neu angestrichen.

Zuwachs an Lehrmitteln.

Beim Wiederbeginn des Unterrichtes wurde vom
Ortsschulrathe folgendes Lehrmittel angeschafft:
Buchstaben zum Gebrauche des 1. Leseunterrichtes
Ausgabe        B 155 Buchstaben, Zeichen und Zif-
fern, Preis auf Deckel und cartoniert 1.60 fl

Wechsel im Lehrpersonale.

Die Unterlehrerin Fräulein Philippine Andres in Hoch-
burg wurde über eigenes Ansuchen zur Unterlehrerin
in Tarsdorf und der provisorische Unterlehrer Ernst
Kiener in Tarsdorf zum provisorischen Unterlehrer in
Hochburg ernannt. Beide Lehrkräfte haben ihre dies-
bezüglichen Posten am 10. August 1891 angetreten.

Zuwachs an Lehrmitteln.

Von Seite des hiesigen Ortsschulrathes wurde für
die Schule Hochburg eine Nonnensammlung, dar-
stellend die Nonnen in den verschiedenen Ent-
wicklungsstadien als Ei, Raupe, Puppe und
Schmetterling und hergestellt in natura von
Herrn Josef Baier, Lehrer in St. Georgen am
Fillmannsbach, angeschafft.

Einsammeln von Nonnenfaltern.

Am 26. und 27. August 1891 wurden von
sämmtlichen Schulkindern unter Anführung
der beiden Lehrer und eines Gemeindeaus-
schußes gegen 200 Nonnenfalter aus den
Bauernwaldungen gefangen.

Klassenlehrerwechsel.

Mit Wiederbeginn des Unterrichtes (24. August 1891)
hat der Lehrer Adolf Mayer den Unterricht in der 1.
Klasse und der Unterlehrer Ernst Kiener den Unter-
richt in der 2. Klasse und in der Gruppe mit ver-
kürztem Unterricht übernommen.

Zuwachs and Lehrmitteln.

Über Antrag des Herrn Unterlehrers Ernst
Kiener wurde vom hiesigen Ortsschulrath
in der Sitzung vom 5. Oktober 1891 die
Anschaffung einer neuen Schulwandkarte
von Oberösterreich von Kozenn beschlossen

Aus Wikipedia: Blasius Kozenn (slowenisch: Blaž Kocen; * 24. Jänner 1821 in Hotunje, Untersteiermark; † 29. Mai 1871 in Hernals bei Wien) war ein bahnbrechender altösterreichischer Kartograph slowenischer Muttersprache.

Mit dem Namen Kozenn verbanden Generationen von ehemaligen Schülern in der österreichisch-ungarischen Monarchie, der Ersten und auch noch der Zweiten Republik die Erinnerung an ihren Geographie-Schulatlas. Der Kozenn-Atlas erschien, nach Kozenns Tod von den führenden Schulgeografen Österreichs bearbeitet, in mehr als 100 Ausgaben in zwei Dutzend Sprachen in Millionenauflage.

Schulgarten.

Anfang Oktober 1891 wurden vom Lehrer auf
eine Fläche von ungefähr 16 m² eine größere
Anzahl von Kirschen-, Äpfel-, Birn- und Pflaum-
menkerne gesetzt; ebenso wurden sämmtli-
che beim alten Schulgarten sich befindenden
Obstbaumwildlinge in den beim Pfarrhof ge-
legenen neuen Schulgarten versetzt.

Zeitweilige Einführung des Halbtags-
Unterrichtes an der ganzen Schule.

Nachdem der Herr Unterlehrer Ernst Kiener
vom wohllöblichen k. k. Bezirksschulrath der
Volksschule Geretsberg zur Aushilfe zugetheilt
wurde, so sind vom 4. November 1891 sämmtli-
che Kinder vom Lehrer Adolf Mayer halbtägig
zu unterrichten.

Neuwahl des Ortsschulrathes für die
Funktionsperiode 1891 - 1894.

Die vom Herrn Gemeindevorsteher vorschriftsmäßig
vorgenommene Neuwahl des Ortsschulrathes ergab
folgendes Resultat: Als Obmann wurde gewählt
Herr Anton Glöcklhofer, Bauer in Hochburg № 7,
als Obmannstellvertreter Hochwürden Herr Josef Ende-
mann, Pfarrer, als Mitglied Herr Johann Thanner, Bauer
in Reisach № 8. Weiters sind Mitglieder des Orts-
schulrathes vermöge ihrer Stellung die Herren:
Josef Wagner, als Gemeindevorsteher.
Georg Koch, als Orstschulinspector.
Adolf Mayer, als Lehrer.
Als gewähltes Mitglied kommt noch nachzutragen: Herr Johann Ofenmacher,
Zimmermeister in Reit № 10.

Inspection der Schule.

Am26. November 1891 wurde die Schule
Hochburg durch den Herrn k. k. Bezirksschulin-
spector Karl Hödl inspiziert.

Erweiterung der einklassigen
Volksschule Ach zu einer zweiklas-
sigen und Verminderung der
Schülerzahl in Hochburg.

Am 1. Dezember 1891 wurde die 2. Klasse
in Ach eröffnet und es haben von diesem
Tage an 14 nach Ach eingeschulte Schüler, welche
vom 7. Jänner 1891 bis 30. November 1891 die
Schule Hochburg besuchten, die Schule in Ach zu
besuchen, so daß sich die Schülerzahl in Hochburg
um 14 vermindert.

1892.
Wiedereinführung des Ganz-
tagsunterichtes in der 2. Klasse
und Ertheilung des Gesangsunterrichtes
an der ganzen Schule durch den
Herrn Unterlehrer Ernst Kiener..

Nachdem der Herr Unterlehrer Ernst Kiener
vom wohllöblichen k. k. Bezirksschulrathe
mit Ende Dezember 1891 seiner aushilfsweisen Ver-
wendung in Geretsberg wieder enthoben wurde,
so findet seit 2. Jänner 1892 wieder Ganztags-
unterricht in der 2. Klasse statt, auch ertheilt der-
selbe den Gesangsunterricht in beiden Klassen.

Definitive Besetzung der
erledigten Unterlehrerstelle in
         Hochburg.

(1. Februar 1892)
Der hohe o. ö. Landesausschuß hat den pro-
visorischen Unterlehrer Herrn Ernst Kiener zum
Unterlehrer in Hochburg ernannt.

Wiedereinführung des Unterrichtes
in den weiblichen Handarbei-
ten.   (1. März 1892)

Nachdem der wohllöbliche k. k. Bezirksschul-
rath mit Genehmigung des hohen k.k. Landes-
schulrathes die Tischlermeistersgattin Frau Maria
Huber zur provisorischen Handarbeitslehrerin
ernannt hat, so findet seit 1. März 1892
der Unterricht in den weiblichen Handarbei-
ten wieder statt. Derselbe wird in wöchent-
lich 6 Stunden ertheilt, und zwar 2 Stund-
den für die Obergruppen der 1. Klasse,
3 Stunden für die 2. Klasse und 1 Stunde
für die Abtheilung mit verkürztem Un-
terricht.

Schuljahr 1892 / 1893.

Schulbeschreibungsact 1892/1893

Auf Grund der diesjährigen Schulbeschreibung
stellt sich zu Beginn des Schuljahres 1892 / 1893
die Zahl der schulbesuchenden Kinder nach
Klassen, Gruppen und Abtheilungen fogender-
maßen dar:

                                                           1. Abtheilung             20
                                   Obergruppe
            1. Klasse                               2. Abtheilung             32
                                   Untergruppe                                     33

                                   1. Abtheilung                                     24
            2. Klasse
                                   2. Abtheilung                                     27

3. Abtheilung mit verkürztem Unterricht                            55
                                                           ____________________
                                                           Summe:                     191

Einsicht genommen
  8. VI. 1892
  Hödl

Inspection der Schule.

Am 8. Juni 1892 wurde die Schule
Hochburg durch den Herrn k.k. Bezirks-
schulinspector Karl Hödl inspiziert.

Impfung der Schüler des
6. Schuljahrganges.

Am  15. Juni 1892 wurden 14 Schüler
des 6. Schuljahrganges von Herrn Ludwig
Wendling, praktischer Arzt in
Ach, geimpft. Bei dieser Gelegenheit sei auch
erwähnt, daß sämmtliche neueingetre-
tenen Schüler ihre Impfscheine beigebracht
haben.

Ferien.

Die diesjährigen Ferien waren vom
11. Juli bis 21. August.

Unglücksfall.

Am 11. Juli 1892 ertrank die Schülerin
des 2. Schuljahres Franziska Kain in
einer Grube nahe am Wohnhause ihrer Elt-
tern. An ihrem Leichenbegängnisse 13. Juli
1892 wohnten die Schüler der hiesigen Volks-
schule unter Führung der beiden Lehrer
bei. Friede ihrer Asche.

Renovierung des Schulhauses.

Während der diesjährigen Ferien wurde über Ver-
anlassung des Ortsschulrathes das Schulhaus
an den Außenseiten in lichtgelber Farbe
sehr geschmackvoll heruntergeputzt.

Ernennung.

S. Excellenz der Herr Minister für Kultus
und Unterricht hat den Herrn Director der
Volks- und Bürgerschule in Braunau Karl
Hödl zum k. k. Bezirksschulinspector
für den Schulbezirk Braunau am Inn
ernannt.

Inspection der Schule.

Am 3. Oktober 1892 wurde die Schule Hochburg
durch den Herrn k. k. Bezirksschulinspector Karl Hödl
inspiziert.

1893.

Vermählung des Lehrers Adolf Mayer.

Am 9. Jänner 1893 fand in der Pfarrkirche zu
Hochburg die Vermählung des Herrn Lehrers Adolf
Mayer mit Fräulein Franziska Süßenböck, Handar-
beitslehrerin in Geretsberg, statt.
Die aus diesem Anlaße im Jecht'lschen Gasthaus zu
Mitterndorf abgehaltene Hochzeitsfeier war unter
zahlreicher Betheilung der geladenen Hochzeitsgäste
aus nah und fern eine sehr würdige und überaus
fröhliche. Alles war in der denkbar heitersten
Stimmung. Dieser schöne Tag wird gewiß nicht
nur dem Brautpaar, sondern auch den erschienenen
Hochzeitsgästen stets in angenehmer Erinnerung
bleiben.

Hemmnis des Unterrichtes

Wegen der ungewöhnlich großen Kälte, des vielen
Schnee's, der schneidigen Winde und der dadurch
hervorgerufenen heftigen Schneeverwehungen
war in der zweiten Hälfte des Monats Jänner
1893 der Schulbesuch in beiden Klassen ein sehr
mangelhafter, weshalb im Unterricht nicht fort-
geschritten werden konnte und die vorgeschriebene
Unterrichtszeit zumeist zur Wiederholung ver-
wendet werden mußte.

Ausbesserung der sehr schad-
haft gewordenen Schulbänke
in der zweiten Klasse.

Über Veranlassung des Herrn Ortsschul-
rathsobmannes Anton Glöcklhofer wurden
während des Monats Jänner 1893 sechs
Schulbänke in der zweiten Klasse durch
den Herrn Tischlermeister Rupert Huber
ausgebessert.

Inspection der Schule.

Am 25. April 1893 wurde die Schule in
Hochburg durch den Herrn k. k. Bezirks-
schulinspector Karl Hödl inspiziert.

Schuljahr 1893/1894.
Schulbeschreibungsakt 1893/1894.

Auf Grund der diesjährigen Schulbeschreibung
stellt sich zu Beginn des Schuljahres 1893/1894
die Zahl der schulbesuchenden Kinder nach
Klassen, Gruppen und Abtheilungen folgen-
dermaßen dar:

                                                                       1. Abtehilung             33
                                   Obergruppe
1. Klasse                                                      2. Abtheilung             27

                                   Untergruppe                                                 23

                                   1. Abtheilung                                                30
2. Klasse
                                   2. Abtheilung                                                33

3. Abtheilung mit verkürztem Unterricht                                        52
                                                                                              ____________________________

                                                                       Summe:                  198

 

Impfung der Schüler des 5. und
6. Schuljahrganges.

Am 6. Juni 1893 wurden 29 Schüler des 5.
Schuljahrganges und 23 Schüler des 6. Schul-
jahrganges von Herrn Ludwig Wendling,
praktischen Arzt in Ach, geimpft. Bei dieser
Gelegenheit sei auch erwähnt, daß sämmt-
liche neueingetretene Schüler, 23 an der Zahl,
ihre Impfscheine ordnungsmäßig bei-
gebracht haben.

Ablegung der Lehrbefähigungs-
prüfung der provisorischen Hand-
arbeitslehrerin Frau Maria Huber.

Dieselbe hat am 12. und 13. Juni 1893 an der
k. k. Lehrerinnenbildungsanstalt die Prü-
fung für Handarbeitslehrerinnen mit guten
Erfolge abgelegt und wurde sodann ihre
Remuneration von 72 auf 84 fl erhöht.

Ferien.

Die diesjährigen Ferien waren vom
10. Juli bis 20. August 1893.

Reperatur der Öfen in
den beiden Lehrzim-
mern.

Über Ansuchen des Herrn Lehrers Adolf
Mayer hat der Herr Ortsschulraths-
obmann Anton Glöcklhofer die Öfen
in den beiden Lehrzimmern fast voll-
ständig neu herrichten lassen und zwar
während der Ferienzeit.

Wechsel im Lehrpersonale.

Der Unterlehrer Ernst Kiener
wurde über eigenes Ansuchen zum
Unterlehrer in Frankenburg er-
nannt und hat am 30. September
1893 die Schule Hochburg verlassen.

Neuanstrich von 4
Schulwandtafeln

Über Veranlassung des Herrn Orts-
schulrathsobmannes Anton Glöckl-
hofer wurden am 3. Oktober 1893
zwei Tafeln der 2. Klasse und
zwei Tafeln der 1. Klasse von Herrn
Widmann aus München mit einem
mattschwarzen Anstrich versehen und
beliefen sich die diesbezüglichen Kosten
auf 6,50 fl (1 fl für den Quadratmeter)

Zur definitiven Besetzung
der erledigten Unterlehrer-
stelle in Hochburg.

Am 23. September 1893 gelangte folgendes
Schriftstück vom wohllöblichen k. k. Be-
zirksschulrathe Braunau an den Ortsschulrath
Hochburg:
            ad Z 737 / Sch.
                                   An den Ortsschulrath
                                               in Hochburg.
Der k. k. Bezirksschulrath beschloß in der
Sitzung vom 20. d., den dermalen in Ranshofen
zugetheilten Unterlehrer Andreas Richter
der Volksschule in Polling aus Dienstesrücksichten
nach Hochburg zu versetzen.

Im Sinne des Paragraph 12 al 2 des Landes-
gesetzes vom 28. Jänner 1873 wird der Orts-
schulrath aufgefordert, über diese beab-
sichtigte Versetzung sich binnen 8 Tagen
zu äußern.
            K.k. Berzirksschulrath
            Braunau am Inn, den 21. September 1893.
                        Der Vorsitzende:
                                   Dr. Pitner
                                               m.p.
Über diese Angelegenheit hat sich der Orts-
schulrath in der am 3. Oktober 1893 abge-
haltenen Ortsschulrathssitzung weder
genehmingend noch ablehnend geäußert.

Zur provisorischen Besetzung
der erledigten Unterlehrerstelle
in Hochburg.

Der wohllöbliche k. k. Bezirksschulrath hat
den Herrn absolvierten Lehramtscandidaten Edu-
ard Radlegger zum provisorischen Unterlehrer
in Hochburg ernannt und denselben mit 1. Okto-
ber 1893 zum Dienstesantritte angewiesen; dersel-
be kam nicht, weil er inzwischen einen anderen
Posten erhielt.

Inspection der Schule.

Am 13. Oktober 1893 wurde die
Schule in Hochburg durch den Herrn k. k.
Bezirksschulinspector Karl Hödl in-
spiziert.

Zur provisorischen Besetzung
der Unterlehrerstelle in Hoch-
burg.

Herr Andreas Richter, bisher Unter-
lehrer in Polling, hat am 13. Oktober
1893 seinen neuen Dienst in Hochburg
angetreten.

Definitive Besetzung der
Handarbeitslehrerinstelle in
Hochburg (19. Oktober 1893)

Der hohe o. ö. Landesausschuß in
Linz hat die provisorische Handarbeits-
lehrerin Frau Marie Huber zur Handarbeits-
lehrerin in Hochburg ernannt.

Besuch der Schule durch den
Herrn Ortsschulinspector.

Am 27. November 1893 wohnte der
Herr Ortsschulinspector Georg Koch
dem Unterrichte in der zweiten Klasse
bei.

Definitive Besetzung der
Unterlehrerstelle in
Hochburg.
(17. November 1893)

Der hohe k. k. Landesschulrath in Linz
hat den Herrn Unterlehrer Andreas
Richter definitiv an die Volksschule
in Hochburg versetzt.

Vergrößerung der Schülerbiblio-
thek.

Im Monat November 1893 wurden vom
Ortsschulrath 36 Bändchen Jugendschriften
um den Betrag von 5 fl zur Vergrö-
ßerung der Schülerbibliothek angeschafft.
Dieselben wurden vom Lehrer gelesen und
unter № 137 - 172 in den Schülerbiblio-
thekskatalog vorschriftsgemäß einge-
tragen.

1894.
Zuwachs an Lehrmitteln.

In der am 2. März 1894 abgehaltenen Orts-
schulrathssitzung wurde über Antrag des
Lehrers eine neue Wandkarte der öster-
reichisch ungarischen Monarchie anzuschaffen
beschlossen. In Ausführung dieses Beschlußes
hat der Lehrer bei der Buchhandlung Pichlers
Witwe in Wien die von Baur bestellt,
und langte dieselbe am 9. März 1894 an.
Der Kostenpreis betrug 7.36 fl

Inspection der Schule.

Am 10. März 1894 wurde die
Schule in Hochburg durch den Herrn
k. k. Bezirksschulinspector Karl
Hödl inspiziert.

Inspection der Schule
in sanitärer Beziehung.

Am 28. April 1894 wurde die
Schule in Hochburg durch den Herrn k. k.
Bezirksarzt Dr. Hanns Grill in Braunau
besichtigt.

Schuljahr 1894/1895.
Schulbeschreibungsakt 1894/1895.

Auf Grund der diesjährigen Schulbeschreibung stellt
sich zu Beginn des Schuljahres 1894/1895 die
Zahl der schulbesuchenden Kinder nach Klassen
und Gruppen folgendermaßen dar.

                                          Obergruppe              54
                        I. Klasse
                                               Untergruppe              34
                       
                        II. Klasse                                           64

                        III. Abtheilung mit ver-
                                   kürztem Unterricht                51
                                               ___________________
                                               Summe:                     203

Inspection der Schule.

Am 14. Mai 1894 wurde die
Schule in Hochburg durch den Herrn
k. k. Bezirksschulinspector Karl
Hödl inspiziert.

Konferenz des Zweiglehrervereins
"Am Adenberg" in Hochburg.

Am 7. Juni 1894 fand in Hochburg eine
zahlreich besuchte Konferenz des Zweiglehrerver-
eins am Adenberg, zu welchem die beiden Lehrer
in Hochburg als Mitglieder gehören, mit nach-
stehender Tagesordnung statt:
1. Begrüßung durch den Vorstand, Herrn Karl
Köstler, Lehrer in Überackern.
2. Gedenkrede auf das Reichsvolksschulge-
setz-Jubiläum durch den Vorstand, Herrn
Karl Köstler, Lehrer in Überackern.
3. Vortrag des Herrn Anton Wötzl, Lehrer in
St. Georgen am Fillmannsbach über das
Leben und Wirken des Dialectdichters
"Josef Reischl" in Mauerkirchen.
4. Interne Angelegenheiten.

Impfung der Schüler des
11. Lebensjahres

Am 13. Juni 1894 wurden 23 im Jahre
1883 geborene Schüler von Herrn Ludwig
Wendling, praktischen Arzt in Ach,
geimpft. Bei dieser Gelegenheit sei auch
erwähnt, daß die meisten der neu ein-
getretenen Schüler ihre Impfscheine
beigebracht haben.

Ferien.

Die diesjährigen Ferien waren vom 9. Juli 1894
bis 19. August 1894.

Neuwahl des Ortsschulrathes für die
Funktionsperiode 1894 - 1897.

Die vom Herrn Gemeindevorsteher vorschriftsmäßig
vorgenommene Neuwahl des Ortsschulrathes ergab
folgendes Resultat: Als Obmann wurde gewählt
Herr Johann Ofenmacher Zimmermeister in Reit, als
Obmannstellvertreter Hochwürden Herr Josef Endemann,
Pfarrer, als Mitglieder die Herren, Josef Harner, Bauer
in Hochburg und Anton Thanner, Bauer in Reisach.
Weiters sind Mitglieder des Ortsschulrathes vermöge
ihrer Stellung die Herren:
            Andreas Steindl, als Gemeindevorsteher,
            Georg Koch, als Ortsschulinspector und
            Adolf Mayer, als Lehrer.
Als Ersatzmänner wurden gewählt die Herren:
            Anton Glöcklhofer, Bauer in Hochburg und
            Josef Kreil, Bauer in Hochburg.

Inspection der
Schule.

Am 27. September 1894 wurde die
Schule in Hochburg durch den Herrn k. k.
Bezirksschulinspector Karl Hödl in-
spiziert.

Diebstahl.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober
1894 wurden dem Lehrer fast sämmtliche
Weintrauben, die noch nicht einmal ganz
reif waren, gestohlen.

 

Inspection der Schule.

Am 9. November 1894 wurde die Schule
in Hochburg durch den Herrn k. k.
Berzirksschulinspector Karl Hödl
inspiziert.

Vergrößerung der Lehrer-
bibliothek.
(4. Dezember 1894)

Der Ortsschulrath hat das vom Herrn k. k. Bezirks-
schulinspector in der am 10. November 1894 in
Ach stattgefundenen Gerichtsbezirksconferenz
anempfohlene Werk "Brendel, Erzählungen
aus dem Leben der Thiere in zwei Bänden"
über Antrag des Lehrers in der am 4.
Dezember stattgefundenen monatlichen
Sitzung anzuschaffen beschlossen.

Eröffung einer
Suppenanstalt
(12. Dezember 1894)

Am 12. Dezember 1894 wurde bei Herrn
Adalbert Sützl, Krämer in nächster Nähe
des Schulhauses eine Suppenanstalt eröff-
net, wordurch 23 Schüler der 2. Klasse
täglich eine warme Suppe bekommen.

Eröffnung eines landwirt-
schaftlichen Fortbildungscurses.

(16. Dezember 1894)

Am 16. Dezember 1894 wurde vom Herrn
Unterlehrer Andreas Richter ein land-
wirtschaftlicher Fortbildungsunterricht mit
18. Theilnehmern eröffnet. Derselbe wird je-
den Sonntag in der Dauer von 2 Stunden
nach dem vormittägigen Gottesdienste also
ungefähr von 9 ¼ - 11 ¼ abgehalten.

1895.
Spenden der Schule.

Der löbliche o. ö. Volksbildungsverein hat über
Ansuchen des wohllöblichen k. k. Bezirksschulrathes
Braunau dem Fortbildungscurse in Hochburg 12
Lesebücher von Weber - Frisch am 19. Jänner 1895
gespendet. Für diese Spende hat der Lehrer im
Namen der Fortbildungsschüler den Dank
ausgesprochen.

Unterbrechung des
regelmäßigen Schulbesuches

Wegen des vielen Schnee's, der schneidigen
Winde und der dadurch hervorgerufenen hef-
tigen Schneeverwehungen erlitt der sonst
regelmäßige Schulbesuch an mehreren Tagen
des Monats Jänner 1895 in beiden Klassen
eine recht unliebsame Unterbrechung.
Auch im Monate Februar 1895 verursachte
die Ungunst der Witterung mangel-
haften Schulbesuch.

Zuwachs an Lehrmitteln.

Über Antrag des Lehrers wurde in der
am 4. März 1895 stattgefundenen mo-
natlichen Ortsschulrathssitzung vom Ortsschulrath
die Anschaffung der Lateindruckbuchstaben
beschlossen.

Anschaffung von 12
Kirchenliederbüchern.

(27. März 1895)

Der Ortsschulrath hat 12 Kirchenliederbücher,
welche vom wohllöblichen k. k. Bezirksschulrath
1895 Zahl 12 Amtsblatt  № 5 als vorzüglich
geeignet anempfohlen wurden, ange-
schafft.

Inspection der
Schule.

Am 1. April 1895 wurde die Schule
in Hochburg durch den Herrn k. k.
Bezirksschulinspector Karl Hödl
inspiziert.

Spenden für den
Schulgarten.

Am 22. April 1895 wurden von
der wohllöblichen k. k. Landwirtschafts-
gesellschaft in Linz durch Herrn Josef
Renezeder, Forstamts-Assistent und
Baumschulbesitzer in St. Martin, Innkreis,
über Ansuchen des Lehrers 150 Stück Obst-
baumwildlinge (50 Äpfel- 50 Birn- und 50 Zwetsch-
kenwildlinge) gespendet.

Schuljahr 1895/1896
Schulbeschreibungsakt 1895/1896.

Auf Grund der diesjährigen Schulbeschreibung stellt
sich zu Beginn des Schuljahres 1895/1896 die
Zahl der schulbesuchenden Kinder nach Klassen
und Gruppen folgendermaßen dar:
                                               Obergruppe              52

                   I. Klasse
                                               Untergruppe              38

                        II. Klasse                                           70

                        III. Abtheilung mit
                        verkürztem Unterricht                       57
                                               ___________________
                                               Summe:                     217

Inspection der Schule
durch den Herrn k. k.
Bezirkshauptmann Dr. Pitner.

Am 18. Mai ½ 5 Uhr abends hat der Herr k. k.
Bezirkshauptmann, von dem in Hörndl
abgehaltenen Amtstage kommend, die Schule
Hochburg inspiziert.

Impfung der Schüler des 11.
Lebensjahres.

Am 28. Mai 1895 wurden 26 im
Jahre 1884 geborene Schüler von Herrn
Ludwig Wendling, praktischen Arzt
in Ach, geimpft. Bei dieser Gelegenheit
sei auch erwähnt, daß die neueingetre-
tenen Schüler, 32 an der Zahl, ihre Impf-
scheine ordnungsmäßig beigebracht haben.

Ferien.

Die diesjährigen sechswöchentlichen Ferien
waren vom 15. Juli bis 25. August.

Konferenz des Zweiglehrerverei-
nes "Am Adenberg" in
Hochburg. (11. Juli 1895)


            Gegenstände:

1. Der Vorstand Herr Karl Köstler,
Lehrer und Schulleiter in Überackern,
begrüßt die Versammlung.
2. Herr Lehrer und Schulleiter Oscar
Gerzer in St. Radegund hält einen
umfangreichen Vortrag über die
Geschichte der Astronomie, der sich des
allgemeinen Beifalles erfreute.
3. Cassenbericht und Einzahlung der 2.
Rate.
4. Berathung über die Statutenänderun-
gen des Vereines Selbsthilfe und Antrag
an diese, betreffend die Gründung einer
Frauenabtheilung.
5. Internes in bunter Unterabtheilung,
betreffend Vorgänge in der Lehrerschaft
des Bezirkes Braunau am Inn und des
Landes Oberösterreich.

Ernennung
(25. Juli 1895)

Der Leiter des Ministeriums für Kultus und
Unterricht hat den Herrn Director der Volks- und
Bürgerschule in Braunau am Inn Karl Hödl zum
k. k. Bezirksschulinspector für den Schulbe-
zirk Braunau am Inn ernannt.

Dienstwechsel im Lehrerper-
sonale. (15. September 1895)

Zufolge Dekretes des wohllöblichen k. k.
Bezirksschulrathes Braunau vom 3. Sep-
tember 1895 Zahl 674 wurde Lehrer
Adolf Mayer an die Schule nach Ostermie-
thing versetzt und an seinen Posten
kam der zweite Lehrer an der dreiklassigen
Volksschule in Ostermiething. Die beiden
Lehrkräfte sind mit 15. September 1895
ihrer bisherigen Dienstverwendung ent-
hoben und haben sofort ihre neuen
Dienstposten anzutreten.

16. September. Der Lehrer Josef Pointner tritt
seinen neuen Dienstposten, auf welchen er
laut Decret vom 3. September Z 674, aus
Dienstrücksichten versetzt wurde, an.
Er führt  den Unterricht in der I. Classe
weiter.

 

1. October. Beginn des vorm. Unterrichtes
um 8 Uhr.

4. October: Schulfeier anlässlich
des Namensfestes Seiner Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers
Franz Josef I.


¾7 Uhr, Versammlung der Schulkinder
und Aufstellung derselben zum
Gottesdienste.
7 Uhr Heilige Messe.
½ 8 Uhr die Schulkinder, der Lehrkörper u.
Mitglieder des Ortschulrathes begaben
sich in das Lehrzimmer der 2. Classe,
welches mit Blumen, Kränzen, Wappen
und den Bildern Ihrer Majestäten
festlich geschmückt war.
            Feier.
a.) Der Kaiser ist ein lieber Mann-, vor-
getragen von Novy Frena, Schülerin der
I. Classe / 1. Schj.
b.) Kaiser Franz Josefs Lied, vorgetragen
von Altenbuchner Josef Schüler d. II. Cl.
c.) Patriotische Ansprache von Seite des
Lehrers Pointner, welche mit einem
3 fachen brausenden "Hoch" auf Seiner
Majestät unseren allergnädigsten Kaiser schloß.
d.) Kaiserlied, welches von allen anwesenden
gesungen wurde.

An der Feier nahmen außer den Schülern u. dem Lehrkörper
die theils mündlich theils schriftlich geladenene Mitglieder des Ortschul-
rathes theil: Andreas Steindl, Gemeindevorst.; Georg Koch,
Orstschulinspector u. Anton Thanner Bauer.

Auf dem Dache war die schwarzgelbe Flagge gesetzt!

26. October Herr Oberförster Novy spendet der
Schule 5 ausgestopfte Exemplare u. zw.
1 Edelfalke, 1 Wasserhendl, 1 Wasserhenne, 1 Star, 1 Eichhörnchen.


6. November. Herr Forstadjunct Rudolf Dwořak spendet
der Schule 6 ausgestopfte Exemplare u.zw.
1 Elster, 1 Eichelhäher, 1 Uferläufer, 1 Rötelfalke,
1 Mandelkrähe und 1 Wiedehopf.


19. November. Das allerhöchste Namensfest Ihrer
Majestät der Kaiserin Elisabeth.
1/2 8 Uhr Gottesdienst
8 Uhr Interne Schulfeier …


9. November. Herr k. k. Bezirksschulinspector
Karl Hödl inspicierte die Schule.


6. December. Furchtbarer Sturm, dauerte 4 Tage
fort, richtete großen Schaden an. Viele Kinder
bringen die Mittheilung, daß viele Dächer in der
Gemeinde zerrissen wurden. Auch das
Kirchendach wurde beschädigt. Im Weilhardt
wurden sehr viele Bäume theils abgebrochen
theils entwurzelt. Die ältesten Leute können
sich eines derartigen Sturmes nicht erinnern.

28. Jänner 1896. Herr k.k. Bezirksschulinspector
Karl Hödl inspicierte die Schule.


20. Februar. Es kamen die Bilder für den Anschauungs-
unterricht, Vier Jahreszeiten v. Schwerzsinger
aus der Lehrmittelanstalt Pichler's Witwe u.
Sohn, gespendet v. d. Gemeinde Hochburg-Ach,
an.


März. Am 7. begann ein heftiger Wind
dem am 8. eine ungeheuere Schnee-

masse etwa ¾ m tief folgte. 8. Sonntag
schneite es fort u. fort, bis 4 Uhr Nachmittag,
um welche Zeit sich der fallende Schnee in
Wasser verwandelte und ein ganz ge-
wöhnlicher Landregen hielt seinen Einzug
der durch Windstöße von Zeit zu Zeit unter-
brochen wurde. Der Regen hielt die ganze
Nacht vom 8. - 9. an, so daß der Morgen
des 9. März schon wieder die entkleideten
Wiesen u. Äcker begrüßen konnte.

9. März. Furchtbar viel Wasser - Ein elender
Schulbesuch. I. Classe, Obergr. von 50 Schülern
14 anwesend, Untergr. von 38 Schülern 11 anwesend.
II. Classe, von 69 Schülern 19 anwesend.
Das Regenwetter vermischt mit Wind
hielt den ganzen Tag an. In Lindach
fließt das Wasser über die Acherstraße.

12. März. Die Schule erhält von der Lehrmittel-
handlung Pichler's Wtw. u. Sohn in Wien durch den
Ortschulrath ein Hufeisenmagnet und
eine Magnetnadel auf Stativ. Inventar
Naturlehre № 25 u. 26.

18. März. Anläßlich des Namensfestes des
hochw. Herrn Pfarrers Josef Endemann
überbringen 2 Schüler der I. Classe
Novy Stefanie u. Sützl Friedrich, und 2 Schüler
der II. Classe Ofenmacher Hedwig u. Altenbuchner
Carl die Glückwünsche der Schülerschaft.

26. März. Gerichtsbezirkslehrerconferenz in
Ach.

29. März. Der landwirtschaftliche Fortbildungs-

curs, der am 24. November 1895 eröffnet
wurde, wird geschlossen. An dem Curse
betheiligten sich folgende Zöglinge:
Fischereder Georg, Spitzwieser Raimund, Stöfflmaier Johann,
Loidl Josef, Schmitzberger Frz. sen., Huber Josef,
Spitzwieser Georg, Spitzwieser Josef, Schmitzberger Hubert,
Schmitzberger Franz iunior, Eichberger Josef, Bernegger
Max, Jetzinger Johann, Stöfflmaier Josef, Lang Josef,
Steindl Josef, Bernegger Josef, Rimberger Johann,
Lenzbauer Michael, Kneißl Franz. Die Genannten
erschienen sehr fleißig und folgten den Aus-
führungen des Lehrers mit großer Aufmerk-
samkeit. Sämtliche Theilnehmer erhielten
Edelreiser aus Ritzlhof.

7. April. Lehrer Pointner besucht als Obmann
des Feuerwehr-Bezirks-Verbandes Wildshut,
den Verbandsobmänner-Tag in Wels.

16. April. Conferenz des Zweiglehrer-Vereins
Am Adenberg in Schwand.

1. Mai. Schüleraufnahme. Über Einladung
des Lehrers Pointner führen theils die Mütter
theils die Väter ihre schulpflichtigen Kinder
vor. Bei dieser Gelegenheit lernen sich Eltern
und Lehrer kennen und sind in der Lage
über Hauserziehung, Individualität
Naturell etc. des Kindes sprechen zu können.

2. Mai. 7 Uhr früh. 1. Schulmesse. Beginn des
Unterrichtes um ½ 8 Uhr laut Beschluß des
Ortsschulrathes vom 6. April 1889. Wenigstens
ist die Möglichkeit vorhanden eine 1 ½ stündige
Mittagspause zu erhalten. Die Schüler ver-
theilen sich in den Classen.

Schülerstand.

Classe           Abtheilung                 Knaben          Mädchen        Summe
________________________________________________________
                        Untergruppe                  11                   10                   21
I. Classe         Obergruppe I.                20                   20                   40
                                    II.                         15                   13                   28
________________________________________________________  

                                I.                         16                   14                   30
II. Classe                    II.                         19                   13                   32
                        mit verkürztem Unterricht           26                   26                   52
________________________________________________________

                                          Gesamtzahl: 203.

19. Mai. Eine erschütternde Kunde dringt herab zu
den Völkern Österreich-Ungarns: Aus
Habsburgs altem Eichenstamme hat der
Allbezwinger Tod wiederum ein noch vor
Kurzem in Vollkraft befindliches edles Reis
gebrochen - Seiner kaiserliche Hoheit
Erzherzog Karl Ludwig starb früh
an den Folgen einer Krankheit, deren
Keim er sich in Palästina geholt. -

Impfung der Schüler, die im 11. Lebensjahre
stehen und 3 der Anfänger durch
Herrn Gemeindearzt Wendling.

21. Mai. Das 2. Zimmer der Lehrerwohnung
wird von Herrn Maler Onich in Burg-
hausen recht hübsch ausgemalt. Beschluß
des Ortsschulrathes vom 5. Mai 1896.

26. Mai. Die Zöglinge des landwirtschaftlichen
Fortbildungscurses besuchen unter Führung
des Lehrers Pointner die Herrschaft
Wertheimer in Ranshofen. Um 6 Uhr früh
marschierten die Theilnehmer der Excursion
von Hochburg ab. Auf dem Sauwege bis

Rothenbuch von da auf der Bezirksstraße Ach -
Braunau gelangten sie um 10 Uhr in Ranshofen
an, wo sie auf die Ankunft der Zöglinge des landw.
Fortbildungscurses in Schwand warteten. Nach
Eintreffen dieser begann die Besichtigung
der Stallungen etc. der Herrschaft Wertheimer.
In der freundlichsten und zuvorkommensten
Weise fand der Empfang von Seite der beiden
Herren Philipp u. Julius Wertheimer statt.
Die Vorführung sämmtlicher Zuchtstuten mit
Fohlen, gemengt mit den vortrefflichen Erklärung-
gen des Herrn Verwalter Koller rief in den
Zöglingen reges Interesse wach. Ein Gang
durch die Rinderstallungen zeigte den
sprachlos gewordenen jungen Landwirten
wie Ordnung u. Reinlichkeit im Stalle
das Vieh gut und nutzbringend erhält.
Die Milchwirtschaft war ihnen ein spanisches
Dorf. Die Bereitung von Compost konnten
da die Leute in Wirklichkeit beobachten,
was auch einen großen Einfluß nahm.
Nach Erklärung der vorhandenen landwirtsch.
Maschinen hatte Herr Philipp Wertheimer
noch die große Güte und führte die ganze
Schar durch alle Räume der Brauerei
bei welcher Gelegenheit die Bierbereitung
erklärt wurde. Nach Beendigung der
Wanderung lud Herr Wertheimer die
Gesellschaft zu einem Mittagsmahle ein,
welcher Einladung auch Folge geleistet
wurde. Nach Tisch wurde die Klosterkirche.
der Park, das Glashaus etc. unter

Leitung des Herrn Verwalter besichtigt.
Die beiden Lehrer Hauch - Schwand und
Pointner - Hochburg sprachen ihren Dank den beiden
Herren Wertheimer aus und der Abmarsch wurde
signalisiert. Die Zöglinge waren um 9 Uhr
wieder in ihren Häusern.

2. Juni. Ausflug der Schulkinder nach
Gilgenberg.
Nach Schluß des Vorm. Unterrichtes, 11 Uhr, marschierten
74 Knaben und 71 Mädchen, nachdem vorher
das Lied, Ich hatt' einen Kameraden gesungen
wurde, von Hochburg weg. Als Weg wurde anfangs
die Gilgenbergerstraße /: Bierstraße:/ bis zur Wald-
bahn, von dieser mit Erlaubnis der Reichenbach-
Lessonitz'schen Forstverwaltung die Amalienstraße
bis zum Bauernwirtsweg benutzt. Von da an
begann eine Walddurchstreifung in nordöstl.
Richtung bis zum Austritt des letztgenannten
Weges aus dem Forste. Waldbau, Baumarten
Waldpflanzen etc. wurden besprochen. Der
wunderbaren Aussicht halber konnten Begriffe
aus der Heimatkunde anschaulich gemacht werden.
Nach Ankunft in Herrn Hirschlinger's
Gastgarten wurde ein Lied gesungen u. nachher
einige Spiele aufgeführt. Knaben und Mädchen
getrennt. Zur Stärkung bekamen die
Kinder, Brod, Würste und Bier. Nach der
Erquickung fand ein Wettlauf statt, an dem
sich nur Schüler der II. Classe betheiligen durften.
Preise erhielten die Schüler:
1. Preis Johann Reisinger /:Dorfen:/           1 Kr.
2. Preis Karl Altenbuchner /:Mitterndorf:/  90 h

3. Preis Franz Lang /:Mitterndorf:  /           80 h
4. Preis Josef Frank /:Sengstatt:/              70 h
5. Preis Franz Steiner /:Grund:/                  60 h
6. Preis Johann Forsthofer /:Hochburg:/   50 h
7. Preis Georg Steindl /:Thann:/                 40 h


Das Geld zu obigen Preisen spendeten theils die
anwesenden Schulfreunde aus Gilgenberg theils
die mit ausgeflogenen Hochburger.
Der Preisvertheilung folgte das Kaiserlied
und nach Absingung dieses ergötzte der
bekannte Menschen u. Kinderfreund
Hirschlinger die jubelnde Schar mit einem
Guckkasten, der der herrschenden Heiter-
keit die Krone aufsetzte. Zu schnell fliegen
die lustigen Stunden dahin. Es wurde aufge-
brochen. Ein Lied, ein strammes B'hüt Gott!
und dahin gings. Auf dem Heimwege
wurde gesungen u. gejauchzt.
Ohne jeden Unfall aber mit großem Hunger
und Durst kam jedes Kind in sein
Vaterhaus zurück, wo es sich mit Milch
und "Nudln" stärkte, und freudig
erregt von der großen Wanderung erzählte.

17. Juni. Herr Gemeindearzt Wendling
untersuchte in der 2. Woche des Monates
Juni alle Kinder der hiesigen Schule
und stellte eine Statistik über den
sanitären Zustand zusammen, welche
der Chronik beiligt.

13. Juli. Beginn der Ferien.

23. August: Ende der Ferien.
Während der Ferien wurden die

gröbsten Mängel am Schlugebäude durch
Ausbesserungen gehoben, so wurde die
Jauchegrube gemauert, der Antritt
vor dem Eingange verbessert, ein Holzboden
in die Küche der Lehrerwohnung gelegt usw.

2. September. Bezirkslehrerconferenz in Braunau
Entfernung 26,3 km ἁ 6 ½ kr. tour u. retour
52,6 k  ἁ 6 ½ kr: 3 fl 42 kr. Amtsbl. № 24, 1894

 

4. October: Der k. k. Bezirksschulinspector Herr Karl
Hödl inspicierte die Schule.
Anläßlich des allerhöchsten Namensfestes
Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers
Franz Josef I. wird eine Schulfeier mit
folgendem Programm abgehalten.

                   II. Classe

1. Gedicht. Kaiser Franz Josefs Hymne, vorgetragen
von Hedwig Ofenmacher.
2. Festrede, gehalten von Herrn Karl Hödl, k. k.
Bezirksschulinspector.
3. Volkshymne. (:Chor:)
4. Gebet.

                   I. Classe

1. Kaiserlied des Kindes, vorgetragen von
Elisabeth Schuster (2. Schuljahr)
2. Eine Erzählung aus dem Leben seiner Majestät
Classenlehrer Pointner.
3. Kaiserlied /:1. Strophe:/
4. Gebet.

Das Zimmer der II. Classe war festlich geschmückt.
Vom Dache wehten 2 Flaggen in Reichs-
und Landesfarben.

15. October. Zweiglehrerconferenz des Vereins "Am Adenberg"
im hiesigen Schulhause, II. Classe. Die Conferenz
ist sehr gut besucht.

7. November. 12 ¼ Uhr Mittags kommt die Meldung,
ein Luftballon schwebe über dem Schulhause.
Sofort werden die Schüler der II. Classe auf
den Turnplatz geführt, um sich dieses
sehr seltene Schauspiel ansehen zu können.
Der Ballon geht hier so tief, daß man
mit freiem Auge die Gondel und die diese
haltenden Stricke nebst dem Ankerseil
gut wahrnehmen kann. Die Leute sind
der Meinung, er lasse sich auf den
Boden nieder. Mit dem Feldstecher kann
man Personen in der Gondel bemerken.
Die Fahrt nimmt eine westliche Richtung
und geht sehr rasch von statten. Nach
einer ½ Stunde sieht man nur mehr einen
Punct. Ein Zeitungsbericht lautet:
Der Ballon von München, d. i. der in Rede
stehende, nahm folgende Richtung: Um 10 Uhr
Vormittags stieg er in München auf,
kam bei Ach nach Österr. flog über Mattighofen
Uttendorf, Neukirchen, Henhart, Schildorn
Zipf, Thomasroith, Wolfsegg, Schwanen-
stadt, Lambach, Steinhaus b. Wels, nach
Bad Hall u. Steyer und landete in der
Ortschaft Rohrbach bei Haag in Niederöst.

Der Ballon hatte 15 m im oberen Querdurch-
messer und 25 m in der Höhe. Sein
Gewicht betrug sammt Gondel 15 q, vom
Korbe hing ein Seil von 250 m nieder.
Um ½ 3 Uhr Nachm. landete er die Insassen
Nementher, Generalmajor der k. b.
Armee, Dr. Rudolf Emden und zwei
Polytechniker aus München. Die
höchsterreichte Höhe betrug 2150 m.

19. November. Schulfeier anläßlich des Namens-
festes unserer allergnädigsten Kaiserin
Elisabeth. Die interne Feier wird ähnlich
den anderen Kaiserfesten abgehalten.
An diesem Tage wird das Schulhaus Ach,
hiesige Gemeinde, vom dortigen hochwürd.
Herrn Pfarrer Hartl eingeweiht. Lehrer
Pointner betheiligt sich am Feste.

24. December. Herr Dr. Ludwig Wendling Ach spendet
der Schule ein prachtvolles Bild Seiner Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef. I.

 

1897.        

 

21. Jänner. Die Schule erhält, zufolge Bestellung des Orts-
schulrathes, von der Lehrmittelanstalt Pichlers
Wtw. u. Sohn folgende Anschauungsbilder:
Leutemann: Der Hase, der braune Bär, der Rabe,
der Adler, der Elefant, das Bild Maikäfer und
Schmetterling mit Verwandlung.
Lehmann: Die Ritterburg XIII. Jahrhundert

Hirt: Die Hauptformen der Erdoberfläche.
Sämmtliche wurden im Inventar ersichtlich
gemacht.

25. Jänner. Furchtbarer Sturm mit sehr starkem
Schneefalle. Es sind sehr wenig Schüer in
der Schule. Der Schneefall wird immer ärger
so, daß am 26. 27. u. 28. die Wege abgesperrt
sind.

3. Februar: Sturm mit Regen. Die ungeheure Schnee-
masse muß schmelzen. Viel Wasser verursacht
einen schlechten Schulbesuch. Mittag + 7ºR.

12. Februar: Inspection der Schule durch den
Herrn k.k. Bezirksschulinspector Karl
Hödl.

18. März. Abends 8 Uhr leuchten grelle Blitze
mit darauf folgenden schwachen Donner.
Das Gewitter kommt um 10 Uhr näher
und man kann den Donner stark
wahrnehmen. Periodische Stürme mit
Regen, Schnee u. Schlossen begleiten dieses
Gewitter bei nahezu ganz heiterem
Himmel und Mondschein. -
Anläßlich des Namensfestes des
hochwürdigen Herrn Dechants Josef
Endemann bringen 2 Schüler, Meindl Anna
und Johann Ehrschwendner, der I. Cl. und 2 Schüler
Ofenmacher Hedwig u. Spitzwieser Richard,
der II. Classe, geführt von den Classenlehrern
die Glückwünsche der Schüler zum
Ausdrucke.

19. April. Lehrer Pointner besucht als Obmann
des Feuerwehrbezirksverbandes Wildshut
den Bezirksobmännertag ins Wels.

21. April. Der am 22. November 1896 begonnene
landwirtschaftliche Fortbildungscurs wird
geschlossen.
Theilnehmer: Lang Josef, Loidl Josef, Hauser Georg,
Kammerstätter Georg, Spitzwieser Josef, Jetzinger Franz,
Fischereder Georg, Stöfflmaier Hans, Hofer Josef, Kammer-
stätter Franz, Bernegger Max, Rimberger Johann, Spitzwieser
Raimund, Huber Josef, Spitzwieser Goerg, Schmitzberger
Hubert, Stöfflmaier Josef, Stöfflmaier Johann, Schwanninger
Franz, Forsthofer Josef, Daxl Franz, Kain Georg, Huber
Georg, Ehrschwendner Franz.
Gegenstände: Landwirtschaftliche Rechnungen -
Lesen: Lesestücke aus dem Lehrbuche von Weber und
Gedichte in ob. öster. Mundart aus der Hoamat.
Aufsatz: Briefe und Geschäftsaufsätze.
Landwirtschaftslehre: Pferdezucht - Rinderzucht -
Baumzucht - Äcker und Wiesenbehandlung – Düngung
Vogelschutz.
Geschichte: Heimats u. Vaterlandskunde.
Der Curs wurde sehr eifrig besucht und vieles
vom Gehörten und Gesehenen angewendet.

28. April. Schuljahrsschluß. Früh, Dankmesse -
Nach Schluß des Unterrichtes Vertheilen der
Schulnachrichten. Der Leiter der Schule hält
in der II. Classe eine Ansprache in welcher
den Schülern die abgelaufene Schulzeit und den
Austretenden die Zukunft geschildert wird und
die mit einem 3fachen "Hoch" und Seiner Majestät

unseren allergnädigsten Kaiser Franz Josef I.
schloß. Absingung des Kaiserliedes.

1. Mai. Die Mütter der neueintretenden Schüler
führen diese in die Schule behufs Eintragung
der Namen, Geburtsdaten, ob geimpft oder
nicht etc. Dem Lehrer bietet dieses Vorführen
Gelegenheit die körperlichen und geistigen
Gebrechen der Kinder aus dem Munde der
Eltern geschildert zu hören. Auffallend ist
bei mehreren Schülern die Nervosität!

3. Mai. 7 Uhr Schulmesse. Beginn des Unterrichtes
um ½ 8 Uhr. Die Schüler des 4. Schuljahres
werden in die II. Classe geführt und dort
aufgemuntert dem Herrn Lehrer recht viel
Freuden zu bereiten.

       Schülerstand.

Classe           Abtheilung                 Knaben                      Mädchen                   Summe
___________________________________________________________________
                        Untergruppe                  11                               17                               28
            I.          Ober- I.                           15                               13                               28
                        gruppe II.                        16                               17                               33
___________________________________________________________________
                                   I.                          16                               12                               28
            II.                     II.                         22                               16                               38
                        mit verkürztem Unterricht         26                               21                               47
___________________________________________________________________
                                                                                              Gesamtsumme:          202.

12. Mai. Herr Gemeindearzt Dr. Ludwig Wendling
impft   27 Schüler der II. Classe, 5. u. 6. Schuljahr
und 2 Schulanfänger.

23. Mai. Lehrer Pointner leitet den II. Bezirks-
feuerwehrtag des Feuerw. Bezirks-Verbandes
Wildshut in St. Pantaleon.

8. Juni. Die Zöglinge des Landwirtschaftl. Fortbildungscurses
machen unter Führung des Lehrers Pointner einen
Ausflug nach Reitenhaslach in Baiern, um dort
die Musterwirtschaft des Herrn v. Baumgartner
zu besuchen, der im Nachstehenden kurz ge-
schildert werden soll.
Die in Hochburg Versammelten marschierten
um 7 Uhr früh ab, gingen durch die Ortschaften
Mitterndorf, Sengstatt, Thann, Reit, wo sich die Haupttruppe
anschloß, Kreil und verließ die Heimatgemeinde
bei dem Hause des Auracher um vom alten deutschen
Weilhardt in Empfang genommen zu werden.
So lieblich dieser schöne Wald sonst seine Gastfreund-
schaft dem Besucher bietet, so ungestüm benahm er
sich dieses Mal. Vom Empfange bis zum Abschied
regnete es in Strömen, so, daß die Wanderer
nach Besichtigung des "heiligen Bründls", eine
wirklich merkwürdige Stätte, durch und durch
naß zur Überfuhr in Werfenau kamen.
Nach der Überfuhr begab sich die Truppe nach
Reitenhaslach, wo eine Stärkung eingenommen
wurde. Nach Aufenthalt einer Stunde kam Herr
Verwalter Hannes, der die schon sehr neugierige
Schar freundlichst begrüßte.
Der Rundgang macht auf einer ungeheuer
großen Wiese den Anfang, wo den Zöglingen ein
amerikanischer Heuwender thätig vorgeführt
wurde. Auf der selben Wiese konnten sie eine practisch
eingerichtete Bewässerung, eine Düngung mittelst
Compost u. Phosphatmehl aus Thomasschlacken
sehen. Ein kleiner Theil dieser Wiese war mit
Stalldünger gedüngt, ohne Phosphatmehl, was

am Graswuchse deutlich erkennbar war und auch von
dem eifrigen Zuhörern schon von weitem beobachtet
wurde.
Von der Wiese gings in die wunderbare Rindvieh-
stallung, wo den zukünftigen Landwirten Race-
kennzeichen der Pinzgauer u. Simmenthaler
insbesonders letzterer anschaulich gemacht wurden.
Was wären dagegen die schönsten und besten
Anschauungsbilder? Im Stalle mußte allge-
meine Redefreiheit gewährt werden, denn hier
wurden die sonst still stehenden Unterkiefer
beweglich. Es wurden Vergleiche zwischen den
Rindern in Ranshofen und denen dieses Stalles
gemacht und die verschiedensten Vortheile, natürlich
kamen die zum Vorscheine. Ein Beweis, daß diese
Ausflüge nicht erfolglos gemacht werden.
Neben dem Stalle wurde die Rinderwage
in Augenschein genommen. Sehr wichtig
und von großem Vortheile für die Zöglinge
war die Vorführung einer arbeitenden
Milchcentrifug, welche die von der Kuh kommende
Milch sofort entrahmt. Der süße Rahm wird
zum Buttern und die noch süße Milch im Haushalte
verwendet. Herr v. Baumgartner, der nun
selbst erschien und die Güte hatte die Leitung
der Wanderung zu übernehmen, machte die
Besucher auf diese vortheilhafte Maschine auf-
merksam und rieth ihnen den Ankauf einer
solchen Centrifugalmaschine.
Nach einer Wanderung im prachtvoll ge-
bauten Kloster der Cistercienser vom Jahre
700 n. Chr. durften die Zöglinge unter

Führung des dortigen Herrn Lehrer Huber die
altehrwürdige Kirche besichtigen, die zu
ihren wertvollen Eigenthümern eine
Monstranz im Werte von 70 bis 80.000 Mark
zählt. Herr Lehrer Huber führte nun die
immer neugieriger werdenden in seinen
sachverständig bearbeiteten Rosen und Obst-
garten.
Um 1 Uhr Abmarsch von Reitenhaslach nach Berg-
heim, ein Gut des Herrn v. Baumgartner, nach-
dem noch vorher verschiedene Arten Pflüge
und Eggen vorgezeigt wurden.
Auf dem Gute Bergheim hatten die Zöglinge
Gelegenheit die Bearbeitung des Ackers
nach der neuesten aber auch vorteilhaftesten
Art und Weise kennen zu lernen, wie ein
schwerer und wie ein leichter Boden be-
handelt werden muß, um aus ihm Nutzen zie-
hen zu können. Bei dieser Belehrung, die Herr
v. Baumgartner in der vortrefflichsten Weise
vorzunehmen die Güte hatte, wurden die
einzelnen Erfolge und Mißerfolge auf den
Äckern vor Augen geführt.
Nach der Feldwanderung wurde eine
rationelle Schweinezucht vorgeführt, welche
großen Eindruck verursachte, da den Zöglingen
die peinlichste Reinlichkeit im Saustalle
auffiel. Wunderschönes Rindvieh meist
der Simmenthaler race angehörig stand in
dem reingehaltenen, mit großen Fenstern
versehenen Stalle.
Eine Sämaschine, einige neue Pflüge, Eggen

und eine Schneckenwalze wurden vorgeführt.
Nach einer eingehenden Belehrung über Ver-
sicherungen gegen Feuer, Hagel etc. seitens
Herrn v. Baumgartner verließ die freudig
überraschte Gesellschaft das herrlich eingerichtete
Gut Bergheim und marschierte von dem
Herrn Gutsbesitzer begleitet nach Heiligenkreuz,
wo eine von Herrn v. Baumgartner bezahlte
Jause eingenommen wurde.
Lehrer Pointner dankt Herrn v. Baumgartner
für die große Mühe und für die belehrenden
Worte die er während der Begehung an die
Zöglinge richtete.
Nach einem 1 ½ stündigen Aufenthalte gings
nach Burghausen, Ach wo man sich
trennte und den Heimweg antrat.
Möge das Gesehene und Gehörte auch
practische Anwendung finden!

23. Juni. Schülerausflug.
Nach der Mittagspause wurde vor dem
Schulhause Aufstellung genommen. Den
stattlichen Zug eröffnete ein Fähnrich mit
einer großen rotweißen Ausflugsfahne,
der von einem Hornisten, ein Schüler der
verk. Unterr. Abtheilung, begleitet war.
Diesen folgten die Preisträger, welche die
5 ersten Preise zum Wettspielplatz trugen.
Die Schüler konnten das Glockenzeichen
kaum erwarten, das um ½2 Uhr den
Abmarsch signalisierte. Unter Absingung
des Liedes "Nun hinaus, nun hinaus." setzte

sich der Zug, der aus 82 Knaben und ebenso viel
Mädchen bestand, in Bewegung. Nach dem
Liede brachte der Hornist einen flotten
Marsch zu Gehör, dem ein fröhliches Jauchzen
Hüte u. Tücherschwenken als Abschiedsgruß
folgte. Der Weg führte die Schar durch
die Ortschaft Unterweizberg in den
Weilhart, der sie väterlichst, reichlich Schatten
spendend, aufnahm. Dieser wohlthätige
Schattenspender wurde in unterrrichtlicher
sowohl als auch in erziehlicher Beziehung
gehörig ausgenützt. In der Ortschaft Grün-
hilling unweit des dem Zimmer Josef gehörigen
Hauses verließ die muntere Schar den Forst
nach Absingung des Liedes, Brüder reicht
die Hand zum Bunde, und schlug den Wiesen-
weg längs der Leithe ein um dann durch
den nach Endt führenden Hohlweg in diese
Ortschaft zu gelangen. Hier wurde kurze
Zeit dem heimatkundlichen Unterrichte ge-
widmet, da der niedersengenden Hitze
wegen die kleineren nicht länger
stehen konnten.
Beim Antritte der Ach - Braunauer Straße
in der Ortschaft Tuttendorf erhob sich
aus 162 Kehlen ein brausender Jubel, die
Fahnen wurden geschwenkt, der Hornist
richtete sich zum Blasen das Lied: Österreich
hoch! wurde gesungen und der Ein-
marsch in Herrn Buchberger's Gasthaus
lief von Stappeln.

Nach einer Ruhepause von ½ Stunde wurde
mit den Wettspielen begonnen.

I. Wurstschnappen.
Knaben der II. Classe, 4. u. 5. Schuljahr.
Nach diesem Spiele fand die allgemeine
Stärkung der Kinder statt. Sie erhielten
Brod, Würste u. Bier.

II. Schnellaufen.
Knaben der I. Classe, Obergruppe.
Es kamen bei jedem Spiele 10 Preise zur Vertheilung
die von Schulfreunden gespendet waren.
1. Spitzwieser Johann                     6. Nagl Johann
2. Trauner Jakob                              7. Graf Josef
3. Huber Rupert                                8. Altenbuchner Heinrich
4. Kammerstätter Johann               9. Bernegger Georg
5. Harwöck Sebastian                     10. Esterbauer Josef (Auracher)

II. Blindstechen.
Mädchen der I. Classe, Obergruppe.
            Preise:
1. Esterbauer Maria (Mitterndorf)  6. Schuster Elis
2. Damoser Christine                      7. Kammerstätter Marie
3. Stranzinger Anna                         8. Steiner Elis
4. Lindner Rosina                            9. Kelllerer Marie
5. Esterbauer Marie (Reisach)       10. Heinrich Elis

IV. Sacklaufen.
Mädchen der II. Classe, 4. u. 5. Schuljahr
1. Steiner Marie                               6. Daxl Anna
2. Damoser Rosa                            7. Altenbuchner Anna
3. Brandstätter Victoria                   8. Esterbauer Lidwina
4. Novy Stefanie                               9. Stöfflmaier Marie
5. Ehrschwendner Marie                 10. Wagner Elis.

       V. Eierlaufen.
Mädchen der II. Classe, 6. 7. u. 8. Schuljahr

       Preise:
1. Hasler Marie                                6. Dicker Marie
2. Damoser Franciska                    7. Dicker Anna
3. Wengler Theres                           8. Wanghofer Marie
4. Esterbauer Elis                            9. Garnweidner Rosina
5. Ofenmacher Hedwig                   10. Stöfflmaier Kathi

       VI. Radlbockfahren.
Knaben der II. Classe, 6. 7. u. 8. Schuljahr
            Preise:
1. Gaisberger Johann                     6. Brandstätter Michl
2. Stöfflmaier Sebastian                 7. Ritzinger Ludwig
3. Brandstätter Johann                    8. Stranzinger Josef
4. Spitzwieser Richard                    9. Dicker Ludwig
5. Trauner Raimund                         10. Straßhofer Georg

Jedes dieser Lust u. Fröhlichkeit erwecken-
de Spiele verlief ohne Unfall und mit der
größten Ordnung.
Nach Abschluß der Wettspiele wurde die Preis-
vertheilung vorgenommen nach welcher Lehrer
Pointner den Anwesenden für die Theilnahme
u. den Spendern von Preisen od. Geld dankte
und sie aufforderte hinaufzusehen auf
den Inhaber des österr. Kaiserthrones auf
den größten Wohlthäter für Schule und Haus.
Nach dem begeisterten Rufe Seine Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers u. Herr Franz Josef. I.
lebe hoch! hoch! hoch! ertönte die erste
und vierte Strophe des Kaiserliedes.
Nun folgte noch eine Stärkung der Kinder

die zum Theile von dem hochw. Herrn Dechant Endemann
zum Theile aus der Ausflugscasse bezahlt wurde.
Nachdem noch einige Lieder vorgetragen
worden waren mußte zum Aufbruche geblasen
werden.
Um 7.15 Uhr ertönte das Signal zum Abmarsch.
Ein herzlich Pfüat Gott! ein Lied – fröhliches
Jauchzen - Hüte u. Tücherschwenken ver-
wirklichte den Abschied.
Auf dem Heimwege verließen gruppenweise
die Schüler den Zug um auf dem kürzesten
Wege ihre lieben Vaterhäuser zu
erreichen und dort Vater, Mutter,
Geschwister u. Dienstboten von der
Lustbarkeit eines Ausfluges zu verständigen.
Gewiß wird dieser heitere Ausflug in
den Herzen der kleinen und großen
Theilnehmer in angenehmer Erinnerung
bleiben.
Auch den führenden Lehrpersonen erschloß
dieser Gang manches Kindesherz, das bis
zur Stunde im Verborgenen kochte.

7. u. 8. Juli. Herr Gemeindearzt Dr. Wendling
untersucht sämmtliche Kinder der
hiesigen Schule worüber eine Statistik für
die Schule angefertigt wird, welche der
Chronik beiliegt.

11. Juli. Herr Lehrer Richter verläßt Hochburg
um seinen neuen Dienstort Neustift
Bez. Steyer anzutreten.

12. Juli Beginn der Hauptferien.

18. August. Anläßlich des Geburtsfestes
Seiner Majestät unseres allergnädigsten
Kaisers Franz Josef I. findet eine
Schulfeier statt mit folgendem
Programm:
            7 Uhr Gottesdienst
            ½ 8 - ½ 9 Schulfeier.
            a.) Patriotische Ansprache.
            b.) Gebet.
            c.) Hoch auf Seine Majestät.
            d.) Kaiserlied.
Eine Theilnahme von Seite der Gemeinde
und des Ortsschulrathes ist nicht
zu verzeichnen.

9. September. Bezirkslehrerconferenz in
Braunau am Inn.

 

 

30. September. Der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Carl Hödl inspiciert die Schule.

14. October. Conferenz des Zweiglehrer-Vereines
"Am Adenberg" in Hochburg. 12 Mitglieder
anstehend.

21. October. Der hiesige Lehrkörper nimmt
am Leichenbegängnis des Oberlehrers Josef
Sprinz in Ostermiething theil. R.I.P. Du
strammer College u. treuer Freund!

2. November. Der neu zusammengestellte
Ortsschulrath wählt aus sich den Obmann u.

dessen Stellvertreter.
Anton Thanner, Bauer in Thann, Obmann.
Johann Ofenmacher, Zimmermeister, Obmannstellv.
Georg Koch, Bauer in Lindach, Ortsschulinspector.
Georg Kammerstätter, Bauer in Reisach, Mitglied.
            Hager, Bauer in Tuttendorf, Gemeindevorst.
Josef Endemann, Dechant.
Josef Pointner, Schulleiter.

11. November. Conferenz des Zwg. Vereines "Am Adenberg"
in Gilgenberg. Die Lehrer Danzer u. Pointner
nehmen theil.

14. November. Eröffnung des landwirtschftl.
Fortbildungscurses.

18. November. Der laut Decret des wohllöblichen
k.k. Bezirksschulrathes Braunau am Inn
vom 9. Juli 1897. Z. 406 Sch von Polling an die
hiesige Schule versetzte Unterlehrer Herr
Robert Danzer verläßt Hochburg um seinen
neuen Dienst als Rechnungspractikant in Linz anzutreten.
Ein Enthebungsdecret ist nicht eingelangt.

19. November. Namensfest Ihrer Majestät
unserer allergnädigsten Kaiserin Elisabeth.

       Schulfeier.
1.) Gebet. 2.) Ansprache des Lehrers, die Bedeutung
der Feier behandelnd, die mit einem 3fachen
Heil schließt. 3.) 1. u. 5. Strophe des Kaiserliedes

1. December. Dienstantritt der mit Decret
des (wohllöblichen) k. k. Bezirksschulrathes Braunau
am Inn vom 23. November 1897 Z. 930. Sch. angestell-
ten Unterlehrerin Emma Zinnögger.

                            1898.

7. u. 8. Jänner. Sehr warme Tage 3 Uhr nachm.
an beiden Tagen + 6ºR.

15. Jänner. Der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Carl Hödl Wohlgeboren inspeciert
beide Classen der hiesigen Schule.

16. Jänner. Der landwirtschaftliche Fort-
bildungscurs wird vom k. k. Bezirks-
schulinspector Herrn Carl Hödl, Wohlgeboren
inspiciert.

16. Jänner. Erlass des wohllöblichen k. k. Bezirks-
schulrathes Braunau am Inn vom 3. Jänner
1898 Z. 1070 Sch:

Mit dem Erlasse vom 14. December 1897 Z. 3657 hat
die hohe Landesschulbehörde den k. k. Bezirksschulrath
ermächtigt,  den Concurs zur definitiven
Besetzung der Unterlehrerstelle an der dor-
tigen Schule nur für männliche Lehr-
kräfte zu verlautbaren. Hiernach wird
künftig die Ausschreibung erfolgen.

28. März. Die Errichtung eines neuen Zaunes
um den Schulhausgarten wird angefangen.
Der linksseitige Zaun wird nur verbessert,
da die Säulen stehen bleiben u. nur die Latten
nur gehobelt werden.

4. April werden der Schule die Turngeräthe u. zw.
Barren und Reck und ferner ein
eisernes Abstreifgitter, welches der
Ortsschulinspector Koch anfertigte, über-
geben. Mit der Übergabe der so noth-

nothwendigen, genannten Turngeräthen
wurde dem Unterrichte im Turnen
neues Leben geschaffen. Erst jetzt ist
die Möglichkeit vorhanden, die Grundlage
für Heranbildung tüchtiger Menschen und
Mitglieder des Gemeinwesens voll-
kommen zu schaffen, denn in der
Erziehung zu leiblicher Tüchtigkeit und
moralischer Kraft sah unser
Turnvater Friedr. Ludwig Jahn den
Weg zur Rettung seines in Schmach
versunkenen Vaterlandes. Mögen
darum die Turngeräthe nicht als Parade-
stücke zur Schau gestellt werde, sondern es
wolle jeder hier wirkende Lehrer dieselben
fleißig benützen zum Heile unseres Volkes.

7. April. Herr Michael Bresenhuber, Gastwirt
in Mitterndorf spendet der Schule ein
prachtvolles Rehkopfskelet mit Geweih. (Spieß)

10. April. Links neben dem Schülereingange
wurde ein sehr zweckentsprechender
schattiger Turnplatz für Reck und Barren
angelegt.

11. April. Lehrer Pointner reist in der Eigenschaft
als Feuerwehr-Bezirks-Verbandobmann zum
Obmännertage nach Wels.

3. April. Schluß des Fortbildungscurses, an
welchem sich 18 Schüler sehr fleißig betheiligten.
Der Lehrstoff war derselbe wie im Vorjahre.

28. April. Die Schule wird wegen der im starken
Grade herrschenden Masernepidemie
14 Tage geschlossen. Es sind 126 Schüler erkrankt.

16. Mai. Wiedereröffung der Schule nachdem vom
wohllöblichen k. k. Bezirksschulrath kein
weiterer Auftrag weder an den Ortsschul-
rath noch an die Schulleitung herabgelangte.
An diesem Tage führen theils die Mütter
theils die Väter oder deren Stellvertreter
der Schulanfänger, diese dem Schulleiter
in dessen Kanzlei vor. Die Namen
werden eingetragen die Impfscheine ab-
verlangt oder bei Nichtvorhandensein
des Letzteren das Kind untersucht, was
in einem Falle Widerstand verursachte,
-weil, wie Schreiber dieses nachher sah, das
Kind ein sehr schmutziges, zerrissenes
Hemdlein am Leibe trug. Nach einigen
wichtigen Fragen an Vater, Mutter oder
Stellvertreter wurden die Kleinen mit
den großen Augen in das Lehrzimmer der
II. Classe geführt, wo zur Zeit Halbtags-
unterricht, wegen Krankheit der Unterlehrerin
Frl. Emma Zinnögger, ertheilt wurde.
Von einem feierlichen Schuljahresanfang
mußte wegen Zeitmangel abgesehen werden.

                        Schülerstand.

Classe           Abtheilung                 Knaben          Mädchen        Summe
________________________________________________________
                        Untergruppe                  10                   17                   27
            I.          Ober- I. A.                      13                   16                   29
                        gruppe II. A.                   12                   12                   24
________________________________________________________
                                   I.                          20                   19                   39
            II.                     II.                         18                   18                   36
                        mit verkürztem Unterricht         25                   22                   47
________________________________________________________

                                                                  Schülerstand Gesamt 202.

22. Mai. III. Bezirksfeuerwehrtag des Feuerwehr-Bezirks-
Verbandes Wildshut № 36, welcher vom Lehrer
Josef Pointner geleitet wird.

1. Juni. Die prov. Unterlehrerin Frl. Emma
Zinögger tritt nach einem 7wöchentlichen
Urlaub wegen Krankheit wieder den
Dienst an. Während des Urlaubes mußte
Halbtagsunterricht wegen Mangel an
Lehrpersonen ertheilt werden.
Mit dem Schuljahre 1898/99 wird das
Mädchenturnen eröffnet. An Samstag-
abenden kommen Schulknaben nach Hochburg
die von 6 bis ½ 8 Uhr unter Leitung des
Lehrers Pointner am Reck u. Barren
turnen. Die kleinen Turner arbeiten
sehr fleißig und führen die einfachen
Übungen recht stramm durch.

20. Juni. Schülerimpfung durch Herrn
Dr. Ludwig Wendling. 28 Schüler im 11. und
1 Schülerin im 7. Lebensjahre.

6. Juli. Bezirks-Lehrer-Conferenz in
Braunau am Inn 26.3 km à 6 ½ kr.

10. Juli bis 21. August Ernteferien
während welcher andauernd schönes
Wetter herrscht. Die Ernte ist eine
nach jeder Richtung ausgezeichnete.

15. August. Lehrer Pointner nimmt am
XXIX. Landesfeuerwehrtage in Vöcklabruck
theil.

22. August. Eröffung der frischgetünchten
Lehrzimmer. I. Classe: Lehrer Pointner

II. Classe. Unterlehrer Johann Friedl, der
mit Decret des wohllöblichen k. k. Bezirks-
schulrathes Braunau am Inn vom
20. Juli 1898 adZ. 640 Sch. an der hiesigen
Schule angestellt wurde.
Fräulein Emma Zinögger wurde laut
obigen Decretes mit 20. Juli  enthoben.

28. August. 25jähriges Gründungsfest der
Frw. Feuerwehr Hochburg. Das sonst so
stille Dörfchen lag in Flaggenschmuck, die
Häuser, ringsum mit Inschriften und
Kränzen geziert, machten auf die herbei-
eilenden Festgäste fremde Eindrücke, da
dieselben anläßlich dieses Festes ausgebessert
und frisch übertüncht wurden. Hochburg
war umgewandelt. Frühmorgens und
vormittags zogen fremde  Wehrmänner in
den Ort, wo sie von der Festmusikcapelle
Gaisberger empfangen wurden. Die
15 Jubilanten versammelten sich vor dem
Festgottesdienste auf dem Festplatze, wo sie
von 20 weißgekleideten Mädchen mit
der Ehrenguirlande umgeben wurden.
Die Aufstellung wurde auf dem Neuhauserfelde
neben der Acherstraße von Johann Spitzwieser,
Scherkhubersohn von Mitterndorf, vorgenommen.
Der Festgottesdienst wurde von Hochwürden Herrn
Josef Endemann, Dechant hier, gehalten,
während welchem Herr Dechant eine aus
Wehrmannsherzen kommende Ansprache
an die versammelten Wehren hielt. Nach dem
Gottesdienste Aufstellung auf dem Festplatze,

der im Wirtshofe neben der Straße bis zur
Scheune wunderbar verschönert wurde, wo dann
die Festgäste von dem Schüler Fritz Sützl, als Feuer-
wehrmann gekleidet, poetisch und vom
Lehrer Pointner prosaisch aber herzhaft
begrüßt wurden. Nachher trug die Schülerin
Hedwig Ofenmacher den Festprolog in sehr
guter Weise vor, nach welcher Oberförster
Novi namens der Gemeindevertretung
Worte der Anerkennung richtete. Nun
vertheilte der Bezirksverbandsobmann
im Auftrage des Centralausschusses die
Diplome für 25jähr. ununterbrochene Dienst-
zeit an die Jubilanten nach einer
kurzen in Worte gekleideten Aufmunterung.
um 1 Uhr Gesammtübung der Ortswehr,
- die von jedem Sachverständigen Lob erntete.
Der Commandant Ofenmacher wurde beglück-
wünscht.
3 Uhr Festzug duch den Ort, bei welchem es
Kränze und Blumen regnete. Nach dem-
selben wieder Aufstellung auf dem Fest-
platze - Festrede, gehalten vom Lehrer Point-
ner, der die Entwicklung der Wehr seit
1873 schilderte und zum Schlusse des aller-
höchsten Protector des Feuerwesens Seiner
Majestät des Kaisers Franz Josef I. gedachte
und ein 3faches brausendes hoch ausrief.
Das Kaiserlied I. Str. wird von sämmtlichen
Wehrmännern ob von jen od. diesseits der Salzach
gesungen. Vertheilung der Erinnerungsbänder
an alle anwesenden Vereine.

Viele Festgäste versuchten ihr Glück in der
sehr reich ausgestatteten Juxtombola, die
zur Erheiterung ungeheuer viel beitrug.
Dem Feste gaben die Ehre des Besuches die
Frau Fahnenmutter Kunigunde Wagner
und insbesonders Herr k.u.k. Hauptmann
Steindl, ein geborner Hochburger (Nöghammer)
aus Wien. Das Fest verlief nach echter
Wehrmanns Art. Gut Heil!

 

 

"Kaiserin Elisabeth ermordet!"
Der 10. September 1898 ist und bleibt für Österreich ein
Tag des Schreckens.
Unser tiefstes Mitgefühl wollen wir nicht entweihen
durch Worte des Fluches, die wir dem nichtswürdigen,
vaterlandsfremden Mordgesellen zuschleudern.
Innigstes Leid, größte Betrübnis erfüllt uns, dass
die schöne Welt auch solch ungemessene Niedertracht
hervorbringen kann.
Jeder Getreue musste sich unwillkürlich die
Frage stellen: War der Kelch der Leiden unseres
greisen Kaisers noch nicht voll? Musste unser
gütiger Herrscher auch noch erleben, dass ihm
durch Mörderhand die liebevolle Gefährtin, die
Trösterin in den schwersten Stunden, die ihm ein
grausames Geschick gebracht, entrissen wird?
Möge unserem heißgeliebten Landesvater in
schwerstem Leide auch Trost und Ermuthigung
werden in der Liebe und Treue seines Volkes!

16. September. Trauergottesdienst für weiland
Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth an
welchem sämmtliche Schüler der Volksschule
in Begleitung des Lehrkörpers, der Gemeinde-
ausschuß mit dem Vorsteher Anton Hager,
der Ortsschulrath mit dem Obmanne Anton
Thanner, die Frw. Feuerwehr und der
Militär-Veteranen Verein theilnahmen.
Bedauerlicher Weise muß bemerkt werden,
daß sich sehr wenige Bewohner der Gemeinde
in der Kirche sehen ließen, obwohl bei den
verschiedensten Gelegenheiten unsere "Leute"
sich auf die strammsten Patrioten hinaus-
spielen, natürlich mit dem Sprechwerkzeuge.
Vom Schulhause weht eine Trauerflagge.

4. October. Sämmtliche Schüler betheiligen sich
anläßlich des allerhöchsten Namensfestes
Seiner Majestät unseres allergnädigsten
Kaisers Franz Josef. I. am Gottesdienste.
Die übliche Schulfeier mußte zufolge
Erlasses des wohllöbl. k.k. Bezirksschulrathes
Braunau am Inn vom 30. Sept. 1898 Z. 886/Sch
präs. 2. October entfallen.

22. October. Pflanzung der Jubiläumslinde.
Diese Feier vollzieht sich in aller Stille, weil
der bereits erwähnte Erlaß des wohllöblichen
kk. Bezirksschulrathes eine dem Anlasse ent-
sprechende Festfeier nicht gestattet.
Um 1 Uhr nachmittag versammeln sich die
Mitglieder des Ortsschulrathes, Vertreter
des Gemeindeausschusses, der Frw. Feuer-
wehr und der Obmann des Veteranenvereines
vor dem Schulhause, wohin auch sämmtliche
Schüler der Schule Hochburg, geführt vom
Lehrkörper, kommen und sich im Halbkreise
um das bereits mehrere Tage früher gegra-
bene Wurzelgrab aufstellen. Schüler des
VIII. Schuljahres bringen die Linde und den Setz-
pflock, welch letzterer eingeschlagen und der
Baum zum Eingraben fertig gerichtet
wird. Die Schüler des I. Schj. werfen die Erde
in die Grube während die Schüler des verk. Unterr.
selbe feststampfen.
Nach Vollendung der Lindensetzung versammeln
sich sämmtliche Anwesende in dem zu diesem
Zwecke decorierten Lehrzimmer der II. Classe
wo folgendes Programm abgewickelt wurde:
1. Habsburgs Mauern v. Simrock, vorgetragen
            von Franz Stockinger, Schüler der II. Classe.
2. Die Donauwacht von H. v. Wörndle, vorge-
            tragen von Anna Altenbuchner, Schülerin d. II. Cl.
3. Mein Präsent zum Kaiserjubiläum von
            Caj. Löschenkohl (Mundart) vorg. v. Johann Ehrschwendner
                                                                       (Gratzl in U.Kriebach)

4. Festprolog, vorgetragen von Marie Ehr-
            schwendner, Schülerin d. II. Cl. (Gratzl)
5. Franz Josef = Hymne. (Lied) Text
            v. Wenhart u. Melodie v. Manzer, gesungen von
            Schülern der II. Classe unter Leitung des Herrn U.
            Lehrers Johann Friedl.
6. Der Herzenswunsch des Österreichers,
            vorgetragen von Fritz Sützl, Schüler der II. Cl.
7. Lob des Kaisers. Eine Ovation in
            Mundart, ausgeführt von 14 Schülern der
            I. Classe: Ehrschwendner Elis, Glöcklhofer Anton,
            Weilbuchner Crescenz, Brandstätter Marcus,
            Dicker Franciska, Kaufleitner Johann, Esterbauer Marie,
            Bresenhuber Josef, Novi Marie, Graf Josef,
            Steiner Elis, Stöfflmaier Theres, Huber Rupert und
            Esterbauer Heinrich.
8. Ein Festbild v. Preis vorgetragen von
            Stefanie Novy, Schülerin der II. Cl. welche mit den
            Worten schließt: Und fest und starr wie unsrer
            Berge Erz schmiegt Oesterreichs Volk sich an
            sein Kaiserherz!
9. Festrede, gehalten vom Lehrer Pointner,
            der die einfache aber gewiß vom Herzen
            ausgehende Feier mit einem von den Anwe-
            senden mit Begeisterung aufgenommen
            3fachen donnernden hoch und noch lange
            lebe unser allergnädigster Kaiser u. Herr,
            Franz Josef I. hoch! hoch! hoch! s
chließt.
10. Kaiserlied. 1.2.3. u. 4. Strophe.

23. October. Um 8 Uhr Vormittag versammeln sich
die Schüler in der Schule die Vereine auf

dem Dorfplatze wo zwei Flaggen auf Mast ge-
zogen sind.
½ 9 Uhr festlicher Kirchenzug, ohne Musik anläßlich
des Ablebens unserer Kaiserin, dann Fest-
gottesdienst, während welchem der hochw. Herr
Dechant Endemann eine ergreifende patriotische
Ansprache hält. Zum Schlusse: Tedeum.
Nach dem Festgottesdienste verlieren sich die
Festtheilnehmer im Herzen die Devise tragend,
            Gut und Blut für unsern Kaiser!
            Gut und Blut für's Vaterland!

 

 

10. November. Der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Karl Hödl inspiciert die hiesige
Schule.

19. November. Zufolge Erlasses des wohllöblichen
k.k. Bezirksschulrathes Braunau a. I. vom
2. November 1898, Z. 991 /Sch Amtsbl. № 44
ist der 19. Nov. als der Tag des Namensfestes weiland
Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth wie
bisher auch künftighin an sämmtlichen Schulen
und Lehranstalten schulfrei zu halten und an
diesem Tage eine kirchliche Feier zu veran-
stalten, was auch geschieht. Die Schulfeierlich-
keiten haben in Hinkunft zu entfallen.

30. November. Laut allerhöchster Entschließung
Seiner k. u. k. apostolischen Majestät erhielt
das goldene Verdienstkreuz mit der Krone
Herr Karl Hödl, Bürgerschuldirector und k. k.
Bezirksschulinspector in Braunau, zu
welcher Auszeichnung der hiesige Lehrkörper
ein Glückwunschschreiben einsandte.

2. December 1898. Fünfzigjähriges
Regierungsjubiläum Seiner
k. u. k. Apostolischen Majestät Kaiser
         Franz Josef I
.

Die Feier wird genau nach dem Erlasse
des wohllöblichen k. k. Bezirksschulrathes
vom 16. November 1898, Z. 1026, Amtsbl. 46
durchgeführt:
9 Uhr: Festgottesdienst.
10 Uhr: Schulfeier, bei welcher sämmtlichen
Schülern vom Schulleiter die Bedeutung
des Tages und der Regierung Seiner
Majestät des Kaisers Franz Josef I.
in einer des Anlasses würdigen, der
Fassungskraft und dem Gefühlsleben
der Schüler entsprechenden Weise darge-
legt wird.
Sämmtliche Lehrer und Schüler, dann noch
der Herr Ortsschulrathsobmann Anton
Thanner nehmen an der Feier theil.
Das Lehrzimmer der II. Classe ist aus diesem
Anlasse mit dem bekränzten Kaiserbilde,
Wappen, Fahnen, Blumenstöcken und
Kränzen decoriert und vom Dache wehen
die schwarzgelbe und roth-weiße
Fahnen. Nach der Schulfeier wanderten
die Schüler ihren Vaterhäusern zu mit
den sehr hübsch ausgeführten Kaiserbildern
von der Firma Bayer in Kolín.

Heil Franz Josef I.!

      1899.

Der Winter 1898/99 darf ein sehr milder
genannt werden, da während desselben fort und
fort die Schüler Frühlingsblumen bringen so
am 10. December Schlüsselblumen und Gänse-
blümchen. Der 16. December bringt den
ersten Schnee, welcher nicht lange die Felder
deckt.

19. u. 20. Jänner. Prachtvolles Wetter. Es dürften
sich der 19. u. 20. Mai verlaufen haben. Schüler
melden Stare - Wachtel und Lerchen.

13. Februar. Der Kuckuck meldet sich – Roth-
schwänzchen, Zeisige und Finken werden
gemeldet. Die Frühlingsblumen kommen
in Reih und Glied anmarschiert. Die
Temperatur sehr veränderlich. Gegen Ende
des Monat heftige Schneestürme.

11. März. Gerichtsbezirksconferenz in Ach unter
dem Vorsitze des Herrn k. k. Bezirksschulinspector
Karl Hödl.

12. März. Herr k. k. Berzirksschulinspector Karl
Hödl inspiciert den landwirtschaftlichen
Fortbildungscurs der hiesigen Schule.
Am gleichen Tage hält Lehrer Pointner
in Geretsberg eine Feuerwehr-Obmännerversamm-
lung ab, welche sehr gut besucht ist. Bei solchen
Versammlungen kann nicht allein auf dem
Gebiete des Wehrwesens, sondern auf anderem
ebenso "aufklärend" gewirkt werden.

3. April. Lehrer Pointner besucht den Feuerwehr-
Bezirks-Verbandsobmännertag in Wels.

6. April. Zweiglehrerconferenz in Zoglau bietet den
Besuchern des Lehrreichen genug, da sie 3 Stunden
Zeit in Anspruch nimmt. Aber nicht unbemerkt
darf bleiben, daß noch keine Conferenz des Vereines
"Am Adenberg" so schmählichen Schluß fand, wie diese.
Die Verhandlungen wurden von gewissen Berufs-
genossen an die "große" Glocke gehängt und in dem
Lehrerstande "sehr freundliche?" Kreise getragen.
Die sich nach der Conferenz im Gastzimmer gut
unterhaltende Gesellschaft wurde alsbald von
den aufgehetzten und leider auch anwesenden
Bauern aus Gilgenberg und Schwand in
der heftigsten Weise angerempelt, so, daß
sich die Lehrer entfernten um einem Scandal
die Spitze zu brechen. Dafür, daß sich die Lehrer
zurückzogen und den Schreier, der sie mit
dem Schimpfnamen "Treck" beehrte, nicht vor
das Gericht brachten um den Bitten seiner
Tischgenossen nachzugeben, wurden sie
in № 15 der "Neuen Warte a. Inn" vom 15. April
1899 in der gemeinsten Art und Weise vor
"aller Welt"? herabgekanzelt.---------

Si tacuisses, philosophus mansisses! 

 „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben“. Anm. G.L.

2. Mai. Die Mütter resp. Väter der
Anfänger führen diese vor und geben
die Impfzeugnisse ab. Keines von den
Anfängern ist nicht geimpft. Einige
besitzen Sprachfehler, schlechtes Gehör oder
verminderte Sehkraft. Mit sonstiger
Krankheit wäre nach Angabe der
Eltern keines behaftet.

24. April. Die Zöglinge des landw. Fortbildungscurses
machen unter Führung ihres Curslehrers Pointner
einen Ausflug nach Ranshofen um wieder
die bekannte Musterwirtschaft der Herren
Philipp und Julius Wertheimer in Augenschein
zu nehmen. Ihnen schlossen sich noch
10 Bauern der Gemeinde Hochburg an, welche
zeigten, daß Interesse für ihren Stand vor-
handen ist, während ein Großtheil blind, taub
und stumm  jeder Neuerung gegenüber
stehen bleibt.
Um 6 Uhr früh bewegte sich ein ansehnlicher
Zug dem Sauwege entlang über Rothen-
buch - Landstraße - nach Ranshofen, welches
um ½ 10 Uhr erreicht wurde.
Von Herrn Verwalter Koller freundlichst em-
pfangen, mußten wir sogleich unsere Tagesordnung
bekanntgeben, die wir jedoch in die Hand des
Herrn Führers legten.
Erklärungen über Pferdezucht – Erkrankungen
geringeren Grades - Fütterung – Haltung.
Eingehende Erklärungen im Rindviehstalle,
welche sehr oft heftige Debatten hervorriefen.
Ein Bauer machte die Bemerkung: "Aus dö
Barren mecht i glei össn so bitta schön
sans!" Die Aufzucht des Rindes erweckte
bei den Bauern ganz besonderes Interesse
und man konnte die Beobachtung machen,
daß unsere Fortbildungscurse viel
zu wenig "Practisches" an sich haben, denn
diese rege Aufmerksamkeit konnte in der

Schule nicht hervorgezaubert werden. Vom
Stalle ging es in die Scheune und von da auf die
Klosterfelder, wo den Neugierigen eine ganz
sonderbare Methode für das Erdäpfelsetzen
gezeigt wurde. Nachher erklärte Herr
Koller die Behandlung eines Compost-
haufens und empfahl selben jedem Land-
wirte. Wie es jedem Lehrer ergeht bei Anem-
pfehlungen landw. Verbesserungen so ergieng es
auch dem Herrn Verwalter, da die Bauern
stets mit ihrem albernen: "Dös paßt für insanö
Gründ' nöt!" erwidern.
Die musterhafte Ordnung der Feuerwehr - Geräthe -
Kammer gefiel sehr, dürfte aber nicht nach-
geahmt werden, da solche Ordnung eben auf
das Land "nicht paßt"!
Die Einrichtung der Brauerei erklärte Herr
Julius Wertheimer in der liebenswürdigsten
Weise und lud beim Ausgange des Brau-
hauses die Besucher ein, ihm nachzufolgen.
Wir kamen nicht wie wir meinten in den
Schweinestall, sondern in ein mit gedeckten
Tischen bereit stehendes Gastzimmer, wo ein
herrliches Mittagsmahl den Wanderern darge-
boten wurde.
Nach Tisch führte uns der Gärtner durch den
Garten in das Glashaus das mit Recht ange-
staunt wurde. Heiterkeit erregte ein
Ungläubiger der den Gärtner für einen
Lügner hielt als er ihnen den Citronenbaum
zeigte. " Freundal, Lemoni wachsn da nöt da!"
erwiderte Thomas.

Von hier weg übernahm die Führung Herr Förster,
der uns durch den herrlichen Park hinab zur
künftigen Fischzucht geleitete.
Die meiste Arbeit übernahmen für diesen Tag
die Augen, denn sie konnten nicht genug
Neues, Neues und wieder Neues aufnehmen.
Nachdem wir im Gasthause schon durch Erheben
von den Sitzen dem liebenswürdigen Herrn
Julius Wertheimer und Herrn Verwalter
Koller unseren Dank abstatteten
verabschiedeten wir uns unter Dankes-
worten vom Herrn Förster mit der
Bitte an die hochverehrliche Herrschaft ergebene
Empfehlung übermitteln zu wollen.
Auf dem Heimwege besuchten wir noch in
Blankenbach die Culturarbeit in der Au, be-
trachteten dort die Arbeit einer Moosegge
und stiegen dann die Leithe hinan um in
Rothenbuch Rast zu machen.
Vollgepfropft mit Beobachtungen, welche auf
dem Heimwege theilweise besprochen wurden,
hielten wir um ½ 7 Uhr abends in Hochburg
unseren Einzug.
Möge der Ausflug nicht ohne Erfolg sein!!

3. Mai:                        Schülerstand.

Classe           Abtheilung     Knaben          Mädchen        Summe
__________________________________________________
                        Untergruppe       9                     17                  26
            I.          Ober- 1.             12                    15                  27
                        gruppe 2.           10                    14                  24
__________________________________________________
                                   1.             16                    12                  28
            II.                     2.             22                    25                  47
                        Verk.Unterr.       26                    23                  49
__________________________________________________
                                                   95                   106                201

13. Mai. 2 Uhr Nachmittag hält Lehrer Pointner in der
II. Classe eine kurze Ansprache anläßlich
des 30jährigen Jubiläums der "Perle
Österreichs
" des Reichsvolksschulgesetzes
vom 14. Mai 1869 in welcher den Schülern
klar gemacht wurde wie sehr zu danken hat das
Volk Seiner Majestät für dieses Geschenk.
Dies wolle besonders morgen geschehen am
Tage der Bestätigung in Form des Gebetes:
"Gott erhalte - Gott beschütze unsern Kaiser!"
Hierauf wird das Lied "Lasset den Vater des
Landes uns preisen, der auf die Schule sein
Auge gesenkt" u.s.w. gesungen – Ein
3maliges Hoch! vernehmlich ausgerufen
und die 1. und 4. Strophe vom Kaiser-
liede gesungen.

"14. Mai 1899". In der Wohnung des Lehrers wird der
bedeutungsvollste Tag für unser Vater-
land in aller Stille von Herrn Lehrer
Köstler sammt Frau, Herrn Lehrer Hofmann        Anm: Die Grundsätze des Unterrichtswesens in der Volksschule
von Ach und Lehrer Pointner sammt Frau            werden im Gesetz vom 14.5.1869 (Reichsgesetz Nr. 62) erstmals
gefeiert. Köstler und Pointner                                festgelegt.
hielten kurze Anreden auf die Bedeutung
des Tages.----------------!

18. Mai. Im schönen Holzöster sammeln sich die
Lehrer des Gerichtsbez. Wildshut, einen neuen
Zweig des o. ö. Landeslehrervereins in
Blüte zu bringen. Stramm geloben 12
Männer im Herzen eins im Sinne
gleich zu sein und dem alten Weilhart
wieder auf die Füße zu helfen, damit er
vorwärts aber nicht rückwärts komme!

                   11. I. 1900
                        Hödl

11. Juni. Bezirksfeuerwehrtag in Hörndl der sehr
gut besucht und vom Lehrer Pointner
geleitet wird.

14. Juni. Schülerausflug.
Eine Stunde nach Schluß des vormitt. Unterrichtes
fliegen die Schüler unter Führung des
Lehrkörpers aus, um sich wieder einmal
so recht austollen zu können und ihren
Erziehern Gelegenheit zu bieten das
Naturell des Kindes studieren zu können.
Unter großem Jubel nach Absingung des
Mottos: "A lustigö Aicht" v. Stelzhammer, Hüte
Tücher und Fahnenschwenken setzte sich der
Zug in Bewegung. Durch das Dorf sangen
die Kinder das Lied: "Nun hinaus" dem
ein weithinschallendes Jauchzen aus
fröhlichen Innviertlerkehlen folgte.
Die Wanderung vollzog sich auf der
Bierstraße bis zum Wagnerstraßl auf
diesem bis zum Thomerlhäusl wo der
schattige alte Weilhart die Schar mit
seinö "feichtan Äst" empfing.
Im Weilhart bot sich Gelegenheit genug
Anschauungs und anderen Unterricht zu
ertheilen. Er durfte nicht verlassen werden
ohne nicht das stets belebende Lied gesungen
zu haben: "Im Wald und auf der Heide".
Um 1 Uhr erreichten die Ausflügler
ihr Ziel, den Spielplatz beim Gastwirte Buch-
berger in der Ortschaft Tuttendorf, der
mit dem Motto: "A lustigö Aicht" begrüßt wurde.

Während der Rast konnten die Kinder den Hunger
durch Brod und den Durst durch Wasser befriedigen.

                   Spielordnung.

1. Alles neu macht der Mai. Lied von Allen
            gesungen.
2. Froschhüpfen. Sieger: Reisinger Anton II. Schulj.
3. Alle Vögel sind schon da. Gesungen vom II. u. IV. Schj.
4. Marsch der Blinden. Siegerin: Ofenmacher Rosa II. Schj
5. Lindenbaum. Gesungen vom V. u. VI. Schulj.
6. Dreibeinlauf. Sieger: Kaufleitner J. u. Asen. J. II. Schj.
7. Schneeglöcklein. Vom 4. 5. u. 6. Schulj. Gesungen
8. Wetthüpfen. Siegerin: Ehrschwendner Elis III. Schulj.
9. Heidenröslein: Sehr gut vorgetragen v. 5. - 8. Schulj.
10. Seilziehen. Sieger: Huber Rupert IV. Schj.
11. Hoch Österreich hoch! 4. 5. u. 6. Schj. singen das Lied.
12. Die blinde Näherin. Das Spiel verursachte große
            Heiterkeit. Der Schülerin Esterbauer Theres IV. Schj.
            gelang es eine Wurst zu bekommen.
13. In der Heimat ist es schön. Gesungen v. 5. - 8. Schj.
14. Schnellaufen mit Hindernissen. Sieger: Kam-
            merstätter Johann V. Schj.
            Nach diesem Spiel öffneten sich die Wolken und
            ein heftiger Gewitterregen jagte Jung
            und Alt in die Gaststube, wo die Kinder
            mehrere Lieder, Abendglöcklein, Franz Josef
            Hymne, Turner Frühllingslied u. Feldmarschall
            Radetzky, zu Gehör brachten und dafür
            Beifall ernteten.
            Die Sonne erkämpfte sich wieder ihren
            Platz und die Spielordnung wurde fortgesetzt:
15. Ballwerfen. Nach 2maligen Händeklatschen
            fangen des Balles. Siegerin: Elise Schuster
            5. Schj. welche den Ball 9mal fieng.

16. Weitsprung. Sieger: Wengler Johann VI.Schj.
            welcher Schüler mit schönem Absprung
            die Weite von 3,35 m erreichte.
17. Topfschlagen. Siegerin: Steiner Elis IV. Schj.
            aus der Ortsch. Grund, welche dem Topfe
            zunächst kam ihn aber nicht traf.
Alle Spiele und Lieder erzielten bei den
anwesenden Schulfreunden, der Gemeinde-
vorstehung und dem Ortsschulrathe volle
Zufriedenheit ev. große Heiterkeit und
die Kinder dürften so manchen der dem
Schulwesen feindlich gesinnt war, inner-
lich wenigstens zum Besseren bekehrt haben.
Nach Punct 9 fand die Schülerbewirtung
statt, bei welcher die ärmeren Kinder,
60 an der Zahl, 1 Brot, 1 Wurst und Bier unent-
geltlich erhielten, was von der Gemeinde-
vorstehung, insbesonders vom Herrn Bürger-
meister Anton Hager, Herl in Tuttendorf
bezahlt wurde. Die Anwesenden spendeten
noch Brot und Bier, das durch Hunger und
Frohsinn bestens gewürzt war.
Die Sieger erkämpften sich je einen
schönen Eichenlaubkranz mit rothweißer
Schleife.
Vor dem Abmarsch wurde vor dem Gasthause Auf-
stellung genommen, vom Lehrer Pointner
eine Ansprache gehalten, die mit einem 3maligen
"Hoch lebe Seine Majestät unser Kaiser Herr
Franz Josef I! Hoch! Hoch! Hoch! endete, welchem
die 1. u. 4. Strophe des Kaiserliedes folgte.
Das Motto: "A lustigö Aicht" schloß den denk-

würdigen Ausflug ab und gab den
Zurückgebliebenen den Abschiedsgruß. Unter
Hüte Tücher und Fahnen schwenken und
fröhlichen Jauchzern begab sich die Schüler-
schar auf den Heimweg den noch ein
ziemlich heftiger Regen netzte aber nicht
im Stande war die große Freude der
Kleinen zu dämpfen. Freitag den 16.
kamen die Theilnehmer gesund und
munter in die Schule. ---------

20. Juni. Herr Lehrer Friedl verläßt Hochburg auf
Anrathen des Herrn Dr. Wendling, um in Mauer-
kirchen Heilung seiner angegriffenen Lunge
zu finden.

8. Juli. Die vieljährige Bedienerin im Schulhause
Theresia Holzleitner, geb. Peterlechner, eine
Tochter des ehem. Schulleiters Josef Peterlechner,
übersiedelt zu ihrem Sohne nach Linz.

16. Juli bis 27. August Ernteferien.

18. August: Die Schüler versammeln sich vor
dem Schulhause und werden vom Lehrer
Pointner und der Arbeitslehrerin M. Huber
in die Kirche geführt, anläßlich des Geburts-
festes Seiner Majestät unseres Kaisers Franz Josef. I.
Schulfeier konnte keine abgehalten werden,
weil Maurer und Zimmerleute im
Schulhause thätig waren.
Während der Ferien wurde das Schulhaus
ganz neu gefärbt, ausgebessert und neue
Abortröhren eingesetzt welche Arbeit der
Maurer u. Zimmermeister Herr Johann
Ofenmacher leitete und zur vollsten
Zufriedenheit durchführte.

28. August bis 20. September mußte an der
Schule Halbtagsunterricht ertheilt
werden, worüber die Bevölkerung nicht
besonders erbaut war.

12. 13. u. 14. September verheerendes Hoch-
wasser in Ach. Die Frw. Feuerwehr
Hochburg betheiligt sich an den Rettungs-
arbeiten.
Während die heurige Ernte große Zufrieden-
heit in die hiesige Bevölkerung trug, brachten
die Hochwasserschäden Verdüsterung.

20. September. Infolge des Wasserschadens am
Schulhause in Ach konnte ebenerdig's in
der II. Classe kein Unterricht ertheilt
werden und war es möglich den dortigen
pr. Unterlehrer H. Frz. Hofmann hieher
zu bekommen.

21. October. Der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Carl Hödl inspicierte die hiesige
Schule.

31. October. Herr Hofmann verläßt Hochburg,
macht in der Zeit vom 1. Nov. bis 8. die
Lehrbefähigungsprüfung mit gutem Erfolge
und kehrt wieder an seine Schule Ach zurück.

1. bis 17. November wieder Halbtagsun-
terricht.

17. November. Der Bezirksaushilfslehrer Herr
Adolf Hufnagl kommt an die hiesige
Schule.

4. 6. u. 7. December werden die Schüler vom
Doctor Wendling wie alljährlich untersucht.

                            1900.

Der Winter darf ein sehr schneidiger genannt
werden. Die Kälte dauert an und greift
tief in die Holzvorräthe.

7. Jänner: Der Bezirksaushilfslehrer Hufnagl
geht wieder nach Braunau zurück und
der mit Decret vom 3. December 1899 Z 1115 Sch.
ernannte Unterlehrer H. Frz. Thiel aus Lelechowka,
Galizien, tritt seinen Dienst an.

11. Jänner. Der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Carl Hödl inspiciert in der verk.
Unterr. Abtheilung und die Amtsschriften
der Schulleitung.

2. Jänner. 5 Uhr nachmittags verschied in Mauer-
kirchen nach langer Krankheit der hiesige
Unterlehrer Herr Johann Friedl, dessen Leiche
am 5. beerdigt wurde. Friedl stand im
27. Lebensjahre und war ein fleißiger
Lehrer. Am Leichenbegängnisse betheiligten
sich aus Nah und Fern 24 Collegen u. 4 Collegin-
nen. Als der Sarg in das Grab gesenkt
wurde hörte man die inhaltsschweren Worte:
"Wieder ein Opfer seines Berufes!" Worte,
die nie verstanden werden wollen.
Folgende Schulen waren vertreten: Mattighofen,
Uttendort, Mauerkirchen, Treubach, Roßbach, Aspach,
Moosbach, Weng, Altheim, Burgkirchen,
Neukirchen, Schwand und Hochburg, welch
letztere einen Kranz auf den Sarg legte.

               R.I.P.

11. Jänner. Der k. k. Bezirksschulinspector Herr
Carl Hödl inspiciert die hiesige Schule.

3. Februar. Ein Taglöhner aus Handenberg
bringt die tieftraurige Nachricht vom
Ableben des Herrn Franz Straßer,
Schulleiter in Handenberg.

5. Februar. Begräbnis des edlen Collegen
Franz Staßer, welches den Trauer-
gästen ein herzzerreißendes Bild
zeigt. Viele Lehrer und Lehrerinnen aus
der Umgebung erscheinen, dem Unver-
geßlichen die letzte Ehre zu erweisen. Aus
Braunau am Inn sieht man Trauergäste
aus verschiedenen Kreisen nur aus dem
Kreise der Lehrer sucht man solche ver-
gebens - warum? -
Einen furchtbaren Hieb versetzte sich die an-
wesende Lehrerschaft dadurch, daß beim Grab
dem Geschiedenen kein Abschiedsgruß ge-
sungen wurde, obwohl Sänger genug ja
sogar Componisten und Organisten an-
wesend waren. - Ruhe sanft! -

15. Februar. Zweiglehrer-Conferenz in Holzöster.
Bei dem denkbar schlechten Wetter ver-
sammeln sich fast alle Mitglieder des
Vereines.

13. März. Gerichtsbezirksconferenz in Ach.
Der kk. Bezirksschulinspector Herr
Carl Hödl führt den Vorsitz. Es wird dort
sehr viel Lehrreiches und Nützliches besprochen.
Die beiden Lehrer betheiligen sich daran.

8. April. Der landwirtschaftliche Fortbildungscurs,
eröffnet am 10. December 1899, wird heute
geschlossen. Die Theilnehmer, 25 an der Zahl,
besuchten den Curs mit Eifer und sehr
befriedigender Aufmerksamkeit.

28. April. Schuljahrsschluß - Die Schüler des 2. bis 6. Schj.
werden vom Lehrkörper in die Kirche geführt.
Nach Schluß des Unterrichtes werden die Schul-
nachrichten vertheilt, eine Anrede gehalten und
das Kaiserlied gesungen.

2. Mai. Aufnahme der Schulanfänger, welche von
ihren Eltern vorgeführt werden.

                        Schülerstand:

Classe           Abtheilung     Knaben          Mädchen        Summe
__________________________________________________
                        Untergruppe      12                   19                   31
            1.         Ober-  1.             10                   17                   27
                        gruppe 2.           11                   16                   27
__________________________________________________
                                   1.             11                   13                   24
            2.                    2.             19                   24                   43
                        mit verk.Unterr.     34                    27                   61
__________________________________________________
                                                                                                 213

 

 

10. Mai. Conferenz des Zweiglehrervereins
Weilhardt. Regenwetter. Der Wirt
Herr Frz. Rainer richtet für die Theilnehmer
ein Zimmer sehr schön ein und ist wie immer
sehr liebenswürdig.

17. Mai. Der Schulleiter Herr Oskar Gerzer
feiert mit der Lehrerin Frl. Theres Reisinger
seine Vermählung. Mehrere Collegen und
Colleginnen aus der Umgebung und aus
Tittmoning sind anwesend. Auch der hiesige
Lehrkörper betheiligt sich daran. Es ist ein
Familien, Schul, Gemeinde und Lehrerfest
und gibt den Beweis, daß es auch noch
Leute gibt, die der Schule und ihren Lehrern
Treue bewahren, trotz Schimpf und Ver-
hetzung in einem gerade hier gelesenen
politischen Zeitungsblatte.

23. Mai. Dr. Ludwig Wendling spendet der
hiesigen Schule 3 Serien Bilderbogen
für Schule und Haus, wofür ihm vom Orts-
schulrathe der Dank schriftlich zum Ausdrucke
gebracht wird.

26. Mai kommt Dr. Wendling, Gemeinde- und
Impfarzt zur Nachschau bei den geimpften
Schülern, welche am 11. fast durchwegs
mit Erfolg geimpft wurden.

7. Juni. Bezirkslehrerconferenz in Braunau
am Inn, bei welcher der k. k. Bezirks-
schulinspector Herr Carl Hödl den Vorsitz
führt.

10. Juni. Bezirksfeuerwehrtag des Feuerw. Bezirks-
Verbandes Wildshut № 36 in Wildshut,
der von dem hiesigen Lehrer Josef Pointner
geleitet wird.

15. Juni. In der vergangenen Nacht war über Hochburg
ein so heftiges Gewitter, daß sich alte Leute an
ein solches nicht erinnern können.

27. Juli. Schülerausflug.
Trotz heftiger Westwinde und drohendem Regen-
wetter versammelten sich die Schüler um
11 Uhr auf dem Turnplatze. Der Zug ordnete
sich. Voran marschierte ein strammer
Turner, eine große rothweiße Fahne tragend.
Dann die Träger der Preise, Spielbälle, Ziel-
scheiben u. s. w. und die jubelnde Schar, ge-
schmückt mit Blumen und Eichenlaub, folgte.
Beim Abschiede sangen die jungen Innviertler
ihr Motto "A lustigö Aicht" und marschierten dann
in Viererreihen geordnet durch die Ortschaften
Hochburg - Mitterndorf - Staudach - Dorfen -
Parsdorf - Endt - Duttendorf zum Gastwirte
Buchberger, ein Kinderfreund durch und durch.
Unterricht konne auf dem Wege des
starken Windes halber keiner ertheilt
werden. Nach Ankunft auf dem Spiel-
platze wurde das Motto wieder gesungen
um dann im geräumigen Saale Rast
zu halten. Während dieser erhielten die
Kinder Brot und Wasser.
Nach der Labung wurde an die Durch-
führung der Spielordnung geschritten.
1. Hinkhüpfen - Knaben 1. Classe.
2. Im Wald und auf der Weide. (Lied 2. Cl.)
3. Marsch der Blinden. Mädchen 1. Cl.
4. Turner Wanderlied. 2. Cl.
5. Beim Sternschein. Gedicht v. Kaltenbrunner.
            Vortrag von Franz Reiter. 1. Cl.
6. Ballhochwerfen mit Zwischenklatschen. Knaben 4. Schj.
7. O, Tannenbaum. Lied 1. Cl.

8. Sacklaufen. Mädchen 3. u. 4. Schj.
9. Resolut. Gedicht v. Stelzhammer. (Altenbuchner Ludw.)
10. Weitspringen. Knaben 5. Schj.
11. Der Steierer Land. (Lied) 5. 6. u. 7. Schj.
12. An iadn schlögt sá Stündl v. Luber
            Vortrag: Obermaier Theres 2. Cl.
13. Blindstechen. Mädchen 5. Schj.
14. Jubelgruß. Gedicht vorgetr. v. Novy Hilde.
15. Lasset den Vater des Landes uns preisen
            (Lied) 2. Cl.
Die Bewirtung der Kinder wurde vor-
genommen, bei welcher die armen von
der Gemeindevorstehung und anderen
Wohlthätern je eine Wurst ein Brot und
ein Glas Bier erhielten.
16. Stabübungsgruppe. Entwicklung der
Fechterstellung. Knaben 2. Cl.
17.Ballweitwerfen. Knaben 6. Schj.
18.Heidenröslein. Lied. 6. 7. u. 8. Schj.
19. Eierlauf. Mädchen. 6. Schj.
20. Nun hinaus. Lied. Chor.
21. Wettlauf. Knaben 7. u. 8. Schj.
22. Dá Grablá v. Kaltenbrunner vorgetr.
            von Rupert Huber 2. Cl.
23. Reichet all die Hand zum Bunde. V. U.
24. Topfschlagen. Mädchen 7. u. 8. Schj.
25. Preisvertheilung. Für jedes Wettspiel
wurden 5 Preise bestehend in sehr hübschen
practischen Sachen wie Kleidungsstücke -
Strickwolle - Notizbücher - Taschenmesser -
Kämme - Federn - Bleistifte u. s. w. an
die Sieger vertheilt. Die Preise spendeten

die beiden Krämer Sützl und Göpperl in
Hochburg denen der Dank ausgesprochen
wurde.
Nach der Preisvertheilung erhielten die Schüler
vom Ortsschulrathe aus gespendeten Geldern
Brot und Bier.
Ein Glockenzeichen verkündete die Aufstellung
der Schüler zum Abmarsche, vor welchem der
Schulleiter Pointner ein Ansprache bezug-
habend auf die Wohlthäter der Kinder und
Schule insbesonders den allerhöchsten
Wohlthäter im Vaterlande der am 18.
August sein 70. Geburtstagsfest feiern
wird Seiner Majestät Kaiser Franz Josef I.
Der Schluß war ein 3maliges donnerndes
hoch! nach welchem die Schülerin
Lidwina Esterbauer das herrliche
Gedicht: "Habsburg lebe hoch!" recht gut
zum Vortrage brachte, dem das Kaiser-
lied 1. u. 4. Strophe folgte.
Nach Absingen des Motto's jauchzten
die fröhlichen Kleinen ihren Elternhäusern
zu. ---------------------------

16. Juli. Beginn der Ernteferien, welche
mit 26. August schließen.
Während dieser Zeit wird die Wohnung
des Lehrers umgestaltet. Der alte,
gebrechliche Ofen der das große und kleine
Zimmer zu erwärmen hatte verschwin-
det an dessen Stelle kommt die Verbin-
dungsthür und in beide Zimmer
kommen neue Öfen d. h. der im

großen Zimmer ganz neu gesetzt der im
kleinen aus alten Kacheln zusammmen-
gestellt. Beide Zimmer werden frisch
gemalt so, daß die Wohnung einen
lieblichen Anblick gewinnt.
Jeder Lehrer, der in seiner Gemeinde das
Bestreben erkennt, dankbar für seine
Arbeit zu sein, wird darüber große
Freude fühlen, weil ja gerade seine
Arbeit sehr selten mit dem richtigen
Maße gemessen wird. -----------

18. August. Die Schüler versammelten sich
um 7 Uhr vor dem Schulhause, weil in den
Classen die Maurer arbeiteten, und
zogen unter Führung des Lehrkörpers
in die Kirche, wo sie einem Hl. Amte
beiwohnten. In der Schule konnte aus
dem angeführten Grunde keine Feier
abgehalten werden.

 

27. August. Beginn des Unterrichtes. In
beiden Classen wird die Bemerkung ge-
macht, daß die Schüler während der
Ferien von den Eltern zum Lernen nicht
angehalten wurden. Ein Beweis daß
die Kinder noch immer als Arbeitsmaschinen
betrachtet werden.
Die Ernte fiel sehr gut aus und sprachen

sich die Bauern der Mehrzahl nach auch ganz
befriedigt darüber aus.

27. September. Inspicierung der Abtheilung
mit verkürztem Unterrichte – Amtsschriften
etc. etc. durch den k. k. Bezirksschulinspector
Herrn Carl Hödl.

4. October. Namensfest Seiner Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef I.
Weil am 18. August die Schule das 70. Geburts-
fest Seiner Majestät nicht feierlich begehen
konnte so wird das Versäumte heute nach-
geholt.
Um ½ 8 Uhr marschieren sämmtliche Schulkinder
geführt von ihren Lehrern und begleitet vom
Ortsschulrathe und der Gemeindevertretung
in die hiesige Kirche, wo sie einer Hl. Messe
beiwohnten.
8 Uhr Versammlung im Lehrzimmer der
II. Classe, welches mit Wappen, Fahnen
und Kränzen festlich geziert ist, und
Festact mit folgendem Programme:
1. Abfragen aus dem patriot. Lehrstoffe
            u.zw. die Abstammung unseres Kaisers,
            die Eltern und Familie.
2. Vor dem Gnadenaltare in Maria Zell.
            Gedicht, vorgetragen von Rupert Huber.
3. Ansprache des Schulleiters: Das
            Leben unseres Kaisers in kurzen
            Strichen bis zur Gegenwart.

4. Lied: "Kaiser Franz Josef's Hymne".
5. Zum Feste des Kaisers; Gedicht vor-
            getragen von Hilde Novy.
6. Glückwunsch der Schule Hochburg und
            dreimaliges Hoch lebe Seiner Majestät!
7. Kaiserlied. 1. u. 4. Strophe.

________________

       Entscheidung.    (Abschrift)
Z. 1154 Sch.                         Braunau am Inn
                                               den 28. Oktober 1900.
Se. Excellenz der Herr Minister für Cultus und
Unterricht hat zufolge Erlasses vom 11. October 1900
Z 27260 über den Ministerial Rekurs des
Josef Danner in Duttendorf gen den Erlaß vom
7. August 1900 Z 2337 dem k. k. L. Sch. R.
eröffnet, daß mit Rücksicht auf die immer-
hin berücksichtigungswürdigen Rekursaus-
führungen der Besuch der bayrischen Schule in
Burghausen durch den Sohn Josef Danner
keinem Anstande unterliegt und hiebei
bemerkt, daß der Schlußabsatz des § 23 R. V. G.
genügende Handhabe zur Anordnung von
Controlmaßregeln für die Erwerbung der vor-
geschriebenen Kenntnisse bietet und daß
andererseits der für den Eintritt von Schul-
besuchserleichterungen normierte 6jährige
Schulbesuch im Sinne des § 21 R. V. G. jedenfalls
erst vom vollendeten sechsten Lebensjahre
an zu rechnen ist.
Hievon wird der Ortsschulrath zufolge des Erlasses

vom 22. Oktober d. J. Z. 3601 L.Sch.R.  mit dem
Auftrage in Kenntnis gesetzt die Schulleitung
und der Josef Danner von dieser Entscheidung
unter Hinweis auf den § 16 der Schul und
Unterrichtsordnung, nach welchem der
Sohn des Danner verpflichtet ist, am Ende
seines schulpflichtigen Alters sich einer
Prüfung an einer öffentlichen hierländigen
Schule zu unterziehen und sich bei der
Bezirksschulbehörde darüber auszuweisen.
Die Schulleitung wird diese Entscheidung in
der Schulchronik zu verzeichnen haben.
             K. k. Bezirksschulrath
            der Vorsitzende:
                                   Bihler mp.

 

19. November. Gottesdienst für weiland
Ihre Majestät der Kaiserin Elisabeth.
Die Schulkinder werden in die Kirche
geführt.
Die Temperatur ist während des ganzen
Novembers eine so niedere, daß Kinder
Schlüsselblumen, Gänseblümchen und
knospende Weiden etc. in die Schule bringen.

5. u. 6. December - Furchtbarer Sturm mit
theilweisem Regen. Der Schulbesuch
ist trotzdem ein recht guter.

                   1901.

Der Schritt in das XX. Jahrhundert ist
gethan. Wolle doch dieses Jahrhundert
der Schule und ihren Lehrern den für
sie so nothwendigen Frieden bringen,
damit sie ihrer so hohen Aufgabe nach
jeder Richtung hin voll und ganz
nachkommen können!

26. Jänner. Der prov. Unterlehrer Herr
Franz Thiel verläßt die hiesige Schule
um seinen Posten in Pischelsdorf
anzutreten. An seine Stelle kommt
laut Decret des k. k. Bezirksschul-
rathes Braunau am Inn vom
21. Jänner 1901, Z. 64 / Sch., die
Lehrersgattin Frau Antonie Pointner,
welche am 27. Jänner in die Schule
eingeführt wird.

13. März. Die Jubiläumslinde auf
dem Turnplatze wird ausgegraben
und dafür eine von Herrn Gast-
wirt Sinzinger in Oberkriebach
gespendete größere Linde an diesel-
be Stelle gesetzt.

31. März. Schluß des landwirtschaftl.
Fortbildungscurses der am 2. De-
cember 1900 eröffnet und von
34 Zöglingen sehr fleißig besucht
wurde.

29. April. Schuljahresschluß. Die Schüler
werden vom Lehrkörper zum Dank-
gottesdienste um 7 Uhr geführt.
Nachher Unterricht. Am Schlusse
desselben Ansprache der Classen-
lehrer, Vertheilung der Zeugnisse
und Absingung des Kaiserliedes,
Gebet. --------------

3. Mai. Aufnahme der Schulanfänger,
welche von ihren Müttern vorgeführt
werden. Aus den Gesprächen über die
Kleinen ergeben sich sehr interessante
Hauserziehungsmomente. Es kommt vor,
daß Mütter auf Fragen über Gehorsam,
Trotz - Unfolgsamkeit gar keine Ant-
wort geben und sich mit den Worten hin-
weghelfen: "Hab i nu nia aufpaßt!"
Am wenigsten geben die Eltern acht in Bezug
auf Sehen - Hören und Sprechen.
Meistens bringen sie mit dem Kinde
große Furcht in die Schule, weil dem Kleinen
fortwährend eingeimpft wurde: "Na
wart, wann di der Lehrer kriagt!"

 

       Schülerstand.

Classe           Abtheilung     Knaben          Mädchen        Summe
__________________________________________________
                        Untergruppe       14                   14                   28
            1.         Ober. 1. A.          11                   18                   29
                        gr. 2. A.                 9                    18                   27
__________________________________________________
                                   1.              11                   17                   28
            2.                    2.              18                   22                   40
                        V. U.                     31                   29                   60
__________________________________________________
Schülerzahl                                94                  118                 212

 

27. Mai. Der landwirtschaftl. Fortbildungscurs unter-
nahm unter Führung des Schulleiters einen
Ausflug nach Schärding, das Mustergut des
Herrn Gutsbesitzers Georg Wieninger
zu besuchen.
Frühmorgens 2 Uhr mußten sich die Theilnehmer
auf die Beine machen um den Vormittagszug
in Braunau a. I. zu erreichen. Nach angenehmer
Fahrt (mit 50%iger Preisermäßigung) bis
Ried wurde das "Herz des Innviertls" einer
Besichtigung unterzogen und um 11 Uhr die
Reise fortgesetzt. Daß diese Bahnfahrt auf Leute
aus einer in dieser Beziehung ganz besonders
stiefmütterlich behandelten Gegend einen tiefen
Eindruck machte ist klar.
Am Bahnhofe Schärding wurde die Reisegesell-
schaft, darunter auch der landschaftl. Thierarzt
Herr Hans Dutzler, von Herrn Gutsbesitzer Wieninger
und seinen Herrn Beamten in der liebenswür-
digsten Weise empfangen und in die Stadt
geleitet, wo sogleich das Mittagsmahl in
verschiedenen Gasthäusern eingenommen
wurde. Diesem folgte der Besuch Otterbachs
unter Führung des Herrn Präsidenten der
k. k. Landwirtschaftsgesellschaft Georg
Wieninger, der unermüdlich die ganze Zeit
den Schülern die Sehenswürdigkeiten in
den Ställen auf Feldern und Wiesen im
großartigen Museum etc. in der leicht-
faßlichsten Weise erklärte. Während
des Besuches gieng ein heftiges Gewitter

in der nächsten Umgebung nieder, was den Be-
suchern Gelegenheit bot, das Wetterschießen
beobachten zu können.
Voll neuer Eindrücke wanderte die Schar
zurück nach Schärding in Wieningers's Sommer-
keller, wo sie auch noch die deutsche Gast-
freundschaft des guten Hausherrn "in vollen
Zügen " genossen. Nicht genug, daß er
die große Anzahl der Gäste bewirtete,
opferte der edle Mann, dessen Herz nur für
das Emporblühen der Landwirtschaft schlägt,
noch seine wenigen freien Abendstunden,
die Anwesenden über Milchwirtschaft
Butterbereitung u.s.w zu belehren.
Die Besichtigung der herrlich gelegenen
schönen Stadt Schärding, des Schloßparkes
des baierischen Ortes Neuhaus nahmen die
Morgenstunden des 28. bis 9 Uhr in Anspruch.
Um diese Zeit stand Herr Wieninger wieder
inmitten der bei seinem Brauhause
versammelten Gesellschaft die er in seine
Hausstallungen führte, wo er den großen
Wert der Simenthaler- Rasse in der an-
schaulichsten Weise erklärte. Dann gings
in die Theebuttercentrale; hier wies Herr
Wieninger die Bauern ganz besonders darauf
hin, gute Süßbutter zu bereiten und den
Verkauf derselben selbst in die Hand zu
nehmen. Es sei merkwürdig, bemerkte
der Vortragende, daß der Bauer den
Zwischenhändler frage, wieviel dieser

für seine Producte hergebe? Und dieser be-
stimme nach seinem Gutdünken den
Preis. Wo findet man eine solche
Handlungsweise? Jeder Gewerbs- und
Handwerksmann bestimmt den Preis
für sein Product nur der Bauer läßt
sich denselben von den Zwischenhändlern
bestimmen.
Nachher wurde die Gewerbehalle, eine
ganz außergewöhnliche Wohlthat für das
Kleingewerbe und den Bauernstand,
besucht von wo der Weg in das städtische
Electricitätswerk führte. Hier wollte
das Staunen kein Ende nehmen, weil sich
die meisten in eine neue Welt versetzt
glaubten. Von hier giengen die eingetheil-
ten Sectionen ihren Quatieren zu nach-
dem sie sich von Herrn Wieninger unter
den herzlichsten Dankesworten verab-
schiedet hatten. Manch feuchtes Auge
konnte man erglänzen sehen. –
Unvergeßlich wird der Ausflug den
Theilnehmern bleiben und unvergeßlich
die Herzensgüte des hochedlen Vorkäm-
pfers auf dem Gebiete der heimatlichen
Landwirtschaft wofür ihm dadurch
bestens gedankt werden kann, wenn
seine Ratschläge auch befolgt
werden. Also Bauer vorwärts! Nie
rückwärts - aufwärts zum Licht! Nie
abwärts in die Finsternis! -------

An dem Ausfluge nach Otterbach betheiligten
sich folgende Fortbildungsschüler und Gäste:
Spitzwieser Josef
Rothenbuchner Michael                  Harner Josef
Göpperl Sebastian                          Loidl Josef
Kammerstätter Johann                    Rimberger Johann
Esterbauer Alois                              Kirchhammer Michael
Bernegger Anton                              Glöcklhofer Max
Bernegger Max                                Ertl Paul
Kammerstätter Alois                        Steiner Pankraz
Spitzwieser Richard                        Kaufleitner Johann
Steindl Georg                                   Koch Johann
Schwanninger Lorenz                      Altenbuchner Josef
Steiner Franz                        Bernegger Franz
Esterbauer Franz                             Steiner Georg
Reisinger Johann                 Herr Thierarzt Dutzler.

23. Juni. Bezirksfeuerwehrtag in Ach, der
vom hiesigen Lehrer Pointner geleitet wurde.
Bei der Wahl mit 3jähriger Functionsdauer
wurde Lehrer Pointner wieder zum Obmanne
des Feuerwehr Bezirks-Verbandes Wildshut № 36
gewählt.

14. Juli bis 25. August Ernteferien.
Die Ernte war eine sehr ertragreiche
und das Wetter ein sehr günstiges
weshalb die Bauern auch zufrieden waren.
Einige Ausnahmen, die überall zu
finden sein werden und den Boden
vom Geize zerstochen haben murrten
freilich auch heuer, weil das Stroh um
einige mm kürzer und um 2/1000 mm dünner
ausfiel wie sie es gerne haben wollten.

5. September. Gruberfeier.
Die Enthüllung der Grubertafel fand
hier in der feierlichsten Weise statt.
Um hier nicht mehrere Seiten vollzuschrei-
ben wird es besser sein eine Zeitungs-
stimme die vollkommen der Wahrheit
gemäß berichtet hieher zu kleben damit
auch noch Späterlebenden diese Feierlich-
keit theils ins Gedächtnis zurückgerufen
theils neu mitgetheilt werden könne.

 

 

 

Zeitungsbericht siehe nächste Seite!

 

 

 

 

4. October. Namesfest Sr. Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers
                        Franz Josef I.

 

A. Gottesdienst.

B. Schulfeier.

 

19. November. Namensfest weiland
            Ihrer Majestät der Kaiserin
                        Elisabeth.

                   Gottesdienst.

 

1. December. Eröffnung des landwirtschaftlichen
Fortbildungscurses.
Es erscheinen nach dem Gottesdienste
16 brave, wackere Bauernsöhne, welche
versichern daß noch viele andere sich an-
schließen werden, was dem Leiter des
Kurses große Freude bereiten kann.
Im Kurse werden wie alljährlich
Aufsatzübungen - Praktische Rechnungen
und Landwirtschaftslehre durchgenommen.

5. December. Wiederbelebung des Bezirks-
vereines der k. k. Landwirtschafts-
gesellschaft. Versammlung bei
Sinzinger in Oberkriebach ist sehr gut
besucht und wird vom Tierarzt Herrn Johann
Dutzler geleitet. Möge endlich der Fortschritt
in den Köpfen der Bauern Wurzel fassen,
dann können wir ruhiger in die Zukunft
blicken.

                   1902.

 

Der heurige Winter darf mit Recht ein
Ofenpeiniger genannt werden. Die Kälte
beißt nicht so grimmig in die Ohren als viel-
mehr in das Holz. Das Schulholz reicht hier nie aus
die Öfen nach Vorschrift heizen zu können,
weil im März der letzte Prügel in das Loch
geworfen wird. Es ist das eine schauder-
hafte Wirtschaft wird ein Nichtkenner der
Verhältnisse sagen. Gott bewahre! Der alte
Holzmacher Philipp Harner kann das ganze
Holz nicht auf einmal machen, sondern muß
Zeit und Kräfte einteilen so, daß er eben
nur viel genug spaltet um für einige
Tage ein Süpplein kochen und die starren
Muskeln wieder beleben zu können.
Der Ortsschulrath will den treuen, braven
jetzt alten Arbeiter nicht auf die Straße
setzen, sondern lieber um ein Paar Kronen
mehr Holz kaufen, weil Philipp den Ausspruch
getan haben soll: "Wann i s'Schuihoiz
nimma z'machá hab nachá löb i nimma
lang! Mit der Zeit wird ja eine
Änderung eintreten.  ----

13. Jänner. Der k. k. Bezirksschulinspector
Herr Karl Hödl inspiziert beide Klassen
der hiesigen Schule.

23. März. Schluß des landwirtschaftlichen
Fortbildungscurses an dem 34
Zöglinge mit dem Durchschnittsalter
von 20 Jahren teilnahmen.
Der Besuch war stets ein eifriger
und beteiligten sich einige Zöglinge
an den Zwiegesprächen zwischen
Lehrer und Schüler.
Der Leiter des Kurses verspricht den
Zöglingen mit ihnen einen Ausflug
nach Hackenbuch zu unternehemen, der
über Wunsch der letzteren an einem
Sonntag stattfinden soll.

2. Mai. Beginn des Schuljahres 1902 – 3.
Eltern bes. Mütter führen ihre Anfänger
dem Leiter der Schule vor. Gerade so
unbeholfen als die Mutter sich be-
nimmt zeigt sich auch das Kleine.
Selten trifft man Erziehung, größten-
teils Abrichtung.

                        Schülerstand.

Klasse            Abtheilung     Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        Untergr.                9                    14                   23
            I.          Oberg. I.              14                   11                   25
                                   II.               9                    17                   26
_________________________________________________
                                   I.               12                   19                   31
            II.                     II.              14                   22                   36
                        Abtlg.m.v.U.           26                   27                   53
_________________________________________________
Schülerzahl                                84                 110                 194

 

27. Mai. Imfpung der Schulkinder
durch Herrn Gemeindearzt
Dr. Ludwig Wendling - Ach.

25. Mai bis 1. Juni Abhaltung einer
Mission durch 3 P. P. C.
8. Juni. Ausflug der Zöglinge des
landwirtschaftlichen Fortbildungs-
kurses nach Hackenbuch.
7 h früh Abmarsch - Weg: Pfaffenweg
Geretsberg - Ibm – Hackenbuch.
Empfang durch Herrn Direktor Hahn
sehr freundlich. Rundgang durch
sämtliche Fabriksräume mit den
nötigen Erklärungen. Die Führung
vollzieht Herr Hüttenmeister.
Nach der Mittagspause besichtigen
die Ausflügler mit großem Interesse
die ausgedehnten Hopfenanlagen
die Wiesenkulturen und die
Rinderzuchstation Herrenholz.
Der Herr Wirtschatsverwalter
sprach auf diesen Wanderungen in
der leichtfaßlichsten Weise über
Wirtschaftsfragen. so Wiesenbehandlung,
Kunstdünger, Rinderrassen u. s. w.
Nach erfolgter Danksagung wurde,
wohl etwas ermüdet aber sehr be-
friedigt über das Gesehene, der Heim-
weg angetreten. In Ibm stillten sich
die Teilnehmer Hunger und Durst und
waren hocherfreut als Herr Glaser

in der Gesellschaft erschien und hier
solange verblieb bis sich die Anwesenden
zum Abmarsch sammelten.

24. Juni. Bezirkslehrer- Konferenz in
Braunau a. I. -

9. Juli. Schülerausflug.

Die Aufgeregtheit der Schüler, die schon vor An-
bruch des Tages einige Zeit anhält steigert sich am
Tage selbst bis ins Unglaubliche. Nach den gemachten
Beobachtungen wäre es sehr angezeigt zur Durch-
führung solcher Ausflüge verbunden mit kleinen
Schülerfesten einen Tag im Jahre schulfrei
zu geben, weil die Schule tatsächlich nur gewinnt.

       Ordnung.

¾ 11 Uhr - Sammlung auf dem Turnplatze.
11 Uhr Abmarsch - Lied: Nun hinaus ---.
Weg: Dorfstraße - Sauweg - Weilhart – Rast
mit Absingen einiger Lieder - Grünhilling -
Endt - Besprechungen aus dem Unterrichte
der Heimatkunde - Braunauerstraße -
Duttendorf - Festplatz beim Gastwirte
Buchberger. Begrüßung mit Á lustigö Aicht.
Labung während der Rast - Wasser und Brot -

            Spiele.
1. Schnellaufen, Knaben II. Schj. 2. Wetthüpfen, Mädch. II. Schj.
3. Der kleine Rekrut, Lied ges. v. d. Knaben d. II. Kl.
4. Froschhüpfen Knaben III. Schj.
5. Der gute Kamerad – Schargesang.
6. Marsch der Blinden Mädchen III. Schj.
7. Jägerlied – Schargesang.
8. Mein Kleinod - Gedicht, vorg. v. Herm. Sützl.

9. Sacklaufen, Knaben IV. Schj.
10. An meine Landsleut. Gedicht in Mundart vorg. von
                                               Johann Kaufleitner.
11. Blindstechen, Spiel, Mädchen IV. Schjl.
12. Willst du einst recht glücklich werden?
            Lied, gesungen v. d. Mädchen II. Kl.
13. Vater und Sohn, patriot. Gedicht vorgetr. von
                                               Marie Glöcklhöfer.
14. Im Schlaf. Theatralische Aufführung ohne
                                   Kostüme. 9 Schüler d. II. Kl.
15. Hüpfen auf einem Bein. Knaben V. Schj.
16. S' Muadámal v. Reischl, vorg. Ehrschwendner Elis.
17. Das Heidenröslein Schüler II. Kl.
18. Ballwerfen mit Klatschen. Mädch. V. Schj.
19. Österreich mein Heimatland, Gedicht vorg.
                                   v. Hager Elis.
20. Das Lied der Lieder. Schüler II. Kl.
21. Schnellauf mit Hindernissen. Knaben VI. Schj.
22. Der Schütze. Lied, II. Kl.
23. N Vogel sein Frühlingsgsang v. Stelzhammer
            vorgetragen v. Huber Rupert.
24. Eierlauf, Mädchen VI. Schj.
25. D' Elternliab v. Reischl vorg. Hofer Franziska
26. Ballweitwerfen, Knaben VII. u. VIII. Schj.
27. Da Fuádáschneida Wastl, vorg. Stöger Josef.
28. Topfschlagen, Mädchen VII. u. VIII. Schj.

            Pause mit Labung.
Preisverteilung  - Oberlehrer Pointner
bespricht den Nutzen solcher Freudentage -
das Mitleben der Eltern - Liebe zu Schule
und Lehrer durch Vertrauen betätigen -

die Lehrer sind keine Menschenfresser
sondern Volkserzieher, die keinen
anderen Wunsch im Herzen haben als
die Mithilfe des Elternhauses und der
Katecheten in der verantwortungsvollsten
Arbeit der Erziehung. Schulfeste nähern
oft ganz verstockte Feinde der Schule, weil sie
hier sehen wie sehr viele Zeitungsspalten
triefen von Lüge und Haß über Schule
und Lehrer.
            Preise erhielten folgende Schüler:

 

Sämtliche wertvollen Preise gaben die beiden
Frauen Sützl und Göpperl der Schule.

Die Preisverteilung schließt mit dem Danke an
die Spender der Beste, der vielen Brotlaibe, des Geldes
für das zahlreiche Erscheinen aus allen Schichten der Be-
völkerung für die Überlassung des Spielplatzes
u. s. w. Die Schlußworte berühren das Reichsvolks-
schulgesetz, das den Völkern Österreichs der hohe  Friedens-
fürst Sr. Majestät unser allergnädigster Kaiser
Franz Josef I. gegeben, und klingen aus in dem
begeisterten Ruf: Hoch lebe unser Landesvater!
Nachdem die Schülerin das Gedicht: Friedenstaube
in vorzüglicher Weise zum Vortrage gebracht hatte
ertönte aus mehreren hundert Kehlen: Gott erhalte.
Hochw. Herr Dechant Endemann dankte namens
des Ortsschulrates und der Eltern den Lehrpersonen
für die Mühen die ein Schulfest erfordern und
zeichnete mit markigen Strichen Erfolge der
Einigkeit des Dreigestirns Elternhaus – Schule
u. Kirche.-
Nach einer kurzen Rast und Absingung des
Mottos: A lustige Aicht verlassen die Ausflügler
den Ort ungeteilter Heiterkeit. -

 

14. Juli bis 24. August Ernteferien.
Die Schulzimmer, das Vorhaus, die Stiege
werden frisch getüncht und deren Böden
gewaschen. Im Erdgeschoß wird im Vor-
hause ein schönes Steinpflaster eingelegt
und in der Wohnung des Lehrers II. Kl. Ein
neuer Ofen gesetzt.
Mit diesen Verschönerungen dokumentiert der gegen-
wärtige Ortsschulrat seine Schulfreundlichkeit
zum wiederholten Male.

4. Oktober. Namensfest Sr. Majestät. Kaiser
                            Franz Josef I.

Die beiden Klassen sind hübsch geziert, vom Dache
des Schulhauses weht die schwarzgelbe Flagge.

                                   Programm der Feier in der II. Klasse.

1. Gebet.
2. Mein Kleinod.       /:Gedicht:/
3. Vater und Sohn.    /:Gedicht:/
4. Wohltaten unseres Kaisers.
5. Friedenstaube      /:Gedicht:/
6. Ansprache. Die Dankbarkeit als Schwester des
            Friedens.
7. Kaiserlied.
Anwesend der Ortsschulrat, die Gemeindevor-
stehung und Geistlichkeit. Eltern und andere Zuhörer.

29. November.          Stelzhamerfeier.

Das Zimmer der II. Klasse wird in einen Festsaal
umgewandelt. Die Bänke werden entfernt, an der
Stirnseite ein Baldachin geknüpft unter welchem
die Büste des großen Innviertlers umgeben von
Blattpflanzen auf einem Sockel aufgestellt wird.
Die ganze Wand ist mit Kränzen und Fahnen
geschmückt.
Nach einem Gottesdienste versammeln sich die
Schüler im Festsaal, wohin die Gemeindevorst.
der Ortschulrat, die Geistlichkeit, die Beamten der
gräfl. Reichenbach - Lessonitz'schen Forstverwaltung,
der landsch. Tierarzt u. m. a. Eltern u. Zuhörer
folgen so daß das geräumige Zimmer
völlig angepfroft ist.
Nach wenigen Einleiteworten entwickelt sich
folgende Festordnung.

                   Fest-Ordnung.

1. Á lustigö Aicht v. Franz Stelzhammer.               /:Lied:/
2. S'Gottsnam v. Franz Stelzhammer                    /:Vortrag:/
3. D'Elternliab v. Josef Reischl.                             /:Vortrag:/
4. Das sand Freudn v. Kaltenbrunner                    /:Lied:/
5. Olls in Ehrn v. Franz Stelzhammer                     /:Vortrag:/
6. Da Fuadaschneidr Wastl v. Moser                    /:Vortrag:/
7. S'Bettlmandl v. Frz. Stelzhammer                      /:Vortrag:/
8. Franz Stelzhammer, seine Erziehung und seine
            Dankbarkeit gegen seine Erzieher bes. gegen seine
            Mutter. Lebensweg mit Unfällen und
            dabei sein Gottvertrauen. Denkstein im Herzen.
9. D'Stern v. Frz. Stelzhammer                               /:Vortrag:/
10. S'Muadamal v. Jos. Reischl                             /:Vortrag:/
11. Mei Stolz v. Reischl                                           /:Vortrag:/
12. Hoamatsgsang v. Stelzhammer                      /:Lied:/
13. N Vogal sei Frühlingsgsang v. Stelzhammer /:Vortrag:/
14. Mei Müaderl v. Frz. Stelzhammer                    /:Vortrag:/
                        Á lustige Aicht, 2. Strophe.

 

30. November. Eröffnung des Fortbildungskurses
1902 - 1903 mit einer einfachen Stelzhamerfeier
weil das Lehrzimmer noch geschmückt ist und
der große Dichter auch unter den Erwachsenen
bekannt werden soll.
28 Schüler meldeten sich, darunter 2 Bauern.

               1903.

Der Winter ist ein solider ausgenommen einige
sehr kalte Tage. Schlittenbahn dauert nicht an, doch
Eis gibt es in Hülle und Fülle. Den Saaten, weil sie
nicht gedeckt, ist die grimmige Kälte nicht besonders
von Nutzen.
In zwei Häusern erkrankten die Kinder an
Scharlach und ist es der Folgsamkeit der Schüler gut-
zuschreiben, daß sich die Krankheit nicht ausbreitet.
Der Schulbesuch ist während der Wintermonate
ein vorzüglicher. -
Anfangs Jänner werden von Schülern Finken
beobachtet.

6. Februar. Zufolge des Erlasses des k. k. Bezirksschul-
rates Braunau am Inn vom 30. Dezember 1902
Zl. 11145 /Sch., Amtsblatt № 2er 1903, werden
in den Klassen und Gängen Spucknäpfe
aufgestellt.

11. März. Konferenz des Zweiglehrervereins
Weilhart in Holzöster, in welcher der Leiter
der hiesigen Schule zum Vorstande des Vereines
gewählt wird.

 

5. April. Schluß des landwirtschaftlichen Fortbildungs-
kurses, welcher während der ganzen Dauer
recht gut besucht war. Der Unterricht aus
deutscher Unterrichtssprache umfaßte dieses
Mal hauptsächlich Gesuche an Behörden u. zw.

um Baubewilligung, um Versetzung einer
Wiesenparzelle von der 2. in die 5. Bonitätsklasse,
um Kulturumwandlung 2er Waldparzellen
in Wiesenparzellen, um Großjährigkeits-
erklärung eines Sohnes damit dieser eine
Konzession erhalte u. s. w.
Der Unterricht aus Rechnen nahm Beispiele
aus dem täglichen Leben des Landwirtes
Zins - Münz und Flächenberechnungen.
So gelang es die Schüler soweit zu bringen
daß am heutigen eine Wiese vermessen werden
konnte.
Die Landwirtschaftslehre befaßte sich haupt-
sächlich mit der Futterverbesserung u. zw.
Behandlung der Wiese, das Aschenbrödl unseres
Bauers. Ferner wurden dem Genossenschafts-
wesen mehrere Besprechungen und Zwie-
gespräche gewidmet. Das Zwiegespräch
volkstümlich geführt zieht die Leute an, regt
Interesse und bringt Folgen.

15. April. Der Genossenschaftsinspektor Herr Wilhelm
Hochegger eröffnet im Gasthause des Herrn
Georg Buchberger in Duttendorf den durch den
landw. Bezirks-Verein Hochburg am Weilhart
veranstalteten Molkereikurs der am
18. geschlossen wurde.
Den Kurs besuchten volle 4 Tage 27 Teil-
nehmerinnen 3 Tage 7, 2 Tage 7 und
1 Tag 9 zusammen 50 Hörer. Welche
die Vorträge und praktischen Arbeiten
mit großem Interesse anhörten und mit
machten.

Die Teilnehmer des Kurses brachten 263.5 l
Milch mit aus der Butter und Käse be-
reitet wurden.
Die ungemein volkstümlichen, leicht faßlichen
und zu Herzen gehenden Vorträge und Zwiege-
spräche des Herrn Hochegger entzündeten zwar
Flammen aber leider werden sie in kurzer
Zeit erlöschen, wenn nicht Sauerstoff von den
Bauern selbst zugeführt wird.
"Faulheit und Dummheit und die aus beiden ge-
mischte Furcht sind die Quellen des meisten
Unfugs, den Bosheit und Übermut anrichten."
Treffender kann viele Landcharaktere kein
Zitat in Worte hüllen, weil wirklich teils
Faulheit teils Dummheit dem gesunden
Fortschritte in der Landwirtschaft in unseren
Bauernhöfen die Tore mit aller Gewalt
unterstützt durch Bosheit und Übermut
verschließen.
Wenn ein Wieninger erfolglos arbeitet
wer soll dann Erfolge erzielen? -

2. Mai. Beginn des Schuljahres 1903 – 04.
Wie alle Jahre werden auch heute die Anfänger
von ihren Müttern vorgeführt. Diese
haben das Glück von Herrn k. k. Bezirks-
schulinspektor Karl Hödl Worte über
Erziehung in Haus und Schule zu hören.
Nach dem Schluß der Schule sprechen sich
mehrere noch anwesende Mütter über
die gehörten Worte sehr freudig aus bes.
die Bäuerin N. N. war zu Tränen gerührt.

                        Schülerstand.


Klasse            Abteilg.          Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        U. Gr.                   15                    8                    23
     I.                     I.                        9                    13                   22
                            II.                      14                   10                   24
_________________________________________________
                            I.                       11                   19                   30
    II.                    II.                       12                   27                   39
                        V. U.                    24                   34                   58
_________________________________________________
                        Schülerzahl: 196.

 

7. Mai. Abreise des Hochw. geistlichen Rates und
Dechants Josef Endemann. Dises Scheiden
bedeutet für die hiesige Schule einen sehr
schweren Verlust. Herr Dechant Endemann
leuchtete nicht um den Leib herum mit Katechis-
musfragendrill sondern er leuchtete in
die Seele und erzog religiöse Kinder.
Nicht nur die Kinderherzchen bluteten beim
Auseinandergehen sondern auch die
wetterfester Männer. Schuljugend mit
Lehrkörper, Feuerwehr u. Veteranenverein
und eine ansehnliche Schar Erwachsener
begleiteten den edlen Hirten bis zur Scherk-
huberkapelle und verabschiedeten sich
dort bis Wiedersehen.-

1. u. 2. Juni. Die Zöglinge des Fortbildungskurses
besuchen unter Leitung des Oberlehrer Pointner
das Mustergut Otterbach des Herrn Georg
Wieninger, Präsident der k. k. Landwirtschafts-
gesellschaft. Die Besucher werden von Herrn
Wieninger am Bahnhofe empfangen und nach
dem Mittagessen nach Otterbach geleitet und
dort unter leichtverständlichen Aufklärun-
gen herumgeführt. Die Zöglinge sperrten
Augen, Ohren und Mund auf und werden
so ermüdet daß keiner abends um
9 Uhr mehr fähig ist geistig wach zu
bleiben. Auf der Heimreise werden die
Baumschulen bei Ort und die Butter-
station in Ort besichtigt und bei dieser
Gelegenheit der Oberlehrer Herr Anton Peter-
lechner, ein geborner Hochburger, be-
sucht.

13. Juli bis 23. August         Ernteferien

16. August. Der Oberlehrer Josef Pointner
besucht den 34. Landesfeuerwehrtag in
Ried und wird von den anwesenden
Delegierten in den Zentralausschuß des
o.ö. Landesfeuerwehr-Verbandes gewählt.
Von hier fährt er nach Schärding zum
landw. Fortbildungskurs für Volks-
schullehrer, der in der Zeit vom 17. bis
29. August abgehalten wird.
Über diesen Kurs eingehenden Bericht zu
erstatten würde viel Zeit und Raum
in Anspruch nehmen und wäre es noch
kein Ganzes. Der Kurs bleibt unvergeßlich!

Der Kurs umfaßt Theorie und Praxis und
zwar täglich von 8 - 10 Theorie, 10 - 11 Praxis
1 - 3 Theorie und 3 - 5 und auch darüber
Praxis. - Die Zeit könnte nicht mehr aus-
genützt werden. Exkursionen erhöhen
das Interesse und so wünscht jeder Teil-
nehmer am Schlusse, der Kurs möge nach
einigen Wochen wieder fortgesetzt oder
das Gehörte befestigt werden.
Montag den 24. hat der Kurs die hohe Ehre
von den Herrn k. k. Landesschulinspektor
Dr. Wilhelm Zenz u. k. k. Bezirksschulinspektor
Eduard Bartosch besucht zu werden.
Leider muß an diesem Tage der Kurs nach
Taufkirchen zur Tierschau um dort Rasse-
viehmerkmale studieren zu können.
Leiter des Kurses: Herr Präsident Georg Wieninger,
der über Tierzucht, Gesundheitspflege u.
Rinderzuchtstationen Vorträge hält.
Herr Genossenschaftsinspektor Wilhelm Hochegger:
Gerätekunde, Kulturgewächse, Feldfutter-
bau, Fütterung, Wiesenbau, Unkräuter,
Viehrassen, Baumzucht, Molkerei u.
Buchführung, Obstsorten und Obstverwertung.
Herr Direktor Hannsch:
Bodenkunde und Düngerlehre.
Herr Assistent Mehraner:
Feinde des Landwirtes, Geflügel- u. Fischzucht
(Leiter der praktischen Übungen).
Herr Oberingenieur Gassner:
Be- und Entwässerung.

27. September. Einzug des neuen Seelsorgers
Josef Froschauer, der von Schleißheim bei Wels
hieher ernannt wurde.
Schuljugend mit Lehrpersonen, Feuerwehr-
Veteranen und eine Menge Volk empfangen
unter dem Triumphbogen bei dem Krämer-
hause Schmitzberger den Herrn Pfarrer, welcher
von hochw. Herrn Pfarrprovisor Wanschura
mit herzlichen Worten begrüßt wird.

28. Herr Pfarrprovisor Eduard Wanschura verläßt
Hochburg.

29. September. Über Anregung des landw.
Bez. Vereines wird auf der Wiese vor dem
Gasthause Simon Sinzinger eine Tierschau
mit großem Pomp abgehalten nach
welcher Herr Präsident Georg Wieninger
einen 2stündigen Vortrag über Tierzucht
bes. aber Rinderzucht hält der von den
in ungeheuerer Menge anwesenden
Bauern, Bäuerinnen, Töchter u. Söhne mit
brausendem Beifall aufgenommen
wird. Mögen doch einige Worte auf
gutem Boden gefallen sein!

5. Oktober. Namensfest Seiner Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers
            Franz Josef I.
Nach einem Festgottesdienste findet in der
Schule I. u. II. Kl. die Schulfeier mit
ähnlichem Programme wie früher statt.
Gemeindvertretung, Ortsschulrat, die Beamten
der Fortsverwaltung sind anwesend.

11. Oktober. Installation des hochw. Herrn
Pfarrers Josef Froschauer, welche
der Dechant Herr Obermüller von Feldkirchen
vornimmt.
Die Feier wird den Ortsverhältnissen
gemäß in würdiger Weise abgehalten.

12. bis 20. September Vermessungen der
Parzellen für Wiesendüngungsver-
suche.
Oberlehrer Pointner regt eine Düngungs-
probe mit Thomasmehl und Kainit an, von
welch ersterem jeder 'Versucher 2 Säcke
à 100 kg und vom letzteren 1 Sack
je 50 kg unentgeltich erhält.
Die Düngung muß nach Vorschrift geschehen
10 a 100 kg T, 10 a ungedüngt, 10 a 100 kg T u. 50 kg K
auf einer und derselben Fläche.
Die Vermessungen führt O.L. Pointner durch.
"Möge diese Arbeit Nutzen bringen!"
Zu Düngungsversuchen ließen sich
herbei:
Neuhauser - Hochburg                    Hauser – Thann
Bresenhuber - Mitterndorf               Zimmermeister – Reit
Gratz - Sengstatt                              Reiter – Reith
Bauer - Sengstatt                             Lehmscheid – Reit
Holzner - Sengstatt                          Saliter – Kreil
Reitgassner - Thann            Staller – Staudach
Schacherbauer - Reisach               Paßberger – Paßdorf
Schacherbauer- dto                         Gratzl – Unterkriebach
Reiserer - Reisach                          Spanner - Grünhilling

Anfangs Dezember treten in einzelnen Häusern
Masern auf, welche jedenfalls von Ach eingeschleppt
wurden. Die Erkrankungen sind leichterer
Natur.

27. Dezember. Weil dieses Jahr der Ausflug und das mit
ihm verbundene Schulfest unterbleiben mußten
veranstaltete der Lehrkörper eine Christbaum-
feier, welche heute abgehalten wird.

       Programm.

1. Sei uns gegrüßt, o heilige Nacht!          Engelchor.
2. Zwiegespräch. Josef Reisinger I. Kl. u. Marie Danner II. Kl.
3. Christkindlein kommt! Vortrag des Weihnachtsengels /:Marie
            Glöcklhofer I. Kl. :/ mit einem Engelchor.
4. Enthüllung des Christbaumes.
5. Stille Nacht, heilige Nacht! Dem Andenken Franz Grubers,
            des Komponisten des schönsten Weihnachtsliedes.
            Gedicht, vorgetragen von Rosa Ofenmacher II. Kl.
6. Stille Nacht, heilige Nacht. 2stimmig gesungen von
            den Schülern der II. Kl.
7. Dá Briaftrager Seppl. Gedicht in Mundart, vorg.
            von Georg Ehrschwendner II. Kl.
8. Weihnachtsjubel. Gedicht, vorg. von M. Altenbuchnerr II.
9. An der Krippe. Engelchor.
10. Der Christbaum. Gedicht, vorg. v. Marie Esterbauer II.
11. Verteilung der Gaben.
12. Dank an die Wohltäter. Gedicht, v. v. Franziska Lang II.
13. Dö heilö Nacht. Gedicht in Mundart, vorg.
            von Franz Reiter II. Kl.
14. Ansprache des Oberlehrers.
15. Mein Oberösterreich. 2stimmig gesungen
            von den Schülern der II. Kl.

Die Freude der Kinder kann in Worte nicht
gekleidet werden. Die Beteilung ist eine
reichliche und wertvolle:
46 Kinder werden von der Schule mit
Kleidern, Kleiderstoffen, Tüchern, Schuhen
Hauben, Strümpfen, Wolle etc. etc.
versehen. Die Möglichkeit zu dieser
seltenen Unterstützung Bedürftiger fußt
auf einem gut angebrachten Bettel.
Die Großkaufleute, welche in die Handlung
des Herrn Adalbert Sützl Waren senden,
hatten bei Einlauf der Bettelbriefe das Herz
am rechten Flecke und halfen die Geschenke
in der liebenswürdigsten Weise ver-
schönern. Der Wert dieser Waren darf
auf mindestens 100 K angeschlagen werden
und darum sollen diese Kinderfreunde auch
hier verewigt werden. Vor allen ge-
bührt Dank und Anerkennung der sehr
werten Familie Sützl - Hochburg, sodann
den Großkaufleuten: Franz Hofmann – Linz,
J. Egger - Linz, Bock - Jägerndorf, Weil – Prag,
König - Linz, Oblatka - Prag, Levi – Salzburg,
Azwanger - Salzburg, Innger – Salzburg,
Trackl - Salzburg, Kindlinger – Salzburg,
Hofer - Salzburg, Laaske u. Beer – Jägerndorf.
Durch die freundliche Befürwortung des Gesuches
an die hochg. Frau Gräfin Reichenbach-
Lessonitz durch Herrn Oberförster Dwořák wurde
der Christbaumsäckel mit der kräftigen Unterst.
von 80 K bereichert. Der Söldner Georg Russinger

spendet 20 K, weil die Schuljugend sich an der Primiz-
feierlichkeit seines Sohnes h. Herrn Georg Russinger
beteiligte. Teils größere teils kleinere Beträge
wurden von den Hochburgern bereitwilligst
gegeben als sie von der Veranstaltung hörten.
Die Feier selbst ist gut besucht und aus den
Reden und Gesichtern der Teilnehmer kann
man Zufriedenheit herauslesen. Einige
bedanken sich sogar. -----

 

1904.

 

27. März. Schluß des landwirtschaftlichen
Fortbildungskurses. - Dieser Kurs galt
größtenteils als Wirtschaftskurs, weil in
demselben die Zöglinge in die Buchhaltung
des Landwirtes eingeführt wurden.
Anfangs meldeten sich gegen 20 Teilhemer
denen am ersten Tage das Vorhaben des Kurs-
leiters bekanntgegeben wurde, weshalb
ihnen der Besuch sehr ans Herz gelegt und
die zwei Wege vorgezeigt wurden entweder
jede Stunde des Kurses zu besuchen oder sogleich
wegzubleiben. 12 Zöglinge hielten stramm
aus darunter der Obmann des Ortsschulrates
Herr Max Glöcklhofer einer der intelligente-
sten Bauern der Gemeinde, der in jeder
Beziehung mitarbeitet an der Hebung der Volks-
Schul- und Landwirtschaftsinteressen.-

Ende März treten Masern auf, welche von Ach
eingeschleppt sich unter den Kleinen rasch verbrei-
ten. Die Vorsichtsmaßnahmen werden streng-
stens gehandhabt. Als auch ein Kind des
Oberlehrers erkrankt, gestattet der Gemeinde-
arzt den Besuch der Schule aus dem Grunde, weil
ein Eindämmen nicht mehr möglich sei.
Während der Bittage unterbleiben die
Prozessionen nicht, weil in Gilgenberg und
Geretsberg ebenfalls Masern herrschen.

                        Schülerstand 1. Mai.


Klasse            Abteilg.          Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        U. Gr.                   14                   12                   26
     I.                 O. 1.                   14                    6                    20
                         Gr. 2.                    8                   14                   22
_________________________________________________
                            1..                    12                   14                   26
    II.                     2.                     13                   29                   42
                        V. U.                    18                   28                   46
_________________________________________________
                        Schulbesuchende Schüler 182.

Die Volksschule Ach besuchen 7, die in
Überackern 1, in Burghausen 5, das Gym-
nasium in Burghausen 1 Schüler.

11. Juli bis 21. August inkl. Ferien, während welcher
die wichtigsten Reperaturen im Schulhause vor-
genommen werden.
Die Ernte ist eine zufriedenstellende. -

19. September. melden Schüler Eis.

4. Oktober Enthüllung der Kaiserbüste in
Braunau, an welcher Feier der Leiter der
Schule in der Eigenschaft als Obmann des
Feuerwehrbezirksverbandes teilnimmt.
Die patriotische Feier wird in der I. Klasse
abgehalten während für die Schüler der
II. Klasse dieselbe am Mittwoch den 5. u.
für die Schüler der Abtlg. mit verk. Unt.
am Donnerstag den 6. abgehalten
wird.

4. Dezember. Der Leiter der Schule er-
öffnet einen landwirtsch. Fortbildungs-
kurs. Gegenstände: Landwirtsch. Rechnen,
Aufsätze, landw. Lehre über Wiesenbau:
Herhaltung u. Verjüngung – Obstbau:
Setzen - Pflanzen u. Veredeln.-
Rinderzucht: Futterverhältnis zur
Milchergebnis. -

25. Dezember. Die Klassenlehrerin Frau Antonia
Pointner erkrankt plötzlich an Nieren-
steinkolik, die dem Leben bald ein Ende
gesetzt hätte, würde nicht der Doktor
noch zur rechten Zeit gekommen sein.
Der k. k. Bez. Sch. R. bewilligt einen sechs-
wöchentlichen Urlaub. -

1905.

 

1. Jänner bis 18. Februar Halbtagsunterricht in
beiden Klassen wegen Erkrankung der Lehrerin
der I. Klasse. -
Der Winter hält sich sehr kalt bei wenig
Schnee.
Mitte März wird in das Schulgebiet der
Keuchhusten eingeschleppt, der rasch an
Verbreitung zunimmt und einen sehr
mageren Schulbesuch verursacht. -
Fast sämtliche Schüler husten, die einen
heftiger, die anderen leichter.

16. April. Schluß des landw. Fortbildungs-
kurses. Derselbe wurde sehr fleißig
und mit großer Aufmerksamkeit von
18 Zöglingen besucht. -

26. - 30. April. Die Schule wird vom k. k. Bezirks-
schulrate Braunau am Inn infolge der an-
haltenden Verbreitung u. Verschärfung ein-
zelner Keuchhustenfälle u. Reinigung der
Schullokale anbefohlen und die vorgeschr.
Berichterstattung abverlangt. -

2. Mai. Aufnahme der Schulanfänger.
Wie alljährlich stellen die Mütter ihre
Kleinen vor und bringen die verschiedenen
Schmerzen zur Kenntnis der Lehrer, was
bezügl. der Individualitäten der Anfänger
dem Klassenlehrer einen großen Vorsprung verleiht.-

Interessant sind die Erscheinungen, die beobachtet werden
können auf dem Boden der Hauserziehung. Letztere
nimmt von Jahr zu Jahr ab. Die Eltern, Ausnahmen
abgerechnet, kennen ihre Pflichten betreffend die
Kindererziehung gar nicht mehr und vernach-
lässigen ihre Kinder vom 1. bis zum 6. Lebensjahr
in der abscheulichsten Weise. - Auffallend sind die
vielen Sprachfehler, ein Beweis, daß man mit
dem Kinde wenig spricht. In früheren Jahren
brachten fast alle Kinder kurze Gebete, das
Vaterunser, wenigstens doch das Kreuzzeichen
aus dem Elternhaus mit in die Schule. Die
heurige Aufnahme zeigte, daß viele Kinder nicht
einmal das Kreuzzeichen machen konnten. -
Ein arger Übelstand macht sich ebenfalls bemerk-
bar, die Eltern lehren ihre Kinder nicht den
geringsten sittlichen Anstand. Wenige verstehen
auf einen Abort zu gehen. sie können ihre
Kleider nicht in Ordnung bringen und kommen
ganz hilflos in die Klasse. - Der Lehrer oder die
Lehrerin der Elementarklasse muß anfangs
Kindermädldienst verrichten, soll aber seiner
berufl. Pflicht nachkommen! - Genau so wie sich
viele ja ein Großteil unserer lieben Eltern
um ihre Kinder im vorschulpflichtigen Alter nicht
kümmern, so kümmern sie sich auch im nach-
schulpflichtigen Alter nicht um sie. Möchten
doch endlich katholisch sich nennende Großmäuler
dieses absolut nicht katholische Treiben zum Gegen-
stande ihrer Erörterung in Zeitungen, Zeitschriften
u. Versammlungen machen! Das walte Gott!

                                   Schülerstand.


Klasse            Abteilg.          Knaben          Mädchen        Schüler
_________________________________________________
                        Untergruppe       13                   17                   30
     1.               Ober.  1.              14                   10                   24
                         gruppe 2.           12                    7                    19
_________________________________________________
                           1..                     11                   14                   25
    2.                   2.                      16                   22                   38
                        mit verk.U.          16                   30                   46
_________________________________________________
                        Die Schule besuchen 182 Schüler.

17. Mai. Schillerfeier und kombinierte
Konferenz der Zweiglehrervereine des
Schulbezirkes Braunau a. Inn. -
Die Schillerfeier verlief in der würdigsten
Art und Weise. Herr Lehrer Parrer – Eggets-
berg hielt eine formvollendete inhalts-
schwere Gedenkrede. - Brausender Beifall
und Jubel folgte seinen Worten. -

29. 3. u. 31. Mai. Bittage. Die Schüler be-
teiligen sich an den Bittprozessionen wegen
der Keuchhustenepidemie nicht. -

19. Juni. Die Bezirkslehrerkonferenz findet
in Braunau statt. Die Mitteilungen des
Herrn k. k. Bezirksschulinspektors werden
in den Lokalkonferenzen besprochen. Höchst
interessant waren die Vorträge der Herrn
Koller und Bruckmayer. Die Nachkonferenzen
büßten durch die Spaltung der Lehrerschaft sehr
an Gemütlichkeit ein. Das vorgesteckte Ziel
wird langsam erreicht und das wollte man ja,
obwohl Christus sagt: "Der Friede sei mit euch!"

6. Juli. Lehrspazierfahrt nach Schwaig – Überackern.
Dem schulfreundlichen Entgegenkommen der gräfl. Reichenbach-
Lessonitz'schen Forstverwaltung in Hochburg hat es die
Schulleitung samt den Kindern der Abtlg. mit verk.
Unterrichte zu danken, daß eine Lehrspazierfahrt nach
Schwaig - Überackern gemacht werden konnte.
Donnerstag, 11.45 Uhr wurde vom Schulhause, die Schüler
in Viererreihen geordnet, abmarschiert und auf
der Weitenhillinger bis zur Waldbahn gegangen.
Hier erhielt die Telephonanlage, der Bahnbetrieb,
der Schienenstrang, Teile eines Wagens etc.
eine längere Erörterung, nach welcher von den
Schülern unter lautem Halloh zwei zu dieser
Fahrt sehr praktisch und bequem eingerichtete
Personenwagen bestiegen wurden. Nachdem
das Innviertler Motto: "Á lustigö Aicht " ---
schneidig abgesungen worden war, lief der Zug
um 12.37 Uhr aus der Station. Die übrigen
Wägen waren teils mit Brenn- teils mit
Langholz beladen, mit dessen Gewinnung - Maß -
Beförderung zur Bahn und zum Wasser, Ver-
wendung sich sogleich der Unterricht befaßte.
Auf der weiteren Fahrt wurde nur anschaulich
unterrichtet über: Baumarten – Unterschied
zwischen Schwarz- u. Weißkiefer - Bodenart im
Weilhart - Papierholz, Bloche, Bauholz, Waldbaum-
schule, Versetzen der Pflanzen, die Schlägerun-
gen in den Bauernhölzern, Forstgesetz, - Gefälle
u. Steigung der Bahn. - Um 3.5 Uhr fuhr der
Zug unter Gesang u. Jauchzen der Schüler in
Schwaig ein. - Hier konnten die Schüler das

Einwerfen und Abrutschen des verfrachteten
Holzes in den Riesen von oben betrachten. Nach
diesem Schauspiele begab sich die ganze Karawane
zum Holzlagerplatz an der Salzach. Hier sahen
sie mit welcher Gewalt die Stämme und Scheiter
aus den Riesen flogen. Daran schloß sich eine
Wiederholung aus dem geogr. - gesch.- Unterrichte
der engeren Heimat, des Innviertels und Oberöster-
reichs. Eine Kehrtwendung und die Mündung
der Salzach in den Inn lag vor den Augen.
Ein heftiger Gewitterregen jagte die Schar in
das nahe Wäldchen, wo sie unter Buchen ein
schützendes Dach fand. Nach der Besichtigung der
Verladung des Brennholzes vom Lagerplatze in eine
Plätte, was den Kindern viel Spaß bereitete,
lud der Herr Oberförster Rudolf Dvořák die
Jugend zu einem Imbisse in die Arbeiterkantine,
wo nicht nur die Augen sondern auch gar bald der
Mund immer weiter wurden bis letzterer mit
Würsten und Brot verstopft und erstere infolge
des Wohlbefindens zu Schweinsäuglein zusammen-
sanken.
Der sehr kurze Aufenthalt wurde nach der Atzung
durch Absingen einiger Scharlieder gewürzt und
mußte mit allem Ernste um 5.30 Uhr abge-
schnitten werden. Vor Abgang stellten sich die
Schüler im Halbkreise auf, der Herr Oberförster
samt Familie und die Herren Beamten der
Forstverwaltung wurden in denselben gebeten,
das Schützenlied kam zum Vortrage und die Schülerin
Rosa Ofenmacher sprach den Dank. -
Fort gings unter Jauchzen - Hüte und Tücherschwenken.

Auf der Rückfahrt wurde an der Neukirchnerin ein
Abstecher zur Helmbrechtslinde gemacht, wo den
Schülern Einiges über Holzkohle gesagt werden konnte,
weil dort ein Meiler sich im Kohlen befand.
Die Meilnerin gab Gelegenheit über Römerstraßen
zu sprechen. An der Forststraße verließen um
7.30 Uhr die meisten Schüler ihre Wägen mit dem
Wunsche: "Könnten wir weiterfahren!" Am
Hunnenwege mußte auch der Rest der Aus-
flügler aussteigen. Die noch anwesenden
Schüler sangen am Kirchberg vor dem Aus-
einandergehen frisch und munter:
"Á lustigö Stund, dö habm ma jatzund
Sama lustö beinand, b'hüát eng Gott alle
miteinand'!" -
Möge wieder zum Aufbaue der Beachtung der
Schule und ihrer Bemühungen ein kleines Stein-
chen hinzugelegt worden sein! -

10. - 15. Juli. Der Erlaß des k. k. Landesschulrates vom
30. Mai 1905, Zl. 481, womit der k. k. Bez. Sch. R.
ermächtigt wurde, Schulversäumnisse infolge
dringender Feldarbeiten während der Ernte-
zeit als entschuldigt anzuerkennen, wird von
der Bevölkerung gehörig ausgenützt. Nicht
weniger als 34 Parteien machten von dieser
Schulbesuchserleichterung Gebrauch. -

17. Juli - 27. August inklusive Ferien. -

Die Ernte war eine gute und reichliche. Die
meisten Bauern der Gemeinde sind zufrieden.

7. September. Konferenz in Holzöster: Dorthin fahren
die Lehrkörper Ach und Hochburg.

9. September. Die Lehrerin 2. Klasse Frau Antonia
Pointner erkrankt und erhält auf Grund des
ärztlichen Zeugnisses einen mehrwöchentlichen
Urlaub. Während desselben empfiehlt Herr
Dr. Wendling eine Karlsbaderkur, welche am
18. Oktober beginnt und am 16. November
endet.

Vom 9. September bis 3. Dezember wird an
der Schule wegen Lehrermangel Halbtagsunter-
richt erteilt.
Die patriotischen Feier werden in der her-
kömmlichen Weise abgehalten nur mußten
sämtliche Schüler in einer Klasse untergebracht
werden. Das Schulzimmer war mit Fahnen
und Blumen geziert. Vom Dache hing die
schwarzgelbe Flagge. -

3. Dezember. Der landwirtschaftliche Fortbildungs-
kurs wird mit 32 Zöglingen eröffnet.
Gegenstände: Landwirtschaftliches Rechnen.
Aufsatz u. Landwirtschaftslehre. Besonders
Obst - und Futterbau finden kräftigste
Befürwortung.

1906.

 

Die Eisschießgesellschaft bestehend aus den Herren:
Dechant Froschauer, Kaplan Derflinger, Oberförster
Dwořák, Forstkassier Schneedorfer, Forstkontrollor
Sauer und Oberlehrer Pointner läßt auf eigene
Kosten mit Erlaubnis des Besitzers den sogenannten
Traunerweiher reinigen um eine schöne Eisfläche
zu erhalten, welche dann der Schuljugend als
Tummelplatz angewiesen werden wird.

            Abschrift

Zl. 177 Sch.                           Braunau am Inn, den 6. Febr. !906

                   An

die Schulleitung in Hochburg.
Der Schulleitung wird aufgetragen, künftighin
aus Anlaß des Empfanges der Hl. Sakramente der
Buße und des Altares auch jenen Kindern,
welche nur beichten und nicht kommunizieren,
zwei halbe oder einen ganzen Tag vom
Unterrichte freizugeben.
            k. k. Bezirksschulrat.
            Der Vorsitzende:
            i. V. Ruff mp.

 

8. März. Konferenz in Holzöster. Die Lehr-
personen beteiligen sich an derselben.

7. April. Wendlingfeier in Ach.
Die Schüler der 6. 7. u. 8. Schuljahre nehmen teil unter
Führung der Lehrerin Frau Antonie Pointner.
Oberlehrer Pointner übernahm die Stelle als Fest-

ordner. Die Schülerin Marie Esterbauer 7. Schj. Ist
in alter Innviertlertracht gekleidet.

       Festordung.

9 Uhr Aufstellung des Festzuges vor dem Zoll-
amtsgebäude.
½10 Uhr. Abmarsch. Am Festzuge beteiligen sich:
Schuljugend von Hochburg und Ach, Veteranenverein
von Burghausen I u. II und Hochburg - Ach, Musik,
Feuerwehren u. zw. Verbandsausschüsse Datz – Oster-
miething, Eichelseder - Radegund u. Hinterberger – Tars-
dorf dann die Wehren Hochburg u. Ach in Paradeadjustierung,
Finanzwache Ach u. Gendarmerie Ach, Behörden von
Burghausen, Festgäste von Burghausen, in einem
Kranz von weißgekleideten Mädchen der Gefeierte
kaiserliche Rat Wendling, der k. k. Bezirks-
hauptmann Baron Beulwitz und der k. k.
Bezirksarzt Dr. Hammerschmid, denen folgten
die Ärzte der Umgebung u. Festgäste.
Im Klassenzimmer 2 des Schulhauses Ach findet
die Übergabe des Dekretes statt.

1. Männerchor: Das treue deutsche Herz.
2. Ansprache des k. k. Bezirkshauptmannes
            Baron Beulwitz und Überreichung des
            Dekretes.
3. Der Bürgermeister Anton Glöcklhofer – Hochburg
            übergibt das Ehrenbürgerdiplom mit einer
            kurzen Danksagung.
4. Beglückwünschung der Schuljugend von
            Ach und Hochburg.
5. Dank des kaiserlichen Rates mit einem

dreifachen Hoch auf Seine Majetät unseren
allergnädigsten Kaiser u. Herrn Franz Josef I.

6. Kaiserlied.


Nach Schluß der internen Feier bewegte sich der
Festzug wieder zurück bis zum Gasthof Pachler,
in welchem der Nachmittag in größter Gemütlich-
keit verlief.
Der Glückwunsch der Schule Hochburg wurde von
der Schülerin Marie Esterbauer, in alter Innviertler-
tracht gekleidet, sehr gut zum Vortrage gebracht
und kann hier folgen:

Grüß Gott Herr kaiserlicher Rat!

I Woaß's, Sö erlaubn ma gwiß á á poar Wort.
Wann i á nu á Kind bin. I bin von án Ort,
Wo Herr Rat habm schon öfter die Schul inspiziert
Und gschaut habmt, wo nöt eppá á Krankheitskeim blüaht,
Wia groß daß ma han und wia d'Farb von dö Haar,
Und in d'Augn habns uns gschaut, ob dö gsund han und klar,
Ob ma d'Zähnd alle habn und da Körper is grecht. -
No bei uns woar doh wenigstens Alles nu echt! -
Aber halt! - Gspoaß beiseit! Denn wir wolln gratulieren
Und uns a für d'Zukunft anrekommandieren.
Mir freun uns mit Eahna und fühln uns geehrt,
Weil sogar insa Kaisa hat kennt Eahnen Wert
Und Ehna Herr Dokta, zum Rat hat ernannt.
In Boan und in Estarei is 's ja bekannt,
Was Sö für dö Leut alles gwirkt habnd und tan
Daß ma Eahna gnua Dank gar nöt ausspröchá kann.
Sogar mir als Kinda vastengan dös guat,
Was a Dokta, wia Sö, für dö Leut alles tuat.

Wia vieln von uns Kindern hätts kost schon nahn Löbn,
Wann nöt Sö uns, Herr Dokta, des Rechte hättn göbn.
Wia viel von uns standn als Woaserln gwiß da
Und woanatn Vata und Muattá hiazt nach,
Dös grett' habm, weils kema san jederzeit gschwind
Und gschaut habmt, daß dös Kranke a Hilf und gschnell findt.
In Sturm und in Schnee und wia oft z' Mitternacht
Habns Hoffnung und Hilf zu dö Sterbadn bracht
Und habnt nöt lang gfragt, was er is, was er hat?
Es war Eahna gnua: Á Mensch is in da Not!
San gfoahrn, wanns a nu a so braucht hättn d'Ruah!
Doh wer kunnt denn alls sagn? I Moan 's is gsagt gnua.
Der Nam "Dokta Wendling" sagt in unsara Gögnd mehr,
Als wann i woaß was von da Nächstenliab her.
Drum sag' i, wann wo wem d' Auszeichungn ghert,
Is 's da Herr Dokta Wendling gwiß hundertmal wert.
Drum wünschn á mir Hochburger vom Herzensgrund:
"Unsa Herrgott mecht Eahna erhaltn recht gsund
Und Eahna löbn lassn nu recht viele Jahr!"
Was i gsagt han, kimmt alls ausn Herz und is wahr.
                                    Konrad Schickinger.

8. April. Schluß des landwirtschaftlichen Fort-
bildungskurses. Als Schlußfeier wird eine Wiese
des Neuhausers vermessen und die Fläche der-
selben berechnet. Als Belohnung für den
eifrigen Besuch wird am Pfingsdienstag ein
Ausflug nach Raitenhaslach gemacht, wo
die Musterwirtschaft des Herrn Baumgartner
eingehend besichtigt werden wird. Der
Obmann des Ortsschulrates H. Max Glöcklhofer,

Bauer in Staudach, besucht durch 5 Jahre ununter-
brochen sehr fleißig den Fortbildungsunterricht.
Mögen immer mehr selbständige Bauern
diesen Unterricht besuchen damit es endlich ein
bißchen heller werde zum Nutzen des Bauern-
standes und zum Wohle der Schule!

2. Mai. Beginn des Schuljahres 1906 - 07. Die Mütter
führen ihre Kleinen vor und klagen großteils
über den "Unend des Büabls oder des Diandls."
Diese Klagen sind dem Lehrer nicht neu und er weiß gar
gut, daß diese Klagen nur zum Schein vorgebracht
werden. Die Erziehung des Elternhauses ist in den
allermeisten Fällen ϴ wenn nicht gar schlecht.
Der Kapitalfehler, der sich von der Wiege bis zum
Grabe bei unserem Volke sehr kräftig bemerkbar
macht, heißt: "Gleichgültigkeit." - Wäre nicht
die Schulpflicht und würde sich die Schule nicht redlich
Mühe geben den Aufbau der Charaktere sorgfältigst
zu pflegen, es sähe traurig, sehr traurig aus.
Immer mehr treten Sprechfehler auf, ein
Zeichen, daß daheim mit den Kindern wenig
oder gar nicht gesprochen wird und daß man
sogar noch Freude zeigt, wenn dös kloane
Patscherl recht dumm redet. Hör- und Sehfehler
werden gar nicht beobachtet. Wie dieses
"katholische Volk" erzieht, sieht der Lehrer alljährlich
daraus, daß viele Anfänger keinen Dunst
vom Kreuzzeichen oder irgend welchem Zeichen
des Katholizismus mitbringen. Zur Hetze gegen
Schule und Lehrer ist das Volk eben gut genug.

                                   Schülerstand.


Klasse            Abteilung       Knaben          Mädchen        Zusammen
____________________________________________________
                        Untergr.               10                   14                   24
     I.                 1. Ober-             12                   17                   29
                         2. gruppe           13                    9                    22
_________________________________________________
                           1.                      14                    6                    20
    II.                    2.                      14                   22                   36
                        3.mit verk.U.       21                   31                   52
_________________________________________________
                        Die Hochburger Schule besuchen 183 Schüler. -

10. Mai. Konferenz des Zweig – Lehrervereines
Weilhart. An derselben nehmen die hiesigen Lehr-
personen teil.

20. Mai. Der Kaplan u. Katechet Hochw. Herr Derflinger
gründete eine Marian'sche Kongregation
welcher Mädchen vom 14. Lebensjahre an ange-
hören. Solange diese Vereinigung einzig
und allein den Zweck verfolgt die Mädchen
sittlich rein zu erhalten, ist sie vom Standpunkte
der Erziehung wärmstens zu begrüßen.
Heute treten die Mädchen, gewesene Schülerinnen
der Schule Hochburg das erste Mal in einem
Theaterspiel vor die Öffentlichkeit und verdienen
bezüglich Auftritt und Sprache volles Lob.

30 Mai. Sr. Excellenz der hochw. Bischof Franz Maria
Dr. Doppelbauer wird um 6 Uhr abends empfangen.
Die Schülerin Hermine Pointner spricht einen
pontischen Empfangsgruß und überreicht einen
Blumenstrauß. Sämtliche Schüler bilden

Spalier, hinter welchen die Vereine Veteranen und
Feuerwehr ihre Aufstellung genommen.
Nachdem die Empfangsformen seitens Geistlichkeit
Gemeindevertretung. Ortsschulrat etc. etc-
erledigt waren, begibt sich Se. Excellenz in die
Kirche, wo nach einer Ansprache die Religions-
prüfung abgehalten wird. Über Art und
Weise der Prüfung hüllt sich die Chronik in tiefes
Schweigen, sie will nur verkünden, daß man
zufrieden war. -

31. Mai. ½7 Uhr Schulmesse, bei welcher die Schüler das
Meßlied: "Hier liegt vor deiner Majestät -" -
recht gut singen. Nach derselben findet die
Weihe des neuen Altares statt, welche nahzu
2 Stunden in Anspruch nimmt. Derselben
folgt die Hl. Firmung, die an 359 Firmlingen
gespendet wird.

5. Juni. Ausflug der Zöglinge des landw. Fort-
bildungskurses und einiger Gäste zusammen
40 Männer nach Raitenhaslach.
11 Uhr mittags Abmarsch von Hochburg. Weg durch
Mitterndorf, Sengstatt, Reisach, Dann, den
Weilhartsforst nach Werfenau, wo die
Sammlung der Teilnehmer stattfindet.
Eine Drahtseilfähre bringt die Gesellschaft an
das bayerische Ufer. Nach einer kurzen Wanderung,
welche die Besichtigung einer Kunstwiese, einer
Baumschule und mehrerer Zierbäume gestattet,
stärken sich die Ausflügler in der Gastwirtschaft,
wo mehrere Radfahrer aus Hochburg (Fortbildungs-
schüler) die Zahl 40 vollmachten.

Einer herzlichen Begrüßung folgte ein hochinteressanter
Vortrag des Herrn Gutsbesitzers Baumgartner
über seine Erfahrungen in den Zweigen: Futterbau,
Viehzucht, Milchwirtschaft. Redner sagt, der Bauer
wird rationell arbeiten, wenn er jeder Arbeit
auf Wiese, Feld, Stall etc. das Wörtchen: "Warum?"
vorsetzt. In der weiteren Rede erklärt er
alles Sehenswerte seiner Wirtschaft spricht seine
Freude über den zahlreichen Besuch aus und ladet
zu einem Besuche im nächsten Jahre ein. Oberlehrer
Pointner dankt dem Redner für die ausgezeichneten
Winke in den einzelnen Zweigen der modernen
Landwirtschaft, bezeichnet den Besitz Baumgartners
und seine Wirtschaftsmetode als Musterwirtschaft,
begeistert die Anwesenden zur teilweisen Nach-
ahmung besonders zum Übergang vom Getreide-
zum Futterbau und dankt H. Baumgartner
für seine Bemühungen. Die Anwesenden
erheben sich von den Sitzen.
Der Rundgang unter Führung des Herrn Baum-
gartner beginnt. Die Stallungen und die darin
herrschende Reinlichkeit mit den Düngeranlagen
machen auf die Besucher einen überwältigenden
Eindruck. Die wichtigsten Maschinen werden
vorgezeigt. Die Kanalisierung der Stallungen
sowie sämtlicher Gebäude mit den Erklärungen
des "Warum?" versetzt die Leutchen in großes Staunen,
weil sie nicht begreifen, daß man für solche Zwecke
auch Geld und noch so viel ausgeben kann. Herr
Baumgartner benützt Torf zu Streuzwecken und
erklärt wieder das "Warum?"

Streu- und Dünger bilden für den Landwirt den Grund-
stock des wirtschaftlichen Planes darum wisse jeder wie
sein Boden beschaffen sei. Für die Verwendung des
Kunstdüngers treffen Schillers Worte zu: "Wohltätig
ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt,
bewacht!" Nicht alles Heil liegt im Kunstdünger.
Herr Baumgartner führt nach einem Rundgang
in seinem Obstgarten die ganze Gesellschaft nach
Bergheim, 1 Stunde von Raitenhaslach entfernt,
wo sie seine Wiesen und Felderwirtschaft
anschauend kennen lernen. Bei dieser Gelegen-
heit verdammt H. Baumgartner die Brache
und empfiehlt den Anbau zur Hälfte Wicken und
zur Hälfte Hackfrucht. In Seinem Maierhofe
lernen die Leute verschiedene Geräte zur Bear-
beitung feuchtkalter Böden, den Hederich-
bestreuer etc. etc. kenne. Hier sehen
sie auch die Erfolge der Simentalerrasse-
zucht in einem Stalle mit Jungvieh.
Vor dem Wirtschaftsgebäude schließt Herr
Baumgartner alles Gesehene in erklärende
Worte und ersucht an ihn Anfragen stellen
zu wollen. Oberlehrer Pointner dankt noch-
mals für die Bemühungen des Herrn Baumgartner
und bittet, wenn vielleicht einem der Besucher
das Gesehene den Wegzeiger zur Besserung
gegeben hätte und er würde später um Aus-
kunft nach Raitenhaslach pilgern, die Türen
nicht verschließen zu wollen. Herzlicher Abschied!
Um 9 Uhr abends befinden sich die Ausflügler
wieder in ihrern Häusern. Fortschritt beseele!

6. Juni. Die Wettersignalstation tritt in den Dienst
der Wohltätigkeit.
Über Anregung des Oberlehrers Pointner in der
Ausschußsitzung des landwirtschaftlichen Bez.
Vereines, es wolle die Gemeindevorstehung
ersucht werden einen Teil der Herstellungskosten
einer einfachen Wettersignalstation zu über-
nehmen und dann eine solche zu errichten,
wurde der einstimmige Beschluß gefaßt frisch
ans Werk zu gehen. Dem Oberlehrer Pointner
und Schriftführer Sinzinger, welch letzterer
die Signalisierung bereitwilligst übernahm,
wurde die Durchführung der Errichtung über-
tragen. Beide gingen zum Bauer Erber und baten
diesen um den Mastbaum der denselben un-
entgeltlich zur Verfügung stellte, wofür
ihm großer Dank gebührt. Kiste, Draht, Räder-
werk und Erbauung des Häuschens übernahm
die Gemeindevorstehung, ein Zeichen der
fortschrittlichen Gesinnung derselben. Es
soll hier festgenagelt sein, wie sehr sich der
gegenwärtige Bürgermeister Anton Glöckl-
hofer, Besitzer des Neuhausergutes in Hochburg,
um das Wohl seiner Gemeinde sorgt.
Besonders die Schule Hochburg hat diesem ruhig
denkenden, keiner Partei angehörigen, tüchtigen
Manne für die mächtige Förderung dankbar
zu sein.
Soviel Feinde und Spötter die Signalstation heut noch
hat soviel Freunde wird sie nach Ablauf des Sommers
haben.

24. Juni. 6 - 8 Uhr früh Inspektion der Abteilung
mit verkürztem Unterrichte durch den k. k.
Bezirksschulinspektor Herrn Karl Hödl.
10 - 12 Ausschußsitzung des Feuerwehr-
bezirksverbandes Wildshut in Haigermoos.
um 2 - 6 Uhr Delegirtenversammlung
desselben Verbandes unter Leitung des
Oberlehrers Pointner. -----

4. Juli.             Schülerausflug.
Um 12 Uhr mittags wird nach Absingung des Mottos
"Á lustigö Aicht" von Hochburg abmarschiert. Die Be-
wohner des Ortes versammeln sich ebenfalls, die
frohe Schar in der Jubelstimmung zu sehen.
Auf dem Sauwege geht die Wanderung bis zum Wald,
wo sich der Grünhillingerweg abzweigt. Auf
diesem geht es weiter bis zur Römerstraße
/:Weilnerin:/ und auf dieser in die Ortschaft
Parsdorf. Hier wird kurze Zeit Heimatkunde
eingeflochten, damit die Kinder die Ortschaften und
deren Lage zum Schulorte und unter einander
sehen und eine Orientierung in der Gemeinde
erhalten. Begriffe wie Berg und Tal, Mulde,
Bergrücken, Teich, Fahrweg, Fußweg etc. etc.
kommen zur anschaulichen Besprechung.
Waldbaumarten, Beeren, Pflanzen, Gräser
werden benannt. Das Reifen der Getreide-
arten wird beobachtet.
Von Parsdorf, wo sich dem Zuge viele Erwachsene
besonders Eltern und Angehörige der Kinder
anschließen, zieht sich der Weg bei großer
Hitze durch Unterkriebach, Dorfen nach

Duttendorf in das Gasthaus des Kinderfreundes
Georg Buchberger. Nach der Ankunft werden
die Anwesenden mit dem Motto begrüßt und
die Rast bringt der Jugend Wasser und Brot
und verscheucht die ziemlich merkbare Ermüdung.

       Ordnung.

1. Marsch der Blinden, Mädchen I. Schulj.
2. Schnellaufen ohne Hindernisse, Knaben I. u. II. Schj.
3. Wetthüpfen, Mädchen II. Schj.
4. Der Schuldner und der Gläubiger, Vortrag: Angermayer.
5. Schützenlied.
6. Schwebebaumlaufen, Knaben III. u. IV. Schj.
7. Nur nix halbáts, Vortrag. Mitterbauer M.
8. Husarenlied.
9. Blindstechen, Mädchen III. u. IV. Schj.
10. Der Alpenhirt.
11. Dá Teufö und dá Stiefö, Vortrag: Reschenhofer Jos.
12. Sacklaufen, Mädchen V. Schj.
13. D' Wünsch, Vortrag: Danner M.
14. Im Wald und auf der Heide.
15. Ballstoßen, Knaben V. u. VI. Schj.
16. Das Lied der Lieder.
17. Mein Müáderl, Vortrag: Ehrschwendner Frz.
18. Ballfangen, Mädchen VI. Schj.
19. Du sollt Vadá und Muádá ehrn!
            Vortrag: Glöcklhofer Simon.
20. Topfschlagen, Mädchen VII. Schj.
21. An unsá Landvolk, Vortrag: Hager Rosina.
22. Mein Oberösterreich.
23. Schnellaufen mit Hindernisse. Knaben VII. u. VIII.
24. Mein Österreich, Vortrag. Glöcklhofer Maria.

25. Franz Josefs Hymne.
26. Eierlauf, Mädchen VIII. Schj.
27. Preisverteilung.

Dieser Programmpunkt zieht die größte Aufmerk-
samkeit auf sich, weil wertvolle Preise zur Ver-
teilung kommen können. Dies ermöglichte
die große Schulfreundlichkeit der beiden Krämers-
frauen Sützl und Göpperl, welch letztere Gegen-
stände im Schätzungswerte von mindestens 12 K
spendete, und eine kleine Unterstützung aus
dem Vergügungsfonde der Schule.
Unter den wertvollsten Preisen befanden sich
Mützen, Kopftücher, Haarkämme, Halstücher
Hemden, Taschentücher, Seifen, Strickwolle
Hosenträger, Schürzen, Taschenmesser, ver-
schiedene Schulrequisiten u. a. m.
Die Anwesenden spendeten nicht nur für die
armen Schüler Speise und Trank sondern auch
Geld zur Herhaltung des Vergnügungsfondes.
Nach der Preisverteilung dankt Oberlehrer
Pointner den Spendern für die Möglichkeit der
Preisverteilung den erschienenen Eltern und
Schulfreunden für den ehrenden Besuch und
spricht über Gehorsam, Dankbarkeit und
Wahrheitsliebe, Pünktlichkeit und Gleich-
giltigkeit, Anspruchslosigkeit und Genügsam-
keit, Schutz gegen schlechte Umgebung des
Kindes, Zusammenhalten von Schule und Haus,
Reichsvolksschulgesetz und schließt mit einem
dreifachen Hoch lebe Seine Majestät unser aller-
gnädigster Kaiser Franz Josef I.!

Nach Absingung des Kaiserliedes spricht die
Schülerin Marie Esterbauer /:Barber:/ folgendes
Gedicht von Antonie Pointner:
Lustig in Ehrn hat Gott und Mensch gern!
Dös san ma heunt gwön. Zlötzt laßts mi a weng rödn,
Denn dös Lötzt is dös Böst. I sag: Vergelts Gott recht föst
Für Alls, was uns göbm habts, für insan Hunga und Durst,
Für a nieads Bröckö Broat und a nieads Radl Wurst,
Für dö Sachán dö schön, dö ma kriagt habm als Preis!
I dank á recht schön für dö Müah und den Fleiß,
Fens ghabt habts ös Lehra mit uns Kinda allzeit!
I sag Enks, ös hat uns heut sakrisch g'freut!
A Enk liabö Leutln, dös mitn Bsuach uns habts g'ehrt,
A Enk sei von Herzn insa Dank heut bescheert.
I wünsch Enk: Kemts alle recht pumpalgsund hoam
Und grüaßts uns allsand dö nöt mitkinna habm.
Eppa sehgn ma ins wieda in an Jahrl a zwoa,
So sag i auf d'Lötzt nu und iatzand is's goa.

Aufstellung sämtlicher Kinder und
Absingung des Mottos, dann Schluß.
3 große Leiterwägen bringen das müde Volk
in die verschiedenen Ortschaften, ein kleiner
Teil der Schüler wandert zu Fuß nach ihren Heimstätten.
Der Ausflug war ein Beweis, daß die Liebe
und Anhänglichkeit zur Schule in der Be-
völkerung Hochburgs im steten Wachsen
begriffen ist. Ein gutes Zeichen! -
Die Erkundigungen um das Wohlbefinden der
Schüler nach dem Ausfluge ergaben sehr
zufriedenstellende Resultate.

1. Juli bis 31. August.

            Ernteferien

2. September. Verteilung der von Sr. Majestät
dem Kaiser Franz Josef I. gestifteten Ehrenmedaille
für 25 jährige Dienstzeit auf dem Gebiete des
Feuerwehr- u. Rettungswesens an 11 Mitglieder
der frw. Feuerwehr Hochburg durch den Bezirks-
verbandsobmann Josef Pointner.

6. September Konferenz des Zweiglehrer-Vereines
Am Weilhart in Geretsberg, welche einen
Lügenartikel im Linzer - Volksblatte № 208
vom 13. September 1906 veranlaßte.

16. September. Inspektion durch den k. k.
Bezirksschulinspektor Herrn Karl Hödl.

17. September. 1. Waisenratssitzung unter
dem Vorsitze des k. k. Bez. G. Adjunkten im
Gasthaus Sinzinger bei welcher Vertrauens-
männer in den einzelnen Ortschaften der
Gemeinde Hochburg - Ach aufgestellt
wurden.

4. Oktober. Anläßlich des Namensfestes
Sr. Majestät unseres Kaiser wird die
übliche Schulfeier abgehalten.

2. Dezember. Eröffnung des landw.
Fortbildungskurses mit 30 Zöglingen.
Im selben werden die Gegenstände:
Rechnen - Lesen - Aufsatz und Land-
wirtschaftslehre durchgenommen.


Im abgelaufenen Jahre wurde das Schulhaus
kanalisiert und die Waschküche gebaut wodurch
der Ortsschulrat Hochburg seine Fürsorge an
Schule und Lehrer am besten dokumentierte.

                   1907.

Ein regelrechter Winter hält Einkehr. Schlitten-
und Eisbahnen werden eifrigst benützt.
Kälte anhaltend. Die Gesundheit der
Schuljugend ist zufriedenstellend. Die
Schüler besuchen bei der grimmigsten Kälte
die Schule.

5. März. Hochwürden Herr Dechant Froschauer
an Gehirnschlag gestorben.
Der Verstorbene war der Schule ein warmer
Freund und spendete mehrere Lehrmittel.
Am Leichenbegängnisse beteiligt sich
die Schuljugend, der Lehrkörper und der
Ortsschulrat von welchen ein sehr schöner
Kranz auf das Grab gelegt wird. R. I. P.

4. März. In der Ortsschulratssitzung wird
einstimmig beschlossen eine Bittschrift
an den Landtag betreffend Gehaltser-
höhung für die Lehrerschaft des Landes
abzusenden, welche sowohl von den
Mitgliedern des O. Sch. R. als auch von der
Gemeindevorstehung gefertigt wird.

21. April. Schluß des landwirtschaftlichen
Fortbildungskurses. Derselbe wurde
durchschnittlich von 18 Zöglingen sehr
fleißig besucht. Leider mußten die Feld-
und Baummessungen wegen des schlechten
Wetters wegbleiben.

1. Mai. Schuljahrsbeginn. Die Mütter
bringen ihre Kinder in die Schule zur
Aufnahme. Nervöse Kinder sind gegenwärtig
keine Seltenheit mehr. Die Klagen über
grundloses Zusammenzucken oder Zittern
mehren sich. Sprachfehler werden genug
gemeldet. Die Schule soll nun auf solches
Material veredeln! Würden die Eltern
ihren Pflichten nur im geringsten nach-
kommen, so wäre dieses Veredeln doch nicht
ganz erfolglos aber leider muß konstatiert
werden, daß es Eltern gibt, die sich um ihre
Schweine mehr kümmern als um ihre Kinder.
Die Unterredung am Schulbeginne bringt viel
Aufklärung unter die Mütter und zeitigte
bereits manch gute Frucht.

                        Schülerstand.


Klasse            Abteilung       Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        Untergruppe      15                    13                   28
     I.                 Obergruppe
                            I.Abtlg.              8                    14                   22


                            II.Abtlg.            12                   14                   26
_________________________________________________
                           1. Abtlg.            15                   11                   26


    II.                    2. Abtlg.            19                   13                   32

                           3. Abtlg.
                         m. v. U.               19                   20                   39
_________________________________________________
                        Schülerzahl: 173.

12. Juni. Bezirkslehrerkonferenz in welcher von
Herrn Oberlehrer Seefeldner über die Gehaltsfrage
referiert wird.

16. Juni. Der Schüler Josef Danner, welcher mit
Erlaubnis des k. k. Landesschulrates die Schule
Burghausen besuchte, wird nach vollendeter
Schulpflicht vom Oberlehrer Pointner und
Katecheten Max Ecker geprüft und auf
Grund der vorgeschriebenen Kenntnisse aus
der Schule entlassen.

29. u. 30. Juni. Ausflug der Zöglinge des land-
wirtschaftlichen Fortbildungskurses nach
Otterbach bei Schärding. Teilnehmer: Thomas
Asen, Bauer in Grund; Anton Glöcklhofer, Bauer
in Hochburg; Ludwig Dicker, Nöbauersohn in Gerets-
dorf, Franz Esterbauer Naglstättersohn;
Heinrich Esterbauer Scheibhubersohn; Alois
Kammerstätter, Peterlechnersohn; Johann
Brandstätter, Brandstättersohn; Johann Ehr-
schwendner, Gratzlsohn; Alois Steiner, Eckl-
bauersohn; Georg Schmidlechner, Fischeredersohn;
Franz Garnweidner, Schwandnersohn.
Reiseleiter: Oberlehrer Pointner.

1. Juli bis 31. August: Ferien
Die Ernte ist in allen Teilen eine sehr zufrieden-
stellende.

4. Oktober. Namensfest Seiner Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef 1.
Die Schulfeier wird in den beiden mit Blumen,
Kränzen, Wappen und Fahnen geschmückten Klassen programm-
mäßig abgehalten.

22. Oktober. Empfang des Hochw. Herrn Pfarrers
Johann Derflinger, welcher von Auerbach
um 3 Uhr nachmittag hier ankommt.
Auf der Straße vor dem Schmitzbergerhause
wird Aufstellung genommen.
Beteilung: Schuljugend mit dem Lehrkörper,
Gemeindeausschuß mit dem Gemeindevorsteher
Johann Danner, Ortssschulrat mit dem Obmanne
Maxl Glöcklhofer, Armenrat, die Beamten
der Forstverwaltung mit dem Oberförster
Rudolf Dwoṙák, der Veteranenverein, die
Feuerwehr und der Jungfrauenverein mit
Fahnen. Der Pater Quardian von Burghausen mit dem Pfarrer
von Ach begrüßt den Angekommenen, nachher
bringt einen pontischen Willkomm'gruß die
Schülerin Marie Glöcklhofer /:Staller in Staudach:/
in vorzüglicher Weise zum Vortrage und
überreicht einen sehr hübschen Blumenstrauß.

28. Oktober. Einsetzung des neuen Hochw. Herrn
Pfarrers durch den Hochw. Herrn Dechant
Christl von Haigermoos. Daran beteiligt
sich ebenfalls nach altem Brauche die Schul-
jugend mit dem Lehrkörper, die Vereine,
die Gemeindevertreteung, der Ortsschul-
rat, der Armenrat, mehrere Priester aus
der Umgebung und die Verwandten des
Pfarrers, welche letzteren von weißen
Mädchen flankiert werden. Am Eingange
in die Kirche trug die Schülerin Marie Danner
/:Schacherbauer in Reisach:/ ein Gedicht vor.

15. November:          1. Elternabend.

                        Tagesordnung.
1. Begrüßung und Eröffnung.
2. Die Schul- und Unterrichtsordnung für die Eltern.
3. Hygienische Winke über Kindererziehung.
4. Meinungsaustausch.
5. Wünsche und Beschwerden.

Nach dem nachmittägigen Gottesdienste versammeln
sich die Eltern des Schulsprengels im Hochzeitsspeise-
saale des Gastwirtes Johann Spitzwieser.
Der sehr große Saal erweist sich wider Erwarten als
viel zu klein so rege ist das Interesse für die
Veranstaltung und daher der Andrang seitens der
Eltern und deren Stellvertreter.
Um 3 Uhr begrüßt der Oberlehrer Pointner die
erschienenen Eltern, den Schularzt kaiserlichen Rat
Dr. Wendling, den hochw. Herrn Pfarrer Derflinger,
den Gemeindevorsteher Johann Danner, die
Mitglieder des Ortsschulrates und die erschienenen
Gäste und eröffnet mit einer Begründung der
Veranstaltung den 1. Elternabend in Hochburg.
Zum 2. Punkte der Tagesordnung erklärt der
Oberlehrer nach einer kurzen Einleitung das Eltern-
haus betreffende Pragraphen aus den Abschnitten:
Von der Schulpflicht, der Aufnahme in die Schule,
der Unterrichtszeit und den Ferien, dem Schul-
besuche, der Schulzucht, der Klassifikation und
Zeugnisse, dem häuslichen Unterrichte und der
Kinderfürsorge.
Nach der Erklärung der §§ 71 und 72 schwenkte der
Vortragende auf das Gebiet der Erziehung ab

und sagte u. a.: "Wenn die Schule die Heranbildung
eines offenen, edlen Charakters anzustreben hat,
so muß naturgemäß im selben Sinne vorgebaut
worden sein. Die Eltern sollen deshalb durch ihre Einwir-
kung auf die Seele des Kindes ganz besonders echtes
religiöses Empfinden, das Pflicht- und Ehrgefühl und
die Wahrheitsliebe fördern. Dadurch bildet sich
im Kinde die Wurzel eines von Gottesliebe
durchdrungenen Charakters und der Abscheu
gegen Lüge und Gleichgiltigkeit."
Im Weiteren schildert Redner die Mannig-
faltigkeit der Lügenmotive und die daraus
entspringenden phantastischen, pathologi-
schen, heroischen und egoistischen Lügen
mit den bezughabenden Beispielen aus dem
Kindesalter und den Folgen im späteren
Leben und gibt den Eltern wirksame Mittel
zur Bekämpfung dieser Lügen mit nach Hause.
            Zum Schlusse seines Vortrages bespricht er noch
die Kinderfürsorge in der Gemeinde Hochburg -
Ach und macht die Eltern auf diese Pragraphen
besonders aufmerksam, damit sie nicht mit dem
Pflegschaftsgerichte in unangenehme Berührung
kommen.
Bei Punkt 3 bespricht kaiserlicher Rat Herr
Dr. Wendling die hygienischen Winke zur
Schulordnung.
Redner geht aus von den Gefahren des Schmutzes
in dem sich die kleinsten Lebewesen (Bakterien)
aufhalten, wachsen, sich ins Unermeßliche
vermehren und dadurch der Menschheit den

größten Schaden verursachen. Die Reinlichkeit
schützt größtenteils vor allen ansteckenden
Krankheiten. Es kommt die Reinlichkeit am
Leibe, in den Kleidern, in der Umgebung des Kindes,
im Zimmer, im Hause, in der Küche, mit den
Eßwaren, im Hofe zur eingenden Erläuterung.
Ferner spricht der Vortragende über Nahrungs-
aufnahme, das Kauen, die Zähne und deren
Pflege und die Erkältungskrankheiten, wobei
er die Abhärtung des Kindes besonders betont.
Nach Vollendung des Vortrages dankt der Vorsitzen-
de dem Herrn kaiserl. Rate für seine Bemühungen
für den Elternabend und bittet die Eltern diese
Worte zur Tat werden zu lassen.
Der Punkt 4 entfällt, weil sich niemand zum
Worte meldet.
Wünsche und Beschwerden werden seitens der Eltern
keine vorgebracht, jedoch spricht noch der Oberlehrer
über die Erfolge der einheitlichen Erziehung,
welche in Hochburg recht gut bemerkbar seien,
weist auf den landw. Fortbildungskurs hin
und bittet selben im Winter wieder zahlreich
und fleißig besuchen zu wollen.
Er schließt um 7 Uhr abends mit innigen
Dankworten unter Hinblick auf den Geber
des Reichsvolksschulgesetzes Seiner Majestät
unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef I.
mit einem 3fachen "Hoch" den ersten sehr
gelungenen Elternabend.
Der Herr Pfarrer dankt dem Oberlehrer für die Veranstal-
tung und sein Wirken als Lehrer und bittet ihn solange
er lebe seine Kraft den Hochburgern zu widmen.

          1908.

Der Winter schlug seine Wettervorhersagen
in den Wind. Schnee wenig in kurzen Zeit-
räumen, Kälte mäßig. Die Eisbahnen
wurden fleißig benützt.

3. März. Eisstockschießen im Hofer Weiher für
die Knaben der 2. Klasse. Schul- und Kinder-
freunde ermöglichten die Abhaltung eines echten
"Innviertler" Preiseisschießen in 2 Abteilungen,
damit möglichst viel Knaben mit Preisen be-
teilt werden können.

       I. Abteilung.
1. Preis Fahne mit   70 h Danner Josef /:Dann:/
2.         "          "          60 h Esterbauer Josef /:Reisach:/
3.         "          "          50 h Glöcklhofer Josef
4.         "          "          40 h Garnweidner Heinrich
5.         "          "          30 h Mayer Franz
6.         "          "          20 h Hager Franz
7.         "          "          14 h Aigner Ludwig
8.         5 Bretzen               Sauer Wilhelm.

       II. Abteilung.
1. Preis Fahne mit   60 h Aigner Heinrich
2.         "          "          50 h Kaufleitner Josef
3.         "          "          40 h Dicker Josef /:Duttendorf:/
4.         "          "          30 h Dicker Josef /Geretsdorf:/
5.         "          "          20 h Ebner Josef
6.         "          "          10 h Hofer Max
7.         "          4 Bretzen Rothenbuchner Matthias
8.         "          3 Bretzen Mayer Johann.

Den Weitschußpreis, eine seidene Fahne mit
24 Bretzen, gespendet vom Bäckermeister
Reschenhofer, erkämpfte sich Heinrich Garn-
weidner.
Das Jugendspiel auf dem Eise zog sehr viele
Neugierige an, welche mit lebhaften
Zurufen die kleinen Eisschützen immer wieder
Mut einflößten, da sich manch Tränlein
nach einem verspielten Schuß zerdrücken
lassen mußte.
Es ist eine Freude, wenn man sieht wie überall
dort, wo die Schule Veranstaltungen mit der
Jugend trifft, die Eltern wacker mitarbeiten.
Möge diese Eintracht nie gestört werden! -

26. 27. 28. März Obstbaumwanderkurs.
Die Obstbausektion der k. k. Landwirtschafts-
gesellschaft entsendete den Gärtner Rudolf
Schindler zur Erteilung des teoretischen
sowie praktischen Unterrichtes. Der Kurs
war am ersten Tage sehr gut besucht, am
2. u. 3. Tage ließen sich nur mehr einige
Interessenten sehen. Dies war die Folge der
plötzlich eingetretenen Bauzeit für den Hafer
und wahrscheinlich auch der allzu vielen Worte
des Gärtners weshalb es für einen weiteren
Kurs angezeigt sein dürfte einen anderen
Kursleiter zu entsenden. Sämtliche
Schüler der Abteilung mit verkürztem Un-
terrichte besuchten den Kurs. Den meisten
Erfolg erzielten die praktischen Arbeiten wie
Baumsatz, Reinigung, Kronenschnitt und

Düngung. Die Abendstunden vereinigten die
erwachsenen Teilnehmer im Gasthaus Spitz-
wieser , wo dann durch Einwurf von Fragen
recht interessante, hie und da ziemlich erregte
Wechselreden sich entwickelten.

6. - 11. April. Der Zaun um den Schulhausgarten
wird erneuert.

2. Mai Die Mütter führen ihre schulpflichtigen
Kinder vor und bringen ihre Herzenswünsche
dar, die für die Schule zur Individualisierung
von hoher Bedeutung sind. Bei ganz wenigen
Kindern bemerkt man immer noch die Ver-
nachlässigung seitens des Elternhauses aber
im Großen und Ganzen fühlt man schon den Ein-
fluß der ausgetretenen Jugend.

 

                                   Schülerstand.


Klasse            Abteilung       Knaben          Mädchen        Zusammen
____________________________________________________
                        Unter-
                        gruppe                18                   14                   32
    1.                Obergruppe
                           1.Abtlg.            13                   15                   28


                           2.Abtlg.             8                    13                   21
_________________________________________________
                           1.
                         Abteilung            12                   15                   27

    2.                   2.
                         Abteilung            20                   12                   32

                         3. Abtlg.mit
                         verk. Unt.            17                   18                   35
_________________________________________________
                                                                       Summe:           175

 

24. Juni. Kaiser Jubiläums – Ausflug.
12 Uhr Mittag Abmarsch vom Turnplatze
mit Absingung des Innviertler Mottos:
Á lustige Aicht.
Weg durch Mitterndorf - Staudach – Parsdorf,
wo die Schüler von der Paßbergerin mit
Gebäck beschenkt werden, - Unterkrie-
bach - Endt und Duttendorf, wo im Gast-
hause des Herrn Georg Buchberger Rast
zum kleinen Schulfeste gemacht wird.
Auf dem Wege gab's Unterrichtsstoffe
aus Naturgeschichte - Geographie und
Geschichte in Unmenge.

Programm des Schulfestes.

1. Froschhüpfen. Mädchen 1. u. 2. Schj.
2. Schnellaufen. Knaben 1. u. 2. Schj.
3. Gesang: Turner Wanderlied.
4. Vortrag: Der gscheidö Schimmel. /:Schöller:/
5. Sacklaufen. Mädchen 3. Schj.
6. Wetthüpfen. Knaben 3. Schj.
7. Topfschlagen. Mädchen 4. Schj.
8. Gesang: Die Heimat.
9. Vortrag: Das verbotene Büachl. /:Dicker Josef:/
10. Marsch der Blinden. Mädchen 5. Schj.
11. Seilziehen. Knaben 4. u. 5. Schj.
12. Ballhochwerfen. Mädchen 6. Schj.
13. Gesang: Der Ackersmann.
14. Vortrag: Die beiden Kaiser. /:Hedwig Steiner:/
15. Blindstechen. Mädchen 7. Schj.
16. Vortrag: Án Apotheker sein Gwinn. /:Esterbauer Simon:/
17. Ringwerfen. Knaben 6. u. 7. Schj.
18. Vortrag: Wia da Hiasbaua ins Einkaufa geht.
                        Glöcklhofer Josef (Neuhauser)
19. Eierlauf. Mädchen 8. Schj.

20. Vortrag: Oberösterreich. /:Sützl Leopodine:/
21. Gesang: Mein Oberösterreich.
22. Wurfscheibe. Knaben 8. Schj.
23. Erschaffung von Österreich v. Kaltenbrunner.
            Vortrag von Marie Glöcklhofer /:Staudach:/
24. Gesang: Deutsches Weihelied.
25. Preisverteilung.
26. Ansprache mit Kaiserlied.

53 Schüler erhielten eine gute Jause aus dem
Vergnügungsfonde der Schule.

Die wertvollen Preise wurden von den
Krämern Sützl und Göpperl gespendet.

Fast sämtliche Eltern und viele Leute aus
der Umgebung beehrten das Festchen.
In der schönsten Weise ohne allen Unfall
verlief der Ausflug, ein Sporn des Fleißes
und der guten Sitte.

30. Juni bis 1. August nimmt zufolge
Auftrages des k. k. Ministerium für Kultus
und Unterricht vom 17. Juni 1908, Zl ad 215
Ob.L. Pointner an dem in Hagen und Herford in Westfalen
stattfindenden 5. staatlichen Kursus für
Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen
teil.

21. August. Der Zaun um den Garten des Schul-
hauses wird erneuert. Die Reperaturen
im Schulhause werden vorgenommen.

3. u. 4. Okt. Der Namenstag Seiner Majestät
unseres Kaisers Franz Josef I. wird
durch einen Gottesdienst und die entsprechende
Schulfeier für die Schüler des Alltagsunterr.
am 3. für die des verk. Unterr. am
4. begangen.

2. Dezember.

            Das 60 jährige Regierungsjubiläum
Sr. k. u. k. Majestät Franz Josef I.

wird von der Schulgemeinde gemeinsam mit der
Gemeindevertretung, den Vereinen und der
Bevölkerung gefeiert.
Um ½9 Uhr findet der vom Hochw. Herrn Pfarrer
Derflinger unter Assistenz zweier P.P.C. Aus
Burghausen zelebrierte Festgottesdienst statt.
Nach Beendigung desselben entwickelte sich der
Festzug, voran die Schuljugend ihr folgend der
Jungfrauenverein, der Verteranenverein, die
Musikkapelle, die Feuerwehr, die Gemeinde-
vertretung, der Ortsschulrat, der Armenrat
die Beamten der Forstverwaltung und eine
große Menge Volkes, durch das Dorf, um
die Festteilnehmer geordnet in den mit der
Kaiserbüste, Palmen, Blattpflanzen, Blumen,
Fichtenbäumchen, Fahnen, Wappen und
Kränzen geschmückten Festsaal im Gast-
hause des Herrn Johann Spitzwieser zu
bringen.

Die Zuhörer waren zu einer Masse ange-
wachsen, so daß viele außerhalb des Saales
stehen und noch mehr den Heimweg antreten
mußten.

10 Uhr Beginn der Festfeier.

            Programm.
1. Gebet: "Vater wir rufen dich!"
            Musikkapelle Gaisberger.
2. Tag der Freude, Tag der Ehre.
            Gedicht, vorgetragen von Leopoldine Sützl.
3. Sechzig Jahre auf dem Thron.
            Gedicht, vorgetragen von Josef Reisinger.

4. Das ist der Tag des Herrn.
            Chor, vorgetragen von der Sängerrunde
            Hochburg unter Leitung des Chorregenten Josef Huber.
5. Aus dem Leben und der Regierung
            Sr. Majestät unseres Jubelkaisers.
            Festrede des Oberlehrer Josef Pointner.
6. Für das Kind.
            Gedicht, vorgetragen von Marie Glöcklhofer (Stadler).
7. Unserm Kaiser.
            Gedicht, vorgetragen von Hermine Pointner.
8. Kaiser – Jubliäumslied.
            Worte von Heinrich Dieter. Weise von Julius Welser.
            Gesang zweistimmig. Sämtliche Schüler.
9. Huldigung der Jugend.
            Festspiel zum Regierungs – Jubiläum
            Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I.
            Aufgeführt von Esterbauer Johann,
            Esterbauer Sebastian, Grabmayer
            Franz, Steinfellner Ludwig,
            Dwořák Ottilie, Glöcklhofer Hedwig
            Pointer Louise u. Sauer Philippine
            Schüler der 1. Klasse.
10. Hoch und Kaiserlied.

Der Nachmittag versammelte die Hoch-
burger im Nebensaale zu gemütlicher
Unterhaltung welche von den Musik-
vorträgen der Kapelle Geisberger
gewürzt wird.
Der einfache feierlich ernste Verlauf des
Jubelfestes zeigte so recht wie tief in
unserem deutschen Volke die Worte sitzen:
            Gut und Blut für unseren Kaiser
            Gut und Blut fürs Vaterland.

Eingeklebter Brief folgenden Inhaltes (Orthographie übernommen)

 

                                                                                                                      Hochburg am 4/12 1908.
Lieber Herr Lehrer Pointner!
Wir haben den 2ten Dezember 1908 den Tag des
Regierungs Antrites Vor 60 Jahren seiner Maje-
stet des Kaisers überlebt, und es frägt sich wie ist
dieser Tag ausgefallen und wie wurde derselbe ge-
ehrt, was mich anbelagt mir hat dieser Tag Wohlgefallen
Besonders hat er mir Wohlgefallen, und war auch
Besonders Neugierig was den komt bei ihrer Anspra-
che wie sie Sagten, was Andere Gemeinden Verschie-
denes gethan haben, und was Thut Hochburg? Hoch-
burg Stellt kein Denkmal oder Kaiserjubiläums-
zeichen, sondern komt des Kaisers Anforderungen
nach, indem derselbe sich öfters Ausdrükte um
die Kinder Umzusehen, und ihnen, wie auch ande-
ren gutes zu Thun, demgemäß will ich ihnen diese
Zeilen Schreiben weil ich gesehen ung gehört habe

das sie und ihre Werthe Frau den Kindern sehr
Viel und Gutes gelernt haben, die so Vielen und
Schönen Gedichte, die sie alle so gut, frisch und Tapfer
hersagten, das hat gewis viele Arbeit und Mühe
gekostet, aber wenig Geld, und wen sie samt ihrer
Ehrenwerthen Frau auf diesen Echt Christlichen Boden
fortarbeitet, so Baut ihr den Hochburgern ein
noch viel Ehrenwertheres Denkmal, als oft
eine Gemeinde hat, die sich zimlich ein Geld hat
kosten lassen, darum schreibe ich diese meine Anerken-
nung und Dank hiemit, und wen ich von einem
zum anderen gehen würde, um zu diesem Danke
Unterschriften zu Sameln so würde ich bald einen
ziemlichen Flek Babir brauchen, den ich weis ja
das sehr Viele ihre Beste Anerkennung aussprachen,
darum immer wieder Tapfer Vorwerts wen auch eini-

ge sind die Stat Dank Verdruß reichen es geht Beim
Landman auch gar oft das ihm das von Gott zugelasse-
ne Unwetter manches Verdiabt, bis man so Alt wird
wie der Kaiser muß man auch wie er Viele Priefungen
Bestehen, dazu helfe uns Gott, also meinen Dank
und Gruß
            Leopold Geisberger Feichtmann.

 

 

weil ich in die Schule ging hatten wir keine Noten
daher werden sie wegen Vieler Fahler Verzeihen

                   1909.

Der anhaltende Winter bietet den Schülern
lange Zeit Belustigungen wie Schlittenfahren
Eisschießen und Eislaufen.

17. Jänner. Für Ach - Hochburg und Burg-
hausen findet im Gasthofe des Herrn Hans
Pachler in Ach die gründende Versammlung
der Ortsgruppe Hochburg - Ach u. Umgebung
statt. Herr Wanderlehrer des Deutschen
Schulvereines Karl Pointecker hält eine
begeisternde Rede über die Zustände von den
österr. Sprachgrenzen und die Notwendig-
keit der Gründung beziehungsweise Er-
haltung der deutschen Schulen. Mehr als
50 Anwesende treten der Ortsgruppe bei.
Möge die Begeisterung nie erlahmen,
sondern sich immermehr die Überzeugung
breit machen: "Warme Liebe zum eigenen
Volke, keinen Haß zum fremden!" -

20 Jänner. Im Gasthause Buchberger in Dutten-
dorf wird der Redetzky – Veteran
Josef Huber /:Zimmer Josef:/ mit dem
Jubiläumskreuze geschmückt. Der Vetera-
nenverein Hochburg - Ach und sehr viele
Freunde des alten Degen nehmen an der
Feier teil. Nach einer Ansprache des
Oberlehrers Pointner heftet der Vorstand des
Veteranenvereins Ludwig Dicker das Kreuz
an die Brust des Kriegers.

9. Februar. Die Schüler nehmen an der ersten
Kinematographenvorstellung in Hochburg
teil. Großer Jubel unter den Kleinen.

4. April. Schluß des landwirtschaftilchen Fort-
bildungskurses. Derselbe wurde durch-
gehend von 15 - 20 Zöglingen besucht, die
großes Interesse bekundeten. Der Unter-
richtsstoff aus Rechnen und deutscher
Unterrichtssprache wurde einzig und
allein der Landwirtschaft entnommen,
so daß es oftmals Vorträge über diesen
und jenen Zweig der Landwirtschaft
gab.

29. April. Die Schüler der 3 obersten Schuljahre
besuchen mit dem Klassenlehrer Pointner
und dessen Frau unter Leitung des
Lehrers Stechele das Museum in Burg-
hausen. An den Geschichtsunterricht
über Maria Theresia anknüpfend geht es
vom Bekannten zum Unbekannten, letzteres
anschaulich machend durch die großartigen
Sammlungen. Von der Keltenzeit
angeführt durch die Römerzeit in die
Zeit unserer Ahnen der Vergangen-
heit bis herauf in die Gegenwart.
Die Arbeit des Friedens neben dem
Zerstörungswerke des Krieges, die
Folgen der Bildung so wohl als die
Werkzeuge der Rohheit und Ver-
kommenheit können die Schüler
sehen. Alles aufzuzählen wäre ein Ding
der Unmöglichkeit. Auf dem Aussichts-
turme singen die Schüler: "Mein Ober-
österreich." Nach Dankesworten an den

Herrn Lehrer Stechele für seine unermüdliche
Liebenswürdigkeit, den Schülern einen
2stündlichen Geschichtsunterricht zu er-
teilen, wird der Heimweg angetreten.

1. Mai. Schuljahresbeginn 1909 – 10.
Die Mütter führen die Anfänger vor
und bringen die Beobachtungen bezügl.
Geist und Körperanlage der Kinder zur
Kenntnis des Oberlehrers, welche im Auf-
nahmeverzeichnis sowohl als auch im
Klassenkataloge verbucht werden.

                                   Schülerstand.


Klasse            Abteilung       Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        Untergruppe      14                    18                   32
     1.               Obergruppe
                            1.Abtlg.           15                   13                   28


                           2.Abtlg.            12                   14                   26
_________________________________________________
                           1. Abtlg.            10                   14                   24


    2.                   2. Abtlg.            20                   20                   40

                           3. Abtlg.
                         m. verk. Unt.     18                    17                   35
_________________________________________________
                        Schülerzahl: 185.

17. Mai Impfung der Schüler welche vor
10 Jahren geimpft wurden, durch den
Gemeindearzt Dr. Ferdinand Groß.

5. u. 6. Juni. Generalversammlung des ob. öst.
Landes Lehrervereines und Turn- und Spiel-
fest der Jugend in Linz. Der Oberlehrer
Pointner nimmt teil.

27. Juni. Oberlehrer Pointner leitet den Feuer-
wehrtag des Feuerwehr - Bezirks – Verbandes
Wildshut № 36, der in Ostermiething
stattfindet.

1. 2. 3. und 5. Juli werden zur Einbringung
des Unterrichtes der Tage von Weihnacht
bis Neujahr (28. 29. 30. 31. Dezember)
verwendet.

1. Juli bis 31. August Hauptferien.
Trotz des im Juli herrschenden ungünstigen
Wetters fällt die Ernte zur Zufriedenheit
der Bauern aus.

2. September. Einzug der neuen Glocken.

5. September. Glockenweihe durch den Hochw. Herrn
Dechant Holzinger, Pfarrer in Geretsberg.
Des schlechten Wetters wegen muß der Festzug
unterbleiben. An der Feierlickeit beteiligen
sich die Schulkinder mit den Lehrpersonen, der
Veteranenverein, die Feuerwehr, die
Gemeindebehörden, die 2 Musikkapellen,
mehrere Priester darunter Herr Dechant
Lang Reichsratsabgd., ein Sohn der Gemeinde
Hochburg. Vor dem Einzuge in die Kirche
brachten ein Schüer in gebundener und der
Oberlehrer in ungeb. Rede die Glückwünsche
zum 25 jähr. Priesterjubiläum vor dem Pfarr-
hofe zum Ausdrucke. Herr Pfarrer Derflinger
dankte für die Ovation. Nach der Aufstellung
im Friedhofe trägt die Schülerin Leopoldine
Sützl eine auf die Weihe Bezug habendes Gedicht
wunderschön vor. Die Festpredigt
hält der Hochw. Herr Pater Quardian des
Kapuzinerklosters in Burghausen. Während
der Weihe fällt Wasser in Strömen vom Himmel.

22. September. Bezirkslehrerkonferenz in
Braunau am Inn unter dem Vorsitze des
k.k. Bez. Schulinspektors Herrn Eduard Bartosch.
Der k. k. Bez. Schulinspektor Herr Karl Hödl
trat wegen Kränklichkeit in den Ruhestand.
Ein tüchtiger Schulmann mußte mit ihm
das Feld der Arbeit räumen. Ehre seinem
Andenken!

28. September. Die Schule wird von Seiner Wohl-
geboren Herrn k. k. Bezirkshauptmann
Josef Hueber besucht. Mit anerkennenden
Worten über Ordung und Reinlichkeit im
Hause und das gute Aussehen der Schüler verab-
schiedete sich Herr Bezirkshauptmann von den
Lehrpersonen Josef und Antonie Pointner.

4. Oktober. Namensfest Seiner Majestät unseres
Kaisers Franz Josef I.
Nachdem eines Leichenbegängnisses wegen kein
Gottesdienst besucht werden kann, wird um
8 Uhr die Schulfeier abgehalten.

            Programm.

1. Gebet.
2. Die Wacht am Throne von Josef Heidenreich.
            Vortrag: Franz Hager.
3. Patriotischer Unterrichtsstoff.
4. Das Lied von der Treue v. Heinrich Penn.
            Vortrag: Marie Dwořák.
5. Ansprache des Oberlehrers.
6. Kaiserlied.
Ein ähnliches Programm wird in der I. Klasse
abgewickelt.

12. Oktober. Lehrspaziergang der II. Klasse zum
Huckingersee. Derselbe bietet Stoff aus allen
Lehrgegenständen und wird entsprechen
ausgenützt.

11. November. Oberlehrer Pointner nimmt an der
Besprechung über die von Lehrer Stöger ange-
fertigten Bezirks - Handkarte teil. Die Karte
wird an die Teilnehmer der Besprechung ge-
sendet welche ihre Äußerungen an den
Vorsitzenden Herrn k. k. Bez. Schulinspektor
Johann Hüber schriftlich abzugeben haben.

15. November. II.Elternabend.
Um 3 Uhr nachmittags versammeln sich falt alle
Eltern der Schulgemeinde Hochburg im Saale des
Gasthauses Spitzwieser in Hochburg. Zufällig sind
die Gemeindevorsteher der umliegenden Gemeinden
anläßlich einer Beratung anwesend, welche eben-
falls am 1. Teile de Abends teilnehmen.

            Tagesordnung.

1. Begrüßung.
2. Referat: Erziehung zur Selbstbeherrschung
            im vorschulpflichtigen, schulpflichtigen und
            nachschulpflichtigen Alter des Kindes.
3. Meinungsaustausch über den Vortrag.
4. Anfragen, Wünsche und Beschwerden
            der Eltern.
5. Schluß mit Hoch auf Seiner Majestät.

Schon bei der Begrüßung war der große
Speisesaal bis auf das letzte Plätzchen besetzt,
so daß viele Anwesende dem Vortragenden
stehend zuhören mußten.
Oberlehrer Pointner referiert in einem
fast 3stündigen Vortrage über die Erziehung zur
Selbstbeherrschung, gibt Winke und Ratschläge
wie diese Erziehung vom 1. bis 20. Lebensjahre
eindringlich und auausgesetzt auf die Seele
des Zögling einwirken muß, um gute
Erfolge zu erzielen und führt den Eltern
diese Einwirkung durch 3 Zeitabschnitte

a.) Spielzeit b.) Schulzeit c.) Denkzeit vor.
Das Referat liegt der Chronik bei, um darauf
nicht näher eingehen zu müssen.
Der II. Teil des Vortrages beschäftigt sich auch mit
der sexuellen Frage, die auf die Eltern besonders
spannend wirkt.
Mit dem Danke für die bisherige Mitarbeit und
der Bitte auch fernerhin offen, ohne jede Hinter-
hältigkeit der Schule und den Lehrern entgegen
zutreten zum Heile unserer Jugend, unserer
Familien unserer Gemeinde unseres
Heimt und Vaterlandes schließt der Vortragende
sein Referat.
Lebhafter Beifall seitens der Eltern.
Weil sich zu den 2 nächsten Punkten niemand
zum Worte meldet, eilt Oberlehrer Pointner
wegen der vorgerückten Zeit zum Schluß.
Ausgehend vom Kaiserworte des Jubeljahres
1908: "Für das Kind könne Redner konstatieren
daß Hochburgs Eltern dem Worte weitgehendst
nachkommen und dadurch Kaisertreue und
Vaterlandsliebe in der Tat dokumentieren.
Mit einem Blicke auf Habsburgs Thron rufen
alle Anwesenden mit heller Begeisterung:
"Hoch lebe Sr. Majestät unser Jubelkaiser
Franz Josef I.!"
Sämtliche Mitglieder des Ortsschulrates mit
Ausnahme des Herrn Pfarrers, der ohne Grund
fern geblieben ist, und die Gemeindevor-
stehung sind anwesend. -----

29. November. Der k. k. Bezirksschulinspektor
Herr Johann Huber inspiziert das erste
Mal die hiesige Schule und verabschiedet sich
mit Worten der Befriedigung über Gehörtes
und Gesehenes. -

1. November bis 11. Dezember wird im Gasthaus                    
Sinzinger in Oberkriebach der 1. Wander-
Koch - und Haushaltungskurs abgehalten.
Wanderlehrerin: Frl. Rosa Hasibeder – Schärding
Kandidatin zur Aushilfe: Frl. Martina Reiter–Pfarrkirchen.
Schülerinnen: Asen Hedwig, Überackern.
Brandstätter Katharina, Duttendorf.
Brühwasser Katharina, Geretsdorf.
Buchner Katharina, Duttendorf.
Danner Christine, Duttendorf.
Glöcklhofer Marie, Hochburg.
Glöcklhofer Viktorie, Hochburg.
Ofenmacher Rosa, Reit.
Steiner Marie, Reit.
Steinfellner Karoline, Duttendorf.
Wageneder Juliane, Duttendorf.
Zillner Franziska, Sengstatt.

Die Aushilfe wurde notwendig wegen Erkran-
kung der Wanderlehrerin Frl. Hasibeder.
Aufsichtsfrauen: Anna Sinzinger u. Anna
Wendling. -
Unternehmer: Der landw. Bezirksverein
Hochburg am Weilhart.

8. Dezember. Heimatabend in Gilgenberg (Hirsch-
linger). Die Lehrpersonen nehmen teil Oberl. Point-
ner hält einen Vortrag über Zweck und Ziel
der Heimatforschung. Während des Abends fallen
solche Massen von Schnee, daß die Heimkehr mit
großen Mühen verbunden ist. Es schneit fort.

9. u. 10. Dezember liegt der Schnee 60 - 70 cm
tielf. Die ältesten Leute erinnern sich nicht
an soviel Schnee. Furchtbarer Waldschaden
durch Schneedruck. Weilhart zirka 75.000 m³ Bruch.

24. Dez. bis 1. Jänner Weihnachtsferien.

                   1910.

Der Winter ist ein sehr schneereicher, doch die
Kälte wird keine grimmige, so daß
überall über Eismangel geklagt wird.
Die Winterspiele wie Eisschießen und
Schlittenfahren werden eifrig und mit
voller Lust betrieben.

20. März. Schluß des landwirtschaftlichen
Fortbildungskurses. Derselbe wurde
vom 5. Dezember 1909 an bis zum
Schlußtage von den Zöglingen sehr
fleißig besucht. Als Stoff wurde die
bäuerliche Buchführung genommen, um
die Anlage des Bekentnisses zur Personal-
einkommensteuer zu erleichtern. Trotz
der eindringlichsten Belehrung über die Einführung
eines Kassabuches findet man sehr wenige
Bauern die über Einnahmen - Ausgaben -
Reingewinn etc. Auskunft geben können.

25. März. Die neuen Bänke nach System Rettig
№ 4, 5 und 6 werden vom Verfertiger
Josef Huber, Tischler und Wirt in Mitterndorf,
in der II. Klasse aufgestellt. Die Bänke bieten
ein wunderschönes Bild. Mögen sie zur
Erreichung guter Körperhaltungen bei-
tragen! Der Betrag für 35 Bänke à 27 K
zusammen 945 K wurde aufgebracht:
von der löbl. Gemeindevorstehung 600 K,
vom löbl. Ortsschulrate aus der Stiftung 195 K
und von der Frau Gräfin Reichenbach Lessonitz
150 K. Dank diesen Schul- und Kinderfreunden!

21. April. Sitzung des ständigen Ausschusses
der Bez. Lehrerkonferenz in Braunau
unter Vorsitz des Herrn k. k. Bezirksschul-
inspektors Johann Huber. Gegenstand: die
Tagesordnung der diesjährigen Bezirkslehrer-
konferenz und die Bezirkswandkarte.
Oberlehrer Pointner nimmt teil.

29. April. letzter Schultag des Jahres 1909 – 10.
Eltern, welche die Erziehung und den Unterricht
ihrer Kinder ernstnehmen, schicken durch
die Kinder, welche von einer Klasse in die
andere aufsteigen, entweder mündlichen
oder schriftlichen Dank für die Bemühungen.
Beim Austritte kommen die Eltern selbst.
Von den Danksagungen sei eine hier verzeich-
net: Sehr geehrte Frau Lehrerin!
Meinen innigsten Dank für die viele Mühe,
mit der Sie Frau Lehrer mich zum Auf-
steigen in die höhere Klasse zum Herrn Lehrer
für geeignet erzogen haben. Ein herzliches
"vergelte es Gott" mit der Bitte, mir Ihr
stetes Wohlwollen auch fernerhin nicht zu
entziehen.      Franz Grabmaier.

2. Ami. Die Eltern, größtenteils Mütter, führen
die Schulanfänger vor. Viele wichtige Punkte
über Erziehung werden da besprochen.

 

Die Schulbesuchenden Kinder.

Klasse            Abtlg.              Knaben          Mädchen        Summe
________________________________________________________
                        Untergr.              16                   13                   29
            I.          Obergr.1            13                   18                   31
                            "       2             16                   14                   30
________________________________________________________
                                   1.             12                   16                   28
            II.                     2.             20                   22                   42
                        3. mit v.U.           21                   11                   32
________________________________________________________

                   Zusammen:       98                   94                  192

 

12. Mai. Übungsautomobilfahrt durch den
politischen Bezirk Braunau am Inn.
Den Ort Hochburg passieren 8 Automobile
von Burghausen kommend über Gunderts-
hausen - Mattighofen - Munderfing -
Straßwalchen nach Linz fahrend.

1. Juni. Die Schülerin der II. Klasse Marie Dwořák
macht in Linz die Prüfung über die I. Klasse
Bürgerschule und besteht dieselbe mit sehr
gutem Erfolge.

6. Juni. Bezirkslehrerkonferenz unter dem
Vorsitze des k. k. Bezirksschulinspektors
Herrn Johann Huber in Braunau am Inn.
Der anwesende Herr k. k. Stattthaltereirat
Josef Hueber betont in seiner Anrede die tadel-
lose Haltung der Lehrerschaft des Bezirkes in
und außer Dienst. Die Referate sowohl als
auch die anderen Verhandlungen bieten viel
Interessantes.

24. Juni. Der Ortschulinspektor Herr Zimmermeister
Johann Ofenmacher wird zu Grabe getragen.
Der Ortsschulrat, Lehrkörper und die Schul-
jugend begleiten den warmen Schulfreund
bis zum Grabe und legen dort einen schönen
kranz aus Dankbarkeit nieder. Der Ver-
storbenen wirkte mehrere Jahre als Obmann
des Ortschulrates, dann als Obmannstellver-
treter und in den letzten Jahren als
Ortsschulinspektor. R. I. P.

10. Juli bis 10. September Hauptferien.
Am 10. 11. 12. 13. u. 14. Juli wird Unterricht
erteilt für 27. 28. 29. 30. und 31. Dezember.
Während der Ferien wird in der I. Klasse ein
neuer Ofen aufgestellt.

28. Juli Der k. k. Bezirksschulrat Braunau am Inn

ernennt den Bauerngutsbesitzer Herrn
Anton Glöcklhofer in Hochburg zum
Ortsschulinspektor für die hiesige Schule.
Möge der Ernannte so wie bisher sein
Wohlwollen den Interessen der Schule
entgegenbringen!

18. August. Seine Majestät Kaiser Franz Josef I.
feiert umgeben von Seinen nächsten Familien-
angehörigen sowie zahlreichen erlauchten
Mitgliedern des Allerhöchsten Kaiserhauses
in körperlicher wie geistiger Rüstigkeit
und Frische Sein achtzigstes Geburts-
fest in Ischl.
Millionen treuer Herzen senden ihre Glück-
und Segenswünsche für die geheiligte
Person des Monarchen, dem alle Seine
Untertanen in begeisterter Verehrung
und dankbarster Treue ergeben sind,
zum Himmel empor: "Gott erhalte,
Gott beschütze unseren heißgeliebten
Kaiser Franz Josef I. !"
Schüler der hiesigen Schule besuchen unter
Führung der Lehrpersonen das heilige Amt.
Vom Schulhause hängt die schwarzgelbe
Flagge.

9. September. Der hochwürdige Herr Pfarrer
Johann Derflinger verläßt ohne von den
Lehrpersonen Abschied zu nehmen die Pfarre
Hochburg, um seinen neuen Dienstposten
St. Ulrich, Bezirk Steyer, O. Ö. zu beziehen.

11. September. Hochw. Herr Oskar Wimmer
übernimmt als Provisor die Pfarre
Hochburg.

12. September. Die Ernteferien sind beendet, der
Unterricht beginnt wieder.

19. September. Im Gasthause des Johann Spitzwieser
in Hochburg wird von den hiesigen Rekruten
ein Tanzkränzchen abgehalten, bei welchem
Freude, Lust und Fröhlichkeit die Teilnehmer
beseelten. Gegen 1 Uhr kommt es im Hofe des
Gasthauses zwischen zwei schon mehrere Jahre
in Feindschaft lebenden Burschen wegen eines
Schimpfwortes zum Streite, der in Tätlich-
keiten ausartet. Johann Hasler, Knecht
in Ach, beschimpfte den Alois Garnweidner
Knecht in Gilgenberg worüber letzterer in
Zorn gerät und seinem Gegner mehrere
Messerstiche versetzt so, daß dieser
tot auf dem Platze liegen bleibt. Möge
die entsetzliche Mordtat für alle Zukunft
ein abschreckendes Beispiel bleiben und
in der Erziehung oft Erwähnung finden!

4. Oktober. Namensfest Sr. Majestät unseres
allergnädigsten Kaisers Franz Josef I.
            7 Uhr Schulgottesdienst.
            8 Uhr Schulfeier in beiden Klassen
nach dem üblichen Programme.
Die beiden Zimmer sind dem Feste gemäß
dekoriert, vom Dache hängt die schwarzgelbe
Flagge.
Die Feier wird verschönert durch die Anwesen-
heit des Hochw. Herrn Dechant Josef Lang
Reichsratsabgeordneter, ein geborener
Hochburger, der nach Schluß der Feierlich-
keit an die Schüler beherzigenswerte Worte
richtete, die den Volksfreund im schönsten
Lichte zeigten. Redner sprach besonders
über die Schulzeit, die er auf 7 Jahre als
Vollunterricht verteilt und den landw.
Fortbildungsunterricht.

 

                              

15. November.          3. Elternabend.
Bei vollbesetztem Saale im Gasthause des Spitzwieser
in Hochburg wird folgendes Programm abge-
wickelt:

1. Jugenderziehung in Schule und Haus.
Oberlehrer Pointner erörtet in seinem Referate,
welches der Chronik beiliegt, eingehend die
Schulordnung des Bezirkes und ihre Beziehungen
zum Elternhause dabei die verschiedensten
Erziehungsfragen streifend.

2. Meinungsaustausch über das Referat.
Dieser Punkt wird von den Eltern viel zu wenig
ausgenützt, weil sie meinen, in der Schriftsprache
reden zu müssen.

3. Besprechung einer Christbaumfeier für die
Schuljugend.
Oberlehrer Pointner legt den Plan zur Durch-
führung vor und erläutert die Art der
Beschenkung. Die Eltern erklären sich mit
dem Vorgebrachten einverstanden, bestimmen
den Stephanstag als Aufführungstag und
spenden Geld zur Beteilung der armen
Schüler.

4. Anfragen, Wünsche und Beschwerden der
Eltern. Es meldet sich niemand zum Worte.

Oberlehrer Pointner schließt mit dem Danke an
sämtliche Anwesende für  Erscheinen und Auf-
merksamkeit, was ja den deutlichsten Beweis
erbringt von dem großen Interesse, das die Eltern
Hochburgs der Erziehung ihrer Kinder entgegen-
bringen, und fordert auf, die Blicke dorthin zu
richten, woher vor 2 Jahren der Aufruf kam:
"Alles für das Kind!" Unser heißgeliebter
Kaiser Franz Josef I. lebe Hoch - Hoch - Hoch! -

16. November. Empfang des Hochw. Herrn Pfarrers
Alois Asamer bei sehr schlechtem Wetter.
Schuljugend, Kongregation, Feuerwehr,
Veteranenverein, Gemeindeausschuß,
Kirchenverwaltung, Ortsschulrat, Forst-
amtsbeamte stellen sich zwischen Mitterndorf
und Hochburg /:Straßenkanal:/ auf. Ein
weißgekleidetes Mädchen, die Schülerin
Philippine Sauer begrüßt den Hochw. Herrn
Pfarrer in einem sinnigen Gedichte und über-
reicht einen sehr hübschen Blumenstrauß.
In langem Zuge wird der Angekommene in die
Kirche begleitet, wo derselbe eine vom Herzen
kommende und zum Herzen dringende Ansprache
hält, in welcher das Arbeitsprogramm in der
Seelsorge entwickelt wird.
Die Kapelle Gaisberger konzertiert nach-
her im Gasthause Spitzwieser, wo noch mehrere
Stunden in bester Gemütlichkeit versessen
werden.

27. November. Installation des Hochw. Herrn
Pfarreres Alois Asamer. Dieselbe soll hier
durch eine Zeitungsnotiz in der "Neue Warte"    
gschildert sein.                                                       
Bemerkenswert ist die Teilnahmslosigkeit
der hochw. Herrn Nachbarspfarrer, welche
peinliches Aufsehen verursachte.

11. Dezember. Um 10 Uhr vormittags schwebt
ein Kugelballon über unserem Orte.
Nachher stellt sich heraus, daß mit selbem die  
kaiserl. Hoheiten Erzherzoge Josef und
 Heinrich Ferdinand mit Hauptmann Hoffory                    1912 feierten Erzherzog Josef Ferdinand und   
von Salzburg herkommend nach Buch, Bayern   Hauptmann Wilhelm Hoffory gemeinsam          
wo sie landeten, flogen. Hier wurde eine              ballonfahrerische Jubiläen
schwarz-gelbe Fahne ausgeworfen.

26. Dezember. Christbaumfeier im Saale des
Gasthauses Spitzwieser.                                                              
            1. Begrüßung durch den Oberlehrer Pointner.
            2. Christbaumfeier. Gedicht, vorgetragen von
                        Hermann Ofenmacher.
            3. Trost bán Krippál. Gedicht, vorgetragen von
                        Bertha Schwanninger.
            4. Der Christbaum. Gedicht, vorgetragen von    
                        Emil Sauer.
            5. Weihnachtslied, 2stimmig, II. Klasse.
            6. Vorspiel: Der Weihnachtsabend, aufgeführt
                        von 10 Mädchen der II. u. I. Klasse.
            7. Stille Nach, heilige Nacht. Lied, gesungen
                        2stimmig von allen Schülern.
            8. Ansprache des Hochw. Herrn Pfarrers Asamer.
            9. Verteilung der Gaben an sämtliche
                        Schüler.
            10. Dankgedicht, vorgetragen von Ottilie Dwořák.

Die Feier wird derart besucht, daß leider viele
Eltern wieder umkehren und von dannen ziehen
mußten. Der Saal ist vollgepfropft. Mit
gespannter Aufmerksamkeit wird jedes
gesprochene Wort aufgenommen. Die
12 Mädchen halten sich im sinnreichen Vor-
spiele "Der Weihnachtsabend" recht wacker.
Am Schlusse desselben wird der herrliche Christ-
baum enthüllt. Der Hochw. Herr Pfarrer
Alois Asamer spricht nach Inhalt und Form
in vorzüglicher Weise über die Feier selbst
und deren Bedeutung ausgehend vom schönen
Weihnachtsliede und schließend mit dem Hin-
weise, daß dieses Lied des Friedens geschaffen wurde
von Priester und Lehrer was von großer Be-
deutung sei. Infolge der großartigen
Spenden konnten 50 Schüler reichlich be-

teilt werden. Der Gesamtwert der ver-
teilten Gaben an diese armen Schüler
beträgt 368 K 80 h. Dies war möglich durch
die kräftige Unterstützung der Groß-
kaufleute Böck - Jägerndorf, Maier und
Neumeier - Salzburg, Levi – Salzburg,
Stuppöck - Braunau, Krans u. Schober -
Linz, Egger - Linz, Innga – Salzburg,
Baumgartner - Linz, Koch u. Meßhofer
Salzburg, welchen Dankschreiben über-
mittelt wurden. Einen größeren
Betrag verdanken die Kinder der hochgeb.
Frau Gräfin Reichenbach – Lessonitz
und kleinere Beträge vom hochw. Herrn
Pfarrer Asamer und vom Obmann des
Ortsschulrates Max Glöcklhofer, sowie
verschiedener anderer Spender, welche hier
nicht alle aufgezählt werden können.
Besonders erwähnt muß aber die s. g.
Familie Sützl, Kaufmann in Hochburg
werden, welche sich ganz besonders in den
Dienst der guten Sache stellte.
Die Eltern der beteilten Kinder bedanken
sich recht herzlich mit Ausnahme einiger,
welche in dem Wahne leben, ihre Kinder
müssen Unterstützung bekommen, wenn-
gleich sie nicht arm sind. Undank
ist der Welt Lohn! -
Sämtliche Schüler erhalten vom O. Sch. R. zum
"Packerl" je 2 Lebkuchen.

1911.

Der Winter zog in gemäßigter Temperatur
und ohne durch den Schneefall Schaden anzurichten
durch das Land. Eis gab es genug. Die Kinder
kamen auf Eis- und Schneebahnen auf ihre
Rechnung, die sie mit dem Winter abge-
schlossen hatten. Der Gesundheitszustand
war durchwegs sehr gut.

15. Jänner. Unterhaltungsabend der Lieder-
tafel Burghausen zu Gunsten des deutschen
Schülervereines im Gasthause Sinzinger in
Oberkriebach. Es wird ein ganz gutes Sümmchen
abgeführt infolge des ganz außergewöhnlichen
Besuches.

3. Februar. Ein starkes Schneetreiben mit Sturm
setzt ein. Straßen und Wege sind derart
verschneit, daß der Schulbesuch an diesem
Tage wegen Ungangbarkeit der Wege
ein sehr geringer ist. Einige Väter
greifen zur Schaufel oder zum Schneepflug,
aber viele Väter rühren sich weder
noch lassen sie ausräumen, weil am
Blasiustage niemand arbeiten will.
Bei dieser Gelegenheit zeigt sich ein Schul-
weganrainer ganz besonders herzlos. Er
sieht den Schulkindern zu, wie sie alle
Kräfte einsetzen, um durch die vor seinem
Hause liegende Schneewehe durchzukommen,
und lacht zum Fenster hinaus, bringt
aber keine Hilfe. Da fehlt es wohl weit
im religiösen Empfinden ---.

7. März. Für die Schulkinder wird eine Kine-
matographenvorstellung gegeben.
Programm: 1. Kaiserfestzug II. Teil.
2. Schulkinder auf Ferien. 3. Hagenbecks
Tierpark. 4. Schlangenfangen in Indien.
5. Fall zu Fall. /:Lachpunkt:/ 6. Wundereier.
Die Kinder zeigen große Freude, der Stoff
wird im Unterrichte verwendet werden.

23. April. Erstkommunion. Dieselbe empfangen
die Schüler des 3. und 4. Schuljahres. Eine
ganz ungewöhnlich große Zahl von Kommuni-
kanten treten an den Tisch des Herrn.

24. April. Der hochw. Herr geistliche Rat und Dechant
Holzinger von Geretsberg hält die Religions-
prüfung ab welche ein recht gutes Resultat
im Antworten zeigt.

29. April. Letzter Schultag im Schuljahr 1911 – 12.
Dankgottesdienst um 7¼ Uhr dann regel-
mäßiger Unterricht. Die letzten Stunden
werden zur Verteilung der Schulnachrichten
verwendet. Mit einer Ansprache und Hoch
auf Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I.
mit Kaiserlied wird geschlossen. -

2. Mai. Die Mütter führen die Anfänger in die
Schule, stellen sie vor und bringen ihre
Wünsche und Anliegen vertrauensvollst
vor.

                   Schülerstand: 200.

Klasse            Abtlg.              Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        Unterruppe         12                   13                   25
            1.         Obergruppe
                        1. Abtlg.               15                   15                   30
                        2. Abtlg.               11                   18                   29
_________________________________________________
                        1. Abtlg.               20                   14                   34
            2.         2. Abtlg.               16                   24                   40
                        3. Abtlg.m.v.U.    21                   21                   42

18. Mai. Der Zweiglehrerverein "Am Adenberg"
und Am Weilhart halten in Gilgenberg
eine kombinierte Konferenz ab, welche
sehr gut besucht ist und sehr schön verläuft.

30. Mai. Impfung der Schulkinder durch Dr. Groß,
Gemeindearzt in Ach. 27 Schüler treten an.

3. Juni. Reinigung der Schulräume über
Aufforderung des k. k. Bezirksschulrates
Braunau am Inn.

22. Juni. Hauptverhandlung über Anklage des Oberlehrers
Pointner gegen Marie Buchner, Hebamme, wegen
Ehrenbeleidigung in Wildshut. Urteil:
Die Angeklagte hat die Übertretung gegen die Sicherheit
der Ehre gemäß §488 StG. begangen und wird nach
§493 StG. unter Anwendung des §260 ?  StG. Zur
Strafe von acht Tagen Arrest verschärft durch 2 Fast-
tage und gemäß § 389 StP O. zum Ersatze der
Kosten des Strafverfahrens verurteilt.
Ursache: Die Angeklagte äußerte sich am 14. und
15. Mai dem Privatankläger gegenüber im Gasthause
daß der Oberlehrer ihrem Kinde eine Dispens vom
Unterrichte nicht erteilte, weil sie ein armes Weib
sei, daß es jedoch bei anderen gehe z. B. beim Neu-
hauser der ein reicher Bauer sei. -

23. Juni. Empfang der Hl. Sakramente der
Buße und des Altares.

25. Der Oberlehrer Pointner leitet den Bezirks-
feuerwehrtag in Emmyhütte.                                              Glasfabrik "Emmyhütte" in Hackenbuch

1. Juli. Prozession nach Altötting an der auch
die Schüler der obersten Schuljahre teilnehmen.
Die Mädchen gehen in weißen Kleidern. Diese
Prozession findet alljährlich am 2. Juli (Maria
Heimsuchung) zufolge eines alten Versprechens
der Pfargemeinde statt, wurde aber dieses
Jahr wegen des Sonntags auf den Samstag verlegt.

2. Juli. Fahnenweihe des Veteranenvereines                             
Hochburg - Ach. Hierüber soll der beigeklebte   
Zeitungsbericht Aufschluß geben.
Diese Veranstaltung (Vorbereitung und Nachklänge)
ließ dem Erzieher einen tiefen Blick machen in
die Verdorbenheit der heranwachsenden Jugend und
zog einen schmerzenden Trauerschleier um
sein Herz. Das Vertuschungsunwesen und die
Bemäntelung geheimer Verbrechen nimmt
immer mehr zu, während die Offenheit, Wahrheits-
liebe und Ehrlichkeit im selben Maße aus dem
Wege geräumt wird. Verdrießlichkeiten und
Schmähungen gab es in Menge, denen sogar eine
Gerichtsverhandlung fogen müßte.-------------

1. Juli bis 31. August. Hauptferien. Die ersten
5 Tage werden für die Weihnachtstage vom
27. bis 31. Dezember inkl. zu Unterrichts-
tagen verwendet.

Die furchtbare Trockenheit verursacht auf
Wiesen, Feldern und Gärten bedeutenden
Schaden.

1. September. Sämtliche Schüler sind in bester
Gesundheit anwesend. Kein Unglücksfall
ereignete sich "Gott sei Dank" während der
Ferien.

7. September. Der Zweigverein "Am Weilhart"
hält in Ach, Gasthof "Pachler" eine Konferenz
ab. Nach dem offiziellen Teile kommen
Mitglieder der Liedertafel Burghausen und
erfreuen den Verein mit einigen Vorträgen
welche mustergiltig zu Gehör gebracht werden.

14. und 15. September Empfang der Hl. Sakramente
der Buße und des Altares.

4. Oktober. Das Kaiserfest wird in der üblichen
Weise gefeiert. Die beiden Klassen sind

festlich dekoriert. Nach dem Gottesdienste
versammeln sich die Schüler in ihren Lehrzimmern,
wo die Schulfeier stattfindet, welche aus
den Vorträgen passender Gedichte und Lieder
sowie der Wiederholung des patriotischen
Lehrstoffes und je einer Ansprache der Klassenlehrer
besteht.

5. Oktober. Die Schüler der Abteilung mit verk. Unterr.
feiern in obiger Weise das Kaiserfest für sich,
weil sie mit den anderen Schülern in der II. Klasse
nicht genug Platz fänden.

21. Oktober. Die ersten Masernfälle werden
gemeldet. Die Krankheit breitet sich immer
mehr und sehr rasch aus, so daß am 31. Oktober
schon weit über die Hälfte der Schüler von der
Schule fern bleiben.

30. Oktober. Ausflug der Schüler der obersten 3 Schul-
jahre in die Maschinenfabrik Esterer in
Altötting.
½8 Uhr vormittags marschiert ein Teil der Schüler
unter Führung des Oberlehrers Pointner von
Hochburg ab. Ihnen schließen sich die übrigen
Schüler in Grund, Oberkriebach und Ach an so
daß am Bahnhofe Burghausen 20 Knaben und
22 Mädchen zur Abfahrt bereit stehen. Die
k. b. Bahnverwaltung stellte in der entgegen-
kommensten Weise einen eigenen Waggon
zur Verfügung, welcher die lustige Schar um
9.23ʰ entführte. Vom Ortsschulrate beteiligten
sich 2 Mitglieder der Obmannstellv. Sebastian
Grabner, Holzner und Franz Bernegger, Ester-
bauer. Während der Fahrt wird gelegentlich
Geographie u. Geschichte sowie Naturkunde in den
Kreis der Gespräche gezogen und werden einige
Lieder gesungen. Um 10.20ʰ verlassen die
Ausflügler ihren Wagen und begeben sich

sogleich zur Fabrik, wo sie vom Direktor Herrn
Ingenieur Max Esterer liebenswürdigst empfangen
und durch die vielen ausgedehnten Räume
geführt werden. Der Herr Direktor erklärt
unermüdlich bei dem Surren der Räder den
Zweck jeder Maschine ihre Arbeitskraft und
zeigt ihr Produkt. Abfälle vom Drechseln, Hobeln,
Bohren, Schneiden u. dgl. des Eisens dürfen die
Schüler zu ihrer größten Freude mit nach Hause nehmen.
Die modernsten Maschinen von der Schneidemaschine
bis zum größten Lokomobil können die Schüler
anschauen. Die Eisengußhalle bietet besonders
viel Interessantes. Die mit großer Sorgfalt aus-
gearbeiteten Formen liegen auf dem Boden
ausgebreitet und werden einer Erklärung
unterzogen. Mit gespannter Aufmerksam-
keit lauschen die Schüler. Vom Roheisen ange-
fangen bis zur vollendeten Form wird der
Weg gezeigt, nur das Gießen selbst kann
wegen Mangel der Zeit, es findet um 3 h
nachmittags statt, nicht mehr gesehen werden.
Um 12¼ Uhr dankt der Oberlehrer dem Herrn
Direktor auf das herzlichste, welch letzterer sich
über den Besuch hoch erfreut verabschiedet.
Von der Fabrik, die in technischer Beziehung eine
Sehenswürdigkeit ist und jeden Besuch reichlichst
lohnt, marschiert die Schar zum Mittagstisch der
Gastwirtin Frau Hauser früher in Burghausen
seßhaft, welche den Geschmack der Kinder recht
gut zu treffen versteht, weil alle mit Wohlbehagen
ihre Wurstsuppen verzehrten. Nach der Begleichung
der gemachten Schulden und nach Absingung
des Innviertler Mottos wird der Pfarrkirche
mit dem mähenden Skelette, der Gnadenkapelle,
der im Baue begriffenen Kapuzienerkirche und
der Missionsausstellung von Chile, Südamerika,

je ein Besuch abgestattet. Auf dem Wege
zum Bahnhofe kaufen die Schüler noch kleine
Andenken für ihre Angehörigen und um
3.19ʰ geht es wieder der Heimat zu.
Wieder Lieder singend und das Gesehene
gegenseitig erzählend verfliegt die Zeit bis
zum Aussteigen zu rasch und ohne es zu meinen
ruft der Schaffner: "Burghausen aussteigen!"
Einige Minuten nach 4 Uhr ist der Zug geordnet
und heimwärts gehts in schnellem Schritte.
Möge das Gesehene mitarbeiten am Ausbaue
des kindlichen Geistes und gute Früchte bringen!

3. u.4. November. Die Masernepidemie, kombiniert
in einigen Fällen mit Diphteritis, forderte
bereits ein Menschenleben. Der musterhafte
Schüler der 1. Klasse, Obergruppe 1. Abtlg.
Johann Steiner vom Hubergute in Kälbermoos
erlag einer argen Diphteritis. Die Ausdehnung
ist noch im Steigen begriffen; von
188 Schülern fehlten 151 Schüler, folglich
sind nur 37 Schüler d. i. 1/5 anwesend,
welche sich auf 8 Schuljahre verteilen. Die
Zeit von 3 Wochen wird nur mit Wiederholungs-
unterricht ausgefüllt.

16. November. Erdbeben um 10.25ʰ abends in
mehreren Ortschaften bemerkbar besonders in
Hochburg - Reisach - Reit und Kreil.

                                                      2.1.1912

                                                                  Jos. Huber

                                                                  k.k. Bez. Schul.Inspektor

19. November. Gottesdienst für die verst.
Kaiserin Elisabeth. Sämtliche Schüler unter
Führung des Lehrkörpers beteiligen
sich. Nach dem Gottesdienste gehen die
Schüler wieder nach Hause.

15. Dezember. Die Schule wird wegen der
zunehmenden und heftiger auftretenden
Diphteritis geschlossen. Die Schüler
werden noch eingehend belehrt über Ver-
halten bei Auftreten der Krankheit in
ihren Häusern sowie über Vorbeugungsmaß-
regeln wie Gurgeln und Inhalieren.
Zur Verbreitung der Krankheit tragt
auch die Unterlassung der sanitären
Maßnahmen bei. Kein Haus, in welchem
Diphteritis geherrscht hat, wird
desinfiziert, obwohl dies vorgeschrieben
wäre. Die Chronik soll über Vorkomm-
nisse in dieser Zeit schweigen, der
Leser würde die Aufzeichnungen für
unglaublich oder doch als übertrieben
halten. ----------------

Der Winter kann sich nicht entfalten,
bald Schnee, bald Wasser verschlechtert
die Wege, darum auch die beständigen
Krankheitserscheinungen.

1912.

2. Jänner. Der k. k. Bezirksschulinspektor
Johann Huber, Bürgerschuldirektor in
Ried, besichtigt die hiesige Schule.

31. Jänner. Anbetungstag, die
Schüler empfangen die Hl. Sakramente
und besuchen die Betstunde. -

4. Februar. Das Quecksilber fällt im
Thermometer auf -16 ½ º, der
kälteste Tag des Winters. Wenn
auch die Schlittenbahn verschmerzt werden
muß, so können die Kinder doch auf dem
Eise ihrem Vergnügen nachkommen.

10. u. 11. Februar. Über fortwährendes
Drängen des Oberlehrers werden die
beiden Klassenzimmer einer gründ-
lichen Desinfektion mit Formalin-
dämpfen unterzogen.

7. März. Konferenz des Zweiglehrer-
vereines Am Weilhart in Ach mit
reichhaltiger und sehr interessanter
Tagesordnung.

17. April. Sonnenfinsternis. Die Schüler
der II. Klasse nehmen auf dem Sandhügel
Aufstellung und beobachten mit
berußten Gläsern den Verlauf. Der Mond
zieht langsam aber stetig in der Richtung
Nordost vor der Sonne vorüber. Zwischen
1.20ʰ und 1.30ʰ tritt Dämmerung und Kälte
ein. Die Sonne zeigt sich glutrot. Die
Verfinsterung ist keine ringförmige

sondern eine partielle. Der Mond streicht nord-
östlich an der Sonne vorüber, so daß er
um 1.58 vor dem nördlichen Teil der Sonne
steht. Temperatur: 1.28ʰ +5º , 1.40ʰ + 7½ º
1.47ʰ + 9½ º Wind: 12.31ʰ S.O.!, 12.40ʰ O.
1.20ʰ - 1.30ʰ NO, 1.40ʰ N., 1.47ʰ N.
Um 2 Uhr rücken die Schüler wieder
ein. -

24. April. Der Hochw. Herr Dechant Holzinger in
Geretsberg hält hier die Religions-
prüfung ab.

29. April. Infolge eines Begräbnises entfällt
der übliche Dankgottesdienst. In den letzten
Unterrichtsstunden werden die Schulnach-
richtenbücher verteilt und mit Ansprachen
und dem Absingen des Kaiserliedes wird
das Schuljahr geschlossen.

2. Mai. Das Schuljahr 1912 - 13 beginnt mit
dem Bittgottesdienste. Mittags führen
die Mütter ihre Kinder vor und bringen
ihre Wünsche zum Ausdrucke, welche in der
Aufnahmeliste notiert werden. Nach
einer kurzen Ansprache in der I. Klasse
entfernen sich die Mütter.

 

                   Schülerstand 203.

 

Klasse            Abteilung       Knaben          Mädchen        Summe
__________________________________________________
                        Untergr.               12                   10                   22
     1.               Obergr. 1.           12                   12                   24
                           "         2.            15                   14                   29
__________________________________________________
                            1.                     14                   18                   32
     2.                   2.                     20                   27                   47
                        3. mit.verk. U.    21                    28                   49
__________________________________________________
                                                    94     +           109             =  203

12. Mai. Das große Werk der Kirchturm
eindeckung wird gekrönt durch die
Kreuzsteckung, deren Verlauf im ange-
klebten Zeitungsausschitte eingehend
geschildert ist. Den großartigen Opfer-
sinn der Pfarre geweckt zu haben ist einzig
und allein das Verdienst des hochw. Herrn
Pfarrers Asamer, der es versteht, durch
Worte zu bewegen und durch sein Beispiel
anzuziehen.

29. Mai. Herr Dr. Lothar Leitner, Gemeindearzt
nimmt die Schülerimpfung vor, zu der
24 Schüler antreten.

13. Juni. Kombinierte Konferenz der
Zweigvereine des Bezirkes Braunau
in Mauerkirchen. Heimatlos und
Gehaltsfrage bilden den Stoff der Referate.

28. Juni. Bezirkslehrerkonferenz in Braunau
unter dem Vorsitze des k.k. Bezirksschulinspektors
Dr. Professor Franz Berger, welche einen
allseits sehr befriedigenden und
erhebenden Verlauf nimmt. -

1. Juli bis 31. Augsut. Hauptferien. Die
ersten 5 Tage werden zur Einbringung
der zu Weihnacht (27. bis 31. Dezember)
ausfallenden Unterrichtszeit verwendet.
Korn- und Weizenernte vorzüglich. Die
Haferernte wird durch das eingetretene
anhaltende Regenwetter verzögert.

5. September. Kombinierte Konferenz der
Zweigvereine "Am Adenberg" u. "Am Weilhart"
in Hirschlingers Gasthaus in Gilgenberg. Vortrag
des Herrn kkProfessors Dr. Theodor Straßer über
"das Deutschtum in Ungarn". Derselbe weckte
großes Interesse und erntete lebhaften Beifall.

9. September. Schlechter Schulbesuch wegen
Hochwasser.

4. Oktober. Namensfest Seiner Majestät
Kaiser Franz Josef I.
7¼ Uhr: Gottesdienst.
Nach demselben Schulfeier in den beiden
Klassen bestehend aus Gebet, Vorträge
patriotischer Gedichte und Lieder und
Ansprachen der Lehrpersonen.

15. Oktober. Die Schüler der II. Klasse machen
unter Führung ihres Klassenlehrers einen
Lehrspaziergang zum Hukinger – See.
Heimatkunde und Naturgeschichte bilden
den Stoff zur Belehrung und Besprechung.
Zur Erheiterung bringen einige Liedchen
angenehme Abwechslung in die Gesellschaft.

7. November. Enthüllung der Hödl – Gedenktafel
in Braunau. Oberlehrer Pointner nimmt
teil. Der kk. Bezirksschulinspektor Hochwürden
Herr kkProfessor Dr. Franz Berger hält die
Festrede, welche auf alle Anwesenden tiefen
und nachhaltigen Eindruck macht.

8. 9. und 10. November. Hauptversammlung
des ob. österr. Landeslehrervereines, in
welcher Oberlehrer Pointner das Hauptreferat
über die Gehaltsfrage erstattet. Möchten
sich endlich einmal die Gewitterwolken am
politischen Himmelszelte lichten und möge
der ob. österr. Lehrerschaft doch einmal
Gerechtigkeit werden! Hoffnungslos
blicken dermalen die vielen Hundert Lehr-
personen des schönen, reich mit Gütern aller
Art gesegneten Landes ob der Enns in eine
dunkle Zukunft, die für andere Stände gerade
jetzt mit der Wärme der Zufriedenheit recht angenehm
durchflutet wird.

12. November. Die Lehrpersonen der hiesigen
Schule beteiligen sich am Leichenbegäng-
nisse des Herrn Oberlehrers William
Götting in Moosdorf.

15. November.

                   IV. Elternabend.

1. Begrüßung und Eröffnung.
2. Gemeindearzt Dr. Leiter: "Kinderernährung."
3. Oberlehrer Pointner: "Die gegenseitige
            Achtung in Familie und Gemeinde,
            ihre Grundlagen und Folgen."
4. Hochw. Herr Pfarrer Asamer: "Alkohol
            und Jugend."
5. Schulangelegenheiten mit Meinungs-
            austausch.
6. Schlußwort und Dank.

Der Hochzeitssaal im Gasthause Spitzwieser
vollbesetzt, so daß Zuhörer stehen müssen.
Während der Referate herrscht spannende
Aufmerksamkeit, die das lebhafte Interesse
der Eltern am heiligen Werke der Erziehung
bekundet. Das Kaiserhoch wird in der für
das Vaterland so schweren Zeit mit jubelnder
Begeisterung ausgerufen.

19. November. Gottesdienst für weiland
Kaiserin Elisabeth. -

29. Dezember. Das große Werk der Renovierung
von Kirche, Turm und Friedhof wird mit
einem Dankgottesdienste abgeschlossen.
In den letzten 8 Jahren wurden zu diesem
Zwecke 40.000 K aufgebraucht. Der größte
Teil dieser Summe floß aus der Pfarr-
gemeinde, wieder ein Beweis des regen Sinnes
für alles Schöne und Gute in Hocburg.

1913.

Der Winter zieht mit mäßiger Kälte
vorüber. Schlittenbahn von kurzer Dauer.
Das Eis hält an.

31. Jänner. Anbetungstag wird in herkömmlicher
Weise gefeiert.

17. April. Besuch der Passionsdarstellung in
St. Radegund. 145 Schüler werden
auf sehr schön gezierten Leiterwägen
von den Bauern Max Glöcklhofer, Stadler
in Staudach, Franz Bernegger, Esterbauer
in Mitterndorf, Max Lang, Fischereder in
Unterkriebach, Johann Fimberger, Stockerdori
in Geretsdorf und Franz Auer, Bauer in Höhen-
lohe nach St. Radegund geführt, wo über
1200 Schulkinder der Aufführung lauschen.
Allgemeines Lob wird zum Ausdrucke
gebracht. Die Unterbringung der Kinder
in den Gasthäusern sowie die Verpflegung
lassen zu wünschen übrig. Ohne Unfall, in
heiterster Stimmung kommen die Kinder
in ihre Elternhäuser.
Eintritt 40 h, Fahrt 20 h. -

19. April. Der 200jährige Bestand der pragmati-
schen Sanktion wird in der Schule, den
Unterrichtsstufen angemessen, gefeiert.
Wiederholung aus dem Geschichtsstoffe der
Zeit Karl VI. Die beiden Teile der pragmat.
Sanktion a.) Die Teilung der Länder. b.) Die
Erbfolge. Patriotischer Unterricht. Kaiserlied.

2. Mai. Aufnahme der Anfänger, welche
von den Müttern vorgeführt werden.
Die mit Sprachfehlern "ausgestatteten" Schüler
nehmen von Jahr zu Jahr zu, weil im Elternhause
das Sprechen mit den Kleinen allzu sehr
vernachlässigt wird. Zwei Schüler sprechen
völlig unverständlich, einer von ihnen
ist geistig sehr schwach was auf den Alkohol-
genuß in frühester Jugendzeit zurückzu-
führen sein dürfte. Der auffallende
Rückgang der geistigen Qualität dürfte
u. a. auch seinen Grund im frühen
geschlechtlichen Verkehr haben. Mädchen im
17. 18. u. 19. Lebensjahre laufen ohne Scham
als Mütter umher, ein trauriges Zeichen
der Zeit.
Nach Angabe der körperlichen Gebrechen
führen die Mütter ihre Kinder in die I. Klasse,
dort wird vom Oberlehrer eine kurze
Ansprache gehalten, in der die Mütter um
ihre Mithilfe gebeten werden.

 

                   Schülerstand.


Klasse            Abteilung       Knaben          Mädchen        Summe
_________________________________________________
                        Untergruppe       11                   14                   25
            1.         Obergruppe
                        1. A.                     12                   12                   24
                        2. A.                     11                   12                   23
_________________________________________________
                                   1.              17                   14                   31
            2.                    2.              20                   28                   48
                        3. m. verk. U.     22                    23                   45
_________________________________________________
                                                   93       +          103             = 196

15. Mai. Konferenz des Zweiglehrervereines
Am Weilhart in Geretsberg. Sehr guter
Besuch und rege Teilnahme.

19. bis 25. Mai. Hier wird die heilige Mission
von 3 Patres Redemptoristen aus Puchheim
abgehalten. P. Hammerle übernimmt die
Schulkinder, welche recht andächtig die hl.
Sakramente empfangen. Am Sonntag
den 25. wird die Schlußfeier mit Prozession
abgehalten, die eine ungeheure Masse
Menschen schauen kann. Unterricht
fällt außer am Kommuniontage
keiner aus.

9. Juni. Der Gemeindearzt Dr. Lothar Leiter
impft 30 Schulkinder mit recht gutem
Erfolge.

1. Juli bis 31. August Hauptferien. Vom
1. bis 5. Juli einschl. werden die Tage vom
27. bis 31. Dezember eingebracht. Im
Juli herrscht bis 25. ununterbrochen
Regenwetter, so daß die Ernte sehr
bedeutend hinausgeschoben wird.

4. August. Unterschriftensammlung für                  Anm.G. Lenzbauer:
die "Lex Kolisko" abgeschlossen                         KOLISKO Rudolf, Dr.jur. geb. 1859, Wien gründete die
                Schulgemeinde Hochburg.                         „Deutsche Volkspartei“ in Niederösterreich und brachte im
Danner, Wanghofer, Duttendorf 129 Unterschriften           Landtag die sogenannte „Lex Kolisko“ ein, die für alle
Sinzinger, Obereder, Oberkriebach 79 Unterschr.          Schulen in Niederösterreich einschließlich Wien die
Sützl, Kaufmann, Hochburg,           103 Unterschr.          deutsche Unterrichtssprache forderte.
Wanghofer, Wirt, Mitterndorf,          78 Unterschr.
Lang, Fischereder, Unterkriebach 39 Unterschr.
Dicker, Neubauer, Geretsdorf,       87 Unterschr.
Glöcklhofer, Neuhauser, Hochburg, 73 Unterschr.
Koch, Gansbauer, Lindach,            32 Unterschr.
Pointner. Oberlehrer, Hochburg, 200 Unterschr.
                                                                                              _______________________________________
                                   Zusammen 820 Unterschriften

25. August. Die Sterbeglocke ertönt. Alles wartet
in Spannung auf die Beantwortung der Frage:
"Wem gelten die Klagetöne?" Nach der Hl. Messe
wird bekannt, daß hochw. Herr Dechant
Josef Lang seine Riesenkraft dem Sensen-
mann beugen mußte. Der Edle ruhe
in Gottes heiligem Frieden!
Ein Abdruck aus dem "Linzer Volksblatt" über das
Leben des Toten sei beigeklebt zum Andenken.

 

 

 

 

 

25. August.

 

 

 

 

 

 

 

1. September. Sämtliche Schüler versammeln
sich wieder in ihren Klassen. Während des
Unterrichtes merken die Lehrpersonen,
daß viele Schüler in den Ferien zum Lernen
gar nicht angehalten wurden. Ein trau-
riges Zeichen der Zeit. Die bäuerliche
Bevölkerung merkt noch immer nicht,
wie tief sie auf dem Gebiete der geistigen
Bildung steht und will es auch nicht merken.

3. September. Konferenz des Zweiglehrervereines
"Am Weilhart" in Ach. Der Obmann des o. ö.
Landeslehrervereines Fachlehrer Hans Langoth
hält einen Vortrag über Geschichte und Ent-
wicklung der freien Lehrerorganisation
in Oberösterreich. Die Nachkonferenz versam-
melt österr. u. bayerische Kollegen sowie
Mitglieder der Liedertafel Burghausen, so
daß dieselbe zu einem kleinen Lehrerfeste
sich gestaltet. Die Mitglieder der Zweigvereine
"Am Adenberg" u. "Am Weilhart" treten in
gehobener Stimmung den Heimweg an mit
dem Bewußtsein, treue Arbeit geleistet
zu haben. Die verschiedenen Ansprachen ließen
durchblicken, daß die österr. Lehrerschaft
infolge des Reichsvolksschulgesetzes in Stellung
der bayerischen weit voraus ist.

25. September. Abschiedsdiner der Familie
Durchlaucht Graf Otto zu Castell – Castell.
Eingeladen sind hochw. Herr Pfarrer Alois Asamer
und Oberlehrer Josef Pointner. Nach dem
Mahle wird im Salon über alle möglichen
Verhältnisse Hochburgs so auch über die Schule
u. deren Einrichtungen, Schulwege, Schüler,
Krankheiten, Fortgang, Fleiß etc. in der
gemütlichsten Weise gesprochen.
Um 5 Uhr besichtigt Durchlaucht Frau
Gräfin Amelie zu Castell - Castell die Schul-
klassen, Lehrmittel, Bibliothek u. s. w.
und spricht sich recht befriedigt über das
Gesehene aus. In der liebenswürdigsten
Weise verkehrt Durchlaucht mit den Lehr-
personen.

14. Oktober. Lehrspaziergang der Schüler der II. Klasse.
Hörndlerstraße - Schiffweg - Kohlstätte -
Wasserleitung - die verschiedenen Tafeln -
Hörndl - Aussicht in das Salzachtal, bayerische
Ebene, Gebirgskette - Hörndler Forsthaus -
Acherstraße - Weißes Kreuz – Heimweg
über Dann und Sengstatt.

2. November. Lehrspaziergang der Schüler mit abgek.
Unterricht in das Museum in Burghausen.
Die großartigen Sehenswürdigkeiten des
reich ausgestatteten Museums werden
besichtigt und zum Teil besprochen. Nach
3stündigem Aufenthalte verlassen die Schüler
Burghausen und begeben sich auf  ihre Heim-
wege.

30. November. Eröffnung eines landw. Fort-
bildungskurses. Es meldeten sich 16 Zöglinge,
welche heute erschienen sind. Für die Fort-
bildungskurse wird nur geredet aber nichts getan.

1914.

Der Winter läßt sich heuer sehen, hören
und fühlen. Eis u. Schnee, Schlittenbahn
und Eisbahnen sowie empfindliche
Kälte, welch letztere an einigen Tagen
bis 14° - 15° stieg. Groß und Klein sind
befriedigt.

31. Jänner. Der Anbetungstag verläuft in
herkömmlicher Weise. 7¼ Schulmesse mit
Kommunion der Schulkinder. 11 Uhr
Betstunde der Knaben ½12 Uhr Mädchen.

1. März. Schluß des landwirtschaftl. Fortbildungs-
kurses, denselben besuchten 16 Zöglinge
sehr fleißig. Landwirtschaft mit einschlägi-
gen Rechnungen für die hiesige Gegend
sowie Aufsätze bildeten den Stoff des Unter-
richtes.

31. März. Zwei Aeroplane überfliegen um
9 Uhr vormittags Hochburg, von denen einer
um 3 Uhr nachmittags von Wien zurück kommt
und bis Mühldorf weiter fliegt, wo er zur
Landung gezwungen wird.

9. April. Der Lehramtskandidat Johann Eberl von
Salzburg schenkt der Schule Hochburg mehrere
sehr schöne Salzkrystalle.

26. April. Der Gemeindeausschuß mit dem Bürgermeister
Anton Glöcklhofer, Neuhauser in Hochburg, über-
reicht dem Oberlehrer Josef Pointner das
Ehrenbürger - Diplom. Der Bürgermeister
dankt dem Oberlehrer für seine der Schule und
Gemeinde geleisteten Dienste, worauf der Oberlehrer
versichert, seine Pflichten auch fernerhin so zu
erfüllen, wie bisher.

29. April. Schluß des Schuljahres 1913 – 14.
Dankgottesdienst. In der letzten
Unterrichtsstunde werden nach einer
kurzen Ansprache die Schulnachrichten
verteilt. Nach der Verteilung Hinblick
auf Sr. Majestät Kaiser Fanz Josef. I
Kaiserhoch und Volkshymne.

2. Mai. Aufnahme der Schulanfänger.
Die Degeneration schreitet langsam aber
sicher vor. Im Vorjahre wurde ein Halbidiot
in die Schule aufgenommen, der mit einer
Riesenbemühung seitens Schule und Haus
doch zum Lesen fähig gemacht werden konnte.
Dieses Jahr kommt der ganze Idiot, der
wahrscheinlich nicht schulfähig werden wird.
Neben ihm stehen 2 Kinder die nicht sprechen
können und mehrere, die schlecht hören
oder sehen. Die geistigen Fähigkeiten
sind nach den Aussagen der Mütter mindere,
so können von den 28 Anfängern nur
5 das Vaterunser stammeln.

 

       Schulkataster.

Ausschulung nach Ach.
Duttendorf von 25 Häusern
            № 8, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21,
            22, 23, 24.
Kälbermoos von 10 Häusern
            № 1
Kreil von 19 Häusern
            № 1, 2, 13, 14, 15 und 16.
Oberkriebach von 16 Häusern
            № 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 10, 12
            13 und 16.

8. u. 9. Mai. Besuch Sr. Gnaden des hochwürdigsten
Herrn Bischofes Dr. Rudolf Hittmair.
Freitag den 8. Empfang durch den hochw.
Herrn Dechant Martin Holzinger, hochw. Herrn
Pfarrer Alois Asamer, Herrn Gemeindervorsteher
Anton Glöcklhofer mit dem Gemeindeausschusse,
den Lehrpersonen, den Beamten des Forstamtes
den Ortsschulrat u. Armenrat, die Schulkinder,
die Feuerwehr, den Veteranenverein, die
marianische Kongregation und eine Menge
der Einwohner. Nachher Religionsprüfung.
Samstag den 9. Pontifikalmesse, bei welcher
die Schüler der Oberstufe das Meßlied
singen. Nach derselben Predigt des hoch-
würdigsten Herrn Bischofes und Spendung
der Hl. Firmung. Um 12 Uhr Festmahl
im Pfarrhofe zu dem die Spitzen der
Behörden geladen sind. Sr. Gnaden
verläßt um ½3 Uhr den hiesigen Ort
nachdem er sich hoch befriedigt über
Gesehenes und Gehörtes geäußert hatte.

14. Mai. Der Zweiglehrerverein Am Weilhart
hält hier eine Konferenz ab. Oberlehrer Pamer
spricht über die Friedensbewegung und
Oberlehrer Pointner über das Reichsvolks-
schulgesetz. Die gemütliche Nachkonferenz
im Nebenzimmer des Gasthauses Spitzwieser
gewürzt durch Sang und Klang, verscheucht
auf einige Stunden die bitteren Gefühle der
Notlage in der Lehrerschaft.

24. Mai. Die Ortsgruppe des deutschen Schulvereines
veranstaltet im Gasthause des Herrn Sinzinger
in Oberkriebach eine sehr gelungene und
gut besuchte Maifeier mit Lichtbilder-
vortrag über die Befreiungskriege 1813.
Der Vortragende Herr Lettner aus Linz wußte das
schlummernde Volksbewußtsein zu wecken
u. Herr Resl stellt an die Lachmuskeln große
Anforderungen. Ein nicht unbedeutendes
Schärflein kann zum Schutze der deutschen
Schule in Österreich abgeführt werden.

5. Juli. Beginn der Hauptferien. Die
ersten 5 Tage werden zur Einbringung
des Unterrichtes vom 27. bis 31. Dezember
verwendet.

12. Juli. Die Frw. Feuerwehr feiert das vierzig-
jährige Gründungsfest im Familienkreise.
Vormittag: Gedenkgottesdienst für die verst.
Kameraden, nachher Frühschoppen.
Nachmittag: Gartenkonzert.
Abend: Ein sehr abwechslungsreiches Programm
zeigt die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr.
Die Kapelle Gaisberger bringt sehr gute
Orchesterstücke zum Vortrage. Den 6 Feuer-
wehrveteranen werden feierlich die Diplome
überreicht. Oberlehrer Pointner hält die Festrede.

Der Mord in Sarajevo.

 

       
       
 

 

28. Juni. Unser Thronfolger Erzherzog Franz
Ferdinand und seine Gemahlin Herzogin von
Hohenberg werden in Sarajevo erschossen.

 

 

 

 

 

31. Juli. Ein Bote aus Braunau bringt um ½11 Uhr
nachts die Kundmachung der allgemeinen
Mobilisierung. Sogleich werden die Boten
ausgeschickt und die Werhmänner verständigt.

1. August. Vormittag werden die Evidenzblattpferde,
18 sehr schöne Stücke, abtransportiert und
mittags sammeln sich die Wehrpflichtigen
zur Abfahrt. Die ehemaligen Schüler sowie
Väter der Schulkinder verabschieden sich vom
Oberlehrer Pointner. Nach einem hl. Segen
in der Kirche fahren sie ab mit einer
Begeisterung, wie sie in solchen Augen-
blicken wohl ganz selten sein dürfte.
Der Allmächtige schütze sie und segne
ihre Waffen gegen unsere Feinde!
            Heil dem Kaiser! Heil dem Lande!
            Österreich muß ewig steh'n!

20. August. Papst Pius X. ist gegen 1 Uhr 20 min.
früh gestorben. Das Schulhaus ist schwarz
beflaggt.

26. August. Requiem für den verstorbenen
Papst Pius X., an dem die Schulkinder
mit den Lehrpersonen, der Ortsschulrat,
die Gemeindevertretung, die Beamten
des Forstamtes, die Vereine durch
Deputationen teilnehmen.

5. September. In beiden Klassen beginnt
wieder der Unterricht. Der k. k. o. ö.
Landesschulrat gestattet die Abwesenheit
der Schüler, welche zu landwirtsch. Arbeiten
verwendet werden, zu entschuldigen.
Die Erlaubnis wird stark in Anspruch
genommen, weil starker Mangel
an Arbeitskräften herrscht.

12. September. Großer Brand in Lindach.
½1 Uhr nachmittags wird gemeldet, daß es
in Lindach im Gansbauergute eingeschlagen habe
und dieses Gut in Flammen stehe. Trotz
schnellster Hilfe kann der Nachbar Fellner
nicht gerettet werden, doch gelingt es
den in der Windrichtung stehenden Hof des
Andrä zu erhalten. Der Leutemangel
macht sich auch auf dem Brandplatze fühlbar
besonders in der Feuerwehr. Zur Hilfe
kamen die Feuerwehren Ach, Burghausen
Gilgenberg und Überackern.
Das Wohnhaus des Gansbauers konnte den
Flammen entrissen werden, während das
Fellnergut infolge der ungünstigen
Bauart vollständig vernichtet wurde.

5. November. Kombinierte Konferenz in
Mauerkirchen wegen Besprechung des
Reliefs des Bezirkes Braunau.
Herr Oberlehrer Ritzberger stellt das von
ihm verfertigte Relief aus, bespricht es
und fordert Kritik. Allgemeines
Lob wird ihm gezollt.

16. Dezember. Die Lehrerin 2. Kl. Antonie
Pointner erkrankt, Halbtags-
unterricht wird eingeführt. -

NB: Über die Kriegsereignisse kann nach dem
beiliegenden Fragebogen erst nach dem
großen Ringen berichtet werden,
darum wurde dermalen keine Frage
beantwortet.

1915.

Der Winter verläuft günstig für Mensch,
Tier und Pflanze.  Unsere Helden draußen
im Felde leiden bitter unter Kälte und
Schnee. Die Daheimgebliebenen stricken
Schneehauben, Unterröcke, Pulswärmer,
Socken und nähen warme Winterwäsche
für die Soldaten, sie schicken fleißig Liebes-
gaben hinaus, aber leider wandern diese
zum Großteil in unwürdige "Taschen".
Näheres und Ausführlicheres kann erst nach
dem Friedensschlusse berichtet werden.

2. Jänner. Die Handarbeitslehrerin Marie
Huber erkrankte in Berchtesgaden und
kehrte nicht mehr zurück, weshalb der
Handarbeitsunterricht, der ganz im Dienste
des Krieges steht, aushilfshalber durch
die Lehramtskandidatin Hermine
Pointner erteilt wird. Die Aufsicht
übernimmt der Oberlehrer.

11. März. Die Lehrerin 2. Klasse Antonie
Pointner tritt wiedergenesen in die
I. Klasse. Der regelmäßige Unterricht
beginnt wieder.
Der k. k. o. ö. Landesschulrat fand über
Ermächtigung des Herrn k. k. Ministers
für Kultus und Unterricht vom 28. Febr.
1915 Zl. 1784, zu verfügen, daß zur
Zeit des Anbaues der Sommergetreidearten
u. der Kartoffeln und der ersten Heuernte
je nach Bedarf Schulferien bis zu je 2 Wochen

geteilt oder ungeteilt über Beschluß des
Ortsschulrates gegeben werden können.
Die Verwendung schulpflichtiger Kinder
zu landwirtschaftlichen Arbeiten hat
während der Kriegsdauer bei der
Behandlung von Schulversäumnissen
überhaupt als Entschuldigungsgrund zu
gelten.
Der hiesige Ortsschulrat sieht von der Festsetzung
der Ferien ab, weil einerseits die Arbeiten
des Landwirtes vom Wetter abhängig sind und
andererseits viele Schüler zur Anbauzeit
gar keine Verwendung finden. Zur Zeit
der Heuernte werden Tage mit schönem
günstigen Wetter freigegeben werden, während
an Regentagen Unterricht erteilt
werden wird.

5. u. 6. April. Der Oberlehrer besucht als Obmann
des Bez. Verb. № 36 u. als Mitglied des
Zentralausschusses des ob. öst. Landes-
feuerwehrverbandes den Bez. Obmänner-
tag in Wels.

28. April. Schulschluß. 7¼ Uhr Gottesdienst.
Unterricht. Nach Schluß des
Unterrichtes Verteilung der Schul-
nachrichtenbücher mit Ansprachen u.
Kaiserhoch und Absingen des ganzen
Kaiserliedes.
Kein Tag verging ohne die Schüler nicht
der großen und schweren Zeit unseres
Vaterlandes und unserer Heimat
zu erinnern. Den Schulgebeten
wird für unsere Helden täglich angegliedert:
"Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser
unser Land!"

2. Mai. Beginn des Schuljahres 1915 – 16.
31 Schulanfänger werden von ihren
Müttern vorgeführt. Mehrere Kinder
haben ihre Väter derzeit im Felde. Den
Druck der Zeit fühlt man auch heute.
Mit heiligem Ernste führen die Mütter
nach der Aufnahme ihre Kinder in die
1. Klasse, aus der sie sich nach einer kurzen
Ansprache des Oberlehrers, wehmütig zurück-
blickend, entfernen.

schülerstand 211

 

20. Mai. Konferenz sämtlicher Lehrpersonen
des Gerichtsbezirkes Wildshut zum Zwecke
des Ansuchens um eine Teuerungszulage
in der schweren Zeit.

26. Mai. Impfung der Schulkinder durch
Herrn Dr. Hermann Bickell.

2. Juni. Erdbeben im ½7 Uhr früh.
Sehr stark vernehmbar.
Platzenberger in Parsdorf, Rinne vom Dach gefallen.
Thaler in Endt, Tür aufgerissen, Fenster klirrten.
            Endt, Pfeife, Kerzenleuchter u. Seife vom
Fensterbrette gefallen. Holzgassen: Möbel geschau-
kelt. Betten wankten u. s. w..
Richtung NO - SW.

1. Juli bis 15. September:

Hauptferien.

23. September bis 2. Oktober: Nachferien.

5. Oktober. Beginn des Unterrichtes.
Die Schüler können infolge Leutemangel
bei den landwirtschaftlichen Arbeiten
mithelfen und entstehen dadurch sehr
viele Schulversäumnisse, wodurch der Unterrichts-
betrieb sehr leidet.

8. bis 19. November. Sammlung der Schulkinder
unter Führung des Oberlehrers für die
Invalidengranate mit Benagelung
derselben.

2. Dezember. Regierungsjubiläum Seiner
Majestät Kaiser Franz Josef I.
7 Uhr Festgottesdienst.
8. Uhr Schulfeier.
1. Gebet.
2. Der Donau Wachtruf. /:Grabner Hedwig:/
3. Der gute Kamerad. Lied.
4. Zum 2. Dezember. /:Hartl Marie:/
5. Bedeutung der Schulfeier. Ansprache
6. Heil dir, mein Österreich! /:Steinfellner Anna:/
7. Die Blumenteufel. Lied.
8. Ansprache mit Hoch!
9. Kaiserlied.
10. Benagelung der Invalidengranate.
Das Schulzimmer ist festlich geschmückt.

24. Dezember bis 2. Jänner einschließlich
Weihnachtsferien. -

1916.

      Kriegsdienstleistungen.

Sammelergebnis für die Invaliden – Granate.
Schulgemeinde Hochburg              1610 K
Schulgemeinde Ach                          717 K 90 h
Gemeindevertretung                          300 K
Raiffeisenkasse                                 100 K
Veteranenverein                                   50 K
Frw. Feuerwehr Hochburg                  60 K
Frw. Feuerwehr Ach                 50 K
Schulfeier Hochburg                          155 K 90 h
                                                                       ____________________________________________
                                                           Summe          3043 K 80 h

Metallsammlung.
Zinn 18,5 kg, Messing 126,5 kg
Kupfer 29,5 kg Blei 100 kg
Zusammen 274,5 kg.
Edelmealle: Goldbroschen, Silberketten,
Silberknöpfe u. Weihrauchschiffchen,
            zusammen 17,5 kg.

Pflegestätte v. R. K. in Braunau am Inn.
3 Bettdecken, 12 Leintücher, 4 Polster mit
Überzügen, 27 Hemden, 16 Unterhosen,
30 Paar Socken, 18 Handtücher, 4 Paar Puls-
wärmer, 2 Paar Fußlappen, Hauslein-
wand und Verbandzeug. 20 kg Brennessel.
340 Eier, 300 Zigaretten, 36 Paket Tabak,
10 Paket Zünder, 2 Laib Brot, 1 Stück Geselchtes,
102 kg Dörrzwetschken, 40  dkg Schmalz,
7½ kg Charpie, 1 Sack Fleckerl, 1 kg Honig.
Geldspende: 297 K 75 h.

       K. u. k. Notreservespital Freinberg b. Linz.
135 Eier u. 12 kg Dörrzwetschken. -

 

Scharpie oder Charpie, abgeleitet vom lateinischen Wort carpere für „zupfen“ oder „pflücken“, war ein bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts gebräuchliches Wundverbandmaterial, das aus Fasern bestand, die durch Zerzupfen von Baumwoll- oder Leinenstoffen gewonnen wurden.

Kathol. Frauenorganisation Linz a. d. Donau.
3166 Papiersohlen, 245 Billroth Papiersocken,
3 kg Charpie, 6 kg Fleckerl, 32 Paar Baumwoll-
socken.

Für einrückende Hochburger angefertigte Wollsachen.
40 Schneehauben, 43 Paar Wollsocken, 66 Paar
Pulswärmer, 14 Paar Kniewärmer, 5 Paar
Wadenstutzen, 1 Paar Fäustlinge.

Materiallager vom R. Kr. in Linz u. Oberlaa N.Ö.                        eingeklebte Dankurkunde (nächste Seite)
57½ kg Brombeerblätter, 3 Kisten und 1 Sack
voll Alt - Papier, 18 kg Zwetschkenkerne,
1 Bund Brennesselstengel.

Kriegsfürsorgeamt Wien IX., Berggasse 16.
210 kg Wolle, 25 kg Kautschuk.

Flächenverteilung des Gemeindegebietes
                        Hochburg - Ach.

Ackerland                                         2056 ha
Wiesen                                                668 ha
Gärten                                                   20 ha
Hutweiden                                               6 ha
Wald                                                  1514 ha
Unfruchtbar                                             8 ha
                                                                       ------------------------------------------------------------
                                   Fläche            4272 ha

4. Jänner. Montenegro streckt die Waffen, nachdem                 Anm: G- Lenzbauer
unsere Armee den Lovcen  erobert hatte.                                    Lovcen ist Hauptgebirge Montenegros
Eine einfache Schulfeier soll die Jugend zur Dank-
barkeit gegen unsere Helden anspornen.

16. Jänner. Oberlehrer Pointner rückt als Landsturm-
mann zum Inf. Reg. 59 in Salzburg ein. Da noch
keine Aushilfskraft eingetroffen, übernimmt die
Ln. 2. Kl. Antonie Pointner die beiden Klassen. Vom
Bez. Schulrat Braunau am Inn kommt an den hiesigen
Ortsschulrat folgender Erlaß:

 

K. K. Bezirkschauptmannschaft Braunau am Inn.
Zl. 191                                               am 4. Jänner 1916
Pointner Josef, Oberlehrer
in Hochburg, Landsturmpflicht.

                        An den
                        Ortsschulrat
                                                           in Hochburg.
Auf das dortige Ansuchen um Enthebung des Obgenannten
hat der k. k. Landesschulrat mit Erlaß vom 24. Dezember 1915
Zl. 7539 anher eröffnet, daß durch die Rückbeurlaubung
unserer Lehrer sich die Schulverhältnisse im hiesigen
Bezirke wesentlich verbessert haben, so daß Oberlehrer
Pointner ersetzt werden kann.

                        Der kk. Bezirkshauptmann:
                                   Jenak mp.

Die "wesentliche Verbesserung" der Schulverhältnisse
durch "Ersätze" hat wohl die traurigsten Folgen
gezeitigt, über die das Volk anders urteilt als
der Landesschulinspektor Dr. Rimmer. ---

20. Jänner. Mit Erlaß v. 15. Jänner 1916, Zl. 80 / Sch.
wird der Ln. 2. Kl. die aushilfsweise Schulleitung
übertragen.

24. Jänner. Mit Erlaß vom 24. Jänner 1916,
Zl. 130 /Sch., wird vom kk. Bez. Sch. R. Braunau
die Lehramtskandidatin Berta Schmid zur
Aushilfslehrerin bestellt. Der genannten Aus-
hilfslehrerin ist die "erste Klasse" zuzuweisen.

1. Mai. Beginn des Schuljahres 1916 / 17.
           

 

3. Juni. Impfung der Schulkinder durch den prov.
Gemeindearzt Dr. Hermann Bickell in Ach.

14. Juni. Enthebung der Aushilfslehrerin Berta
Schmid mit der Anordnung, daß an beiden
Klassen bis auf "weiteres" halbtägig zu
unterrichten ist.
Die Aushilfs - Schulleiterin Antonie Pointner
übernimmt beide Klassen. -

10. Juli. Beginn der Hauptferien, welche bis einschließ-
lich 9. September dauern.

17. August. Oberlehrer Pointner wird als E. F. Korpo-
ral dem Landst. EL.baon 2.52 in Kowel,
Rußland, zugeteilt, geht von Salzburg ab
ins Feld.

18. August. Geburtsfest S. M. Kaiser Franz Josef 1.
übliche Schulfeier mit Gottesdienst.

28. August. Kriegserklärung Rumäniens.

26. Oktober. Einige Diphteritisfälle werden ge-
meldet. Die Schüler werden auf die Ansteckungs-
gefahr aufmerksam gemacht und über die
ansteckenden Krankheiten wiederholt belehrt.

21. November. Eine ergreifende Trauerkunde
durcheilt die Welt. Unser guter Kaiser Franz Josef 1.
ist heute um 9ʰ nachm. verschieden. Der gütige
Monarch, dessen Bild mit den längst vertrauten freund-
lichen Zügen auch die ärmlichste Hütte schmückte,
mußte in dieser schweren Zeit seine Völker verlassen.
Von aufrichtiger Trauer ist Stadt u. Land, das ganze
Reich ergriffen. Wenn irgend jemand berechtigt ist,
nach einem langen dornenvollen Lebenswege aus-
zurufen: "Ich bin müde!" so war es unser guter Landes-
vater. Dies waren seine letzten Worte. Ein Glanz-
punkt in seiner tatenreichen, ruhmvollen Regierungs-

zeit war wohl die Sanktion des Reichsvolksschul-
gesetzes am 14. Mai 1869.
Dem bitteren Schmerze wurde Ausdruck verliehen durch die
Abhaltung eines feierlichen Trauergottesdienstes, an dem
die Schulkinder unter Führung der Aushilfs – Schulleiterin
Antonie Pointner, die Gemeindevertretung, der
Ortsschulrat, der Veteranenverein u. die Frw. Feuerwehr
teilnahmen.
Nach dem Gottesdienste fand die Trauerfeier in der
Schule statt, bei der ein Bild von der reichen Arbeit
Sr. Majestät entrollt wurde. Das Kaiserlied
schloß die Feier ab. -
Thronbesteigung und Proklamation des
Kaisers Karl I.
Der Name des Kaisers wird für Österreich
"Kaiser Karl I.", für Ungarn "König Karl IV."
lauten.

6. Dezember. Bukarest wird erobert. In der
Schule findet eine einfache Siegesfeier statt,
wozu der 9. Dezember frei gegeben wird.

24. Dezember. Die Weihnachtsferien werden aus
Verkehrsrücksichten bis einschließlich 3. Jänner
1917 ausgedehnt. Erlaß v. 24. / 12. 16, Zl. 1279 / Sch.

NB: Eine sehr rege Tätigkeit wurde im Laufe des
ganzen Jahres auf dem Gebiete der "Kriegs-
anleihe" entwickelt und schöne Erfolge
erzielt.

1917.

Große Kälte. Gut, daß genug Holz vorhanden.
Traurig stünde es um die Schule, wenn sich zu den ver-
schiedenen Anbau- u. verlängerten Ernteferien auch
noch Kälteferien gesellten. Abgesehen von den
unerträglichen Schulbesuchzuständen kann hier
nur eine Lehrperson wirken, weil keine Aushilfe
zur Vergügung steht. Wie sich auf diese Art Lern-
erfolge ergeben können, kann sich jeder Schul-
mann leicht erklären. Die Schule ist zum Aschen-
brödel des Staates herabgesunken bes. in Ober-
österreich, wo die zum Kriegsdienst eingerückten
Lehrer, von vorgesetzter Stelle als "entbehrlich"
erklärt wurden. -

5. April. Dieser Tag bringt in die durch Schulden und
Hunger schwer getroffenen Lehrerfamilien
die Freudenbotschaft, daß die Gehälter erhöht
werden. In keinem Kronlande nur im schönen,
fruchtbaren Oberösterreich empfindet die Lehrerschaft
die grausame Härte des Sprichwortes: "Undank
ist der Welt Lohn." Mögen die ob. österr. Machthaber
endlich zur Einsicht gelangen, daß nur ein von
Nahrungssorgen befreiter Lehrerstand freudig
in der Schule schaffen und tüchtige, charaktervolle
Bürger heranziehen kann!

1. Mai. Beginn des Schuljahres 1917/18. Die Mütter
führen die Schulanfänger vor.

                   Schülerstand.

1. Klasse.                                                 2. Klasse.

Untergruppe 1                      31       1. Abtlg.                     29
Obergruppe 1. Abtl.             31       2. Abtlg.                     40
            "          2. Abtl.            34       A. m. v. Unt.               49
____________________________________       _____________________________
            Zusammen                96                   Zusammen  118

                        Schülerzahl: 214

16. Juni. Taschentuchtag. An die Vermittlungsstelle
des k. u. k. Kriegsfürsorgeamtes in Linz werden
abgeschickt 3 kg Taschentücher und andere
Leinwandgegenstände. Die Sammlung
zeigt die Ermüdung im Geben. Statt Taschentücher
wird Geld abgeliefert, so daß 10 K mitgeschickt
werden.

1. Juli. Beginn der Hauptferien, welche bis 1. Septem-
ber dauern.

13. Oktober. Witwen u. Waisentag.
Die Sammlung ergab in der Schule 233 K 90 h
u. in der Kirche 78 K 13 h zusammen 312 K 3 h.

23. Oktober. Wäschetag.
Sammlung durch Schulkinder: 6 Hemden,
1 Leibchen, 1 Unterrock 1 Kissenbezug,
2 Unterhosen, 4 Leintücher, 2 Paar Socken,
1 Tischtuch, 1 Serviette, 5 Taschentücher,
2 Säcke Altkleider.

26. Oktober. Naturprodukte an Kriegsfür-
sorgeamt in Linz:
38,5 kg Brombeer- u. Himbeerblätter,
26 kg Steinobstkerne,
12 kg Sonnenblumenkerne,
25 kg Brennesselstengel.

3. November. Befreiung der Stadt Görz.
Schulfeier anläßlich der glänzenden Waffen-
taten der verbündeten Armeen.

5. November. Namensfest S. M. des Kaisers
Karl 1.
Gottesdienst u. nachher Schulfeier, welche
Gedichtvorträge, Lieder u. eine patriotische
Ansprache umfaßt. Mit "Hoch" u. Kaiserlied
wird die Feier geschlossen.

16. November. Allgemeine Lehrerversammlung im
kaufmännischen Vereinshause in Linz.
Die drückende Not versammelt endlich alle Lehrper-
sonen ohne Unterschied der politischen Gesinnungen
zur Beratung ihres Elendes, in das sie die ob. österr.
Schul- u. Lehrerfeinde gestürzt haben. Nach den
Verhandlungen u. Beschlüssen auf Besserstellung des
Lehrstandes wird der allgemeine Wunsch zu Aus-
druck gebracht, die Lehrervereine aufzulösen und
eine wirtschaftliche Lehrerorganisation zu schaffen.
Die Ln. 2. Kl. Antonie Pointner beteiligt sich an
dieser denkwürdigen Versammlung.

23. Dezember. Mit Erlaß des kk. Bez. Sch. R. Vom
18. Dezember 1917, Zl. 1609 / Sch., werden die
Weihnachtsferien im Hinblicke auf die noch
herrschende Knappheit an Heizmaterial vom
23. 12. 17 bis einschließlich 2. 1. 1918 aus-
gedehnt.

NB: Neben den aufreibenden Arbeiten für die
Schule mußte die "einzige" Lehrperson ihre
besondere Aufmerksamkeit der Kriegs-
anleihepropaganda zuwenden. Aushilfs-
kraft konnte während des ganzen Jahres
nicht gefunden werden trotz der
"wesentlichen Verbesserung" der Schulverhält-
nisse im hiesigen Bezirke durch die  Rück-
beurlaubung mehrerer Lehrer. -

1918.

1. Jänner. Mit Erlaß des k. k. Bezirksschulrates Braunau
am Inn vom 1. Jänner 1918, Zl. 1, wird die bisherige
Aushilfslehrerin Käthe Eglhofer in Handenberg zur
Aushilfslehrerin an der hiesigen Schule ernannt.
Trotz Einsprache des O. Sch. R. Handenberg gegen diese
Ernennung muß die Aushilfslehrerin Eglhofer den
Dienst am 14. Jänner antreten.

4. Februar. Der k. k. Bezirksschulrat Braunau am Inn
gewährt der Aushilfsschulleiterin Antonie
Pointner einen Krankheitsurlaub in der
Dauer von 6 Wochen, enthebt sie von der aus-
hilfsweisen Schulleitung und überträgt diese
der Aushilfslehrerin Käthe Eglhofer für die
Dauer des Urlaubes.

7. Februar. Der kk. Bezirksschulrat Braunau
am Inn ernennt die Lehramtskandidatin
des 4. Jahrganges der kathol. Priv. Ln. B. A.
in Vöcklabruck Marie Herbst zur Aushilfslehrerin an
der hiesigen Volksschule.
19 Monate mußte die Aushilfsschulleiterin
Antonie Pointner unter den schwierigsten
Verhältnissen aus- und durchhalten bis
eine Aushilfe gefunden wurde. Nach ihrer
völligen Erschöpfung war es möglich, sofort
2 Aushilfslehrerinnen anstellen zu können.
Dieses Vorgehen, das im Bezirke einzig dasteht,
läßt die derzeitige ob. öst. Schulverwaltung
in einem merkwürdigen Lichte erscheinen.

24. März. Der kk. Landesschulrat genehmigt der
Ln. 2. Kl. Antonie Pointner einen Krank-
heitsurlaub in der Dauer vom 1. Februar
bis 31. Juli 1918.

1. Mai. Beginn des Schuljahres 1918/19.

                   Schülerstand

       1. Klasse.                                                     2. Klasse.

Untergruppe              32 Schüler     1. Abtlg.                     37 Schüler
Obergr. 1. Abtlg.       32       "          2. Abtlg.                     40       "
    "        2. Abtlg.        30       "          Abt. m. v. U.               50       "
                _____________________________      _____________________________________
            Zusammen    94       "          Zusammen                128     "

                                   Schülerzahl: 222

15. Mai. Impfung der Schuljugend durch den prov.
Gemeindearzt Dr. Hermann Bickell in Ach.

8. Juli. Beginn der Hauptferien, diese dauern
bis einschließlich 7. September 1918.

14. August. Urlaubsverlängerung für die
Ln. 2. Kl. Antonie Pointner vom 1. 8. 1918
bis 31. 1. 1919. Die Weiterverwendung der
Aushilfsschulleiterin Katharina Eglhofer für
die Zeit dieser Beurlaubung wird genehmigt.

28. Oktober. Die Schulsperre wegen Grippe bis
5. November wird vom k.k. Bezirksschulrat
Braunau am Inn genehmigt und nachträglich
bis 18. November verlängert. Nach aus-
giebiger Lüftung der Schulräume und Desinfektion
wird der Unterricht wieder aufgenommen.

3. November. Zusammenbruch Österreich – Ungarns.
Waffenstillstand mit Italien. Ungarische, kroa-
tische u. tschechische Regimenter verlassen die
Front. Deutsche Trupppen halten noch aus,
werden aber auf ihrem Rückzuge von den
Italienern abgefangen u. als "Kriegsge-
fangene" nach Italien gebracht.
Kaiser Karl I. verläßt am 11. Nov. den österr.
Thron.

12. November. Ausrufung der Deutsch-österreichi-
schen Republik.

"Deutsch - Österreich."

Die österr. - ungarische Monarchie hat zu bestehen
aufgehört. Wir sind nunmehr Angehörige eines
neuen Staatswesens "Deutsch - Österreich", das im
allgemeinen die deutschen Gebiete des früheren
österreichischen Staates umfaßt und als dessen
Regierungsform von der bis zur Wahl der
definitiven Volksvertretung tagenden National-
versammlung die "Republik" erklärt wurde.
Im Namen u. Auftrage des Staatsrates von Deutsch-
Österreich hat der Landeshauptmann Johann Hauser
die Landesregierung in Oberösterreich provisorisch
übernommen u. mit seiner Stellvertretung
Josef Gruber, Franz Langoth u. Dr. Max Mayr
betraut u. denselben das Gelöbnis abgenommen.
Die geltenden Gesetze u. Verordnungen bleiben
bis zur vollständigen Durchführung der staats-
rechtlichen Umgestaltung in voller Kraft.
Der Bezirksschulrat empfiehlt, die Kaiserbilder
aus den Schulzimmern zu entfernen, um
reizbaren Elementen den Anlaß zu einer
unliebsamen Demonstration zu benehmen.
In der Gemeinde wird ein Sicherheitsausschuß
sowie eine Sicherheitswehr errichtet.

8. November. Heimkehr des Oberlehrers Josef
Pointner als Landsturmleutnant. Trotz
mehrfachen Ansuchens des Ortsschulrates um die
Enthebung des Genannten vom Militärdienste
mußte er bis zum Zusammenbruche des Vater-
landes der Schule fern bleiben obwohl im Bezirke
u. Lande viele jüngere Lehrer enthoben waren.
Dieses Manöver ist umso durchsichtiger, wenn
man nur einige Aussprüche des hiesigen Pfarrers

Alois Asamer in Betracht zieht, die er wenige Tage nach
der Einrückung des Oberlehrers dessen Frau im Lehrzimmer
ins Gesicht schleuderte: "1. Hier hat 20 Jahre eine liberale
"Gesellschaft" gewirtschaftet und das muß anders
werden. Lehrer, die dem ob. öst. Lehrervereine ange-
hören, sind "nicht katholisch". 2. Sie dürfen sich nicht
einbilden, daß Sie die wirkliche Schulleiterin sind.
Ihnen hat man die Leitung der Schule erst übertra-
gen, nachdem ich sie zweimal abgewiesen habe.
Nehmen Sie sich in Acht, ich bin von "höchster Stelle"
beauftragt, über Ihr Wirken zu wachen u. zu
berichten, wie es neben Ihnen mit einer "katholischen"
Lehrkraft geht!" - Kommentar überflüssig. -

9. November. Der Bezirksschulrat beurlaubt den
Oberlehrer Josef Pointner bis 30. November.

29. November. Die Aushilfslehrerin Marie Herbst
wird mit 30. November enthoben.

1. Dezember. Oberlehrer Pointner übernimmt
den Schuldienst u. die Leitung der Schule.

21. Dezember. Werbung für die deutsch – österr.
Staatsanleihe durch die Schuljugend u. Lehrerschaft.
Die Strömungen gegen die Veranlagung des
Geldes in Werteffekten lassen keinen guten Erolg
aufkommen.

22. Dezember. Weihnachtsferien bis einschließlich
2. Jänner 1919 mit Rücksicht auf die herrschen-
de Knappheit an Heizmaterial.
Auch der Mangel an Petroleum macht sich sehr
unangenehm fühlbar. Die langen Winterabende
kein Licht. -

1919.

9. Jänner. Allgemeine Lehrerversammlung in
Franking. Sämtliche Lehrpersonen des Gerichtsbezirkes
Wildshut sind anwesend. Die Einführung der
Staatsschule wird eingehend beraten. Für und
Wider gleichen sich aus und die einstimmige Annahme
dieser tief einschneidenden Neuerung bekundet das
einheitliche Fühlen und Denken der Lehrerschaft. -

31. Jänner. Die Aushilflehrerin Katharina Eglhofer wird
enthoben.

1. Februar. Die Ln. 2. Kl. Antonie Pointner übernimmt
nach ihrem Krankheitsurlaube wieder die 1. Klasse.

20. Februar. Sitzung des ständigen Ausschusses der Bez.
Lehrerkonferenz in Braunau am Inn, an der Oberlehrer
Pointner teilnimmt. Die Tagesordnung zur
diesjährigen Bez. L. Konferenz wird beraten und
die Referate werden verteilt.

15. März. Allgemeine Lehrerversammlung in
Franking. Sämtliche Lehrpersonenen des G. B.
Wildshut anwesend. Vorbereitungen zur
Bez. Lehrerkonferenz sowie Beratung der
Schaffung einer Standesorganisation bilden die
Gegenstände der Tagesordnung.

25. März. Versammlung der Vorstände der Zweig-
lehrervereine des Bezirkes in Braunau zwecks
Vorbereitungen zur Bez. Lehrerkonferenz. Beschluß,
es ist am Abend vor der amtlichen Konferenz eine
Vorbesprechung zu veranstalten.

8. April. Bezirkslehrerkonferenz unter dem Vorsitze
des Bezirksschulinspektors Johann Haritz im Turn-
saale der Volks- u. Bürgerschule in Braunau am Inn.
Die Vorbesprechung einigte bereits die Lehrerschaft
in allen wesentlichen Fragen, so daß die

amtliche Konferenz einen würdigen Verlauf
nehmen kann, wozu ganz besonders die vornehme
Haltung des Vorsitzenden beiträgt. Tosender
Beifall löst die einstimmige Annahme der
Einführung der Staatsschule und der Schaffung
des Bezirkslehrerverbandes aus. Diese Einstimmig-
keit zeigt klar und deutlich die klägliche papier-
ne Wand, die in der Lehrerschaft von gewissenlosen
politischen Hetzern aufgestellt wurde.
Mögen die einstimmig angenommenen Leit-
sätze zu den Referaten bei der so notwendigen
Neugestaltung des Schulwesens in Deutschösterreich
auch Beachtung finden!

10. April. Herr Unterstaatssekretär Glöckal hebt
den Zwang zur Teilnahme der Schuljugend an
religiösen Übungen auf. Die Bestimmungen
der §§ 10, 63, 74 und 191 der Schul- u. Unterrichts-
ordnung, soweit sie sich auf die religiösen Übungen
beziehen, treten außer Kraft.

15. April. Die provisorische Landesversammlung Oberösterreichs
beschloß heute die Bezüge der Lehrerschaft des Landes
denen der Staatsbeamten gleichzustellen. Mit diesem
Beschlusse endet in Oberösterreich ein Lohnkampf, der
ohne ein Gleiches dasteht, sowohl in Bezug auf Beharrlich-
keit und auch der Dauer. Die wesentlichen Bestimmun-
gen des neuen Gesetzes sind: Provis. Lehrpersonen mit
Reifezeugnis erhalten 1600 K u. erlangen automatisch
das Definitivum nach drei Dienstjahren. Die definitiven
Volksschullehrer rücken in ihren Bezügen von der 11. bis in
die 8. Rangstufe nach der Gruppe C, die Bürgerschullehrer
von der 11. bis in die 7. Rangstufe nach der Gruppe B vor.
Allen Lehrpersonen in Stadt u. Land wird eine Aktivi-
tätszulage (Quartiergeld) entsprechend den Aktivitäts-

zulagen der Staatsbeamten zuerkannt. die Dienstzeit
beträgt 35 Jahre u. die Aktivitätszulage wird ent-
sprechend in den Ruhegenuß einbezogen. Jede
Regelung der Gehalts- u. Rechtsverhältnisse der
Staatsbeamten findet auch sogleich auf Lehrpersonen
sinngemäße Anwendung. Aufhebung des
Zölibats der Lehrerinnen. Das Gesetz tritt mit
1. Jänner 1919 in Kraft. Endlich eine befreiende
Tat für die ob. öst. Lehrerschaft, deren Dankespflicht
in erhöhter Berufsfreudigkeit ganz sicher zum
Ausdruck kommen wird! -

1. Mai. Der Kabinetsrat erklärt den 1. Mai als Amts-
und Schulfeiertag. Die Lehrerschaft wird die Schüler
zu einer anspruchslosen aber würdigen Feier ver-
sammeln u. die Bedeutung des Tages unter Bedacht-
nahme auf die in staatlicher Hinsicht eingetretenen
Veränderungen der letzten Zeit klarlegen.
Gedenkblätter mit der Überschrift "Kinder!" Für
2. u. 3. Schuljahr, "Liebe Kinder!" für 4. u. 5. Schulj.
und "Liebe Jugend!" für 6. 7. u. 8. Schulj. kommen
zur Verteilung.

       Beginn des Schuljahres 1919 / 20.
Die Mütter führen die Anfänger in die Schule zur
Aufnahme. Dabei wird wieder Fühlung genommen
mit dem Elternhause. Erziehliches u. Unterrichtliches
kommen zur Aussprache. Möge das frühere gute
Einvernehmen zwischen Schule u. Haus wieder anwurzeln!

                   Schülerstand.

       1. Klasse.                                                     2. Klasse.

Untergruppe                          34 Sch.          1. Abtlg.                     34 Sch.
Obergr. 1. Abtlg.                   33 Sch.          2. Abtlg.                     48 Sch.
     "       2. Abtlg.                    31 Sch.          A. m. v. U.                  55 Sch.
                _________________________________                ________________________________
            Zuasammen              98 Sch.          Zusammen                137 Schüler

                                   Schülerzahl: 235.

15. Mai. Der o. ö. Landesschulrat enthebt u. provisioniert
die Handarbeitslehrerin Marie Huber, welche 27 Jahre
an der hiesigen Schule pflichteifrigst u. erfolgreich ge-
wirkt hat. Vom Landesausschusse wurde ihr mit Note
vom 12. April 1919, Zl. 7284 eine dauernde Unter-
stützung jährlicher 200 Kronen zuerkannt.
Der Bezirksschulrat Braunau am Inn bestellt die
Aushilfshandarbeitslehrerin Marie Huber d. J. in
Schalchen zur Aushilfshandarbeitslehrerin in Hochburg.

10. Juni. Der erkrankten Ln. 2. Kl. Antonie Pointner
wird vom Bez. Sch. R. Braunau am Inn ein 6 wöchent-
licher Urlaub bis 21. Juli de. J. bewilligt.
Für diese Zeit wird die gewesene Aushilfslehrerin
Christine Rainer in Aspach in aushilfsweise
Verwendung genommen, welche den Schuldienst
am 21. dM. antritt.

4. Juli. Letzte Sitzung des langjährigen Ortsschulrates,
aus dem infolge politischer Unduldsamkeit folgende
Mitglieder ausscheiden: Max Glöcklhofer, Obmann,
Sebastian Grabner, Obm. Stellv., Franz Bernegger
Beirat. Genannten dankt der Oberlehrer Pointner
für ihre sehr ersprießliche Tätigkeit durch eine lange
Reihe von Jahren, ganz besonders dem Vorsitzenden
Max Glöcklhofer, Stadler in Staudach, der es ver-
stand, einerseits der Gemeinde wenig Auslagen zu
bereiten, andererseits aber doch die Schule auf eine
entsprechende Höhe zu bringen. Er sowohl als auch
die übrigen Mitglieder des Ortsschulrates standen
während der Abwesenheit des Oberlehrers treu zur
Seite der Schule u. ließen sich von keinem Quertreiber
irreführen, was ja mit Hochdruck versucht wurde.
Gott lohne ihre Treue u. Mühe um Schule u. Lehrerschaft!

6. Juli. Abschied von der Handarbeitslehrerin Marie Huber.
Ortsschulrat, Lehrkörper u. Schülerinnen versammeln

sich nach dem vormittäg. Gottesdienste im Lehrzimmer
der 1. Klasse. Oberlehrer Pointner hält eine Ansprache,
in der er die 27jährige Dienstzeit schildert, den Dank
des Lehrkörpers ausdrückt u. namens des Ortsschul-
rates ein Dankschreiben überreicht. Die Schülerin
Marie Kanz der 2. Klasse trägt ein Dankgedicht
ausdrucksvoll vor u. überreicht einen schönen Blumen-
strauß. Tief bewegt dankt die brave Handbarbeits-
lehrerin für diese Ehrung.

14. Juli. Die Hauptferien beginnen u. dauern bis ein-
schließlich 14. September.
            Die Ernteaussichten sind sehr erfreuend. Alle
Getreidearten stehen gut. Im Weizen läßt sich
hie u. da Steinbrand bemerken. Sehr bedauerlich
ist das Umsichgreifen der Blattrollkrankheit
bei den Kartoffeln. Vor 10 Jahren machte der
Oberlehrer Pointner auf diese Krankheit aufmerk-
sam u. gab Mittel zur Bekämpfung in u. außer
der Schule bekannt, aber wie immer u. überall
kümmerten sich wenig Bauern um diese Krank-
heit u. warteten bis jemand komme, der ihnen die
Krankheit bekämpfe. "Jammern aber nicht helfen"
galt u. gilt beim Bauernstande, darum auch
seine Rückständigkeit u. Gleichgiltigkeit in Wirt-
schaft u. Politik.

3. August. Der neue Ortsschulrat tritt zusammen. Wahl
des Vorsitzenden u. dessen Stellvertreters:
Josef Harner, Hofer in Hochburg, Vorsitzender
Franz Stöger, Huber in Mitterndorf, Vors. Stellv.
Josef Pointner, Oberlehrer, Schriftführer
Anton Glöcklhofer, Neuhauser in Hochburg, Ortsschulinspektor
Alois Asamer, Pfarrer, Vertreter der Kirche
Johann Wanghofer, Resch in Grünhilling, Beirat
Josef Sinziinger, Bürgermeister, Wirt in Oberkriebach

9. September. Ortsschulrat und Feuerwehr veran-
stalten einen Fackelzug mit Ständchen an-
läßlich der Feier der "Silbernen Hochzeit" des
Oberlehrers Pointner und seiner Frau. Gastwirt Spitz-
wieser sprach im Namen der Eltern u. sein Töchterlein
Marie trug ein sinniges Gedicht vor und überreichte einen
herrlichen Blumenstrauß. Im Gasthause spielte die
Kapelle Gaisberger mehrere Konzertstücke, der
Doktorant Hermann Sützl sprach namens der
Schüler des Jubelpaares. Das Gastzimmer konnte
die Teilnehmer nicht aufnehmen u. so mußte ein
großer Teil den Heimweg antreten. Für das Jubel-
paar war dieser Abend eine wohltuende Gemüts-
auffrischung und ein deutlicher Beweis der treuen
Anhänglichkeit.

22. September. Die Lehrpersonen beteiligen sich an
der ersten Versammlung des Bezirks-Lehrer-
verbandes in Braunau am Inn. Den Ver-
handlungsgegenstand bildeten hauptsächlich
Organisationsfragen.

30. September. Die Sammlung für die Kriegsgefan-
genen in Sibirien durch die Schulkinder ergibt die
schöne Summe von 400 K.

3. u. 4. Oktober. Oberlehrer Pointner nimmt an der
Hauptversammlung des ob. österr. Landeslehrer-
vereines u. an der Konstituierung der Landes-
lehrerkammer teil. Zum Vorsitzenden der
L. L. Kammer wird Fachlehrer Karl Langoth – Linz
zum Vors. Stellvertreter Übungsschullehrer Alois
Bruneder -  Linz gewählt. Die erste Kammer-
stizung wurde leider durch einen politischen Aus-
fall zwar nur vorübergehend gestört.

30. u. 31. Oktober. Zufolge Erlasses des o. ö. Landesschulrates vom
15. August 1919, Zl. 8911, hat der Herr Unterstaatssekretär
für Unterricht angeordnet, daß an den Volksschulen
nur am Ende eines jeden Halbjahres an die Schüler u.
Schülerinnen Schulnachrichten zu verteilen sind. Der
Bezriksschulrat Braunau am Inn ordnete mit Erlaß
vom 12. Oktober 1919, Zl. 1230 / 1 Sch., an, daß an der
hiesigen Schule die Schulnachrichten am 28. April
u. am 29. Oktober nach Beendigung des Unter-
richtes auszugeben sind. Am 29. und 30. April,
sowie am 30. u. 31. Oktober sind Semesteralferien.

12. November.                      Schulfeier.
Der Herr Unterstaatssekretär für Unterricht hat mit
dem Erlasse vom 30. September 1919, Zl. 20823, Abt. 13
angeordnet, daß an diesem Tage an allen, dem
Unterrichtsamte unterstehenden Schulen u. Lehran-
stalten Schulfeierlichkeiten abgehalten werden.
An der hiesigen Schule werden in beiden Klassen
den Feiertag würdigende Ansprachen gehalten,
Gedichte vorgetragen und Lieder gesungen.
Das Schulhaus ist beflaggt.

22. November. Lehrerversammlung in Franking, an
der sämtliche Lehrpersonen des Gerichtsbezirkes
Wildshut und  der Nachbarschulen teilnehmen.
Unter Ausschaltung jeder politischen Meinung
nimmt die Versammlung einen sehr anregenden
u. erhebenden Verlauf.

15. November. Elternabend im Gasthause Spitz-
wieser, der sehr gut besucht ist.

26. Dezember. Die Weihnachtsferien dauern vom
22. 12. 1919 bis 6. 1. 1920.

1920.

Der Winter verläuft sehr mild. Wenig Schnee
und mäßige Kälte.

        Der Weilhart

liegt zwischen 48°4'30'' und 48°12'30''  n. Breite und 30°25'
und 30°38' östl. Länge (Ferro) und erhebt sich 345 m bis 520 m
über dem adriat. Meere. Der Forst umfaßt 4871,9543 ha
herrschaftl. und rund 4000 ha Kleinwaldbesitz. Der Lage
entsprechend ist das Klima ein mildes und infolge der
häufigen Niederschläge für die Waldvegetation günstiges.
Das Terrain ist mit Ausnahme der steilen Salzachlehnen oben und
weist nur geringe Erhebungen auf.

Der Weilhart liegt im Bereiche der Bez. Hptmschft Braunau am Inn
und in den Gerichtsbezirken Wildshut u. Braunau, ferner in
6 Katastralgemeinden: Überackern, Gilgenberg, Hochburg – Ach,
Geretsberg, Tarsdorf u. St. Radegund. Er ist ein landtäfl. Gut,
auf welchem 3 Bezugsrechte auf jährl. zusammen 145.35 Rm
Waldstreu und je 18.78 Rm weiche Scheiter II. Klasse lasten. Die
Eingeforsteten haben das ihnen zugewiesene Material selbst auf-
zuarbeiten und ins Maß zu stellen oder den üblichen Lohn zu ersetzen.

Diese Streu- u. Holzbezugsrechte sind der Rest jener großen
Servitute, welche Herzog Wilhelm V. von Bayern an 1430 Einge-
forstete gestiftet hat, denn der Weilhart war früher bayr. Staats-
wald. Vom Jahre 1816 - 1869 war der Forst im Besitze des österr.
Staates, von 1869 - 1870 war ein Konsortium, von 1870 – 1887
Graf Rudolf Hoyos und von 1887 - 1912 Gräfin Amalie v. Reichen-
bach - Lessonitz Besitzer. Im Juni 1912 ist der Weilhart durch
Erbschaft in das Eigentum Ihrer Durchlaucht Amélie Gräfin
Castell zu Castell übergegangen.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war der österr.
Staat als damaliger Besitzer daran gegangen, die der Holzzucht
so nachteiligen Streubezugsrechte abzulösen, indem jeder Be-
rechtigte, der zur Ablösung bereit war, gegen Verzicht auf die

Bezugsrechte eine Waldparzelle zugewiesen erhielt, welche in seinen
Besitz überging, auf welcher aber vom Staate für sich und seinen
Rechtsnachfolger das Durchfuhr- und Ablagerungsrecht für die aus
dem landtäfl. Besitz herrührenden Forstprodukte und auch das Jagd-
recht vorbehalten wurde. Im Jahre 1870 waren nur mehr 60 Forst-
berechtigte. Grf. Hoyos setzte das Verfahren fort und bei Verkauf
des Gutes an Grfn. Reichenbach - Lessonitz im Jahre 1867 belasteten
nur mehr 6 Forstberechtigte den landtäfl. Besitz. Von diesen
Eingeforsteten wurden weitere 3 abgelöst, so daß zurzeit nur
noch 3 Servitutsrechte den herrschaftl. Forst belasten.

Durch diese Ablösungen entstand ein Kleinwaldbesitz
von rund 4000 ha genannt "Bauernwald".

Der herrschaftl. Besitz ist von diesen abgetretenen Wald-
parzellen eingeschlossen. Er ist wasserarm und weist außer
dem 1,93 ha großen Huckinger See und einigen kleineren
Wassertümpeln nur in den gegen die Salzach abfallenden Lehnen
einige Quellen auf.

Der Boden ist Verwitterungsprodukt des Moränen-
gesteins, zumeist lehmiger Sand auf Schotteruntergrund.
Der Schotter besteht aus Kalkstein u. etwas Kiesel. Auf
den Erhebungen ist der Boden tiefgründiger als im ebenen
Terrain.

Die Ausgrabungen im Weilhart bei Gänsfuß, Gemeinde
Gilgenberg, und am Ratishofe (Ratzelhof) zwischen Über-
ackern u. Rotenbuch an der Innlehne förderten Funde
der Bronzezeit (zirka 2000 - 1100 v. Chr. G.) zu Tage.
Ein Beweis, daß vor den Bajuwaren verschiedene Völker
durch den Weilhart zogen. Völkerwanderung. Die
Aufdeckung der römischen Siedelung in Überackern, die
Römerstraßen Patava - Juvavum durch den Weilhart
und die Auffindung römischer Hufeisen, Münzen, Straßen-
steine, Geräte u. dgl. m. erzählen von dem längeren
Verweilen der Römer in dieser Gegend.

Die Landstrecke von Wildshut bis Ranshofen

und hinüber bis Feldkirchen u. Neukirchen a. d. Enknach
bedeckte in früher Zeit der Weilhart, dessen Namen
erhielt er nach Strnadt "Innviertel u. Mondseeland" von
den Weilern (villulae) Ortschaften von 4 - 6 Gütern.
Weilhart und Höhenhart (Kobernaußer) sollen von
Anbeginn Herzogsforst gewesen sein, welcher nach
den Agilulfingern an die Karolinger und deren
Nachfolger auf dem Königsthrone gelangte. Ende
des 11. Jahrhunderts kehrte er wieder in die Gewalt der
bayerischen Herzoge zurück und fortan bis in die
1. Hälfte des 19. Jahrhunderts verblieb er im Eigentum
des bayerischen Staates. Die umliegenden Gemeinden
sind in schwerer Arbeit dem Forst durch Rodungen
abgerungen worden. Die Ortschaftsnamen wie
Reith, Brandstatt, Sengstatt u. m. a. verweisen auf
diese Rodungsarbeit. Die Kolonisation erfolgte haupt-
sächlich durch freie Leute und erst später als der Herzog
die Hand darauf gelegt hatte, wurde sie durch Hörige
fortgesetzt, daß zuletzt die Markgenossen zu Einge-
forstete herabsanken, welchen selbst dieses beschränk-
te Recht an gemeiner Mark noch zu verkümmern
gesucht wurde. Wo alle freien Eigen fehlen, in
St. Radegund ganz und in Tarsdorf zum größeren Teile,
sind Rodungen erst nach Bannlegung des Forstes
in Angriff genommen und auf das Rottland
hörige Leute gesetzt worden. 1861 ging der Weilhart in
den Besitz des österr. Staates über und blieb Staatswald
bis 1869. Ein Jahr lang war er im Besitze eines Kon-
sortiums, von diesem kaufte ihn Graf Hoyos, der ihn
1887 an Gräfin Reichenbach - Lessonitz weiter ver-
kaufte. Im Jahre 1912 erbte den herrlichen, ertragreichen
und musterhaft bewirtschafteten Weilhart die Enkelin,
Ihre Durchlaucht Amélie Gräfin zu Castell - Castell.-

31. Jänner. Sammlung für die amerikanische Kinder-
hilfsaktion durch die Schulkinder. Ergebnis: 592 K.

6. März. Beschluß des Ortsschulrates, der Schuljahresbe-
ginn sei für die hiesige Schule auf 1. September
vom Bez. Sch. R. festzusetzen, Genehmigung des
Antrages durch den Bez. Sch. R. mit Note vom 3. April
1920, Zl. 340 /18 Sch.
Der Gemeindeausschuß nimmt am 1. Mai in seiner
Sitzung auf einen vom G. A. Ignaz Frank, Bauer in
Sengstatt, eingebrachten Antrag gegen den Beschluß
des Ortsschulrates Stellung und fordert, den Schul-
jahresbeginn auf 1. Mai zu belassen. Weder erzieh-
liche noch unterrichtliche sondern einzig u. allein
wirtschaftliche Gründe weiß der Antragsteller
anzugeben. Zu dieser Gegenstellung äußert sich
der Ortsschulrat, verwahrt sich gegen jede Bevormundung
seitens des Gemeindeausschusses in seiner Amtsführung
und die Mitglieder erklären, ihre Stellen sofort nieder-
zulegen falls der Beschluß abgeändert werden sollte.

8. Mai. Die erste Lehrerversammlung im Sinne des Erlasses
des o.  ö. L. Sch. R. vom 19. Dezember 1919, Zl. 12770,
findet hier im Schulhause statt.
9ʰ vorm. Dr. Eduard Kriechbaum: Heimatkunde.
2ʰ nachm. Oberlehrer Pointner: Probelektion über
"Der Weilhart als Luftreiniger u. Feuchtigkeits-
sammler, ein Segen für unsere Heimat."
25 Lehrpersonen nehmen an dieser Versammlung
teil. Verlauf zur vollsten Befriedigung. -

4. u. 5. Juni. Oberlehrer Pointner nimmt an der
Delegiertenberatung der 9. Landeslehrerkonferenz
und an der 2. Vollversammlung der o. ö. Landes-
lehrerkammer teil.

30. Juni. Schluß des Schuljahres 1919 / 20 und Beginn
der Hauptferien. Der Schnitt zur Ernte setzt ein.

2. u. 3. Juli. Die zweite Versammlung zur Fortbildung
der Lehrer findet in Gundertshausen statt. Vortrag
des Dr. Eduard Kriechbaum über Moränen- und
Moorlandschaft. Heimatwanderung von Gunderts-
hausen über Gstaig - Vormoos - Moosdorf – Weich-
see - Ibmer Moos – Franking.
28 Schulen des Bezirkes mit 46 Lehrpersonen
sind vertreten.
Bez. Sch. Insp. Franz Hollweger anwesend, er wird
in Gundertshausen von der Lehrerschaft mit stürmischem
Beifall begrüßt.

1. September. Beginn des Schuljahres 1920/21.
Die Mütter führen die Anfänger vor. Der
Oberlehrer erteilt Ratschläge über die Erziehung
im vorschulpflichtigen Alter besonders betont
er die Kinderlüge, die sich zumeist aus der
Elternlüge entwickelt. Schlüpfrige Gespräche
in Gegenwart der Kinder ziehen diese in den Sumpf
der Sittenlosigkeit. Nur innige Zusammenarbeit
von Schule und Haus kann gute Früchte zeitigen.

                   Schülerstand.

                   1. Klasse.                                                     2. Klasse.

U. Gr.              14 K. + 19 M. = 33 Sch.                  1. Abtlg. 18 K. + 16 M. = 34 Sch.
O.Gr. 1. A.      14 K. + 23 M. = 37  "                       2.    "       16 K. + 34 M. = 50  "
  "      2. A.      15 K. + 13 M = 28  "             V. U.        17 K. + 23 M. = 40  "
                ____________________________________                                      _______________________________
                               43 K. + 55 M. = 98 Sch.                                  51 K. + 73 M. =124 Sch.

                                               Gesamtschülerzahl 222.

Notgeld
der Gemeinde Hochburg – Ach.

"Die Gemeinde Hochburg-Ach haftet für diese Gutscheine und löst dieselben in der Zeit vom 1. bis 31 Dezember 1920 in gesetzlichem Bargelde ein.
I. Sinzinger, Bürgermeister, I. Ofenmacher, Gemeinderat" (Text auf der Rückseite)

16. und 17. September. Vornahme der Gelidusi-            Anm. G. Lenzbauer:
untersuchungen der Schulkinder.                                       zur Feststellung des Ernährungszustandes der Kinder
Von den 222 Schülern fehlen 11 Schüler somit
werden 211 Schüler untersucht. Von diesen
sind 52 normal ernährt, 159 unter-
ernährt
d. s. 72%. Die hohe Zahl der Unterer-
nährten scheint auf dem Lande unbegreiflich,
ist aber erklärlich, wenn man die gegenwärtigen
Verhältnisse in Betracht zieht. ----

19. bis 23. Oktober. Die 9. ob. österr. Landeslehrerkon-
ferenz tagt in Linz. Den Vorsitz führt Landesschul-
inspektor Dr. Rudolf Binder. Alle Gebiete des
heimatlichen Schulwesens finden eine eingehende
fachmännische Beratung. Oberlehrer Pointner
referiert über "Die ländliche Fortbildungs-
schule". Die Teilnehmer verlassen am 23. Oktober
12ʰ mittags den Verhandlungssaal (Turnhalle
der Lehrerbildungsanstalt) mit großer Befrie-
digung und Begeisterung in der sicheren Erwar-
tung, daß man sich in den maßgebenden Körper-
schaften endlich einmal mit den Vorschlägen zur
Hebung des Schulwesens ernstlich befasse und
nicht wieder die ganze Arbeit als toten Akt
aufbewahre. Kein Referat zeigt ein er-
freuliches Bild unserer Schulverhältnisse auf,
die meisten schildern die traurigsten Zustände,
die beweisen, wie man in Oberösterreich systema-
tisch an der Verelendung der Volksbildung durch
viele Jahrzehnte gearbeitet hat. Einzig und
allein nur die Verstaatlichung des Schulwesens
wird nach und nach auch in unserem reichen
Heimatlande die Schule aufwärts und vorwärts
bringen.

15. November. Dienstantritt der Lehrerin Frau Karoline Sützl.

14. November. Kriegerdenkmalenthüllung.
8ʰ vorm. Aufstellung des Festzuges: Schulkinder, Angehörige
der Gefallenen, welche von weißgekleideten Mädchen be-
gleitet werden, Musikkapelle Gaisberger, Heimkehrer,
Veteranenverein, Feuerwehr, Ehrengäste, Gemeinde-
behörden, Forstverwaltung, Geistlichkeit und Veran-
stalter. Der Festzug bewegt sich durch das Dorf, dessen
Häuser beflaggt sind, in den Friedhof zum Denkmal. Nach
der Weihe desselben durch den Pfarrer Asamer spielt die
Musikkapelle das Gebet vor der Schlacht: "Vater, ich rufe dich!"
Die Schülerin Anna Harwöck bringt das folgende vom Frl. Bern-
hardina des Klosters Burghausen verfaßte Gedicht sehr gut zum
Vortrage, das bei den Anwesenden tiefe Ergriffenheit aus-
löst. Die weißgekleideten Mädchen widmen den am
Denkmal verzeichneten gefallenen Helden mit Blumen
geschmückte Fichtenkränze. Mit der Danksagung
des Vorstandes des Veteranenvereines Ludwig Dicker,
Neubauer in Geretsdorf, schließt die erhebende Feier.

       Festgedicht.

Verklungen ist der Waffen schrecklich Tosen,
Es ruht das Schwert von Kampf und blut'gem Streit.
Auf's Neue blüh'n des Friedens Segenrosen
Auf teurer Muttererde weit und breit.
Das Kriegesbanner nimmer ist zu schauen,
die deutschen Herzen atmen kampfesfrei;
Ob auch die Armut zieht durch uns're Auen
bewährt ist deutsche Kraft und deutsche Treu'.
Obgleich wir auch den wilden Krieg verloren,
Ihr braven Krieger habt für uns gesiegt, -
Weil unser Land der Feind sich nicht erkoren
als Beute, weil es unbekämpft noch liegt.
Ihr seid gestanden, eine erz'ne Mauer
Für Heimaterde, unser heilig Land;
Dem Feuer, Kugelregen, Todesschauer,

Dem hieltet Ihr im Heldenmute stand!
Gefall'ne Helden! So uns zu befreien
Vergosset freudig Ihr das edle Blut;
Gefürchtet habt Ihr nicht des Feindes Dräuen
Mit vielen Gegnern kämpfte Euer Mut.
Dem Heimatlande fern und fern den Lieben,
Von Freund und allen Treuen still beweint
Seid Ihr im öden Feindesland geblieben,
Mit uns im Tode noch in Lieb vereint.
Nicht ist geschmückt mit holden Ehrenzeichen,
Bekränzt nicht das still verborg'ne Grab;
Es fällt nicht d'rauf der Schatten deutscher Eichen,
Ach - ungekannt Ihr sanket dort hinab.
Doch lebet unauslöschlich Ihr im Herzen
Als Öst'reichs Retter, unser Friedenshort,
Und dieses Denkmal spricht in Wehmutsschmerzen
Stets uns'ren Dank Euch Brüder fort und fort.
Im Jenseits ew'ge Siegespalmen breiten
Um Euer Haupt gar süßen Ruhmesglanz;
D'rum schüchtern wir an diese Stufen schreiten,
Zu widmen einen ird'schen Lorbeerkranz
Den Tapf'ren all', die opferten das Leben
Fürs Vaterland im kampfesreichen Streit.
Ja, ehret sie, die alles hingegeben!
Der Nachwelt Dank sei ihnen stets geweiht! -
Hier unser Brüder Bild möcht ich noch grüßen
Und grüßen auch das Grab im fernen Land,
Ihr wißt, wie stets um Euch die Tränen fließen
Gebet für Euch ist uns'rer Liebe Pfand.
Viel tiefer als die Bilder und die Namen,
die diesem Erdendenkmal aufgedrückt,
Seid Ihr geschrieben in der Herzen Rahmen,
Die schönste Zier, die Liebe stets Euch schmückt.

Nikolauswoche. Weihnachtssammlung für
die amerik. Kinderhilfsaktion für ob. öst.
Kinder. Schulkinder sammeln für ihre armen
Kameraden in den Städten und bringen eine
Summe von 1191 K auf, die an das Landes-
kommissariat in Linz, Hotel Weinzinger,
abgesendet wird.

11. Dezember. Besuch des Lichtbildtheaters in
Burghausen. Unter Führung der Klassenlehrer
wandern die Schüler nach Burghausen. Welche Freude!
1. Bild: Stahlwerk und Blockwalzwerk.
2. Bild: Der Wendelstein im Winter.
3. Bild: Die Leonhardifeier in Bad Tölz.
4. Bild: Edi und das Tiegertier. (Heiteres.)
5. Bild: Dornröschen. 4 Akte.
Dieser Lehrspaziergang fand in der Schule sowohl
erziehlich als auch unterrichtlich seine Verwertung.
Möge den Schülern bald wieder ein Besuch des Lichtbild-
theaters gestattet sein!

31. Dezember. Bodenständige Preise.
1 kg Mehl       11 K,               1 kg Lederfett           100 K,                        1 m Kleiderstoff für
1 kg Grieß     11 K,               1 kg Tafelöl                150 K,                                    Männer 800 - 1200 K
1 kg Reis       40 K,              1 kg Leinöl                160 K,                        1 m Kleiderstoff für
1 kg Zucker   96 K,              1 l Petroleum               32 K,                        Frauen 600 - 1000 K
1 kg Kaffee 240 K,               1 kg Rindfleisch          48 K,            1 m Baumwoll-
1 kg Salz          6 K,               1 kg Kalbfleisch          57 K,                        leinwand 180 - 240 K
1 kg Polenta  30 K,              1 kg Schweinfleisch 120 K,            1 kg Leder     500 K.
1 kg Erbsen   46 K,              1 kg Butter                    60 K,
1 kg Brein      42 K,             1 kg Rindschmalz        68 K,           Bemerkungen
1 kg Honig    250 K,             1 kg Schweinschmalz180 K,                      überflüssig!
1 kg Zwiebel    15 K,            1 kg Kartoffel                 6 K,
1 kg Feigenkaffee 56 K,     1 Ei                                 3 K,
1 kg Hefe          60 K,           1 l Milch                          3 K,
1 kg Kümmel  100 K,           1 kg Weizen              10 - 20 K
1 kg Anis          100 K,          1 kg Roggen             10 - 20 K

1921.

Ein milder Winter zieht durch das Land. Wenig Eis
und Schnee. Die Kinder kommen mit ihren Winter-
belustigungen nicht auf ihre Rechnung. Die Wärme
lockt bereits Frühlingsblumen aus der Erde. Der
Jänner ist kein Holzverbrenner.

24. Jänner.  ½9ʰ vorm. wird die Sonne derart ver-
dunkelt, daß ein Lesen oder Schreiben in der Schule
unmöglich ist. Ein furchtbarer Sturm erhebt
sich, der in den Baumgärten sowohl als auch
an Dächern schwere Schäden anrichtet.

8. April. Sonnenfinsternis.
Die Schüler werden um 9ʰ vm. auf den Turnplatz
geführt, wo sie die zum Teil verfinsterte Sonne
durch angerußte Gläser beobachten. Der
Vorgang wurde vorher in beiden Klassen stufen-
gemäß erläutert und bildlich dargestellt.

9. April. Bezirkslehrerkonferenz in Braunau,
an der beide Lehrpersonen teilnehmen.

6. Mai. Besuch des Lichtbildtheaters in Burghausen.
Kindervorstellung: 1. Der Rattenfänger
von Hameln. 2. Ein Tag aus dem Katzenleben.
3. Der Boxkampf. Eine Scherzzeichnung.
4. Ein tüchtiger Kerl. 5. Edi und die wilden
Bestien. Scherzzeichnung.

Ganz besondere Freude bereitet den Schülern der
Besuch des Lichtbildtheaters, wenn derselbe als
Belohnung für Betragen und Fleiß hingestellt
wird. Aber nicht nur erziehlich sondern
auch unterrichtlich wirkt dieser Besuch außer-
ordentlich auf die Schüler. Die Verwertung im
Sprech- und Aufsatzunterrichte soll nur Erwähnung
                                                                       finden.

26. Juni. Elektrisches Licht und elektrische Kraft in
                                      Hochburg.

Im Jahre 1919 wollte eine österr. Unternehmung
elektrischen Strom über Lamprechtshausen - Moosdorf -
Eggelsberg nach Hochburg leiten, mußte aber den
Plan wegen Mangel an Abnehmern fallen lassen.
Graf Otto zu Castell - Castell verhandelte nun mit der
Stadtgemeinde Burghausen, die sogleich bereit
war, elektr. Strom an die Gemeinde Hochburg
abzugeben. Versammlungen mit Vorträgen
sollten die Gutsbesitzer auf den Wert des elektr.
Stromes aufmerksam machen. Eine Strom-
vereinigung mit 56 Mitgliedern bildete sich
am 12. März 1920 für die Gemeinde Hochburg-
Ach, die rasch an Zahl abnahm als das Werk
ernstlich in Angriff genommen werden sollte.
Die konstituierende Versammlung am 10. April
1920 zählte nur mehr 13 Mitglieder u. zw.
Gutsherrschaft, Gastwirt Spitzwieser, Anton
Glöcklhofer, Neuhauser; Josef Harner, Hofer;
Adalbert Sützl, Kaufmann; Valentin Kammer-
stätter, Tischler; Kajetan Marchner, Viktualien-
händler; Franz Bernegger, Esterbauer; Franz
Stöger, Huber; Richard Spitzwieser, Scherkhuber;
Rupert Göpperl, Gastwirt u. Krämer;
Marie Huber, Tischlerei. In den Ausschuß wurden gewählt:
Obmann: Johann Spitzwieser, Gastwirt in Hochburg.
Säckelwart: Adalbert Sützl, Kaufmann in Hochburg.
Schriftführer: Josef Pointner, Oberlehrer in Hochburg.
Beisitzer: Wilhelm Sauer, Forstmeister u. Franz
Bernegger, Esterbauer in Mitterndorf.
Aus der Vereinigung trat wieder aus: Anton Glöckl-
hofer Neuhauser in Hochburg, dafür traten ein: Marie
Reschenhofer, Bäckerin in Hochburg u. Johann
Spitzwieser, Schmiedanwesen in Mitterndorf. -

Die Verhandlungen zeigten wieder deutlich, wie not-
wendig die ländliche Fortbildungsschule wäre. Der
Bauer schaut immer auf seinen Geldbeutel aber nie
in die Zukunft und kann infolge seiner geringen
wirtschaftlichen Bildung den Wert des Fortschrittes
nicht berechnen, darum schädigt er sich selbst am
meisten. Einige bei den Haaren herbeigezogene
Ausreden helfen ihm über seinen Kurzblick hinweg u.
er fühlt sich zufrieden. Allerdings spielt in diesem
Falle die Valuta eine große, wenn nicht die größte
Rolle "1 Mark = 10 K", daran fanden die meisten
Bauern die "Unmöglichkeit der Einleitung". Darüber
gehen die Meinungen auseinander. Manchem
Bauer ist ein Haufen Papiernoten lieber als der
elektrische Strom. Des Menschen Wille ist sein
Himmelreich. Ob nicht Reue kommen wird! -
Erregte Wechselreden im Gemeindeausschusse löste
die Einrichtung des elektr. Lichtes im Schulhause (Lehrer-
wohnung) aus. Die Gegner einigten sich und beschlossen,
in die Lehrerwohnung und in den Pfarrhof je 3 Lämpchen
einrichten zu lassen. Nach Vollendung der Einrichtungen
in Hochburg und Mitterndorf konnte die Eröffnungs-
feier stattfinden. Ein kurzer Bericht über dieselbe soll
hier Platz finden zum Andenken an das geschichtliche
Ereignis. Das vom heimatlichen Dichter Johann Meindl
in Feldkirchen verfaßte Gedicht zur Eröffnungsfeier ver-
dient festgehalten zur werden.

       Hochgeehrte Festgäste!

Am Weilhart strahlt elektrisch' Licht,
der Strom vom Bayerlande!
Aus dieser Tat ganz sinnreich spricht,
daß wir vereint, wer fühlt es nicht,
Mit Deutschland fest durch Brüderbande.

Gar mächtig half uns Graf Castell,            
daß sich dies Werk entfalte!
Burghausen reicht die Hand uns schnell,
Und Heimatfleiß war rings zur Stell',
Zum Segen Hochburgs sich's gestalte!

Ja, neues Licht uns nun erhellt
Nach schweren, dunklen Stunden;
Wo wir bedrängt von aller Welt,
Auf eig'ne Füße sind gestellt,
Wir haben Schätze nun gefunden.

Ja, die Natur und deutscher Geist,
Die treu in Not uns blieben,
Was Bodenkraft der Heimat heißt,
Die Bahn zum Aufstieg hell uns weist,
O, laßt's nach Väterart uns lieben.

Und wurzelt fest des Volkes Baum
In deutscher Heimaterde,
Erfüllt sich der Verbindung Traum,
Auf daß dem deutschen Wesen Raum,
Sein Platz ihm an der Sonne werde.

Wohlan, nur Aufbau, Freiheit, Licht,
Dem Volk der Heimat Heil und Segen -
Mein Herzenswunsch im Festgedicht!
Doch Niederbruch, Zerstörung nicht,
Ein Kind rufts bittend euch entgegen.

Ein Kind ruft heut: "Willkommen euch,
Ihr Gäste all im Kreise!"
Daß wir im Sinn und Liede gleich
Ob Bayerland - ob Österreich,
Auf's neue es dies Fest beweise!

29. Juni bis 4. Juli. Verteilung der vom amerik.
"Roten Kreuz" gespendeten Kleidungsstücke
u. dgl. an die Lehrpersonen, Katecheten,
Handarbeitslehrerinnen, Lehrpersonen i. R.
u. provisionierten Handarbeitslehrerinnen
des Sprengels Wildshut u. zw. 52 Sweater,
104 Morgenkleider, 25 Paar Socken, 20 Strähne
Wolle, 208 Paar Bettsocken, 52 Decken,
27 Paar Handtücher. Hoch befriedigt zog jedes der
Beteilten von dannen.

30. Juni. Schluß des Schuljahres 1920/21. Nach den
Ansprachen der Klassenlehrpersonen bezughabend
auf die A. K. H. A. und Absingung einiger
Lieder gehen die Schüler in die Ferien.
Das Getreide steht herrlich, hoffentlich können
sich die Landwirte einer guten Ernte erfreuen!

 

 

1. Juli bis 31. August Hauptferien. Während
derselben wird die Ernte eingebracht, die sogar
immer jammernde Bauern zufrieden stellt.

18. Juli bis 21. Juli Ferienkurs des Bezirkslehrer-
vereines Altötting in Burghausen. Auf Einladung
des Bez. L. V. Altötting nehmen an diesem Kurse mehrere
österr. Lehrer teil u.zw. Karl Pamer u. Franz Frixeder -
Ach, Hans Freudenthaler - Überackern, Josef Wührer -
Geretsberg, Frau Karoline Sützl u. Josef Pointner -
Hochburg. Schulrat Karl Stechele - Burghausen hielt Vor-
träge u. zw. 1. Die geologischen Verhältnisse der Heimat mit
einem Streiflicht auf Hörbiger's u. Faust's Glazialkosmogenie.
2. Die Architektur des Heimatortes in den verschiedenen
Stilperioden. 3. Gemäldegalerie: Die Malerei im Stile der
Meister des 15. Jahrhunderts. Entwicklung der Protraitmalerei.

Die Landschaft und das Stilleben. Die Historienmalerei.
Er zeigte Beispiele in der Stadt, führte die Teilnehmer durch
das Museum und leitet die Wanderungen durch die
Heimatlandschaft. Dr. Eduard Kriechbaum – Braunau
spricht über Siedlungskunde. Nach der Besichtigung
der Dr. Alexander Werke, des Alz - Salzach Kanales, der
Verwendung von 50.000 P.S. für elektochemische Großindustrie
sprechen Lehrer Fellermeier - Neuötting Vorstand des Bez. L.
Vereines u. Oberlehrer Pointner dem Schulrate Stechele den
Dank aus. Der letzte Abend vereinigte sämtliche Teilnehmer
im Großgasthofe zur Post, wo sich ein echt deutsches gemüt-
liches und kameradschaftliches Leben bei Lautenklang
und Männersang entwickelt. Möge diese Verbrüderung
der bayerischen und österreichischen Lehrer der Auftakt sein
zur baldigen wirklichen Vereinigung aller deutschen
Lehrer! Wahr im Wort - treu im Herzen - fest in der
Tat, das ist des deutschen Lehrers echte Art. -

1. September. Beginn des Schuljahres 1921 – 22.
Die Mütter führen die Anfänger in die Schule zur
Aufnahme. Bei dieser Gelegenheit werden die wich-
tigsten Erziehungsfragen besprochen.

                   Schülerstand.

 

 

4. Oktober. Die Sammlung für die Kriegerwaisen durch
die Schuljugend ergibt die schöne Summe von 2935 K.

17. Oktober. Inspizierung der hiesigen Volksschule durch
den Berzirksschulinspektor Franz Hollweger.

9. bis 13. Oktober. Kurs für ländliche Volksbildner
in Lambach, Ob. Öst. Das Bundesministerum für
Inneres und Unterricht, Unterrichtsamt,
veranstaltet in Lambach einen fünftägigen Kurs
für ländl. Volksbildner. Oberlehrer Josef Pointner
referiert dort über die ländliche Fortbildungs-
schule.

2. November. Die Schuljugend sammelt in der Gemeinde
für den Kriegsgräberschutz "Schwarzes Kreuz" in
Linz. Die namhafte Summe von 2750 K wird dorthin
abgeschickt.

13. Dezember. Die Schulkinder werden in 4 Gruppen
fotographiert. 106 Schüler kaufen Bilder à 100 K.

24. Dezember bis 8. Jänner Weihnachtsferien wegen
Ersparung von Brennmaterial.

31. Dezember. Bodenständige Preise.
Mehl 1 kg       480 K             Anis 1 kg       1200 K           Weizen 1 kg              200 K
Grieß              600 K             Lederfett          800 K           Roggen                      200 K
Reis                550 K             Tafelöl             4000 K           Gerste                        200 K
Zucker            610 K             Leinöl             1800 K           Hafer                          150 K
Kaffee                        2600 K           Petroleum 1l      80 K           Heu                              60 K
Salz                  40 K             Rindfleisch 1kg 600 K         Stroh                            45 K
Polenta          240 K             Kalbfleisch       600 K           Kleiderstoff für Männer
Erbsen           360 K             Schweinfleisch 1200 K                   1m                  6000 K
Brein              400 K             Butter             1200 K           Kleiderstoff für Frauen
Honig             600 K             Rindschmalz  1500 K                       1m                  5000 K
Zwiebel          600 K             Schweinschmalz 1700 K     Baumwolleinwand    1000 K
Feigenkaffee 880 K             Kartoffel             45 K           Barchent 1m             1000 K
Hefe               1000 K           1 Ei                     30 K           Flanell                        980 K
Kümmel         1600 K           Milch 1 l              22 K           Leder 1 kg                 2000 K
                                                                                              1 Spule Zwirn            500 K
                                                                                              1 Strähn Wolle          600 K

1922.

Der Winter verläuft mit anhaltender Kälte. Eis-
plätze und Rodelbahnen werden von der Jugend
fleißig benutzt. Am Morgen 7ʰ vom 19. Jänner zeigt das Thermometer
- 22° R, der kälteste Tag des Winters. Der Ortsschulrat
sorgte für genug Brennholz, so daß die Schüler täglich im
warmen Schulzimmer sitzen können.

2. u. 3. Februar. Semsterferialtage

25. März: 6. Elternabend im Gasthause Spitzwieser.

                   Tagesordung.
1. Begrüßung u. Eröffnung. Zweck der Elternabende.
2. Erziehungs- und Unterrichtsfragen in
            Schule u. Hause. Oberlehrer Pointner
3. Der Alkohol und sein Mißbrauch bei
            der Jugenderziehung. Gemeindearzt Dr. Leiter.
4. Erweiterung der Schule Hochburg.
            Meinungsaustausch.
5. Aufführung eines Kindertheaters im
            Laufe des Jahres 1922.
6. Besuch des Passionsspieles in St. Radegund
            am 1. Mai 1922. Beistellung der Fahr-
            gelegenheiten.
7. Wünsche und Beschwerden der Eltern.
8. Anträge.

Die Vorträge werden von den in großer Zahl er-
schienenen Eltern sehr aufmerksam angehört,
weshalb auf einen guten Erfolg gerechnet werden
kann.
Punkt 4 läßt eine lebhafte Wechselrede aus.
Oberlehrer Pointner stellt zur Lösung der Frage
3 Möglichkeiten auf: 1. Bau eines Stockwerkes
auf das Schulhaus. 2. Notlehrzimmer. 3. Aus-

schulung der Ortschaften Duttendorf, Endt,
Oberkriebach, Kälbermoos, Kreil und Reith.
Die 1. Möglichkeit wird wegen der gegenwärti-
gen hohen Kosten abgelehnt. Notlehrzimmer
kann im Dorfe Hochburg, ausgenommen das
Gasthaus, das wegen häufiger Unterrichts-
störungen nicht in Betracht kommen kann,
nicht gefunden werden. Gegen die Ausschu-
lung der Ortschaften nach Ach nehmen die betreffenden
Eltern ganz energisch Stellung. Das Gemeinde-
ausschußmitglied Sebastian Grabner, Holzner
in Sengstatt wirft während der Aufklärungen
des Oberlehrers das Schlagwort in die Versammlung
"Halbtagsunterricht in der 2. Klasse". Der Oberlehrer
macht die Eltern auf die schwer schädigende Ver-
kürzung des Unterrichtes durch den Halbtagsunter-
richt aufmerksam und empfielht, falls sich die
Eltern für diese Verkürzung entscheiden sollten,
die Einführung des siebenjährigen Alltagsschul-
besuches. Der Obmann des Ortsschulrates Josef
Harner, Hofer in Hochburg, Gastwirt Johann
Spitzwieser - Hochburg und Ortsschulinspektor
Anton Glöcklhofer, Neuhauser in Hochburg sprechen
gegen die Einführung des Halbtagsunterrichtes
und für den Aufbau eines Stockes, weil in
späteren Jahren das Bauen, dem nicht aus dem
Wege gegangen werden kann, viel schwerere
Opfer fordern werde als gegenwärtig. Der
Großteil der anwesenden Eltern stimmt für den Halb-
tagsunterricht in der 2. Klasse mit Einführung des
siebenjährigen Alltagsschulbesuches. Wo der
Geldsack spricht, muß das Herz schweigen. -
Ein denkwürdiger Tag für die Jugend Hochburgs.

12. bis 18. April Osterferien.

26. April: Sprengelkonferenz in Franking, welche
sehr gut besucht ist. Das Referat des Lehrers
Sepp Nöbauer: "Das Zeichnen im Rahmen des Gesamt-
unterrichtes findet großes Interesse und läßt eine
sehr lebhafte Wechselrede aus. Die Schulreform
findet im Sprengel Wildshut und Umgebung offene
Schultüren.

1. Mai. Besuch des Passionsspieles in St. Radegund.
Die Schüler vom 2. bis 8. Schuljahr fahren auf 8
Wagen, welche von ihnen sehr schön mit Bäumchen
und Kränzen geschmückt sind, nach St. Radegund.
Die Wagen mit Bespannung stellten unentgelt-
lich bei: Johann Spitzwieser, Gastwirt in Hochburg,
Max Bernegger, Staudacher in Staudach, Ignaz
Frank, Schwaiger in Sengstatt, Josef Steiner,
Bauer in Kälbermoos, Josef Aschenbrenner,
Huber in Kälbermoos, Josef Esterbauer,
Wachter in Dorfen, Ferdinand Wanghofer,
Harner in Endt und Johann Altenbuchner,
Haghofer in Endt. Die Wagenführer erhielten
je 1000 K, durch die Sammlung der Schulkinder
aufgebracht.
Die Spielhalle ist überfüllt, an 2000 Schüler sind
anwesend, trotzdem herrscht Zucht u. Ordnung.
Die Kinder kommen aus dem Staunen nicht
heraus. Die Vorstellung ist würdevoll, erhebend.
Ohne Unfall erreichen die Schüler bis 9ʰ nachm.
ihre Heimstätten. Die Lehrpersonen u. die Mit-
glieder des Ortsschulrates sorgen auf den Wagen
für ordentliches Benehmen der Kinder, welche
sich auf der Fahrt, heitere Lieder singend, recht
wohl fühlen. Nachher gab es in Schule und
Haus viel zu erzählen.

2. Juni. Bezirkslehrerkonferenz in Braunau am Inn
unter dem Vorsitze des Bez. Schulinspektors Franz
Hollweger. Oberlehrer Pointner erstattet das
Referat: "Über die Grundsätze und über die
praktische Durchführung der Beurteilung
der schriftlichen Arbeiten".

7. Juni. Ortsschulratssitzung, bei welcher folgender
Erlaß des Bez. Sch. R. Braunau am Inn zur Kennt-
nis genommen wird:

            An den Ortsschulrat in Hochburg.
Mit Erlaß vom 25. April 1922, Zl. 3126, findet der
o. ö. Landesschulrat ausnahmsweise die Einführung
des halbtägigen Unterrichtes in der 2. Klasse der
Volksschule in Hochburg für das Schuljahr 1922/23
unter der Bedingung zu bewilligen, daß
gleichzeitig der siebenjährige Alltagsschul-
besuch im Sinne der Durchführungsverordnung
vom 8. Juni 1883, Abs. V, P. 6, lit. e, zur Ein-
führung gelangt.
                                   Der Vorsitzende: Jenak mp.

30. Juni. Schuljahresschluß.
7ʰ vm. Dankgottesdienst.
Nach der Belehrung über "Gefahren des Waldes"
und Ansprachen begeben sich die Schüler nach
Hause in die Ferien.

6. Juli. Primizfeier des ehemaligen Schülers
der Schule Hochburg Franz Steiner, Sohn des
Reitherbauers in Reith. Die Häuser des Dorfes
sind mit Kränzen u. Fahnen herrlich geschmückt.
Die Schülerin Katharina Steiner, Kleinpeterlechners-
tochter in Staudach, begrüßt den Primizianten in
gebundener Rede. Schulkinder, weißgekleidete
Mädchen, Vereine, Behörden, Priester, Verwandte
u. eine Menge Menschen begleiten im Festzuge,

der sich prächtig entfaltet, den Primizianten in die
Pfarrkirche, wo er das erste Meßopfer darbringt.
Der beigeklebte Zeitungsbericht gibt ein kurze Darstellung
der Feierlichkeit.

15. Juli. Oberlehrer Pointner nimmt teil an dem Lehrer-
ferialkurs des Bezirkslehrervereines Altötting
in Altötting. Schulrat Stechele – Burghausen
spricht über die älteste Dorfgeschichte "Maier
Helmbrecht" von Wernher dem Gärtner und trägt
das Epos in mittelhochd. Sprache vor.

20. Juli. In der Chronik festgehalten verdient der
Unterschied der Preise der Bekleidung eines
Mannes und einer Frau im Sommer 1920
und heute in Hochburg:

 

 

 

            Mann.                                                                        Frau.

                        1920               1922                                                  1920               1922
Hemd      K      600         K   15.000           Hemd             K           500         K   7.000
Kragen               40                 1.600            Hose                            400               10.000
Manschetten     60                  1.000            Unterrock                     800               12.000
Unterhose         400              12.000           Unterleiberl                  200                 5.000           
1Paar Socken  160               2.000            Mieder                         800               10.000
Selbstbinder      150               2.000            Strümpfe                      200                 3.000
Hut                      800             12.000           Kleid                          4.000              70.000
Anzug               8.000            150.000         Hut                              1.200              15.000
Schuhe             1.500            40.000           Schuhe                      1.200              30.000
________________________________________________________________________________________________
Summe          11.710            235.600         Summe                      93.000           162.000

 

23. Juli. Begräbnis der provisionierten Handarbeits-
lehrerin Marie Huber. Die Schüler beider Klassen
beteiligen sich an der Trauerfeier, die schwa-
che Anteilnahme seitens der Bevölkerung
zeigt wiederum die große Gefühlsarmut
des Bauernstandes. Viele Bäuerinnen ver-
danken der Verstorbenen ihr Können im Handarbeiten.

Juli - August. Beerenernte in vollem Gange.
Auf allen Wegen ziehen große Scharen aus
Burghausen in den Weilhart, der sich geduldig
von den Ausländern rupfen läßt. Was
etwa die bayerische Regierung sagen möch-
te, wenn ebensoviele Österreicher den baye-
rischen Wald überlaufen würden! Darum
sind wir herüben und sie sind drüben. ---
Die Erlaubniskarte zum Pflücken der Beeren
gibt das gräfl. Otto zu Castell - Castell sche
Forstamt in Hochburg gegen Erlag von 5000 K
aus. Pflückzeit von 8ʰ vorm. bis 4ʰ nachm.
Durchschnittlich zahlen die Händler für 1 kg
Heidelbeeren 400 - 500 K, für 1 kg Preisel-
beeren 1000 K.
Das ganze Beerenobst aus dem Weilhart
wird über die Grenze verhandelt.

Die Getreideernte ist stark beeinträchtigt
durch das Regenwetter, es muß viel nasses
Getreide eingefahren werden. Viele Körner
keimen in den Ähren schon, schlechtes Mehl
die Folge. Ein Fallen des Getreidepreises
nicht möglich. Auch das Viehfutter leidet
gewaltig auf den Wiesen, ein Teil muß
faulen, daher kann auch hier von einem
Sinken des Preises keine Rede sein. -

1. September. Beginn des Schuljahres 1922 -  23.

                        Schülerstand.

 

 

In der 2. Klasse setzt "Halbtagsunterricht"
ein, ein Verbrechen an der Jugend, das
niemals gesühnt werden kann. -
In beiden Klassen Halbtagsunterricht, die
2. Klasse trotzdem überfüllt, die Schüler be-
suchen daher 3½ Jahre den Alltagsunterricht,
dann treten sie aus der Volksschule in das
Leben über. Geistige Invaliden bilden das beste
Material für gewissenlose Volksausbeuter. -
Der Großteil der bodenständigen Bauern ver-
dient keine bessere Zukunft, aber die heran-
wachsende Jugend, welche in diese böse Zukunft
hineinkommen wird, ist zu bedauern. -

6. u. 7. Oktober. Abgeordneten – Vollversammlung
des ob. österr. Landeslehrervereines 1867 in
Linz.Verlauf erhebend. Universitätsprofessor
Dr. Rein aus Jena Spricht über "Kampf um die
Schule". Kein politischer Mißton stört die Versamm-
lungen. Keine unverfälschte Luft kann da ge-
atmet werden. Oberlehrer Pointner nimmt teil.

3. November. Vor dem Kriegerdenkmale versammeln
sich sämtliche Schüler. Eine einfache Trauerfeier
mit Ansprache und Gebet findet statt.

3. Dezember. Der Gemeindearzt Dr. Lothar Leiter – Ach
veranstaltet im Saale des Gasthauses Sinzin-
ger in Oberkriebach einen Lichtbildervortrag
über Tuberkulose. Der aufklärende Vortrag
mit sehr guten Bildern hätte einen besseren
Besuch seitens der Bevölkerung verdient.
Volksbildungsbestrebungen bleiben auf dem
Lande zumeist ohne Erfolg, weil sie dem Volke
keinen sicht- u. greifbaren Nutzen bringen.
"Not" wird auch diesfalls Heilung bringen.

18. Dezember. Wiedererrichtung des Bezirkslehrer-
verbandes Braunau am Inn. Ein Lied ohne
Worte. -

21., 26. und 31. Dezember. Kindertheater.
Stück: "Unterm Marterl", 3 Akte,
von Milla Otte, Oberlehrersgattin in Uttendorf,
bereits gestorben. Rollenverteilung:
Stanzi: Koch Theres, Gansbauertöchterl, 7. Schj.
Karoline: Steiner Kathi, Kl. Paßberger, 7. Schj.
Reserl: Spitzwieser Marie, Wirtstöchterl, 7. Schj.
Eleonore: Altenbuchner Marie, Bachmaiertöchterl, 7.
Zigeunerin: Harner Fanni, Hofertöchterl, 7. Schj.
Natzl: Kammerstätter Josef, Peterlechner, 6. Schj.
Franzl: Irnstötter Josef, Mitterhofer, 4. Schj.
Pidi: Dicker Elis, Nickerl, II. Schj.
Fanni: Reisecker Hermine V. Schj. (Frächter)
Anni: Ebner Elise 1. Schj.
Lisi: Rothenbuchner Elise, Treiber, IV. Schj.
Zenzl: Fischereder Marie, Wengler, IV. Schj.
10 Schülerinnen des 2. u. 3. Schuljahres treten
als Engel auf. Die Lieder wurden vom
Schulleiter Herrn Anton Bayer in St. Pantaleon
vertont u. durch die Frau Lehrerin Karoline
Sützl eingeübt. Die Ausstattung des Stückes,
die ungeheuer viel Mühe und Zeit in Anspruch
nahm, lag in den bewährten Händen der
Frau Lehrerin i. R. Antonie Pointner.
Der überaus starke Besuch zeigte, wie sehr
das Stück im Volke Gefallen fand. Ein
Zeitungsausschnitt soll Zeugnis ablegen,
daß sich die Spieler gut gehalten u. Mühe
und Geduld von Erfolg begleitet waren.

 

 

Bodenständige Preise Ende Dezember 1922.

1 kg    Mehl                          7.000 K         1 kg    Weizen                      4.000 K
            Grieß                          8.000 K                     Roggen                      3.200 K
            Reis                           6.500 K                     Hafer                          3.200 K
            Zucker                        11.000 K                    Gerste                        3.000 K
            Kaffee                                    50.000 K                   Heu                            2.000 K
            Salz                              3.000 K                    Stroh                          1.000 K
            Polenta                        7.000 K                    Obst                             800 K
            Erbsen                         8.000 K                    Kleiderstoff für Männer
            Brein                            7.500 K                    1 m von          60.000 - 160.000 K
            Honig                         26.000 K                   Kleiderstoff für Frauen
            Zwiebel                        4.000 K                    1 m von          40.000 - 120.000 K
            Feigenkaffee            18.000 K                  Baumwolleinwand
            Hefe                           20.000 K                  1 m von          8.000 - 12.000 K
            Kümmel                     80.000 K                  Barchent
            Anis                            60.000 K                  1 m     16.000 - 22.000 K
            Lederfett                       7.000 K                   Flanell
            Tafelöl                        30.000 K                   1 m     50.000 K
            Leinöl                         26.000 K                  Ober – Leder
            Petroleum                     3.200 K                   1 kg    30.000 K
            Butter                        36.000 K                   Sohlenleder
            Rindschmalz             40.000 K                   1 kg    80.000 K (Kern), (45.000 K gewöhnlich)
            Schweinschmalz       28.000 K                   1 Spule Zwirn mit
            Kartoffel                          800 K                    1 000 m         16.000 K
            Rindfleisch                12.000 K                   1 Strähn Wolle          15.000 K
            Kalbfleisch                16.000 K                   Bauziegelsteine
            Schweinfleisch          22.000 K                   1 Stück:          700 K
1 l        Milch                          18.000 K                   Dachfalzziegel
            1 Ei                              1.000 K                    1 Stück:          1.600 K

1923.

                               Gemeindegebiet Hochburg.
Aus dem Aufsatze "Hochburg, Utting, Burgstetten um Matich"
von Max Schlickinger, Oberlehrer i. R. in Mattighofen.

Während westlich von Hochburg bei Tittmoning und östlich davon
bei Ranshofen - Braunau sich der Zug der einwandernden Bajuwaren
ungehindert am jenseitigen Flußufer fortbewegen konnte und
die Gegend von Ostermiething und landeinwärts, andererseits
Enknach und Mattig aufwärts mit Rücksicht auf die günstigen
Lebensbedingungen zur Besiedlung einluden, staute sich bei
Burghausen der Einwandererstrom. Die Besiedlung dieser
wasserarmen Hochfläche erfolgte demnach allmählich wohl von
der Burghausenerseite her durch bereits eingewanderte
Bajuwaren. Es weist dieses Gebiet zahlreiche Rodungsnamen
(Reith, Sengstatt, Brandstatt u. m. a.) auf, während echte "ing"
Namen vollständig fehlen. Die Besiedlung dürfte im 9. Jahr-
hundert bereits eine vollständige gewesen sein, denn im Jahre
878 scheint das am Südrand dieser Hochfläche gelegene Hochburg
als Karolingischer Wirtschaftshof zum erstenmal urkundlich auf.
Dieser dürfte wohl den Anordnungen Karls des Großen sein
Entstehen verdankt haben, der ja auf landwirtschaftlichem
Gebiete hervorragend reformatorisch tätig war. Wenn auch
früher und später die Urkunden schweigen, so kann man doch
annehmen, daß Hochburg öfter von den Karolingern Besuche
erhielt, darunter von König Karlmann, der am 20. September
878 zu Hobberahhah einen Gütertausch zwischen dem
Bischofe Embrichs von Regensburg und dem Abte Hatto (?) von
Mondsee bestätigte. König Karlmanns Lieblingsaufenthalt
war der Hof zu Altötting, wo er auch starb.

In den vorerwähnten westlich und östlich gelegenen Gebieten
finden wir aber mit Rücksicht auf die frühere Besiedlung bereits
die Agilolfinger (Ostermiething und Ranshofen), die den

Salzach - Innwinkel zu einem Krongute machten, das als solches auch
auf die Karolinger überging.

Während von dem Hofe zu Ostermiething keine Spur mehr vor-
handen ist, soll nun versucht werden den karolingischen Wirt-
schaftshof zu Hochburg festzustellen und zu rekonstruieren.

Zuerst möchte ich der Frage nähertreten, was vorerst entstand,
der Wirtschaftshof oder die Kirche, und sie dahin beantworten, daß die
Kirche oder wenigstens eine Kapelle vor der Schaffung des Wrtschafts-
hofes entschieden vorhanden war. Es ist anzunnehmen, daß Karl der
Große oder sagen wir die Karolinger bei Errichtung eines Wirt-
schaftshofes sicher auf die religiösen Bedürfnisse von dessen Bewohner
Rücksicht nahmen und wir finden daher solche Höfe immer in Verbindung
mit Kirchen (Hochburg, Winning, Ostermiething, Ranshofen).

Wann die Kirche in Hochburg entstand, entzieht sich wohl, wenn
auch nicht vollständig, unserer Beurteilung. Die heutige Marien-
kirche war vordem eine heilige Kreuzkirche. Weiters sei erwähnt,
daß das Urbar von 1581 das Gut des Hans zu Niedernhesenloh
seitwärts von Hochburg in der Ortschaft Sengstatt traditionell
"Taufkirchen" nennt. Am Fuße des Kirchberges befindet sich
eine Quelle, richtiger ein Ziehbrunnen, der Johannes – oder
Kirchbrunnen, die das beste Wasser der Gemeinde hat und
über der eine Johannesstatue thronte. /: Diese Statue wurde im
Jahre 1919 von unbekannten Tätern entwendet.:/ Wir gehen gewiß mit der
Behauptung nicht fehl, daß hier getauft wurde. Neben der Quelle
ist eine Kapelle, von der die Tradition zu berichten weiß, daß
an deren Stelle oder nebenan beim Brunnen selbst noch nach
gefundenem Mauerwerke die erste Kirche von Hochburg stand.

Fastlinger sagt: "Vor Zellen um Zellkirchen lagern nicht
selten "Kreuz" - Orte oder Kreuzkirchen welche einem daselbst
aufgepflanzten Kreuze ihr Entstehen verdanken. Es beruht
diese Erscheinung keineswegs auf einem Zufall, sondern auf
mönchischem Gebrauche. Mit der Aufstellung des Kreuzes
in einer Gegend wollten die Mönchsmissionare sagen: "Wir

nehmen diese Gegend für Christus den Gekreuzigten in Besitz."

Eine Zelle läßt sich nicht nachweisen, wenn wir sie nicht in Tauf-
kirchen vermuten sollen. Wir haben es bei Hochburg jedenfalls
mit einem primitiven Taufkirchensystem zu tun, während wir
an anderen Orten wohl organisierte Altpfarren nachweisen können:
z. B. Pfarrkirche Ostermiething, Taufkirchen, Haigermoos, Hl. Kreuz,
Fisserding oder Mattighofen, Pfaffstätt, Höllersberg oder Lochen,
Astätt, Gebertsham. Für die Taufkirche und Hl. Kreuzkirche
von Hochburg fehlt uns eine zuständige Pfarrkirche. Wir
müßten höchstens die St. Petruskirche in Geretsberg in Betracht
ziehen, weil Hochburg und Geretsberg kirchlich in Wechsel-
beziehung standen, worauf heute noch der sogenannte Pfaffen-
weg zwischen beiden Pfarrorten hinweist, ja erstere sogar
kirchlich von letzterer abhängig war.

Nach eineinhalb Jahrhunderten beginnen wieder die ur-
kundlichen Quellen; so wird zirka 1025 Hohperchach erwähnt.

Erzbischof Eberhart I. verleiht der Propstei Ranshofen die
Kirche Hohenberchech mit dem Pfarrechte (Oktober 1151 bis
März 1153).

Eine Urkunde nennt 29. Jänner 1157 die Kapelle Howerch.

In der Urkunde, Zeidlarn 6. Oktober 1162, erneut Erzbischof
Eberhart I. die Schenkung der Pfarre Hohenberchach an die Propstei
Ranshofen und bestätigt die von dem Archidiakon Dompropst
Hugo gefällte Entscheidung des Streites zwischen dem Propste
Altmann von Ranshofen und dem Pfarrer Friedrich von Oster-
miething, wonach die vom Pinsbach kommende Straße bis zu
Dorfibm die Grenze beider Pfarreien sein soll.

Noch zwei auf die Kirche Hochburg Bezug habende Urkunden
sollen hier erwähnt werden. In einer lateranischen Ur-
kunde vom 29. April 1195 wird die Kapelle Hobercha genannt und
in einer am 24. Juli 1262 in Ötting ausgestellten Urkunde be-
stätigt Erzbischof Ulrich im Kloster Ranshofen den Besitz der
Kirche in Hohperch.

Mit den Urkunden über die Kirche halten die weltlichen hübsch
Schritt. Wir haben es dabei wohl mit Namensträgern zu tun, die auf
dem Wirtschaftshofe saßen, dem größten und vornehmsten Hofe
des Ortes. Das Salzburger Urkundenbuch erwähnt in einer
undatierten Urkunde einen Ekehart de Hohenperch. Weiters
lernen wir kennen: c. 1130 Gumbo de Hochperch, c. 1170 Uldarici de
Hoberch, c. 1170 Gotscalcus preco de Hoberc, c. 1180 Mar. quardus
de Hohenberc, 1180 nochmals Gotscalus des Queheberch, c. 1180
Haertucicus de Hoberch, 1210 Sifridus de Hobercha Amanus,
Ducis in Ranshofen, c.1220 nochmals Sifridus de Hohbercha
und schließlich 1225 Chunradus de Hochperc, Prepontus Queis.


Originalbild als Leseprobe

Bei Aufzählen dieser zahlreichen urkundlichen Namen muß
das Fehlen des Ortsnamen Hochburg auffallen. Es war nicht möglich
die von Lamprecht erwähnten Hoinpurch und Hohinpurch aus-
findig zu machen. Der Name Hochburg ist auch den folgenden
Jahrhunderten noch unbekannt und dürfte erst am Ende des
15. Jahrhunderts oder am Anfange des 16. der alte Name ver-
drängt worden sein. Von einer Burg in Hochburg ist über-
haupt keine Rede.

Unserm Wirtschaftshofe treten wir näher in den für
unsere Heimat so wertvollen beiden Urbarien. Das
ältere, zirka 1228, zählt auf: Hochbere git man drittehalben                  Anm. G. Lenzbauer:
mvtte Weitzen und mvndenhalben los mvtte Habern und                       "v" wird wie "u" gelesen
drie mvtte Habern des minnern mvottis. Der hof zu Hohberc
giltit eilf mvtte rocken, einen mvtte smalsette (Hirse, Brei)
und nevn metzen magen (Mohn) und ein specsnin und
ein halbgilt. An Pfennig Geld: Hohperc ein halbpfvnt und
fvnfzehn pfennige. Das nächste Urbar, ca 1280, berichtet:
Aber zu Howerch der hof, giltet IIII°ʳ mvtt rokken, 1 swein halb-
gvltig, vnd swann der Hertzog ist ze Porchvsen, so soll man
chravt (Kraut) von dem hof hintz dez hertrogen chuchen dinen,
vnd dem richttaer geben ein foder haevs alle iar. Und an
Hühnerdienst: Dez ersten ze Hohwerch, v. hevner.

Beim Vergleiche der beiden Urbarien kommen wir zu dem Schlusse,
daß der Hof des ersteren mit dem Hof des zweiten identisch ist. Der
Hof hatte aus alter Zeit seine dynastischen Beziehungen bis in
das 13. Jahrhundert herüber gerettet.

Aus den Lehenbüchern ist zu entnehmen:

Item zu Hochberg an halben Hof der auch urbar ist, Item daselbs
ain Viertail akchers genannt Steglehn, ist urbar. Item daselbs
das Kuniglehen ist auch urbar. It' Ludwig Rätelkofer hat em-
pfangen ainen ganzen Maierhof in hochperger pfarr und
einen im Weilhart Gericht - - . Item Friedrich Mairhofer
hat zu Lehen genommen ain Hub ackher genannt zu Maier-
hof gelegen in Hochberger Pfarr und hat empfangen anstatt
als ein Lehentraeger Konradten Stickenkäs Kinder drey
viertail Ackhers zu Kolbermoos gelegen in Hohenberger
pfarr. dat. ut supr. l. (Lehenbuch Herzog Ludwigs, 1452) Hern
Joerg Gannersfelder zw Winklhawsen hat zw lehen ge-
nommen von meinem gnädigen Herrn zu anien halben
hoff genannt der  Kamracz hof gelegen auf Kriebach pei
burckhawsen an Weylhartst gericht und hachberger
pfarr. An Sunntag vor Luciatag anno un l XCVIII jar.

Aber hat der Lamersfellder zu lehen ain hof auf dem
Kriebach genannt der Lamradshof in hoberger pfarr. Dann
die Überschrift: Hochberg die Pfarre auf dem Kriebach.

Das Dorf Hochburg wird im Jahre 1581 geschildert:
1. Georg Lindner, ein Viertel Steglehen, ein Viertel Lindach-
lehen; Brief von Herzog Heinrich 1446; eingädmig, hölzern,
Stadl Hofkastl, Roß- und Viehstall alles baufällig.
2. L. Weber, Reitland aus dem Lindachlehen; Haus gebaut c. 1582;
Brief von Herzog Wilhelm 1582 (Nachtrag).
3. Veit Meßner, Voglsölde; Brief von Herzog Wilhelm 1592;
schlechtes einlechtiges Häusl und Stadl aneinander.
4. Sebastian, Wirt, das Kegllehen, zwei Viertel; junge Briefe;
eingädmig, Stadl und Stall alles baufällig.
5. Sebastian, Wirt, das Schernlehen, ein Viertel; Brief von 1446;

keine Behausung, allein ein Stübl auf einem Viehstall und ein
Stadl daran.
6. Wirt, Tafern aus dem Schernlehen mit zwei Ländern aus der
Voglsölde.
7. Wolf Finsterlehner, das Finsterlehnergut, ist ein kleiner Hubacker;
Brief von 1447, Behausung gut ebenso Ställe, Stadl baufällig.
8. Wolf Grundner, das Wibmheinrichgut, ein Viertel; Brief von
1582; Haus, Stadl und Ställe ziemlich gut.
10. (9.) Wolf Neuhauser, das Neuhauser- und Fendlgut, zwei Viertel,
aus dem Kreuthof; zwei Briefe von 1446, einen von 1448;
Haus neu, zweigädmig, Stadl, Kasten und ein Stall ganz gut.
9. Wolf Neuhauser, das Wibmlehen, ein Hubacker; Brief vom
1446; Haus, Stadl und Ställe mittelgut.
11. Wolf Hofer, halben Kreuthof; Brief von 1446; Haus alt, einlech-
tig, Stadl gut, Stall neu mit Hofkastl.
12. Hans Ruderstaller, den anderen halben Kreuthof; Brief
von Herzog Wilhelm 1529; Zimmer baufällig.
13. Wolf Mairhofer, Neuhaus-, Kärl- und Tömlgut genannt;
ein Brief von 1446, zwei von 1529; eineinhalb Jauchacker, Haus,
Stadl, Kasten und Ställe alles schlecht.
14. Sebastian Kirler, Türhütersölde; Brief v. 1529; Haus, Stadl
und Ställe halb baufällig.
15. Margareta Wegerin, Fleischhackersölde; Brief von 1529;
Haus neu und hölzern, Stadl und Kasten alles unter
einem Dach.

Als fest stehend darf angenommen werden, daß der karolingische
Wirtschaftshof des 9; "Der Hof" des 13. und der Kreuthof des 16. Jahrhunderts
ein und dasselbe ist. Die zuerst vom Kreuthofe abgesplitterten Höfe
waren das Neuhauser- und Fendlgut, denen das Ruderstallergut
folgte. Es blieb als Rest nur mehr das Hofergut, welches der
Repräsentant der alten Herrlichkeit und der Kern des
karolingischen Wirtschaftshofes geblieben ist. Heute
besitzt diesen Hof Josef Harner, derzeit Obmann des Ortschulrates.

                   Die Kirche in Hochburg.
Aus "Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels"
                        von Dr. Rudolf Guby.
Hochburg, 878 erwähnt, Pfarre zur Mariä Himmelfahrt, ein-
schiffige gotische Kirche aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach
dem Muster der Braunauer Spitalskirche erbaut; prachtvoll
weitgespanntes Netzgewölbe im vierjochigen Langhaus.
Im Presbyterium Rippen entfernt. Guter Hochaltar aus
1655 mit Altarblatt des Todes Mariens, signiert: Johann
Miler, Maler zu Burghausen (1655). Im Presbyterium,


Epistelseite: gotisches Relief des Todes Mariens, wahrscheinlich
vom alten Hochaltar um 1470 / 80. Seitenaltäre aus der
Wende des 18. zum 19. Jahrhundert. Kanzel, neugotisch mit
?Barockfigürchen. Sakristeitüre mit prachtvollen gotischen
Beschlägen. Großes kielbogiges gotisches Steinportal.
Gotischer Turm mit sehr gutem Barockaufsatz (1728). -

Kapelle beim Hinterlohner in der Ortschaft Geretsdorf
erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts. Sehr guter Rokokoaltar
um 1760 aus der Pfarrkirche in Burghausen stammend.
Medaillonbild in der Art des J. N. della Croce. Zahlreiche
Votivbildchen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. -

                   Jahreslauf.

17. Februar. Die Schüler beider Klassen besuchen unter Führung
der Klassenlehrer das Lichtbildtheater Witter in Burghausen.
Der Film "Hanneles Himmelfahrt" von Gerhart Hauptmann
bietet eine Menge Stofffes für die Erziehung z. B. Folgsam-
keit, Kinder- u. Mutterliebe. Religiosität, Vertrauen zum
Lehrer, Schäden des Alkoholgenusses u. m. a.

15. März. Die Handarbeitslehrerin Marie Huber wird
enthoben, an ihre Stelle tritt Frl. Katharina Ahrer,
welche im Pfarrhofe in Gilgenberg wohnt und von
dort aus den Dienst versehen muß.

24. April. Besuch des Lichtbildtheaters in Burghausen. Im Film
"Im Winter auf dem Großglockner" sehen die Schüler
die Wunder der Allmacht Gottes. Verwertung im
Unterricht nachhaltig.

1. Mai. Fahrt nach Vilsbiburg, Bayern, zur Besichtigung des
Liebfrauentheaters. Daran beteiligen sich 18 Knaben
und 27 Mädchen der 2. Klasse. Das im Theater Gesehene
bietet Stoff für den Religionsunterricht. Die Fahrt
gibt Gelegenheit Beobachtungen zu machen in allen
Sachgebieten z. B. Bahnhofanlage, Dampfwagen,
Bahnwagen, Schienen, Wechsel, Steigung, Gefälle, der
Kanal, Michldorf, Eisenbahnknotenpunkt u. dgl. m.
Eintritt: 1500 M, Fahrt: 2200 M.

15. Mai. Entbindungsurlaub der Lehrerin Frau Karoline
Sützl. Die Aushilfe übernimmt Frl. Rosa Hauch bis
zum Schluß des Schuljahres.

30. Juni. Schluß des Schuljahres 1922/23 mit Dankgottes-
dienst. 4 Tage der letzten Weihnachtsferien werden
noch eingebracht, so daß die Hauptferien am 4. Juli
beginnen.

11. bis 14. August. Heimattagung in Burghausen.
Die Vorträge erstreckten sich zur Hauptsache auf das ganze
Gebiet unseres Inn - Salzachgaues. Die zahlreichen
Zuhörer lauschten mit gespanntester Aufmerksam-
keit. Die Lehrerschaft des Sprengels Wildshut war
stark vertreten. Die Zeche "Mitterndorf" führte
nach einleitendem Vortrage des Prof. Dr. Hans Commenda -
Linz einen Innviertler "Landler" auf, der großen Beifall
fand. Am letzten Nachmittage führten Bezirksschulrat
Stechele und Oberlehrer Pointner den Großteil der
Teilnehmer zum Helmbrechtshof, der eingehend be-
sichtigt wurde. Beim Abschiede von Burghausen sagten
viele Heimatler: "Diese Heimattagung war die schönste, die
wir bis jetzt mitmachten."

19. August. Fünfzigjähriges Gründungsfest der
freiwilligen Feuerwehr Hochburg verbunden
mit einer Fahnenweihe. Verlauf sehr schön,
jedoch Störung durch Gewitterregen, weshalb
der Festzug unterbleiben muß. Viele Wehren
aus Bayern und dem Bezirke Braunau am Inn sind
anwesend. Den Altgedienten wird bedauerlicher
Weise viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, ein
Zeichen der "Zeitoberfläche".

1. September. Beginn des Schuljahres 1923/24.
Die Mütter führen die Anfänger in die Schule
und geben Gebrechen der Kinder bekannt. Ein Mädchen
leidet an Epilepsie dem besondere Aufmerksamkeit
gewidmet werden muß. Nur 7 Knaben und 3 Mädchen
treten ein. Frl. Hermine Zemsch, Lehrerin der 1. Klasse.

                               Schülerstand.

 

23. September. Glockenweihe in Hochburg.
Bei herrlichem Wetter verläuft dieses Fest in
der schönsten Weise. Ein Schulkind, Steiner Kathi
von Staudach trägt ein passendes Gedicht vor.
Die Frauen Marie Spitzwieser, Wirtin in Hochburg u.
Marie Sinzinger, Wirtin in Oberkriebach, sowie die Bäuerin
Frank vom Schwaigergute tragen Goldhauben. Den Aufzug
der Glocken nimmt Josef Ebner, Zimmerpolier, vor.

12. November. Staatsfeiertag. Die Schüler besuchen den
Gottesdienst, diesem folgt eine einfache Trauerfeier
vor dem Kriegerdenkmal. In beiden Klassen wird
der Zweck des Staatsfeiertages erläutert und ein
vaterländisches Lied gesungen.

19. November. Die von den Schulkindern gesammelten Lebensmittel
für die ärmsten Schulkinder in Burghausen werden vom
Obmann des Ortsschulrates Josef Harner, Hofer in Hochburg,
überführt und dort sogleich an die Armen verteilt.
Der angeklebte Zeitungsbericht aus dem "Burghauser
Anzeiger № 225 vom 24. November 1923 soll über diese
Hilfe näheren Aufschluß geben. Dankbriefe der Schüler
der Stadt Burghausen an die hiesigen Schüler beweisen,
wie das deutsche Kind jenseits der Reichsgrenze Hunger
leiden muß und darum sogar eine nichtssagende Hilfe
mit dankbarem Herzen aufgenommen wird.
Deutschland ist heute, im buchstäblichen und übertragenen Sinne
des Wortes, ein Kindergrab und ein Kinderspital. Das deutsche
Kind ist das Opfer einer unmenschlichen Politik eines
grauenhaften Versuches, dem deutschen Volke den Atem
besserer Zukunft zu rauben.

24. November. Auftreten der Masern. In beiden Klassen
fehlen bereits mehrere Schüler, welche an Masern er-
krankt sind.

5. u. 6. Dezember. Stake Zunahme der Masernerkrankungen.
1. Klasse, Untergr. fehlen von 11 Schülern - 6, Obergr. 1. Abt. von 17 – 12,
2. Abt. von 25 - 14, 2. Klasse, Untergr. 1. Abt. von 37 – 21,
2. Abt. von 37 - 22, Obergr. von 38 - 11, Abt. m. v. U. von 12 – 6.
Am 6. Dez. wird die 1. Klasse geschlossen, weil die Klassenlehrerin in
einem Hause wohnt, wo Masern herrschen.
Am 11. Dez. wird auch die 2. Klasse zufolge Auftrages des
Bezirksschulrates vom 6. Dezember 1923, Zl. 428 / Sch, geschlossen.

17. Dezember. In beiden Klassen wird der Unterricht wieder
aufgenommen.

Ende Dezember. Bodenständige Preise.

1 kg    Mehl                             6 500 K        1 kg    Weizen                       3.200 K
            Grieß                            8 000 K                    Roggen                      2.400 K
            Reis                             6 500 K                    Gerste                        2.400 K
            Zucker                        13 000 K                   Hafer                          2.500 K
            Kaffee                                    56 000 K                   Heu                            2.000 K
            Salz                              5 000 K                    Stroh                          1.500 K
            Polenta                        6 000 K                    Obst                     2 - 6.000 K
            Erbsen                         8 000 K              
            Brein                            7 000 K           1       Dachziegel                    400 K
            Honig                         30 000 K        1 mᶟ    Brennholz weich   110.000 K
            Zwiebel                        4 000 K        1 mᶟ    Brennholz hart      250 000 K
            Feigenkaffee            16 000 K        Kleiderstoff für Männer
            Hefe                           25 000 K        1 m von            80.000 bis 180.000 K
            Kümmel                     50 000 K        Kleiderstoff für Frauen
            Anis                            40 000 K        1 m von            40.000 bis 160.000 K      
            Lederfett                      7 000 K        Baumwolleinwand
            Tafelöl                        30 000 K        1 m von            10.000 bis 15.000 K
            Leinöl                         28 000 K        Barchent      1 m        16. bis 25.000 K
            Petroleum                    3 500 K        Flanell            1 m      12. bis 16.000 K
            Butter                         48 000 K        Oberleder 1 kg                     30.000 K
            Rindschmalz             52 000 K        Sohlenleder 1 kg                  40.000 K
            Schweinschmalz       32 000 K        1 Strähn Wolle                      15.000 K
            Kartoffel                          800 K        1 Spule Zwirn mit 1 000 m
            Rindfleisch                24 000 K        Länge                                    15.000 K
            Kalbfleisch                26 000 K
            Schweinfleisch          26 000 K
1 l        Milch                            2 000 K
1          Ei                                  2 000 K

1924.

Ganz ausnahmsweise ein langer grimmiger
Winter. Starke Schneefälle besonders zu Weinhacht aber
auch im Laufe des Jänners hemmen den Verkehr auf
Straßen und Wegen. Die Acherstraße und Hörndler-
straße müssen wiederholt vom Schnee befreit wer-
den. Schwere und leichte Schlitten finden geraume
Zeit Verwendung, was hier zu den Seltenheiten
gehört. Dem Eisschießsport wird fleißig gehuldigt.
Mehrere Preiseisschießen finden statt. Die Jugend
erfreut sich am Rodeln. Die empfindliche und
anhaltende Kälte fordert viel Brennholz. Der
fürsorgliche Obmann des Ortsschulrates Josef Harner,
Hofer in Hochburg, war schon im Herbste darauf bedacht,
genug Brennholz für die Schule herbeizuschaffen,
damit die Schüler in der Schulstube nicht Kälte
leiden müssen.

20. Jänner. Deuschlandhilfe. Die Schüler sammeln
Kleinnoten u. zw. 11 Stück zu 1 000 K, 14 St. zu 100 K,
33 St. zu 50 K, 161 St. zu 20 K, 137 St. zu 10 K, 515 St.
zu 2 K und 330 St. zu 1 K zusammen 20.000 K
Der Betrag an Deutschlandhilfe Linz, Marktstraße
7 abgeführt.

9. März. Begräbnis der hervorragend braven
fleißigen und begabten Schülerin Liserl Bernegger,
Bindertöchterlein von Mitterndorf. 25 weißgeklei-
dete Mädchen und sämmtliche Schüler mit dem Lehrkörper
begleiten das liebe Kind zu Grabe.

16. April. Brand beim Gastwirt Spitzwieser in Hochburg.
Um ½7 ͪ  nachm. entsteht in der Streuhütte hinter
dem Stallgebäude ein Brand, der durch den herr-
schenden Sturmwind das ganze Dorf in Gefahr
bringt. Kirche, Schulhaus, Bäckerei Reschenhofer
und das Haus des Kaufmanns Sützl stehen in
unmittelbarer Gefahr. Funkenflug sehr beängsti-
gend. Auf Dächern, in Dachböden, auf Höfen der
genannten Häuser sowohl als auch beim Hause des
Boten Marchner, des alten Bäckers am Fuße des
Berges müssen Funken gelöscht werden. Durch
das rasche und zielbewußte Eingreifen der
Feuerwehr wurden der Brandherd und die bereits
ergriffenen Gebäudeteile gelöscht und jede weitere
Gefahr vom Dorfe abgewendet.

25. April. Herr Bezirkshauptmann Reg. Rat
Hammerstein besucht die Schule, besichtigt die
Klassenzimmer und bespricht die Erweiterung
der Schule durch eine Parallelklasse der
2. Klasse, weil diese derzeit stark überfülllt ist.
Die Erweiterung der hiesigen Schule bleibt wohl ein
frommer Wunsch aller Schul- und Kinderfreunde
solange im Gemeindeausschusse von der Mehrheit
jede Schulverbesserung abgelehnt wird, wie dies
gegenwärtig der Fall ist.

3. Mai, 9 ͪ  41' nachmittags fliegt im Weltraume eine
blaugrüne Kugel mit violettem Schweife von Ostsüd-
ost nach Westnordwest, die ganze Gegend bedeutend
erhellend. Dauer 2 - 3 Minuten. Beobachtet von
den Lehrpersonen Herma Zemsch und Josef Pointner.

 

Anm: G. Lenzbauer:


Title: Ueber die beiden Meteore vom 3. Mai 1924
Authors: Hoffmeister, C.
Journal: Mitteilungen der Sternwarte zu Sonneberg, vol. 7, pp.1-12

16. Mai. Prähistorische Funde. Der Besitzer der Klein-
peterlechnersölde Anton Steiner in Staudach
kommt in seiner Lehmgrube auf Funde aus der
letzten Hallstattzeit (etwa 400 Jahre vor Christi).
60 cm tief liegt eine große Aschenurne mit
Resten einer verbrannten Leiche. Verschiedene
Zierstücke aus Bronze kommen zum Vorschein,
darunter zwei Ringe, auf denen je drei enten-
artige Vögel als Bekrönung angebracht
sind; dann noch hübsch verzierte Geschirrteile,
Knöpfe und Bronzeteile, deren frühere Ver-
wendung noch nicht aufgeklärt ist. Das Vor-
kommen einer Art Rollsteinschicht unter
der Humusdecke des ganzen Feldstückes
weist auf Hügelgräber hin, welche mit der
Zeit eingeebnet wurden und mit den in
den 1880er jahren von Hugo v. Preen durch-
suchten Gänsfußgräbern in Gilgenberg
Ähnlichkeit haben. Generalkonservator Hugo
v. Preen - Osternberg und Bezirksschulrat Karl
Stechele- Burghausen besuchen die Fundstätte
und messen, wiegen und zeichnen die Bronze-
funde. Berichte mit Zeichnungen gehen nach
Wien bezw. nach München.

 

3. Juni. Inspektion der Schule durch den Herrn
Bezirksschulinspektor Franz Hollweger.
Die Schulerweiterung wird wieder in Beratung
gezogen. Trotz der gesetzwidrigen Zustände
kann die Behörde nicht zwingend eingreifen
und so bleibt es beim Halbtagsunterrichte.

11. Juni. Bezirkslehrerkonferenz in Braunau am Inn.
Beide Lehrpersonen nehmen an derselben teil.
Kilometergeld und Tagesdiäten sind unbekannt,
so daß die Partikulare nicht ausgefüllt werden
können.

5. Juli. Stelzhamerfeier in beiden Klassen.
Erinnerung an die 50. Wiederkehr des Todestages.
a.) Leben, Weben und Schaffen Stelzhamers.
b.) Vortrag mehrerer Gedichte.
c.) Hoamatgsang und Á lustigö Aicht.


Schuljahresschluß und Beginn der Hauptferien.
Verordnung des Landesschulrates für Oberösterreich
vom 22. Februar 1924, Zl. 788 / 1, V.Bl. Stück II - № 9:
Das Schuljahr beginnt mit dem ersten Montag
nach dem 8. September und schließt mit dem
dem 10. Juli vorhergehenden Samstag.
Hauptferien heuer vom 6. Juli bis 14. Sep-
tember.

15. September. Schuljahresbeginn.

                                          Schülerstand.

 

 

13. Oktober. Frau Lehrerin i. R. Antonie Pointner
wird um 1 ͪ  vorm. von dem Allmächtigen nach langem
schweren Leiden zu sich berufen. Am 27. Jänner
1901 übernahm sie zufolge Auftrages des k. k. Bezirks-
schulrates Braunau am Inn vom 23. Jänner 1901, Zl. 64 / Sch.,
den Unterricht in der 1. Klasse. Durch 20 Jahre wirkte
sie als Lehrerin in der gewissenhaftesten und erfolg-
reichsten Weise an der hiesigen Schule. Die Kriegsjahre
brachen ihre Kraft und warfen sie auf das Kranken-
lager. Einige Gedanken aus dem Nachrufe von
Bürgerschuldirektor Leopold Vockenhuber in Braunau
sollen hier festgehalten sein:

Teuere Gattin und treue Mutter! Dieser Lorbeer
glänzte allzeit auf Deinem milden Haupte. Diesen
Lorbeer hast Du in mehr denn viertelhundertjähriger
Treue in Ehren getragen. Du warst des Hauses
Mutter. Jeder Mensch, der Dein Haus betrat, mußte
fühlen, daß Du es geweiht. Und weise herrschtest
Du im häuslichen Kreise.

Aber weiter, viel, viel weiter reichte Dein
Kreis. Nicht nur Mutter Deiner Kinder, auch
fremden Kindern warst Du wie eine Mutter.
Die eigenen entwuchsen Deiner lieben Obhut, die
fremden strömten immer neu zu Dir. Unermüdlich,
voll Hingabe, durchglüht von strengster Gewissen-
haftigkeit, pflegtest Du Geist und Herz der
Kinder Deiner Gemeinde. Hier an Deinem
Grabe stehen viele von ihnen und bringen Dank in
stiller Trauer ihrer Erzieherin und Lehrerin dar.

Unverdrossen und rastlos wirktest Du. Rastlos

ganz besonders dann, als der Weltkrieg kam. Das Übermaß
von Arbeit, das auf Deine Schultern gelegt ward, die
harte Zeit mit manch hartem Menschen, haben
Deine segensreiche Kraft leider zu früh gebrochen.
Ein Kriegerdenkmal in Hochburg sollte auch Deinen
Namen tragen. ----

So schlafe sanft Du teure Gattin, Du gute Mutter,
Du aufopfernde Lehrerin, Du edles Bild einer
deutschen Frau! ----

16. Oktober. Die Schuljugend sammelt für die Taub-
stummblinden in Raab in Oberösterreich
einen Betrag von 890.000 K und sendet denselben
an die Anstalt.

21. Oktober. In ganz Österreich ruht als Protest
gegen das Diktat des Finanzministeriums gegen
die Behandlung der Lehrervertreter auf der
Salzburger Länderkonferenz und gegen die
Beschlüsse dieser Konferenz der Unterricht.
Demonstrationsversammlung der ganzen
Bezirkslehrerschaft in Braunau am Inn im
Zeichensaale der Knabenbürgerschule verläuft
ruhig und würdig. An derselben nehmen die
hiesigen Lehrpersohnen teil.

2. Dezember. Der große Tondichter Dr. Anton Bruckner
wird in der Schule geehrt. Sein Leben, Wirken
und Schaffen wird den Schülern stufengemäß
geschildert.

1925.

Kein strenger Winter. Schulbesuch anhaltend
recht gut.

10. Februar. Die Schulkinder senden an die Bezirks-
hauptmannschaft Freistadt, O. Ö., 465.000 K
zum Zwecke der Errichtung einer Schulexpositur
in Unterwald, Gemeinde Windhag bei Freistadt.
Diese Beihilfe wurde durch eine Sammlung der
Schüler der 2. Klasse aufgebracht.

5. März, 10 ͪ  vorm., Kommissionelle Verhand-
lung über die Erweiterung der hiesigen zwei-
klassigen Volksschule. Anwesend: Landes-
regierungsrat Hans Hammerstein, Vorsitzender
des Bezirksschulrates, Bezirksschulinspektor
Franz Hollweger, Bezirksarzt Dr. Kröll und ein
Baurat aus Ried i. Innkreise, die Mitglieder
des Ortsschulrates und des Gemeindeausschusses.
Nach den Erläuterungen des Bezirksschulinsp.
Franz Hollweger über die Notwendigkeit
der Erweiterung entwickelt sich eine Wechsel-
rede deren Inhalt besser verschwiegen wird.
Der Baurat berechnet die Kosten des Stockaufbaues
auf 100 Millionen Kronen, wenn die Zufuhr des
Materials von den Bauern übernommen
werde. Der anwesende Graf Otto zu Castell – Castell
verspricht, im Falle der Erweiterung das
notwendige Holz um ermäßigte Preise
zu liefern. Nach aufklärenden u. aufmuntern-
den Worten des Landesregierungsrates
Hammerstein zieht sich der Gemeindeausschuß

zu einer Beratung zurück und beschließt, all-
jährlich 25 Millionen zum Zwecke der Erweiterung
dem Ortsschulrate zur Verfügung zu stellen,
so daß binnen 4 Jahren mit dem Stockaufbau
begonnen werden kann. Möge das Werk
gelingen zum Wohle und Heile der nachwachsenden
Geschlechter Hochburgs!

25. April. Eröffnung der Autolinie Braunau
am Inn - Oberndorf an der Salzach durch
Landeshauptmann Prälat Jos. Nep. Hauser.
Ein unfreundliches kaltes Wetter. Die neun
geschmückten Autos kommen um ½1 ͪ  nachm.
in Oberkriebach (Sinzinger) an. Dort Begrü-
ßung des Landeshauptmannes Hauser und
Regierungsrates Hammerstein durch die Ge-
meindevorstehung, Schuljugend mit Lehr-
personen von Ach u. Hochburg, Feuerwehren
von Ach und Hochburg u. Veteranenverein
Hochburg - Ach, sowie Feuerwehrkapelle
Ach. Nach Dankesworten des Landeshauptmannes
fahren die Autos weiter über Überackern -
Ranshofen nach Braunau am Inn.

Die Führung der Autolinie durch die Gemeinde
Hochburg - Ach zeigt wieder, wie wenig Interesse
für das Pfarrdorf Hochburg im Gemeindeaus-
schusse vorhanden ist. Traurig aber wahr! -

1. Mai. Besuch der Passionsvorstellung in St. Ra-
degund. 128 Schüler fahren auf 6 schön
geschmückten Wagen unter Aufsicht der
Lehrpersonen, des Vorsitzenden des O. Sch. R.
u. des Ortsschulinspektors nach St. Radegund.
Wagen stellen zur Verfügung: Johann

Spitzwieser, Gastwirt in Hochburg, Anna Rothen-
buchner, Kallerin in Sengstatt, Pauline Spitz-
wieser Scherkhuberin in Mitterndorf, Josef
Aschenbrenner, Huber in Kälbermoos, Thomas
Asen, Steinerbauer in Grund, Ferdinand Wanghofer,
Harner in Endt. Ohne Unfall und hochbeglückt
treffen die Kinder in ihren Vaterhäusern ein, wo
die Erlebnisse lebhaft besprochen werden.

24. Mai bis 1. Juni. Kinderrettungswoche in Oberösterreich.
Die Schüler der 2. Klasse sammeln von Haus zu
Haus 134 S 50 g und senden den Betrag an das
o. ö. Landes-Jugendamt in Linz.

16. Juni. Bezirksschulinspektor Franz Hollweger
inspiziert die hiesige Schule.

4. Juli. Schluß des Schuljahres 1924/25 mit
Dankgottesdienst. Dauer der Hauptferien
vom 5. Juli bis 13. September.

15. August. Mit Erlaß des Bezirksschulrates
Braunau am Inn vom 5. August 1925,
Zl. 159 / Sch - 28, wird der Schuldirektor
Josef Pointner vom Schuldienste in Hochburg
enthoben und angewiesen, den neuen
Schuldienst in Linz, Knabenvolksschule 8
Dürrnbergerstraße, mit 16. August
1925 anzutreten.

Die Chronik wird ab
15. August 1925 vom provisorischem
Schulleiter Herald Richter fortgeführt.

15. September.

An unserer Schule wirkt nun wieder Fräulein
Hermine Zemtsch aus Linz a/D als prov. Lehrerin.
Mit Rücksicht auf die drückenden Wohnungs-
schwierigkeiten des verheirateten Schulleiters,
der von seiner Frau u. seinem Kinde in Mün-
chen wegen der Unmöglichkeit, für sich u. sei-
ne Familie im Orte eine Wohnung zu erlan-
gen schon fast 1 Jahr lange meistens getrennt sein muß,
nimmt Frl. Hermine Zemtsch nicht im Schulhause
das für sie vom Ortsschulrate u. dem früherem
Schuldirektor bestimmte Zimmer an, sondern
nimmt in entgegenkommender Weise
wieder bei Ihrer früheren Wirtin, Frau
Göpperl in Mitterndorf Wohnung, wofür
ihr der Schulleiter H. Richter den herzlichsten
Dank ausspricht und ins Schulhaus mit seiner Frau Wilma ein-
zieht, weil der Ortsschulrat auf die Anfrage
des Schulleiters auch nichts dagegen einwendet
u. der Schulleiter auch gesetzlichen Anspruch auf
eine gebührende Wohnung hat.

23. Dezember
Im Schulhause findet eine Weihnachtsfeier
statt. Die Herrschaft Durchlaucht u. Erlaucht u.
Gräfin Pauline zu Castell Castell, das Gastwirts-
ehepaarJohann u. Maria Spitzwieser, Eltern der
Kinder u. Gäste aus Hochburg u. Umgebung
und unser hochw. Herr Pfarrer Alois Asamer

nehmen an dieser Schulfeier ehrend teil, welche einen
schönen Verlauf hat.
Frl. Hermine Zemsch besorgt in liebenswürdiger
Weise die Begleitung der Lieder auf dem Har-
monium.
Nach einer Ansprache des Schuleiters H. Richter
werden Lieder gesungen, Gedichte aufgesagt u.
die Kinder mit den vorhandenen Bäckereien
u. Zuckerwaren beschenkt.
Die Feier findet von Seiten der Teilnehmer
Anerkennung u. Würdigung, wofür der
Schulleiter seinen herzlichen Dank ausspricht.
Der Christbaum stand auf einem altem
Schultische, welcher im Dachboden der Schule auf-
gefunden wurde, wahrscheinlich ist es je-
ner Schultisch bei dem einst der Schulmeister
Josef Peterlechner unterrichtete, vor dem also
einst als Knabe der Komponist des unver-
geßlich schönen Lieder "Stille Nacht, hl. Nacht" un-
terrichtet wurde u. auf dem vielleicht einst-
mals unser Franz Gruber schon einen Christbaum
sehen konnte. - Ich glaube, dieser Tisch wür-
de es verdienen, in einem Museum auf-
bewahrt zu werden!

24. Dezember -------- Es beginnen die Weihnachts-
ferien ----- Schulleiter Richter sieht sich gezwungen
einen (voraussichtlich kurzen) Krankenurlaub zu
nehmen, den er benützen will, seine Ange-
legenheiten zu ordnen -------- Er stellt hier fest,
daß sich der Ortsschulrat in seine privatesten
Angelegenheiten einmengte, die ihm abso-
lut nichts angehen (Zivilehe nennt der O. Sch. R.
--- !!Konkubinat!! ) ----Hauptsächlich der Ortsschulrats-
obmann J. Harner, Bauer in Hochburg.

                            Fortsetzung durch den prov. Schulleiter
                                                                  Hugo Scheichl.

Wegen eines Nervenleidens mußte Herr Richter
am 10. I. 1926 einen Urlaub antreten und Lehrer
Hugo Scheichl vertritt nun seine Stelle.

Neuwahl im Ortsschulrat: In der Sitzung vom
21. II. 1926 wurde aus der Mehrheitspartei (christ. soz.)
der neue Schulobmann Ignaz Frank und zu
dessen Stellvertreter Johann Wanghofer ge-
wählt. Es sei hier an dieser Stelle dem Exob-
mann Josef Harner gedankt für all sein
Intersse u. Tüchtigkeit und Entgegenkommen,
das er stets der Schule entgegenbrachte. Ungern
sehe ich diesen tüchtigen Schulmanne von seiner
bis jetzt innegehabten Stellung scheiden und ich
hoffe, daß Herr Obmann Frank sich seiner Würde
wie auch seiner Pflichten vollauf bewußt ist
und so dem gedeihlichen geistigen Fortschritte
in der Jugendbildung seine Mithilfe ange-
deihen läßt.

       -------------------

                   Im Laufe dieser vergangnenen
Monate hatte sich in und außerhalb der Schule
wenig ereignet. Nur die Besetzung der hiesigen
Oberlehrerstelle hielt die Gemüter in Spannung.
Der Einlauf des Reihungs- u. Vorschlagsverzeichnisses
gibt wieder Stoff zum Gespräch beim Bierkruge.
9 Bewerber fanden sich für Hochburg zur großen
Überraschung. Die Reihung vom Bezirksschulrate
Braunau war wie folgend: Frixeder, Lehrer in Ach,
Jägerwaldau, Schulleiter in Linden (Bezirk Perg),
Maier Engelbert, pr. Schulleiter in Franking,
Zweimüller u. Müller. In der gestrigen
Sitzung des Ortschulrates (7. IV. 1926) wurde
die Reihung umgekehrt. An erster Stelle
Maier Engelbert, Jägerwaldau und Frixeder.
usw. Die übrigen wurden in der ursprüng-

lichen Reihung belassen. Stimmenverhältnis:
( 4 : 3 : 1 )  Nun wissen es die Götter,
wie der Würfel fallen wird. -------------

                                                      16. Mai 1926

            In der oö. L. Sch. Sitzung vom 10. Mai 26
ist Herr Jäger - Waldau Karl, Schulleiter in Linden
zum Oberlehrer in Hochburg ernannt worden.

27. April 1926.
Die Schüler der I. u. II. Klasse besuchten in
Burghausen eine Filmvorführung "Die Biene Maja
und ihre Abenteuer". Ein sehr interessanter
lehrreicher Film, der die Liebe zur Natur wieder
anbahnen und verhelfen soll, in die wunderbaren
Geheimnisse der Natur einzudringen und zu ver-
stehen.

12. Mai 1926
Besuch des Burgmuseums in Burghausen (4. u. 5. Schj)

21. Juni 26.    Schulausflug der II. Klasse mittels Auto
nach Salzburg. Dieser Ausflug war ein sehr freudiges
und zugleich auch ein lehrreiches Erreignis für die
Kinder. Der Wettergott war uns huldvoll; Hell-
brunn (Park, Wasserkünste), Dom, Festung, das ganze
pulsierende Leben einer Großstadt machten auf die
Kinder großen Eindruck. Gar zu rasch vergingen
diese genußreichen Stunden. ---------------

 

Mit 19. Juli 1926 trat der neuernannte
Oberlehrer Karl Jägr- Waldau seinen Dienst in Hochburg
an. Schulbeginn am 17. September 1926. Herr Herald
Richter def. Lehrer in Hochburg kommt über sein Ansuchen
in prov. Eigenschaft nach Hackenbuch. Seine Stelle
vertritt prov. Lehrerin Frl. Herma Zemsch!

Schülerstand 141.



30. 11. 1926. Enthebung der prov. Lehrerin Herma
Zemsch, da für ihren def. Dienstposten in Prambach-
kirchen. An ihre Stelle kommt Frl. Hedwig Reindl
Lehramtsanwärterin; Matura 1920! Erster Posten
Hochburg!

2.12.1926 Wiederöffnung der ländl. Fortbildungs-
schule. Unterrichtszeit - Dienstag u. Donnerstag ½8ʰ - ½10
ʰ abends. Zu diesem Zwecke entschloß sich der O. Sch. R.
das elektrische Licht in der 2. Klasse einzuleiten lassen.
Die Frequenz des Kurses war ein sehr guter. Es meldeten
sich 80 Jünglinge, so daß schier das Klassenzimmer zu klein
wurde. Kursdauer von  1.12. -  1.4.
Der Winter 1926/27 ist ein milder, fast schneeloser!
Daher war auch der Schulbesuch ein guter.
Bereits am Dienstag dem 8. II. traf von Linz die Kunde
ein, daß unser Landeshauptmann Hauser gestorben sei.
Tiefe Trauer u. Bestürzung löste diese Nachricht aus.
Am 12. II. war die Schule wegen des Landestrauertages
geschlossen. Die Zeugnisse wurden bereits am 11. II.er-
teilt, da der 14. u. 15. II. als Semesterferien frei waren
mit 16. II. begann das II. Semester 1926/27.


Am 20. II. 1927 tagte im Spitzwieser Gasthause
eine Elternversammlung. Die Anregung gab

der O. Sch. R. der Beschluß fassen sollte, daß auch künf-
tig in Hochburg die 7-jährige Alltagsschule einge-
führt werde. Um die Stimmung der Eltern ken-
nen zu lernen rief der Oberlehrer Jäger eine
solche ein. Dieselbe war von den Eltern besucht
und es nahmen noch teil: Geistl. R. Pfarrer Asamer.
Bürgerm. Sinzinger, der Lehrkörper u. der O. Sch. R.

Tagesord. 1.) Begrüßung der Eltern.
                        2.) Soll in Hochburg die 7. Alltagsschule eingef.
                                   werden? Ref. O. O. Jäger.)
                        3.) Wechselrede
                        4.) Beschluß, den O. Sch. R. ersuchen, die
                                   7-jähr. Alltagsschule einzuführen
                        5.) Abstimmung.
                        6.) Allfälliges - Schluß.

Zum größten Erstaunen ging der Antrag die 7-jähr.
Alltagsschule einzuführen einstimmig durch.

 

Dr. Hermann Ubel schreibt im Jahrbuch der Innviertler
Künstler Gilde "Künstlerische Kriegerdenkmäler u. Kirchen-
bauten d. Architekten Puchner."

---- Das gemütliche Motiv des abgesetzten Schindel-
daches zeigt auch das aus dem nächsten Jahr stammende
Kriegerdenkmal in Hochburg, (1920) das am Langhaus
der Kirche, einer Perle der Gotik, zwischen zwei
Strebepfeilern angebracht ist. Hier wird das Epitaph
durch die polychrome Holzfigur eines Kruzifixus
im Strahlenkranze beherrscht, zu dessen beiden Seiten
die Marmorplatten mit den Namen der gefallenen
Krieger angebracht sind. In der Form des Ganzen
lehnt sich Puchner auch hier an den Typus der barocken
Feldkapelle an, die unserer bajuwarischen Landschaft
eigentümlich ist. Das geschweifte Dach mit den abgerundeten
Ecken wird von einem mit dem Lorbeerkranz umgebenen
gleichschenkeligen Kreuz aus Eisen gekrönt, zu dem Puchner
die Form unseres ehemaligen Militärverdienstkreuzes ver-
wendet hat, wie auch sonst in seinen Kriegerdenkmälern
auf österreichischem Gebiet, während er in jenen
auf reichsdeutschen Boden entstandenen Denkmälern
die Form des eiseren Kreuzes wählte. Auch das

Material, das Pucher hier wie sonst anwendet,
ist das heimische des Tuffs, der an der Salzach
häufig vorkommt. Dr. H. Ubel ist der bedeutenste
Kunstkritiker Oberösterreich, deshalb sei sein Aus-
spruch in der Chronik festgehalten über Hochburgs
Kriegerdenkmal.

 

Am 10. Mai inspizierte Herr Bezirksschulinspektor
die hiesige Schule.
Mit 9. Juli 1927 schloß das Schuljahr 1926/27.
In diesem verflossenen Schuljahre erteilten Unter-
richt: Karl Jägr - Waldau - Frl. Zemsch, Frl. Reindl
Frl. Ahrer u. Pfarrer Asamer.
Die erledigte Lehrerinstelle erhielt Frl. Maria Gerhart.
Dieselbe trat ihren Dienst mit 10. September 1927
an.

                   Schülerstand. 136

 

 

Heuer fand die Kriegergedenkfeier infolge eines Leichen-
begängnis erst am 25. Nov. statt. Daran beteiligten sich die
Schuljugend, Feuerw., Veteranenverein samt Musik und viele
Angehörige der Pfarre. Außerdem nahm noch teil, der Gemeinde-
rat, Ortsschulrat und die Beamten der gräfl. Forstverwaltung.

Nach einem Requiem in der Pfarrkirche nahmen die vor-
genannten Aufstellung vor dem Kriegerdenkmale. Nach
dem Libera sang der Kirchenchor ein erhebendes Heldenlied
(Grablied) darauf hielt der Oberlehrer Karl Jäger eine
Ansprache, die Vereine ehrten die Toten durch die mili-
tärische Ehrenbezeichnung mit Böllersalven. Darauf
löste sich die Feier auf. Einfach, ohne Pomp, aber feier-
lich und erhebend.

Am 18. Dezember 1927 und am 1. Jänner 1928 spielten
die Kinder Theater, das beides Mal einen recht guten
Besuch aufwies, trotz der Ungunst der Winterung,
den am 18. 12. war es sehr kalt und ein scharfer Wind
wehte. Der Reinertrag beider Vorstellungen 165,50
S wurde zum Ankaufe von Bibliotheksbücher ver-
wendet. Der Winter vor Weihnachten war ohne
Schnee und nur einige Tage herrschte strenge Kälte
und für einige Tage auch ging der Schlitten. Nach
Weihnachten nur fast frühlingshafte Witterung.

 

Am 15. Feber 1928 beteiligten sich
die Schulkinder unter Führung
des Lehrkörpers am Leichenbegäng-
nis des Herrn Max Glöcklhofer
der durch viele Jahre Obmann
des O. Sch. R. Hochburg war. Der
gute Staller er ruhe in Frieden!

 

In diesen Tagen war ein sehr
schlechtes Wetter, es regnete
mehrere Tage ununterbrochen
deshalb floß allenthalben, wo
sonst es trocken war, Ströme
daher. Die Kinder konnten vielfach nicht zur
Schule kommen. Der Unterricht in beiden Klassen
litt unter diesem Naturereignisse. Der Winter
1927/28 muß als ein milder bezeichnet werden.
Frost herrschte nur um Weihnachten, aber an
mehreren Tagen erreichte das Thermometer so-
gar - 20 °C. Doch der erwünschte Schnee blieb

So wenig Schnee gab es schon lange nicht mehr!
am 8. März 1928 gaben die Schüler der Schule
Hochburg unter Führung des Lehrkörpers einem
Schüler des verk. Unterrichtes, des 8. Schul-
jahr das letzte Geleite. Richard Spitz-
wieser, der einzige Sohn der Witwe Spitz-
wieser, am Schirkhubergute in Mitterndorf
starb schnell und plötzlich am Wundstar-
krampf. Er hatte sich mit der Gabel in den
Finger gestochen und als die kleine, un-
scheinbare Wunde verheilt war, bekam
er Schmerzen am Kreuze. Trotz der so-
forligten ärztlichen Hilfe, konnte der Ri-
chard nicht gerettet werden. Der unerbitt-
liche Sensenmann, der auch seinem Vater
im schönsten Mannesalter weggeholt hatte
kannte kein Erbarmen! Tiefer Schmerz
bemächtigte sich der schwergeprüften Mut-
ter. Unter großer u. ehrender Beteiligung
wurde der Richard, der ein braver,
fleißiger und sittsamer Schüler war, an die
Seite seines Vaters gebettet. Die Kinder
und auch ich, sein Lehrer wollen ihm ein
gutes Andenken bewahren. Er ruhe in
Frieden!

Durch die Wiedereinführung der 7jähr.
Alltagsschule traten mit 1. 7. 1928 die
meisten Schüler des 7. Schuljahres vorzeitig
mit Bewilligung des Bez. Sch. R. in den
verk. Unterricht über.

Am 3. Juni 1928 wurde in Hochburg zum ersten Male
der Muttertag in festlicher Weise begangen. Veran-
staltet wurde derselbe durch die Schule in Spitz-
wiesers statt. Zur Feier hatten sich recht zahl-
reich die Etern der Kinder eingefunden.
Auch die grefliche Familie war erschienen.
Die Feier umfaßte folgende Punkte:
1. Ansprache durch den Oberlehrer.
2. Sprechchor, Mutterauge 2. Klasse.
3. I. + II. Klasse Lied O hast du noch ein Mütterchen
4. 3 Schüler der I. Klasse: Du Mutter.
5. Ein Schüler der 2. Klasse; Mein Müaderl - Im Dialekt!
6. EineSchülerin der 1. Kl. Muttersorgen
7. I. + II. Kl. Spinnlied
8. Rübezahl, odr die belohnte Mutterliebe ein
Festspiel in 3 Akten.

Gespielt wurde recht flott und die ganze
Aufführung hat einen recht guten Eindruck
hervorgerufen.

Am 4. Juni 1928 fand in Braunau unter
dem Vorsitze des Bezirksschulinspektors
H. Fr. Hollweger statt. Die überaus reiche
Tagesordnung wurde in flottem Tempo
ohne jegliche Störung erledigt.
Heuer wurden durch die Schulkinder schon
2 Sammlungen durchgeführt. Eine für
den deutschen Schulverein ergab 77 S 66 g
und die für die Tuberkulosevorsorge
ergab 89 S 06 g. Den Schülern, die in den
einzelnen Ortschaften so fleißig sammelten
gebührt Dank.

Am 13. Juni 1928 Schulausflug und Be-
sichtigung der Molkerei u. Gerberei in
Eggelsberg. Der Ausflug war von besten
Wetter begünstigt. Daran nahmen
die 2. Klasse und 1. Klasse 2. u. 3. Schuljahr teil.


Der Abmarsch erfolgte um 6 ½ʰ früh und nach
3stündigem herrlichen Marsche durch den
Weilhart kamen wir in Eggelsberg
an. Ein wundervoller Anblick bot
Original-Leseprobe

sich dem Auge, denn die schneebedeckten
Berge in der Ferne erfreuten das
Bild. Doch schlich Wehmut ins Herz, als
wir die zerstörten Kornfelder oder
wieder umgeackerten Felder sahen
statt von blühendem Roggen, der
anfangs Mai durch einen Hagelschlag
zerstört wurde. In liebenswürdiger
und recht verständlicher Weise
zeigte und erklärte H. Pfarrer Brauner
die Seele der Molkerei den Betrieb.
Zum Schlusse ließ er den Kindern
eine Butterschnitte bestreichen als
Kostprobe. Nach Besichtigung der Sehens-
würdigkeiten des Orts, Kirche, Denk-
males hielten wir zu Stögers Gast-
hause Mittagsrast. Daran schloß sich die
Besichtigung der Gerberei. Viel Schönes, Neues
hatte die Kinder gesehen, viele Anregungen
erhalten. Einblick in den Betrieb einer
Molkerei u. Gerberei erhalten und
so zum Nutzen u. Frommen für sich
kehrten alle wohlbehalten wieder nach
Hochburg zurück.

 

Am 22. 6. 1928 inspizierte Herr Bez. Sch. Insp.
Fr. Hollweger beiden Klassen.
Vom 28. 6. bis 31. 8. 1928 dauern die Hauptferien.

 

Dazu kommen noch 20 Kinder, die die Schule
Ach bzw. Burghausen besuchen.

Das neue Schuljahr begann mit 1. Sept. 1928
Während der Ferien wurde das Schulhaus
außen geweißelt, neue Fenster eingesetzt,
sodaß das verwahrloste Aussehen etwas
gemildert wurde. Nächstes Jahr soll der ruinen-
ähnliche Zaun durch einen neuen ersetzt
werden! Zeit wäre es schon!

Als eine Seltenheit muß es bezeichnet
werden, daß der Rosenstock jetzt im
Oktober auch wieder blüht! Und zwar
im Schulgarten!

Am 2. November 1928 brannte das Dach -
des Stallgebäudes des Reiserer Gutes ab.
Das Haus und die Scheune konnten gerettet werden.
Das Feuer kam um 3¼ nach zum Ausbruche.
Anbei kam zum ersten Male die Motor-
spritze der Feuerwehr Hochburg in Tätigkeit.

Am 12. Nov. war der Staatsfeiertag und
als solcher unterrichtsfrei. Die Feier wurde
am letzten vorausgehenden Schultage veran-
staltet, anläßlich des 10-jährigen Bestand der
Republik.

Am 15. Nov. nahm auch die Schuljugend
am Kriegergedächtnistag teil. Die Feier
war sehr erhebend.

Am 19. Nov. war aus Anlaß des 100-jährigen
Trauertage des Liederfürsten Franz Schubert
unterrichtsfrei. Die auf diesen Tag
bezugnehmende Feier war schon am Sams-
tag. In beiden Klassen wurde der
der Altersstufe entsprechenden Form, der
Lebenslauf, die Werke des Franz Schubert
bekannt gemacht. Außerdem gelangten auch
einige Schulbertlieder durch die Kinder
zum Vortrage.

Der Winter 1928/29 war ein strenger
Gesell! Seit langem war es in der hiesigen
Gegend nicht mehr so kalt als heuer! Außer-
dem dauerte die Kälte verhältnismäßig lange
an. Feber, der sonst warm und schneefrei
war, dieser zeichnete sich heuer be-
sonders durch seine große Kälte aus. Das
Quecksilber zeigte öfter unter – 20°Celsius.
Über Wunsch der Bevölkerung wurde über 7
Tage die Schule geschlossen gehalten,da ja die meisten
Kinder weit zur Schule haben und der Wind
auch die Wege ungangbar gemacht hatte.
Aber auch der März blieb kalt und ohne Nieder-
schlag, so daß die Sonne allein den vielen
Schnee des Winters langsam zu Wasser
machen musste.

23. März wurde der Tag der Bücher in
beiden Klassen gefeiert. Die Kinder wurden
auf die Bedeutung dieses Tages aufmerk-
sam gemacht.

1. April traten über Ansuchen 13 Kinder
des 7. Schuljahres vorzeitig in den ver. Unterr.

Am 24. Juni inspizierte H. Bezirksschulinspektor
Franz Hollweger beide Klassen.

Das Schuljahr wurde mit 28. 6. geschlossen.
Am letzten Schultage besuchten die Kinder die
Bezirksstadt Braunau. Müller Kern mit seinem
Auto brachte die Kinder dorthin. In Braunau
hatte in liebenswürdiger Weise H. Bezirkschulinsp.
Hollweger die Führung übernommen. Besichtigt
wurden die Stadt, die schönen Baudenkmäler,
das Palmdenkmal, das Heimathaus. Recht
viel und noch dazu von der Heimat hatten die
Kinder gesehen. Nachmittag ging es über Gunderts-
hausen wo auch noch die Brauerei Schnaitl, die
vollständig modern eingerichtet ist besichtigt.
Freudig erregt durch die vielen neuen Ein-
drücke kamen die Kinder abends wohlbe-
halten wieder nach Hause.

Die Ferien dauerten von 29. 6. bis 31. 8. 1929.
Mit 2. Sept. wurden die Schulanfänger der Schule
zugeführt.

                   Schülerstand  1. 9. 29.

 

Mithin besuchen beide Klassen 137
Schüler. Die 2. Klasse hat Ganztag, die I. Kl.
Halbtagunterricht bei 7-jähriger Alltags-
schulpflicht.

Am 18. Oktober
1929 über-
raschte Hoch-
burg die
Kunde, daß
unser Herr
Rat gestorben
sei. Ja, un-
erwartet,
trotzdem man
wußte, daß
der Herr Rat
schlecht bei-
sammen
sei, kam
die Kunde
von seinem
Sterben doch
überraschend,
da man glaubte
seine Krank-
heit werde
sich bessern
Doch Gottes
Ratschluß
hatte es anders bestimmt. Am Montag wurde er unter
äußerst zahlreicher Beteilung der Bevölkerung und
seiner geistlichen Brüder zu Grabe getragen. Den Leichen-
zug eröffneten die Schulkinder, dann kamen die
Jungmänner u. Mädchen, die Vereine mit Musik

Feuerwehr u. Veteranen, die Mitgl.
des Armenrates, des Ortsschulrates
die Beamten der Forstverwaltung
unmittelbar vor dem Sarge der
Klerus - 28 an der Zahl Bürger-     
meister Frank u. Vizeb. Sützl
mit einem Kranz, dann die Leiche
die von beiden Seiten vom Aus-
schuß flankiert wurde. Nach
dem Sarge die Anverwandten und
viel Volk. Auch Graf Castell
ging mit dem Leichenbegängnisse mit. Ein
endloser Zug, alle wollten ihrem toten Pfarrer
zur letzte Ruhe begleiten. Pfarrer Brunner von
Eggelsberg hielt den Trauergottesdienst und
am offenem Grab eine zu Herzen gehende
Ansprache, worin  er die Verdienste des Ver-
storbenen für Hochburg hervorhob. 19 Jahre
wirkte er hier als Pfarrer. Vieles ver-
dankte ihm der Ort, die Pfarre, besonders die
Kirche. Viele aber verkannten sein Wirken.
Nun ruhe der gute Rat in Frieden und bewahren
wir ihm ein gute Nachrede!

Als Pfarrprovisior kam Kop. Gottfr. Stöckl
von Ranshofen. 18. Okt. 29. - 3. März 30

Am 3. März zog H. Pf. Lindinger von Moos-
dorf als Pfarrer in Hochburg ein. Zum Empfange
hatten sich am Ortseingange die Schulkinder,
mit ihren Lehrpersonen, Dechant Hager v. Ostermieth.
mit den Nachbarspfarrer von Gilgenb. u. Überackern
eingefunden, die Vereine mit Musik, der
Gemeinderat, der Armenrat, der Ortsschulrat,
die Beamten der Forstverwaltung, Gend.
und Zollamtes von Ach und in großer

Zahl die Angehörigen der Pfarre! Das Auto von
Herrn Sützl, brachte den H. Pfarrer von Braunau
Untr Böllersalven, Glockengeläute und einem
Tusch der Musikkappelle entstieg unser neuer Herr
Pfarrer dem Auto. Für die Pfarrgemeinde
begrüßte ihn H. Prov. Stöckl. Drei Schul-
kinder begrüßten den neuen Hirten und Kate-
cheten mit einem Gedicht und überreichten
ihm Blumen. Nach Vorstellung der Orts-
größen zog der H. Pf. durch den geschmückten
Ort in die festlich geschmückte Kirche.
Nach der Einführungspredigt des Herrn
Dechant, betrat zum ersten Male Pf. Lin-
dinger die Kanzel und begrüßte die Pfarr-
gemeinde und bedankte sich für den schönen
Empfang. Die nachkirchliche Feier fand in
Spitzwiesers Gasthause statt, wozu H. Pf.
die Spitze der Behörden zum Male geladen
hatte. Es wurden die üblichen Reden ge-
halten von Dechant, Bürgermeister, Oberlehrer.
Der Pf. dankte und mit dem Wunsche es
möge ein recht gutes Zusammenwirken zum
Wohle der Gemeinde u. Schule sich gestalten
schließe ich meinen Bericht.

Der heurige Winter, der zwar als strenger
Herr prophezeit war, ist milde verlau-
fen. Doch brachte er eine Maserner-
krankung mit. Zirka 50% der Schul-
kindern erkrankten, bis endlich der
Schnee, der Ausbreitung der Krankheit ein

Ende machte.

Frau Lehrerin Marie Gerhart wurde infolge Er-
krankung (Lunge) zwecks Ausheilung in
einer Heilstätte. Der Bez. Sch. R. schickte aus
Aushilfslehrerin die Lehramtsanwärterin Frl.
Johanna Aigner von Friedburg. Am 23. März
trat sie in Hochburg ihren Dienst an.

5. Juli 1930 schloß diesmal das Schuljahr. Die
Ferien dauern bis einschl. 15. Sept.

Am letzten Schultage am 5. Juli starb der Schüler
Johann Wimmer im 11. Lebensjahre. Eine
Wunde die nicht gleich beachtet wurde war
die Ursache: Starrkrampf! Die Mitschüler erwiesen
ihm die letzte Ehre und so sind gleich 2 Schüler
der Klasse in diesem Schuljahre abberufen worden.
Elisabeth Bernegger starb nähmlich auch an Wund-
starrkrampf in der Hl. Nacht 1929. Beide ruhen
nun in Frieden!

Im Schuljahr 1929/30 unterrichteten in der 1. Kl.
Frau M. Gerhard, ab 23. 3. bis zum Schluße
Fl. Joh. Aigner, Lehramtsanwärterin aus Friedburg.
2. Klasse Oberl Jäger Waldau - Handarb. Frl. Ahrer. Katechet
Geistl R. Asamer, Provisor Stöckl u Pf. Lindinger.

 

1930/31

15. Sept. 1930 begann das neue Schuljahr mit
dem hl. Geistamte  Anfänger meldeten sich
26. und zwar 16 Knaben und 10 Mädchen.

                        Schülerstand:

1. Kl. Unterabt.          1. Schulst.                  11Kn               11 Md.            22 Z
            Obergruppe.  2.         "                      12                   9                    21
                                   3.         "                      11                   17                   28___
                                                                                                                      71

2. Kl. Untergr. 4. Sch.                       12Kn              10 Md             22 Z
                          5. "                            12                   14                   26
            Obergr. 6. "                             5                     5                   10
                "        7. "                              1                     4                     5
            verk. U. 8. "                             5                     6                   11__
                                                                                                       174        2 Kl   - 145 S.

Außerdem besuchen noch 17 Schüler
des Schulsprengel die Schule in Burghausen
2 in Ach und 1 wird privat unterrichtet
Gesamtstand des Schulsprengel beträgt
somit 165 Schulpflichtige.

 

Da die Lehrerin Frau Maria Gerhart einen weitern
Urlaub bis Weihnachten erhielt, so wurde vom
Bez. Sch. Rate Frl. Fanny Aigner als prov. Lehrerin
bestellt.

8.X. inspizierte H. Reg. Rat Bezirksschul-
inspektor beiden Klassen.

15. X. An Stelle der prov. Lehrer Aigner
kam die prov. Lehrerin Berta Schasching.

Im Nov. u. Dezember wurden die ge-
samten Kinder durch den Schularzt Dr. Med.
Rat Leiter untersucht.

Die Ergebnis der Ernährungszustande waren
gerade zu erschreckend!

Dem vereinigten Bemühen der Schule
und Arzt könnten endlich die Hindernisse
aus dem Wege geschafft werden, die

der Gründung der Suppenanstalt entgehen stan-
den. Dr. Leiter u. Graf Castell spendeten
zu diesem Zwecke je 100 S. Dadurch war es
möglich die Suppen für arme Kinder ganz und für
bedürftige Kinder zum ½ Preise abzugeben.

Die Ausspeisung fand in Spitzwiesers Gast-
hause statt in der Zeit von 12. Jänner bis 21
März wurden 1034 Port. davon 184 halb und
200 Port. ganz unentgeltlich verabreicht. Die
Aufsicht führte der Oberlehrer Jäger. Allen die
zu diesem guten Werke beigetragen haben
sei Dank gesagt.

Der heurige Winter brachte Mumps, so
daß zeitweise bis zu 50% der Kinder
fehlten. Doch verlief er ohne weitere u.
ernste Folgen.

Am 17. Mai beteiligten sich beide Klassen
am Leichenbegängnisse der Fr. Forstrat Sauer
geb. Andres, die in den Jahren 1888 bis 1891 als
Unterlehrerin hier wirkte. Sie ruhe in Frie-
den!

15. Juni unternahm die 2. Klasse einen
Ausflug mit dem Auto des H. Esterbauer nach Salzburg,
wo die Sehenswürdigkeiten (Dom, Altstadt, Festung
Vogelhaus besichtigt wurden. Nachmittags ging es
nach Hellbrunn, wo die herrlichen Wasserkünste
und der Tiergarten besucht wurden. Schönes Wetter
hatten wir auch so daß, der Ausflug ob des Gesehenen
lange in Erinnerung bleiben wird.

Heuer schloß das Schuljahr mit 10. Juli. Ein
Ansuchen um früheren Schluß wurde von B.Sch.
R. abgewiesen.

Es unterrichteten in der I. Klasse Frl. Berta
Schasching Katechet Pf. Lindinger und
Arl. Frl. Schreckeneder. 15. Sept. bis 10. Okt.
Frl. Aigner. In der 2. Klasse Oberlehrer Karl
Jäger, Pf. Lindinger. Frl. Schreckeneder als
Handarbeitslehrerin.

Da Frl. Berta Schasching als def. Lehrerin
nach Vichtenstein ernannt wurde, so
wurde dieselbe mit 10. 7. enthoben. Für
Ihre Dienstleistung sei ihr Dank gesagt
und Glück für ferners Wirken zugeru-
fen. Das Schuljahr schloß mit einem
Dankamte.

Mit 16. September wurde das
neue Schuljahr eröffnet. Da die def.
Lehrerin Marie Gerhart noch weiter
aus Gesundheitsrücksichten ihren Po-
sten in Hochburg nicht antritt, so kam
als prov. Lehrerin Frl. N. Zöchbauer.

Schülerstand am 16. Sept. 1931

 

 

Gesamtschülerzahl, die die Volksschule

besuchen beträgt 147.

Außerdem besuchen noch aus dem
Schulsprengel die Schule in Ach 2
Burghausen 19 und 2 Kinder mußten
infolge ihres schwachen Körpers auf ein
Jahr zurück gestellt werden.

 

Herr Reg. Rat Bezirksschulinspektor Franz Hollweger
inspizierte am 14. Oktober beide Klassen.

Infolge Versetzung der Lehrerin Fr. Maria Gerhart in
den Steyrerbezirk kam aus dem Steyrerbez. ein prov.
Lehrer und zwar Rudolf Damhofer und Fr. Zöch-
bauer mußte mit 31. 12. 1931 enthoben werden.

Bezüglich der Schulerweiterung wurde in
eine gemeinsamen Sitzung des O. Sch. R. und
Gemeindeausschußes beschlossen, ein Wohnhaus zu
bauen und die neue Klasse in der Wohnung
zu ebener Erde unterzubringen. Der Winter
im Dezember und Jänner war mild. Jetzt erst
im Feber kommt größere Kälte aber sehr wenig
Schnee!

Die Suppenanstalt übernahm diesmal
Frau Oberlehrer Jäger, da die Frau Wirtin nicht zu
haben war.

Mit 31. Dez. 1931 wurde Frl. Zöchbauer,
die Schulanfang an unserer Schule wirkte ent-
hoben, da aus dem Steyrer Bezirke ein prov.
Lehrer kam da unsere Lehrerin Fr. M. Gerhart
dort in Verwendung genommen wurde.

Da der neue Lehrer Rudolf Damhofer er-

klärte, noch nie die erste Klasse unterrichtet
zu haben übernahm Oberlehrer die 1. Kl. u.
Damhofer die 2. Klasse.

Durch Gewährung eines Studienur-
laubes wurde wieder ein Wechsel not-
wendig. Es kam der Lehramtsanwärter
Rudolf Tinsobin als prov. Lehrer nach
Hochburg.

Mit 19. März wurde die Suppenan-
stalt geschlossen. Es wurden 1360 Port.
Suppen verabreicht. Davon 569 unentgeltlich und
290 um den halben Preis. Zur Deckung der
Kosten trugen bei die Gemeinde, Dr. Leiter und
Graf Castell. Die beteiligten Faktoren, die zur
guten Sache begetragen haben, gebührt
Dank!

Mit 1. Mai kam als prov. Lehrer H. Gottfried
Probst aus Feldkirchen, der auch den
Organistendienst übernahm, da die bisher-
ige Organistin heiratete. Es ist zu hoffen,
daß der ewige Wechsel endlich wieder zur
Ruhe kommt.

Der 29. Mai war für Hochburg ein Schreckens-
tag. Abends nach 9 ʰ kam in der Scheune
des Wirtes Feuer aus. Im Nu stand der ganze
große (46 m lang, 17 m tief) hölzerne, zum Teil noch
mit Holz bedeckte Stadel in Flammen. In größte
Gefahr kamen, die Häuser: Spitzwieser Wirtshaus, Stall
Schule, Haider. Dank der schnellen Hilfe wurden
doch alle diese gefährdeten Häuser gerettet. Ge-
nauer Bericht liegt bei.

 


1932.

 

Am 15. September hat der
Chronikschreiber des Folgenden
die prov. Leitung der Schule
in Hochburg übernommen.
Mit Dekret des Bezirksschul-
rates Braunau v. 14.9. 32
wurde nämlich Herr Oberlehrer
Jäger v. Waldau über eignes
Ansuchen enthoben, da er zum
Lehrer an der Diesterwegschule
in Linz ernannt wurde.
An seiner Stelle wurde mit
Dekret d. B. Sch. R. Braunau der bisherige Lehrer Gottfried
Probst in prov. Eigenschaft mit der Leitung betraut.
Derselbe fühlt sich verpflichtet noch folgendes für die Schule
in Hochburg wichtige Geschehnis nachzutragen. In der
letzten Maiwoche d. l. J. wurden die Grundaushebungen

zum Schulhaus-Neubau begonnen. Ein großes Verdienst,
daß es doch endlich zum Schulhausbau kam, gebührt
unbestritten dem Herrn Bürgermeister Ignaz Frank,
Schwager in Sengstatt, dem gegenwärtigen Obmann
Leopold Esterbauer, Zenzschwandtner und dem Herrn Vize-
bürgermeister Albert Sützl. Diese Männer haben wirk-
lich ihren ganzen persönlichen Einfluß in die Waag-
schale geworfen, um die vielen Schwierigkeiten,
welche besonders von den Gemeindevertretern in
Ach erhoben wurden, zu überwinden. Der Schulhaus-
Neubau wurde dem Herrn Baumeister Johann Ofenma-
cher von Ach
im Akkord übertragen. Als Preis wurde
der Betrag von 30.000 S vereinbart. In Angriff ge-
nommen wurde nur ein Teil des ganzen Planes
und zwar 2 Klassen, 2 Zimmer für ledige Lehr-
personen und ein Lehrmittelzimmer. Der linke Flü-
gel soll zur Ausführung gelangen, wenn das alte
Schulgebäude verkauft wird.

Am 20. Juli feierte unser Hochw. Herr Pfarrer Josef
Lindinger
sein 25jähriges Priesterjubiläum. Er
zeigte sich als warmer Freund der Schule und sind
ihm die Kinder sehr zugetan. Die Schuljugend nahm
daher auch regen Anteil an der Feierlichkeit. Weiß-
gekleidete Mädchen begrüßten daher dem Jubilanten
vor dem Einzug zum Festgottesdienste und feierten
sein Wirken nach dem Verlassen des Gotteshauses
in sinnigen Gedichten. In der ersten Augustwoche
kam das Schulhaus unter Dach. Es hatte eine
äußerst günstige Bauzeit und wurde fast ohne Tropfen
Regen bis zum First gebaut. Am 28. August traf die
Nachricht ein, daß Herr Oberlehrer Jäger an die Diester-
weg Schule nach Linz als Lehrer ernannt sei.

Mit Beginn des Schuljahres

                   1932 ~ 33

wird in Hochburg wegen Überfüllung der 2ten Klasse, die
88 Schüler hätte, für welche kein Raum wäre, eine
Parallele errichtet. Für dieselbe wird mit Dekret d. B. Sch.
R. Braunau vom 12. Sept. 1932 Herr Lehrer Josef Führer aus
Feldkirchen ernannt. Als Lehrerin für die 1te Klasse wird
Frl. Gertraud Nickl~Pernstein aus Braunau bestellt.
Den Handarbeitsunterricht erteilt Frau Marianne Maier,
die sich im Mai dieses Jahres verehlichte.

Das Schuljahr begann mit einem Hl. Geistamte am Frei-
tag den 16. September. Die Kinder wurden nachher
in die Klassen geführt, wo sie mit der Schulord-
nung bekannt gemacht wurden. Nachmittag war
die Einschreibung für die Anfänger. Es wurden
22 Schüler neu aufgenommen. Da die Klassen-
räume im neuen Schulhause nicht zur Gänze
fertiggestellt waren und deshalb nicht bezogen
werden konnten, so wurde für Samstag den
17. September allgemeine Kinderbeichte festgesetzt.
Am Montag den 19. September konnte endlich
die 2te Klasse in das neue Schulhaus einziehen.
Ihr folgte am 25. September die 3te Klasse.

Der Schülerstand zu Beginn des neuen Schuljahres
ist folgender. 1. Klasse (1. Schj 23 + 2. Schj 18) 41 Schüler
2te Klasse (3. Schj. 20, 4. Schj. 25) 45 Schüler und 3te Klasse
(5. Schj. 27, 6. Schj. 13. /. Schj. 21) 61 Schüler. In den V.U.
8. Schj. kommen 11 Schüler. Das Schulhaus wird außen          Zusammen 158
nicht verputzt, damit es besser bis zum Frühjahr durch-
trocknen kann.

 

Am 14. Oktober inspizierte Herr Regierungsrat B. Sch. Insp.
Hollweger unsere Schule und drückte sich zufriedenstellend
über die Arbeiten der einzelnen Lehrpersonen aus. Besonders
gefiel ihm das neue Schuljhaus.

Mitte Oktober kam die Nachricht, daß Frl. Lehrerin Nickl
uns verlassen will. Es wäre wirklich schade um diese
so tüchtige Lehrkraft.

Die Lehrpersonen haben unter sich im Vereine mit dem
Herrn Pfarrer ein Streichquartett gegründet, zur Pflege
guter Musik u. zur eigenen Unterhaltung.

Mit Bedauern müsssen wir heute am 15. d. Monates
November feststellen, daß uns Frl. Gertraud Nickl-
Pernstein
also wirklich verläßt. Dieselbe kommt als
Lehrerin an die 1. Klasse der Mädchenschule nach Braunau.
An ihre Stelle kommt Frl. Hertha Kremling aus Linz
in prov. Eigenschaft an unsere Schule. Der Wechsel wurde
vom Ortsschulrat und den Eltern als die guten Schul-
verhältnisse schädigend empfunden.

16. November. Heldenehrung. Nach gewohnter Gepflo-
genheit wurde auch heuer wieder über Veranlassung
des Veteraner- u- Kriegervereines am Leopolditag
eine Gedenkfeier für die Gefallenen veranstaltet.
Die Schuljugend nahm mit den Lehrpersonen teil
und sang die Jugend die Bundeshymne mit Musik-
begleitung. Die Bevölkerung drückte sich darüber sehr
lobend aus.

Am 2. Dezember wurde ein bäuerlicher Fortbildungs-
kurs
mit 30 Teilnehmern errichtet. Die Leitung
übernahm H. Oberlehrer Gottfried Probst. Es unterrichten
noch Herr Lehrer Führer, Herr Tierarzt D. Danninger
Herr Forsting. Emmerich Ammer. Unterrichtet wird

jeden Dienstag und Freitag von 7 bis 10 Uhr in der
3. Klasse.

Der 8. Dezember brachte eine glänzend verlaufene Eltern-
versammlung
im Gasthause Spitzwieser. Es nahmen daran
über 100 Eltern teil. Herr Oberlehrer Probst sprach über das
Thema: Was erwartet die Schule von der Familie? Anfragen
und Zustimmung von Seite der Zuhörer bewiesen, daß
die Worte von Erfolg gekrönt würden.

Am Thomastag wurde Herr Oberlehrer Probst in die Berufs-
genossenschaft der Landwirte als Schriftführer gewählt und
hofft derselbe in dieser Stellung, seinen Einfluß zum
Wohle der Schule verwerten zu können.

In der Hl. Nacht führten die Kinder ein altes Spiel "Christ-
kind suchen"
vor der Mitternachtsmette auf. Der
Kirchenchor brachte zum erstenmale Grubers "Stille
Nacht" in der Originalbesetzung zur Aufführung.

Die Weihnachtsferien dauern vom 24. Dezember bis
einschließlich 8. Jänner.

Der Jänner hatte so mildes Wetter wie schon lange Zeit
nicht mehr in Erinnerung.

Als Obmann in den Fortbildungsausschuß wurde An-
ton Glöcklhofer, Neuhauser gewählt. Die Volksbe-
wegung
aus dem abgeflossenen Jahre weißt 19
Geburten auf. Davon sind 8 männliche und 11 weib-
liche. 10 hievon sind ehlich und 9 unehlich. Trauun-
gen wurden 10 vollzogen. Sterbefälle waren 13,
davon mit einer einzigen Ausnahme alle weiblichen
Geschlechtes.

Am 25. Feber konnte man in Hochburg eine genau
nach alten Bräuchen abgehaltene Innviertler Hochzeit
sehen. Johann Esterbauer u. seine Braut Rosa Reindl
schlossen den Bund fürs Leben.

Die alten Volksbräuche wurden dabei wieder ins
Leben gerufen. Seit 6 Jahren war keine so feierliche
Hochzeit mehr. Am Hochzeitsmahl waren über 80 Gedecke.

Am 19. März wurde auch die Suppenanstalt geschlossen.
Seit anfangs Dezember hatte Frau Oberlehrer Probst
sich die Mühe genommen täglich für über 40 Kinder
die warme Suppe zu bereiten. Sie wurde tatkräftig
dabei von der ältesten Tochter des Herrn Grafen Castell
Gräfin Pauline unterstützt. Beiden wurde der Dank
des Ortsschulrates ausgesprochen.

Wie wir aus einer Linzerzeitung entnehmen wurde von
der Landesregierung die prov. Fachlehrerin Antonie Kot-
nik
dzt an der Hauptschule St. Anna in Steyer zur
definitiven Lehrerin an unserer Schule ernannt.

Am 23. April feierte unsere Schuljugend den länd-
lichen Verhältnissen angepaßt den Tag der Musik.
Am Vormittag in der 3ten Stunde versammelten sich
die Kinder in der 2ten Klasse. Herr Lehrer Führer hielt
einen recht kindertümlichen Vortrag über die öster-
reichischen Musiker
. Die einzelnen Klassen trugen Lieder
österr. Komponisten vor. Am Sonntag brachten die Kinder
in der Kirche die Schubertmesse sehr gut zum Vortrag.

An Stelle der prov. Lehrerin Frl. Kremling hat die Defini-
tiv ernannte Lehrerin Frl. Antonie Kotnik die Stelle
angetreten.

Unsere Schule wurde Ende Mai von 2 Scharlachfällen

heimgesucht. Die  Schüler Albert Sützl u. Maria Auer
erkrankten daran. Sofort wurden alle Vorsichtsmaßre-
geln getroffen, damit diese gefährliche Krankheit nicht
weitergreife. Am Pfingstmontag wurde die 2te Klasse
desinfiziert.

Am 24. Juni nahm die Schuljugend an der vater-
ländischen Heldengedenkfeier  beim Schwarzenstadl
in Begleitung der Eltern teil. Die Kinder führten
dort den Sprechchor "Die toten Helden" v. Bruder Willram
auf, den Frl. Lehrerin Kotnik mit ihnen einstudiert
hatte. Herr Oberlehrer Probst hielt über Einladung des
Herrn Bürgermeisters die Gedenkrede. Die Schulju-
gend von Hochburg u. Ach sangen die Bundeshymne
Trotz des Regens waren über 500 Personen an
wesend.

 

 

Am 3. Juli wurde die Schule von B. Sch. Insp. Regierungs-
rat Franz Hollweger inspiziert und sämtlichen Lehr-
personen anerkennende Worte über ihr pflichteifriges
Wirken in und außer der Schule gespendet. Der
Inspektionsbericht ist von Schriftführerin Frau Fach-
lehrerin Kotnik in das Buch der Hausberatungen
schriftlich festgehalten worden. Nachträglich soll
noch nicht unerwähnt bleiben der herrliche Ver-
lauf der ersten vaterländischen Kundgebung im
Gasthause Sinzinger in Oberkriebach, an dessen glück-
lichen Verlauf gerade die Lehrpersonen von Hochburg
durch ihre eifrige Mitarbeit, insbesondere durch die
Verschönerung der Versammlung durch Beistelllung
von Musik ein Haupverdienst sich erwarben.
Im Mai hatte Bundeskanzler Dr. Dollfuß zur Zusam-
menfassung aller österreichisch Gesinnten die Vater-

ländische Front. Bereits am 18. Juni hatte Hochburg schon
eine Vaterl.- Kundgebung, welche zeigte, daß trotz der
seit Frühjahr 1933 eingesetzten nationalsozialistischen
Propaganda sich die große Masse der Bevölkerung un-
serer Gemeinde den gesunden politischen Sinn be-
wahrt hatte. Weil diese großartige Versammlung den
Auftakt zur vaterländischen Bewegung in unserer Ge-
meinde bildete, so sei hier ihr Verlauf wie ihn der
Chronikschreiber in der Neuen Warte am Inn schilderte
als Zeitdokument wiedergegeben.

 

nisverteilung. Am Sonntag den 9. Juli fand im vereine
mit der Elternschaft eine kleine Schlußfeier statt, bei welcher
die einzelnen Lehrkräfte mit den Schülern kleine Sprechchöre
und Deklamationen, so wie Chöre aufführten. Oberlehrer
Probst betonte in einer Ansprache an die Eltern, die Lehr-
personen in der sittlichreligiösen u. vaterländisch-
österreichischen Erziehung der Jugend tatkräftigst un-
terstützen zu wollen Die als Vortragsraum eingerich-
tete alte 2te Klasse war überfüllt. Mit dem Treue-
schwur für Österreich wurde durch Absingen der Bundes-
hymne die eindrucksvolle Feier geschlossen. In der
1. Klasse hatte Frau Handarbeitslehrerin Marianne
Maier eine Ausstellung weiblicher Handarbeiten
veranstaltet, welche regen Besuch von seiten der
Mütter aufwies und sehr beifällig bewundert
wurde.

In den Ferien stattete der bekannte Innviertler Heimat-
kundler Dr. Josef Heimerl, Mitglied des Landesschulrates
der Schule einen Besuch ab. Er sammelte Material über
die bestbekannte Gaisberger Kapelle. Es wurde das
heimatkundliche Material in dieser Richtung durch-
stöbert und am Nachmittag auch ein Ausflug zu
dem im Weilhartforst versteckt gelegenen Huckin-
ger See gemacht. Das Ergebnis dieser Heimatforschung
wurde später in der Neuen Warte am Inn von
Dr. Heimerl als Feuilleton veröffentlicht. Da die Ab-
handlung für die Lokalgeschichte viel Interressantes
enthält wird sie der Chronik beigefügt.
Der Besuch beim Huckinger
See in einer Broschüre über
die Innviertler-Seen Ver-
wertung finden und lieferte
der Chronist später einige
Lichtbilder dazu.

 

 

 

Die Geisberger Musiker, welche in Hochburg wohnen,
wirken seit einigen Jahren um Gotteslohn am
Kirchenchore unter Leitung des Pfarrorganisten
Oberlehrer Probst im Orchester mit und helfen so
auch unsere kirchlichen Feste verschönern, daß
es wohl billig ist, sie hier in der Schulchronik
zu verewigen.

Das neue Schuljahr 1933/34 begann am Donnerstag
den 14. September mit dem hl. Geistamte um 8ʰ, hierauf
wurden die Schüler von den Lehrpersonen in die Klassen-
zimmer geführt und erhielten dort Anweisungen über Be-
tragen in und außer dem Schulhause. Die Schüler wurden
angewiesen sich die notwendigen Hefte und Bücher bis
zum nächsten Schultage zu besorgen. Nachmittags
ein Uhr fand die Einschreibung der Neueintretenden
im Klassenzimmer der 1ten Klasse statt. Insgesamt
wurden 15 Anfänger zur Einschreibung vorgeführt.
Davon sind 8 Knaben und 7 Mädchen.

Der tatsächliche Schüerstand mit Beginn des Schuljahres ist wie
folgt:

 

Die Arbeiten zu Beginn dieses Schuljahres stehen im Zeichen
der Vorbereitung für die feierliche Einweihung unseres
neuen Schulhauses.

Am Dienstag den 19. September vormittags wurden die
Oberlehrer u. Schulleiter der Schulen um den Adenberg
im Schulhause in Gilgenberg zusammengerufen, um
in die Hände eines Vertreters des Vorsitzenden des B. Sch.
R. in Gegenwart des Herrn Bezirksschulinspektors Reg. R.
Hollweger den Diensteid bezw. die Pflichtangelobung zu
abzulegen. Am gleichen Tage nachmittags leisteten
der prov. Lehrer Josef Führer die Pflichtangelobung und
die definitiven Lehrkräfte Frau Fachlehrerin Antonia
Kotnik u. Handarb. L. Marianne Maier den Dienst-
eid vor dem prov. Oberlehrer Gottfried Probst.

Über Ersuchen des Ortsschulrates bestimmte der B. Sch.
R. Braunau am Inn für den 28. September die Kollau-
dierung des neuen Schulhauses. Die Kommission be-
stehend aus dem Vorsitzenden des B. Sch. R. Baron Ham-
merstein, Reg. Bez. Sch. Insp. Franz Hollweger, Reg. Baurat
Ing. Ernst Kotzmann und Bezirksarzt Dr. Jörg Gasser
traf am Nachmittag ein und nahm in Anwesenheit
des Herrn Bürgermeisters Ignaz Frank, des Vizebürger-
meisters Adalbert Sützl, des Ortsschulratobmannes Leopold
Esterbauer, Zenzschwandners und der vollzählig erschie-
nenen Mitglieder des Ortsschulrates die Kollaudierung
des neuen Schulgebäudes vor, worüber im Gasthause
Spitzwieser eine Verhandlungsschrift ausgefertigt
wurde. Darüber wurde beigefügter Erlaß in Abschrift

durch den B. Sch. R. Braunau über die Benützungsbewilligung
vom Landesschulrat f. O. Ö. in Linz übermittelt, welcher als
schulgeschichtlich wichtiges Dokument der Schulchronik beigeschlossen wird.

 

Die bisher provisorischbestellte H. A. L. Frau Marianne Maier
wurde mit Zustimmung des O. Sch. R. vom L. Sch. R. Linz
mit Dekret Zl I. 11/71/1. zur definitiven H. A. Ln. an der
Stammschule Hochburg ernannt. Ernennung erfolgte am 11. VII.
1933.

Am Sonntag den 24. September abends ist aus der Garnisons-
stadt Enns unter Kommando des Herrn Majors Zechner eine
Schwadron oberösterr. Dragoner zur Einquatierung für längere
Zeit eingetroffen. Im Spitzwiesers Gasthof und Stallungen, so-
wie in den umliegenden Gehöften wurden Mannschaft und
Pferde untergebracht. In den späten Abendstunden gab es ein
lebhaftes Treiben auf dem Schulplatze. Viele Neugierige konn-
ten unser strammes Militär bewundern. Ein bekannter
nationalsozialistischer Schreier und Stänkerer, Heinrich Deitl,
Gerbersohn auf Ach, hatte die Frechheit sich gegen die Soldaten
flegelhaft zu benehmen. Er wurde kurzerhand vom Mi-
litär verhaftet und der Gendarmerie in Ach überstellt.
Auch in Ach traf eine Kompagnie Infantrie aus Heimburg
ein - das sind jetzt Freudentage für unsere Schuljugend.
Besonders die Knaben sind vom Militär begeistert. Sie
biedern sich bei den Dragonern an und dürfen dann
auch auf die Gäule sich setzen. Die Herrn Offiziere sind
freundlich, liebenswürdig u. zuvorkommend und schon
in kurzer Zeit spannen sich Fäden der Freundschaft zwischen
den Ennser Dragonern u. der Bevölkerung von Hochburg.
Die wöchentlich mehrmals in den Gasthäusern veran-
stalteten kameradschaftlichen Abende, welche die lustigen
Dragoner durch Musik u. Gesang v. Soldatenliedern beleb-
ten und woran fast die ganze Bevölkerung Anteil
nahm, erweckten in den Herzen der Hochburger öster-
reichisches Denken und Fühlen, die alten Krieger an
die Zeiten der alten österr. Monarchie erinnernd, in
die Herzen der Jugend die Liebe zum neuerwachten Österreich
senkend. Am 28. September nachmittags wurde die
Schwadron vom General Brigadier Zehner aus Linz in-
spiziert und wurde hierauf dem hohen Gast zu Ehren
im Gasthause Spitzwieser (Nebenzimmer) eine Jause ser-
viert, zu welcher von Herrn Major Zehner Hochw. Herrn Pfarrer
Lindinger, Herrn Bürgermeister Frank, Bezirkshauptmann
Reg. Baron Hammerstein u. Oberlehrer Gottfried Probst geladen
wurden. Oberlehrer Probst erbat sich vom Herrn Generalmajor
Zehner die Erlaubnis, daß bei der kommenden Schulhaus-

Einweihungsfeier auch die hiesige Dragoner Schwadron
teilnehmen darf. Der Herr Kommandant der Schwadron
Major Zechner teilt dem Oberlehrer Probst mit, daß arme
Kinder u. Personen sich von der Mannschaftsmenage
zu Mittag warme Suppe holen können, was mit
großem Dank zur Kenntnis genommen wird.
Als Entgegenkommen wird die alte 2. Schulklasse dem
Militär zum Schulunterricht für die Tage, wo schlechtes
Wetter eintrifft zur Verfügung gestellt.

Im September wurde der Chronist zu einer Besprechung
in die Gemeindekanzlei geladen, bei der Medizinalrat
Dr. Leiter, Ach, Bürgermeister Frank, die Hochwürden Herrn
Pfarrer v. Hochburg Lindinger und Ach Hiegelsberger
Oberlehrer Höfler, Ach, Gemeindesekretär Straßhofer, der
Obmann des Bauernbundes Johann Dicker und der Obmann
des Kleinhäuslerbundes Sebastian Göpperl anwesend
waren. Das Ergebnis dieser Besprechung war, die
Ortsgruppe der Vaterländischen Front in Hoch-
burg Ach zu gründen. Es wurde die Verbindung
mit der Landesleitung in Linz hergestellt. Der Sonntag
der 8. Oktober sollte für die erste Gründungsversammlung
ausersehen sein. Das vorbereitende Komitee erließ an
die Bevölkerung folgende Einladung: Die vaterländische
Front hält am Sonntag den 8. Oktober in Sinzinger Gast-
haus in Oberkriebach um 3 Uhr nachmittag ihre Gründungs-
versammlung für die Hauptgruppe Hochburg Ach ab und
wird zu diesem ein Herr Redner von der Führerstelle in
Linz erscheinen. Für Musik und flotte Chöre ist gesorgt
und wird sich an die Versammlung ein gemütlicher Teil
anschließen. Alle, Bauer und Knecht, Handwerker und
Gewerbetreibende, Kleinhäusler, Angestellte und Arbeiter,
die ohne Rücksicht auf Parteipolitik eintreten für ein
freies, unabhängiges, christliches, deutsches Österreich auf
ständischer Grundlage unter Führung unseres schneidigen
Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, sind freundlichst eingeladen.
Am Sonntag den 8. Oktober hatte die hier stationierte Schwa-
dron der Dragoner mit den Herrn Offizieren (Major Zechner
u. Leutnant Klein einen feierlichen Dankgottesdienst
für die glückliche Errettung unseres Bundeskanzlers aus
ruchloser Mörderhand halten lassen. Die Bevölkerung nahm
daran regen Anteil. Hernach fand die Defilierung der
Schwadron statt. Am Nachmittag fand in Sinzingers Gasthaus

die Gründungsversammlung der Vaterl. Front statt.
Es ist dies die erste Ortsgruppe im Bezirke Wildshut. Der über-
füllte Saal gab Zeugnis, daß die Bevölkerung unserer
Grenzgemeinde in weitaus überwiegender Mehrheit
österreichisch denkt und fühlt. Wenn unser Kanzler Dollfuß
selbst die begeisterte Menge gesehen, die Heil Dollfuß und
Hoch Österreich Rufe gehört hätte, er würde seine helle
Freude daran gehabt haben. Eines ist sicher. Österreichs Grenz-
wacht steht fest. Wir sind Österreicher und bleiben es. Bei 500
Personen wurden gezählt. Herr Major Jänchen der Komman-
dant der Acher Infantrie hatte in liebenswürdiger Weise
seine Militärschrammel zur Verfügung gestellt, die unter
Mitwirkung der Herrn Lehrer Führer Hochburg u. Ester Ach
flotte Weisen zum besten gab. Herr Major Zechner, Kommandant
der Schwadron in Hochburg, beehrte die Versammlung auch
durch seine Anwesenheit. Eine Abordnung Dragoner sang
unter Leitung des H. Oberlehrer Probst als Einleitung den Chor
"Österreichs Eiche". Der Herr Referent der Landesleitung
der Vaterl. Front, die folgenden Redner der Bezirks-
leitung, insbesonders Amtsdirektor Mayer, Gauleiter
ergänzten weiter die Ausführungen des Vorredners.
Daran folgte die Ernennung der Ortsgruppenleitung mit
einstimmiger Zustimmung der Anwesenden. Zum
Hauptgruppenleiter wurde ernannt H. Oberlehrer Probst,
Hochburg. Propagandaleiter H. Gemeindesekretär Straßhofer,
Kassier Max Sigl, Briefträger, die Beiräte werden in
späterer Sitzung bestimmt. Die Bundeshymne schloß die
herrliche Kundgebung. Die erste Mitgliederwerbung
in den folgenden Wochen hatte bereits vollen Erfolg
und es wurden gegen 300 Anmeldungen verzeichnet.
Der Bezirksschulrat teilte den Erlaß des Landesschulrates
Linz mit, laut welchem den österr. Kindern der Be-
such der Auslandsschule verboten wird. Die Eltern
der betroffenen Kinder, die dieselben nur wegen
der großen Entfernung nach Burghausen in die Schule
schicken, reichen Gesuche um die weitere Bewilligung
des Auslandsschulbesuches ein, welchen Folge gegeben
wurde. Es wird jedoch gefordert, daß sie wöchent-
lich eine Stunde vaterländischen Unterricht genießen
müssen. Diesen Unterricht übernimmt Herr Lehrer
Ester in Ach, für die Schüler von Ach u. Hochburg, weil

die Kinder dorthin näher haben. Die Schule von Hochburg
rüstet zur Schuleinweihungsfeier am 15. Oktober. Die
Einstudierung des Theaterstückes hatte Frau Fachlehrerin Antonia
Kotnik übernommen, die auch das Stück aus verschie-
denen Autoren teils zusammengefügt, teils selbst ver-
fertigt hatte. Herr Lehrer Führer übernahm die Proben
mit dem zusammengestellten Orchester. Herr Oberlehrer
Probst hatte die Leitung des Kirchenchores, sowie die Leitung
über die Abwicklung des Gesamtprogrammes übernommen.
Zur Festfeier selbst wollen wir den anwesenden Korrespon-
denten der Neuen Warte am Inn Oberlehrer Anton Bayer aus
Braunau sprechen lassen durch seinen Bericht über den Verlauf
der Feier:

 

 

Schulhaus im Rohbau – Aufnahme
von Herrn Oberlehrer Karl v. Jäger
Waldau 17. Juli 1933.

 

Die neue Schule am Tage nach der Einweihung.

Aufnahme                                                                                                                 Im Tore
stammt                                                                                                                      links H. Lehrer
von Herrn                                                                                                                  Josef Führer,
Ing. Em-                                                                                                                    rechts H. Oberl.
merich                                                                                                                       Gottfried Probst.
Ammer                                                                                                                      Kinder aus
Forstmei-                                                                                                                  beiden Klas-
ster der                                                                                                                     sen.
Castell'schen
Forstver-
waltung.

 

 

 

Herr Oberlehrer Gottfried Probst wurde vom B. Sch. R. in Braunau
für erziehliches Wirken der Dank und die Anerkennung
ausgesprochen. Kaum ist die Schulfeier verklungen, so beginn
Hochburg schon ein 2tes Fest. Heuer sind es 60 Jahre, daß un-
ser Ort eine Frw. Feuerwehr besitzt. Hochburgs Feuerwehr
zählt zu den ältesten Wehren des Bezirkes. Es waren viele Ver-
treter der Nachbarswehren erschienen, sowie die vollzählige
Bezirksleitung. Unter den Klängen der Geisberer Musik
zogen Jubel Feuerwehr u. Festgäste, die Vereine von Hochburg
mit Fahne in die Pfarkirche zum Festgottesdienst. Die Kapelle
Geisberger spielte die Deutsche Messe v. Michael Haydn. Am Fried-
hofe wurde eine kurze Heldengedenkfeier abgehalten. Nach der
Defilierung vor den Festgästen wurde die Festversammlung
im Gasthause Spitzwieser gehalten wo Direktor Pointner, im Auf-
trage der Landesleitung die Festrede hielt. Das Forstmeistertöch-
terlein trug ein Gedicht vor. Bezirksobmann Kohlbauer nahm
nachher die Dekorierung langjähriger Mitglieder vor.
Der Abschied der Ennser Dragoner, die wegen der schlechten
u. ungenügenden Stallräumlichkeiten für die Winterzeit

über Befehl nach Ostermiething übersiedeln mußten, fiel
gar manchem Hochburger schwer, da sich Militär und
Bewohner in dieser kurzen Zeit so angefreundet hat-
ten, daß man glaubte, es werde immer so bleiben.
Zum Abschied hatte sich Herr Bürgermeister Frank, Oberlehrer
Probst u. Graf Castell mit Familie eingefunden.
Auch zahlreiche Bewohner waren vertreten und Obl. Probst
dankte im Namen der Bevölkerung für die freund-
liche und entgegenkommende Unterstützung und für
die vergnügten Stunden, besonders dankte er im
Namen der armen Kinder für die Ausspeisung.

Am Leopoldstag begeht unsere Gemeinde in feierlicher
Weise jedes Jahr die Kriegergedächtnisfeier mit Gottes-
dienst, Ansprache vor dem Kriegerdenkmal, an welcher
auch die Schuljugend mit den Lehrpersonen teilnahm.

Am 3. Dezember wurde der 2. Lehrgang der bäuerlichen
Fortbildungsschule mit 20 Teilnehmern wieder eröffnet.
Die Leitung hat Oberl. Gottfried Probst, ferner unterrichten
L. Josef Führer, Dr. Danninger, Tierarzt, Emmerich Ammer,
Forstingenieur. Der von seiner Romreise zurückge-
kehrte Hochwürden Pfarrer Lindinger hielt den Kindern
einen sehr lehrreichen Lichtbildervortrag am Maria
Empfängnistage. Der Mädchenverein führte ein sinniges
Adventspiel auf.

Bei der Christmette haben auch heuer die Schulkinder
die Hirtenfeier zur Mette unter Anleitung des Hw. H.
Pfarrers aufgeführt.

Auch heuer führt Frau Oberlehrer Rosa Probst die Suppen-
anstalt im Auftrage des Ortsschulrates. Es nahmen
daran 40 Kinder teil. 7 erhalten die Suppe gänz-
lich unentgeltlich 13 zahlen bloß die Hälfte.
Zur Deckung der Auslagen wurde eine Sammlung
durchgeführt, welche den Betrag von 74 S ergab.
In den Weihnachtsferien nach Neujahr hielt P. Paulus
Dom Bosko Linz für die Schulkinder Einkehrtage.

1934

Die Fortbildungsschule wies im ganzen Jänner einen sehr
guten Besuch auf. Es waren oft recht stürmische Abende mit
Schnegestöber und doch kamen die Burschen aus regem
Interesse für ihre Fortbildung fleißig zu den Vorträ-
gen. Gar mancher mußte über eine Stunde den
schlechten Weg machen. Die Stunden waren auf
Dienstag u. Freitag von 7 bis 10 angesetzt.
Ende Jänner gelangte von der Bezirksschulbehörde der
Erlaß des Landesschulrates an die Schulleitung, laut
welchem der Auslandsschulbesuch den bisherigen Kin-
dern über Ansuchen weiter bis auf Widerruf gestattet
wird, jedoch besteht die Verpflichtung die Kinder in den
geforderten österreichischen Heimatunterricht zu
senden.

Herr Forstmeister Emmerich Ammer schenkt der Schule
das Blatt Mattighofen Geologischer Aufbau.

Die Sammlung Winterhilfe ergibt den Betrag
von 20 S 50 g bei den Lehrpersonen.

Erst durch den Rundfunk erfuhren wir vom Kampfe
der Schutzbündler mit dem Militär u. der Exekutive.
Gespannt verfolgte alles durch die Rundfunkappa-
rate den Verlauf der Kampfhandlungen. Die
Schüler wurden am 15. II. nach Hause geschickt.
Die Schule blieb über fernmündliche Anordnung
der BH gschlossen. Der Unterricht wurde erst am
18. II. wieder aufgenommen. In unserer Ge-
meinde hatte sich nicht der geringste Vorfall
ereingnet.

Die Schüler der bäuerlichen Fortbildungsschule in Hoch-
burg besuchten am 25. Feber einen sehr lehrreichen
Filmvortrag des Kalisyndikates, wobei auch der
Förderungsbeamte der landw. Kammer Ing. Blauen-
steiner aus Eggelsberg einen sehr eingehenden
Vortrag über Düngung u. Düngerstätte hielt.
Die Spendenliste Winterhilfe der Lehrpersonen wies
auch in diesem Monate den schönen Betrag v. 15 S. aus.

Damit an der Schule von den Kindern regelmäßig
Wetterbeobachtungen durchgeführt werden können,
wurde ein Aneroid Barometer, Tabellen zum Beob-
achten und ein Anschlagebrett angeschafft. Der Tag der Musik wurde am 22. April auch von unserer
Schule den ländlichen Verhältnissen entsprechend ge-
feiert. In der letzten Vormittagsstunde versammelten
sich die Kinder aller Klassen im neuen Schulhause.
Herr Lehrer Führer hielt an die Kinder einen recht kin-
dertümlich gehaltenen über Wesen u. Bedeutung der Mu-
sik für den Menschen, erzählte den Kindern aus dem
Leben unserer größten Tonherren. Zuletzt wurde
noch ein allegorisches Frühlingsmarschlied recht schneidig
zur Vorführung gebracht. Am Sonntag sangen die Kinder
in der Kirche beim Hauptgottesdienste die ewigschöne
Deutsche Messe v. Frz. Schubert.

Bei der Volkszählung mußten die Lehrpersonen als Zählkommis-
säre fungieren. Die am 8. April durchgeführte Samm-
lung für das Kinderhilfswerk in Linz ergab den
schönen Betrag von 61 S. 45 g.

Am 29. April nahm unsere Gemeinde unter Führung
und Teilnahme der Lehrpersonen am Bauernaufmarsch
in Linz teil, um den Führer und Erneuerer Österreichs
Kanzler Dollfuß zu grüßen. Es waren über 200 Teil-
nehmer aus Hochburg Ach mit der Gaisberger Kapelle
aus Gilgenberg. Wir machten die Fahrt von Hochburg
nach Linz mit 9 Autos der Oberkraft aus Linz und wur-
den auf diese Weise auch wieder zurückbefördert. Bei
herrlichem, sprichwörtlich gewordenem Dollfußwetter wird
die Fahrt allen Teilnehmern in unvergeßlicher Erinnerung
bleiben. Unter flotten Weisen der Kapelle wurden wir
auf den Festplatz geleitet - Nach der Feldmesse, die im Lichtbild
festgehalten wurde, formierte sich der Festzug, der 3 ½ Stunden
dauerte, Uns Hochburger hat der Bundeskanzler, durch Herrn Landes-
rat besonders auf die Gruppe aufmerksam gemacht, lange und
herzlich zugewinkt. Am Hauptplatz gelang es uns einen
günstigen Platz nicht weit der Rednertribüne zu erlangen.

Einen gewaltigen erhebenden Eindruck machte der gefüllte
Platz mit den 50.000 Zuhörern. Mit nicht endenwollenden
Jubel wurde der Bundeskanzler Dr. Dollfuß immer wieder
begrüßt und in seiner Rede unterbrochen. Einige Lichtbilder
sollen diesen historischen Augenblick festhalten.

Autokolonne Hochburg Ach am Rieder Hauptplatz           Unsere Gruppe im Festzug

 

Unser Herr Lehrer Josef Führer mußte bereits am Montag den
30. April zur Lehrbefähigungsprüfung, die er mit gutem Er-
folge bestand. In den Tagen der Bittwoche (Montag, Dienstag,
Mittwoch), erhielten die Lehrpersonen Obl. Probst u. L. Josef Führer
vom B. Sch. R. Braunau die Bewilligung zur Unterrichtsver-
legung, damit sie den Lehrausflug mit den Teilnehmern
der bäuerl. Fortbildungsschule nach Wien leiten u. führen
konnten. Insgesamt nahmen daran 21 Burschen und
2 Lehrpersonen teil. Für Unterkunft wurde alles mit
der Schülerherberge d. Stadt Wien Augartenstraße rechtzeitig ver-
einbart. Am Sonntag brachte das Auto des Boten Wanghofer
die Teilnehmer auf den Bahnhof nach Braunau zum Zug, der
um 8ʰ früh nach Linz abging. Die Fahrkarte mit 75 % Er-

mäßigung kostete für die Hin- u. Rückfahrt nur etwas über 12 S.
per Teilnehmer. Mit nur einstündigem Aufenthalt in Linz erreichten
wird die Bundeshauptstadt Wien gegen 3 ʰ nachmittags. Wir wur-
den am Bahnhofe vom Direktor der Augartner Schülerherberge
empfangen und in unser Quartier geleitet. In den folgen-
den 3 Tagen besichtigten wir unter ortskundiger Führung,
die uns jedesmal von der Herberge beigestellt wurde
die wichtigsten Gebäude der Inneren Stadt, das Technische
Museum, Hofburg, Tiergarten, die Fabrik der Alphasepara-                 = Zentrifugen
torwerke, die o. ö. Butterzentrale, den Schlachthof u. Vieh-
markt St. Marx, abends einmal ein Kino, dann die
Oper an der Wien, das Großkaufhaus Gernegroß, die Schatz-
kammer. Der Eindrücke waren so viele u. unvergeßliche,
so daß jeder auf seine Rechnung kam. Wie wenig die
Sparsamen brauchten, beweist, daß ein Teilnehmer mit 30 S.
für Fahrt, Verpflegung, und Eintrittsgelder die ganze Exkur-
sion auskamen.

 

Unter Führung v. Stadtschulrat Riedl vor              Die Teilnehmer im Stadtpark vor
der Stephanskirche.                                                      dem Straußdenkmal.

 

 

Die Teilnehmer des Kurses wurden
beim Besuche der o. ö. Molkereizen-
trale in Wien in der freundlichsten
Weise empfangen, als Lands
leute begrüßt und mit Milch,
Butter und Honig bewirtet.
Allen Teilnehmern wird zeit-
lebens diese so lehrreiche Wienerfahrt in Erinnerung bleiben.

                   Tag der Jugend

Der heutige Sonntag (27. V.) stand unbestritten im Zeichen der
Jugendfeiern. Vormittags hatte die Schuljugend feierlichen Kir-
chengang. Nach der Festpredigt unseres Hochw. Herrn Pfarrers Lin-
dinger, in welcher er die Jugend zur Vaterlandsliebe, sozialer
Gerechtigkeit und Glaubensstärke aufforderte, sang die Schüler-
schar mit frischen Stimmen die Deutsche Singmesse von M.
Haydn. Hierauf folgte der Auszug zum Kriegerdenkmal,
wo drei junge Stahlhelmer im Namen der Jugend Hochburgs
einen Prolog sprachen und am Denkmal einen Kranz nieder-
legten. Die eigentliche außerkirchliche Feier wurde auf dem
Dorfplatze unter der Linde gehalten. Nach dem bekannten Gedicht
vom Freiheitsdichter Arndt: "Das Vaterland" vorgetragen von
einer Schülerin der 3. Klasse, brachte die Schuljugend aller Klas-
sen von Frau Fachlehrerin Kotnik einstudierte Sprechchöre: Heinzel-
männchen, Junge Saat, Österreichs Jugend" zum Vortrage.
Unter Leitung des Herrn Lehrer Führer sangen die Kinder
vaterländische Lieder und H. Oberlehrer Probst hielt an die Kinder-
schar und die Bevölkerung, welche mit Herrn Bügermeister
und den Mitgliedern des O. Sch. R. in stattlicher Anzahl teil-
genommen hat, eine Ansprache, worin er auf die Bedeu-
tung des Tages hinwies und die drei Grundpfeiler un-
serer Verfassung "christlich, deutsch, ständisch" erläuterte.
Die Fahne wurde gehißt und mit Absingen der Bundeshym-
ne schloß die eindrucksvolle Kundgebung. Am Nachmittag
hielt Hw. Herr Pfarrer Lindinger im Vortragszimmer der
alten Schule die Gründungsversammlung des Jung Mäd-
chenvereines ab. Lieder u. Sprechchöre wechselten in bun-
ter Reihe. Ein Vortrag über St. Agnes u. ein Lichtbildervortrag
über die Katakomben bildete den Abschluß.

Einfach, schlicht und sinnreich wurde heuer in unserer
Pfarre die Feier der Erstkommunikanten abgehalten. Um
8 Uhr formierte sich der Zug der 23 Kommunikanten be-
gleitet von 23 weißgekleideten Mädchen mit brennenden
Kerzen und so zog man unter feierlichem Glockengeläute
in die Kirche. Bei der Meßfeier sang der Kinderchor zur
Feier der Tages passende Lieder. Auch die Schar der Erstkom-

munikanten sang recht lieb ihr "Jesukindlein komm
zu mir". Mit der Weihe an das hl. Herz Jesu und dem Herz
Jesu Bundeslied war die Feier am Vormittag beendet.
Nachher erhielten die Kleinen ein gutes Frühstück in
der von Frau Lehrerin Kotnik geschmückten Schulklasse.
Zahlreiche Frauen hatten durch Naturalspenden dassel-
be ermöglicht. Nachmittags war die feierliche Tauf-
gelübde-Erneuerung und anschließend veranstal-
tete Hochw. Herr Pfarrer Lindinger eine recht liebe Fei-
er in der Schule mit Lichtbildervorträgen und heiteren
Liedern, Einaktern unter Mitwirkung der Mitglieder
des Jungmädchensvereines. Am 17. Juni war in Brau-
nau am Inn eine Grenzlandkundgebung der heimat-
treuen Bevölkerung. Es waren als Redner Fürst
Rüdiger v. Starhemberg u. Landeshauptmann Dr. Gleißner
erschienen. Zahlreich war auch die Beteiligung der
Bevölkerung von Hochburg. Die Lehrpersonen nahmen
auch daran teil.

            Schulschlußfeier.

Die Zeugnisverteilung erfolgte mit Dankgottesdienst
am Samstag den 9. Juli. Die Feier am Sonntag
den 10. vereinigte nochmals Kinder, Lehrpersonen und
Eltern zu einer recht erhebenden vaterländischen
Feier im alten Schulhause. Die Gemeindevertretung
mit Bürgermeister Frank und der vollzählige O. Sch. R.
sowie zahlreiche Vertreter der Elternschaft zeigten
ihr großes Interesse für das Wohl der Schule.
Der Raum der alten II. Klasse erwies sich als zu
klein. Nach dem Turnermarsch ausgeführt vom Streich-
orchester der Lehrpersonen. H. L. Führer Violin I. Frau Fachl.
Kotnik Violin II. Hochw. Herr Pfarrer Lindinger Cello
Obl. Probst Harmonium, sprach eine austretende
Schülerin den Dank an die Lehrpersonen. Dann kamen
die Anfänger an die Reihe mit ihrem lustigen Sprech-
chor "Waldkonzert" u. "Ferien" Gut gefiel der drauf-
folgende Bandl Tanz Kinder der 2. u. 3. Klasse sangen

unter Leitung von Herrn Lehrer Führer recht schneidig den
Rrraus Polka v. Langentreu. Wirklich gut trug auch eine
Schülerschramml das Stück Tirolers Freud u. den Kärntner
Liedermarsch vor. Das Knödellied, aufgeführt von 3
Schülern der 2. u. 3. Klasse erntete reichen Beifall. Hierauf
folgte das Marschlied "Österreichs Jugend" v. Blasl
vorgetragen von den Schülern der 2. u. 3. Klasse durch
rhythmische Bewegungen mit rot-weißroten Fähnchen
belebt und mit Begeisterung gesungen. Oberlehrer
Probst ergriff nun das Wort zum Thema: Gottesidee
u. Vaterlandsidee sind die Grundpfeiler eines Volkes.
Daher hat die Schule die heilige Pflicht am Fundamente
dieser Säulen zu arbeiten, das ist nicht Politik in
die Schule getragen, sondern Dienst am Vaterlande.
Den Schülern erklärte er die Symbole des vaterlän-
dischen Schülerabzeichens an über 100 Schülern wurde
nun das Abzeichen überreicht mit der Mahnung
dieses Ehrenzeichen stets stolz und mutig in Ehren zu
tragen. Mit Bundeshymne u. "Treu Österreich"
schloß die Feier. In der 1. Klasse hatte Frau Ha.
Lehrerin Mayer eine reiche Handarbeitsaus-
stellung der Mädchen veranstaltet, der unge-
teiltes Lob von den Besuchern gespendet wurden.
Am gleichen Sonntag nachmittags fand im Gasthaus
Sinzinger eine vaterl. Kundgebung mit Herrn
Dr. König aus Ried statt, die sehr gut besucht war
und an welcher auch die Lehrpersonen v. Hochburg
u. Ach telnahmen.

Frau Fachlehrerin Antonia Kotnik hat sich der
großen Mühe unterzogen und die ganze Lehrerbücherei
-über 400 Bände- eingebunden und ein vollständig
neues Verzeichnis angelegt. Werke, die keinen Wert
mehr hatten oder deren Inhalt durch neuere Werke
längst überholt war, wurden ausgeschieden.

Dr. Engelbert Dollfuß, der Gründer u. Führer des
neuen Österreich, am 25. Juli 1934. nachmittag
von ins Bundeskanzleramt als Soldaten verkleideten
Nationasozialisten ermordet.

Trauer um den toten Führer.
Wie ein Blitz aus heitrem Himmel traf
am Jakobitag abends die Nachricht
durch den Rundfunk bei uns ein,
daß unser geliebter Kanzler und
Führer für Österreichs Freiheit und
Unabhängigkeit ruchloser Mörderhand
zum Opfer fiel. Bald hatte unsere
Ortschaft der Trauer und dem Schmerze
über den unersetzlichen Verlust durch
Ausstecken von schwarzen Fahnen
Ausdruck verliehen. Am Begräbnis-
tage abends 8 Uhr als die Totenglocken
für den Verewigten zu läuten begannen, da boten die
vielen brennenden Kerzen in den Fenstern aller Häuser
der Ortschaft Hochburg, das zum Himmel flammende
Feuer am Sandhügel einen schmerzlich schauerigen
Anblick. Abends hielten die Funktionäre u. Sprengel-
leiter der V. F., die Vertrauensmänner des kath. Volks-
vereines u. des Bauernbundes in der Gemeindekanzlei
in Ach eine Trauersitzung für den Ermordeten ab, bei
welcher der Hauptgruppenleiter der V. F. H. Oberlehrer Probst,
den Anwesenden ein Lebensbild des toten Führers ent-
warf und ihm den Unvergeßlichen einen warm-
gefühlten Nachruf hielt.

Der Trauergottesdienst für unseren Heldenkanzler

hat gezeigt wie tief verankert in dem Herzen der Be-
völkerung unserer Gemeinde der auf so tragische Weise
durch Mörderhand gefallene Bundeskanzler Dr. Dollfuß
war. Auch die paar organisierten Nazijünger in un-
serer Gemeinde können den imposanten Verlauf die-
ser einzigartigen, großen Trauerkundgebung nicht
aus der Welt schaffen. Alle Stände u. Vereine

waren trotz des schönen Erntewetters in großer Anzahl
vertreten, um für den Verewigten, der in treuer
Pflichterfüllung für sein geliebtes Österreich den Heldentod
erlitten hatte, die letzte Ehrung zu erweisen. Die Arbeit
auf den Feldern ruhte an diesem Vormittag und eine
feierliche Stille hatte sich über unser Dorf gelegt. Um
8 Uhr versammelten sich die Vereinsmitglieder, Behörden
u. Schulkinder mit den Lehrpersonen und es for-
mierte sich der Zug. An der Spitze marschierten die
Schulkinder mit den Lehrpersonen, daran schlossen sich
eine Abteilung der Kapelle Geisberger, gefolgt vom
kath. Mädchenverein, den kath. Reichsbündlern. Es folgten
nun die Vertreter des Ortsschulrates, der Gemeindevorstehung
mit Bürgermeister Frank, die gräfl. castell'sche Forstbe-
amten. Herr u. Frau Gräfin Castell Castell, die Funktionäre
der V. F. der Veteranen- und Kriegerverein, sowie die
frw. Feuerwehr, woran sich sehr zahlreich Gruppen
aus der Bevölkerung anschlossen. Die Pfarrkirche war
schon lange nicht mehr so gefüllt gewesen. Hochwürden
Herr Pfarrer Lindinger zelebrierte ein feierliches
Requiem. Der Kirchenchor brachte das Requiem von
Goller mit 4st. Bläserchor und das Libera von Mit-
terer unter Leitung des Pfarrchorleiters Oberlehrer Probst
zur Aufführung. Das Kriegerdenkmal am Friedhof
war durch Frauenhand schön geschmückt worden. Mitten
unter Blumen war das Bild des toten Führers auf-
gestellt. Der Kirchenchor sang mit Bläserbegleitung
das Lied: v. M. Haller "Ob unsre Herzen beben u.
heiß die Träne rollt, wir dulden fromm ergeben,
weil Gott es so gewollt". Hauptgruppenleiter
der V. F. hielt die Traueransprache, zahlreich waren
die Tränen, die man selbst in Männeraugen
glänzen sah. Mit dem Treueschwur auch über das
Grab den Ideen der toten Führers zu folgen,
dem Lied vom "Guten Kameraden" u. den Ehren-
salut, sowie der Bundeshymne schloß die
Feier. "Treu Österreich, alle Zeit".

Schuljahr 1934 - 35.

Das heurige Schuljahr begann am 16. September mit einem
feierlichen hl. Geistamte, nachmittag fand die Einschrei-
bung der Anfänger statt, zu welcher 5 Knaben und 12
Mädchen von den Eltern vorgeführt wurden.


Die Lehrpersonen wirken die gleichen wie im Vorjahre.
Zur Trauergedächtnisfeier für unseren Heldenkanzler
versammelte sich die Schuljugend am 4. Oktober mit
den Lehrpersonen und den Mitgliedern des Ortsschulrates.
in der Pfarrkirche, wo Hochw H. Pfarrer Lindinger ein feier-
liches Requiem für den Verewigten zelebrierte. Die Schüler
sämtlicher Klassen mit dem Lehrkörper und dem Orts-
schulrate nahmen dann im Lichtbildervortragssaal
an der außerkirchlichen Trauerfeier teil

            Programm

Schuberts Allersellen für Harmonium Obl. Probst,
Vortrag. H. Lehrer Führer zeichnete ein für Kinderherzen
verständliches Bild über das Wirken u. Schaffen der
großen Toten.

Scharlied: Der gute Kamerad.
Blumengabe der Schüler für den Verewigten.
Lichtbildervortrag aus dem Leben der Märtyrer Kanzlers
Gedichtvortrag: "Dem toten Kanzler", v. Armann.
Treueschwur der Jugend. Bundeshymne.

Von der Landesregierung wurden für unsere Schule
folgende Herrn in den Ortsschulrat ernannt und
in Braunau angelobt:

Vorsitz: Herr Bürgermeister Ignaz Frank.
Leopold Esterbauer, Zenzschwandner, Johann Dicker,

Neubauer, Johann Steiner, Reider, Julius Langgartner,
Ofenmacher, Felix Straßhofer, Schneidermeister.

Am 11. November veranstaltete der hiesige kath. Jung-
mädchen Verein eine vaterländische Weihestunde
im Vortragssaal des alten Schulhauses. Prologe, Rezita-
tionen wechselten mit mehrstimmigen Frauen-
chören. Den Abschluß bildete ein Weihespiel. Maria,
die Heimat Österreich und wir. Frau Fachl. A.
Kotnik hatte sich beim Einstudieren der Rollen große
Mühe gegeben.

Die alle Jahre übliche Heldengedenkfeier am Leopoldi-
tag wurde auch heuer unter Beteiligung der Krieger,
Feuerwehr, und zahlreicher Bevölkerung feierlich be-
gangen. Die Kollegen Bayer Obl. Gilgenberg und
Merzeda, Obl. Schwand haben am Kirchenchore flei-
ßig mitgewirkt.

Am 25. November hielt die V. F. Hochburg Ach ihre große
Herbstkundgebung mit Herrn Landesrat Felix Kern
als Redner ab. Der Saal war erdrückend voll
und der Redner fand große Begeisterung für
seine zündenden Worte. Nach der Versammlung
lud Herr Landesrat u. Schulreferent die Lehrerschaft
der Schulen Hochburg u. Ach zu einer Aussprache im
Nebenzimmer ein. Bei dieser Gelegenheit betonte
er die Notwendigkeit der vaterländischen Erziehung
in der Schule. Oberlehrer Probst dankte im Namen der
Kollengeschaft dem Herrn Schulreferenten und hob
hervor, daß an beiden Schulen, dies könne er
mit gutem Gewissen behaupten, die Lehrpersonen
ohne Unterschied im dargelegten vaterländischen
Sinne wirken.

Am 16. Dezember feierte als Jubilar im Silberhaar
der gute Eckelbauervater Johann Steiner seinen 90.
Geburtstag. Die Lehrpersonen veranstalteten mit
den Enkeln, die die Schule besuchen eine kleine Feier
im Gasthause Sinzinger. Es kamen aber so viele
Gratulanten, daß sich der große Saal als zu klein
erwies. Die Einleitung machte ein Männerquartett
hierauf brachte Bürgermeister Frank die Glückwünsche

der ganzen Gemeinde dar. Die Enkelkinder taten
dasselbe in gebundener Form und sangen zum
Schluß den Chor: "Die alten Leut". Hochw. H. Pfarrer
Lindinger gab einen kurzen Überblick über die,
welche in den letzten verflossenen 117 Jahren ein
Alter von 90 Jahren erreichten. Es waren 15 und
keiner war darunter, der den Hunderter wechseln
konnte.

Frau Fachlehrerin Kotnik bemüht sich sehr für die Weih-
nachtszeit mit den Schulkindern u. den Mitglie-
dern des Mädchenvereines ein Weihnachtsstück ein-
zustudieren, aus dessem Erträgnis die Suppenanstalt
für arme Kinder finanziert werden soll.

1935.

Leopold Esterbauer, Zenzschwandner u. Altobmann
des Ortsschulrates schenkte der Schule auf eigene Ko-
sten eine Schulbühne und ließ sie von Zimmerleu-
ten im Lichtbildersaal aufstellen, wofür wir ihm
unseren herzlichsten Dank aussprachen, denn nun
können wir unsere Schulfeiern des Jahres hier
abhalten.

Das Stück. Hirtenspiel, welches Frau Fachlehrerin Kotnik
einstudiert hatte, hat vollen Erfolg. Es war alles bis
auf das letzte Plätzchen gefüllt und es waren
im 2maligen Spiel 127 S 63 g zu gunsten der Suppen-
anstalt eingenommen worden. Nach Abzug von Steuer
und anderen Auslagen verblieben noch 105 S 73 g.

Das Ortsschulratsmitglied Julius Ofenmacher verunglückte
in der ersten Jännerwoche beim Holzarbeiten im Walde,
indem ihn ein durch Windbruch beschädigter Baum ahnungs-
los zu Boden schlug und ein Fuß und Arm gebrochen
wurde. Er wurde in das Krankenhaus Braunau ein-
geliefert.

Am 27. Jänner wurde in Hochburg Ach die vaterländische
Berufsgruppe der Gewerbetreibenden, der "Gewerbebund"
gegründet, wodurch auch dieser Teil d. V. F. ausgebaut
wurde. Zum Obmann wurde der Landesproduktenhänd-
ler Robert Leeb in Ach ernannt.

Die Versammlung der D. O. Unterricht wurde von sämt-
lichen Lehrpersonen dieser Schule am 14. März in Brau-
nau besucht, bei welcher Gelegenheit Bez. Inspektor Schwarz
ein vaterländisches Thema, Hauptschullehrer Mayer, Präsident
der L. Kr. F. Linz über wirtschaftliche Fragen und Herr
B. Insp. Buchegger über Schulangelegenheiten sprachen.

Die Sammlung für das Kinderhilfswerk f. O. Ö. zeitigte
das schöne Ergebnis von 67 S 40 g. Im Monat April
erhielt unsere Schule die neue Wandkarte von Ober-
österreich, was eine dringende Notwendigkeit war.
Die im gleichen Monat abgeschlossene Sammlung
Winterhilf bei Gehaltsempfänger, durchgeführt vom
November bis April hatte als Gesamtergebnis 60 S
ergeben, durch die Sammlung Gulaschaktion wurden
von den Kindern 100 Stück à 50 g verkauft.

Frau Fachlehrerin Kotnik nahm mit Zustimmung
des B. Sch. R. Braunau am Inn am 18. April am
Luftschutzkurs in Linz teil.

Endlich wurde die schon lange ausbesserungsbedürf-
tige Grubergedenktafel wieder neu hergerichtet
und die Schrift neu vergoldet. Auch wurde gleich-
zeitig die schadhaft gewordene Fassade des alten
Schulhauses wieder neu in Stand gesetzt, so daß
auch dieses Gebäude nicht zu sehr vom allseits ver-
schönerten Ortsbild absticht. Ein Verkauf des alten
Schulhauses, wie die Gemeinde immer geplant, ist
derzeit wohl ausgeschlossen, da die schlechten wir-
schaftlichen Verhältnisse keinen Käufer finden
lassen.

Auch in diesem Schuljahre hat in den Wintermonaten
Frau Oberlehrer Rosa Probst die Suppenanstalt über
Ersuchen des Ortsschulrates geführt. Es wurde an
12 Kinder armer Familie die Mittagssuppe gratis
an 16 Minderbemittelte dieselbe gegen geringes
Entgeld (10 g) abgegeben. Hiefür stellte die Gemeinde
den Betrag von 142 S zur Verfügung. Frau Ober-
lehrer wurde der Dank des O. Sch. R. für die Mühewaltung
ausgesprochen.

Feier des 1. Jahrestages der neuen österr. Verfassung.

Über Einladung der Hauptgruppenleitung d. V. F. Hochburg Ach
versammelten sich am 1. Mai die Schuljugend mit dem
Lehrkörper, der Veteranen- u. Kriegerverein, die frw.
Feuerwehr, die gräfl. Forstbeamtenschaft, Ortsschulrat,
Gemeindevertretung zu gemeinsamen Kirchenzuge.
Hochw. Pfarrer Lindinger zelebrierte ein Hochamt, der
Kirchenchor brachte Grubers Herz Jesu Festmesse mit Orche-
sterbegleitung zur Aufführung. Zum Schlusse wurden
die Bundeshymne und das "Großer Gott wir loben dich"
gesungen. Um ein provisorisch errichtetes Podium hatten
zahlreiche Anwesende auf dem Kirchenplatze Aufstellung
genommen. Der neugegründete Männergesangs-
verein brachte unter Leitung des Herrn Lehrer Führer
den Chor "Gruß an die Heimat zum Vortrage. Einige
österreichische Volkslieder mit Lautebegleitung und
der Spitzbubenpolka aufgeführt von den Kindern der 1.
Klasse waren die weitere Folge. Hauptgruppenleiter
d. V. F. Oberlehrer Probst ergriff das Wort zu seinen Aus-
führungen über das Thema: "Der neue Staat Österreich",
welche an Schlusse zum Treuegelöbnis für den ver-
ewigten Kanzler, dem Baumeister des neuen Österreich
aufklangen. Mit dem Scharliede "Wir Jungen stehen
bereit" leitete die Schuljugend zu dem v. Dr. Desting
verfaßten Ständespiel über, das die Kinder der 3. Klasse
unter Leitung von Frau Fachlehrerin Kotnik sehr gut
spielten. Mögen die Worte, die am Schlusse der Schülersprech-
chor als Gelöbnis zum neuen Österreich sprach, auch in
unserer Gemeinde zur Wahrheit werden: "Wird uns
das Leben lind oder hart, wir halten zusammen nach
Väterart. O Heimat, an Lieb u. Leid so reich, Gott
segne dich, Heimat Österreich!"

Als sich am 5. Mai die Tochter der Grafen Castell, Gräfin
Pauline mit dem Prinzen Georg von Schönburg-Walden-
burg vermählte, brachte ihr die Bevölkerung ein Ständ-
chen dar, an welchem auch die Schuljugend teilnahm.
Oberlehrer Probst dankte ihr, im Namen der armen
Kinder, daß sie in früheren Jahren persönlich bei der
Suppenanstalt der Frau Oberlehrer mithalf und so großes

soziales Verständnis für die Not der Zeit zeigte.

Sonnenwendfeier der V. F. am Schwarzen Stadel

den höchsten Punkte in userer Gemeinde.
Die Bevölkerung nahm beim Gasthaus Sinzinger in Oberkriebach
Aufstellung. Unter den Klängen österr. Märsche marschierte
ein langer Zug, es dürften über 500 Personen gewesen sein,
zum Feuerplatz. Vertreten waren Abordnungen der Feuer-
wehr, des Kriegervereines, die Schuljugend von Hochburg u.
Ach, die Gemeindevertretung. Die Acher Schuljugend brachte
einige auf die Feier bezughabende Lieder u. Sprechchöre
zum Vortrag. Das Feuer wurde entzündet und nun
hielt Oberlehrer Probst die Feuerrede über das neuerwachte
Österreich. Mit Bundshymne und dem Marsche "O du mein
Österreich fand die eindruckvolle Feier ihren Abschluß.

Am 24. Juni inspizierte Herr Bezirksschulinspektor Hans
Buchegger
zum erstenmale offiziell unsere Schule.
Die Inspektion erstreckte sich über alle 3 Klassen.
In der Mittagpause hielt Herr Bezirksschulinspektor
mit sämtlichen Lehrpersonen die Inspektionskonferenz
ab, in welcher er sich über die Arbeiten der einzelnen
Lehrpersonen zufriedenstellend äußerte.

In den Tagen 28. 29. 30 Juni wurde in unserer
Pfarre das eucharistische Diözesan Triduum gehalten.
Die Kinder nehmen daran am Freitag den 28. Juni
teil und haben dort ihren Beicht- und Kommunion-
tag, sowie ihre Anbetungsstunde. Die Feier ist
gleichzeitig als Vorbereitung auf die kommende
Primizfeier gedacht. Hochwürdige Missionäre von
Liefering bei Salzburg hielten die Predigten.

Feierliche Primiz des Hochwürden Anton Steiner,

der als Sohn der Pfarre Hochburg auch bis zu seinem
Eintritt ins Petrinum die Voksschule in Hochburg
besuchte. Die ganze Last der Vorbereitung lag größten-
teils in den Händen des Chronisten, insbesonders
hatte er schon durch Monate die Vorarbeiten für die
musikalischen Aufführungen zu leiten.

 

 

                                               Primizgäste,

 

An der Dollfußgedenkfeier nahm wie früher die
gesamte Schuljugend mit den Lehrpersonen teil.
Oberlehrer Probst hielt vor dem Kriegerdenkmal
die Gedenkrede über die Worte: Dollfuß, deine
Sendung war Friede, dein Leben war Kampf,
dein Sterben war Sieg.
Für die Schuljugend sprach Greti Probst den Treue-
schwur: Wir hatten einen Kanzler und legte
einen Kranz nieder.

Die 2te Klasse erhielt eine neue Schiebetafel, aus-
geführt vom Tischlermeister Kammerstätter.
Dem Lehrmittelkabinett wurde vom Forster Mittis
eine Ohreneule zum Geschenk gemacht.

Am 8. September beging unsere Gemeinde
in sinniger Weise ihr Erntedankfest. Kinder,
Jungherrn, Jungmädchen u. Zechpröpste brachten
im Namen der versammelten Gläubigen die
symbolischen Gaben auf den Altar. Der Herr Bür-
germeister legte im Namen der Gemeinde den
Erntekranz nieder.

Am Montag, den 16. September begann der Unter-
richt mit dem hl. Geistamte. Die Anfänger wurden
am Nachmittag zur Einschreibung gebracht.

Da im Keller des neuen Schulhauses immer wieder
Wasser eindringt, so hat der Ortsschulrat beschlossen
außen einen Sickerbrunnen graben zu lassen.
Dieser wurde mit Beginn des Schuljahres 1935 / 36
fertiggestellt. Die Baumschule erhielt durch Herrn
Bürgermeister einen Holzzaun.

Der Beginn des Schuljahres brachte uns einen unverhofften
Lehrpersonenwechsel in der 1. Klasse. Frau Fachlehrerin
Antonia Kotnik wurde in provisorischer Eigenschaft
an die Mädchenhauptschule nach Wels Herrengasse
berufen. An ihre Stelle kam als prov. Lehrerin Therese
Huber, die durch ihr bescheidenes Auftreten und liebe-
volle Behandlung der Kleinen sich schon in der kurzen
Zeit ihres Hierseins sich schnell die Herzen von groß
und klein erobert hat. Wir wünschen nur, daß sie
recht lange unserer Schule erhalten bleibe.

 

Schülerstand mit Beginn 1935 / 36.

 

Die vaterländische Front und Gemeinde bringen
als Elternvertreter Heinrich Schnaitl, Jungbauer Pars-
dorf und Josef Esterbauer, Söldner, Fuchsschneider
in Grünhilling in Vorschlag an den Bezirksschulrat.

Der Leopolditag brachte die ortsübliche Helden-
gedenkfeier vor dem Kriegerdenkmal, an welcher
auch die Schuljugend mit den Lehrpersonen teil-
nahmen.

Die Not der vielen Arbeitslosen macht sich auch im

Schulbetriebe bemerkbar. Viele arme Kinder
bringen nicht mehr das Geld für Hefte auf und
muß daher auch darauf Rücksicht genommen
werden. Ein Vertreter im O. Sch. R. hat sogar
angeregt, man solle in der 3ten Klasse wie-
der auf der Schülertafel schreiben lassen. Da-
gegen hat aber Oberlehrer Probst vom unterricht-
lichen Standpunkt Stellung genommen und
es ist ihm gelungen, die anwesenden Mit-
glieder von dem gewaltigen Rückschritt, den
dadurch die Schule machen würde, zu überzeu-
gen. Ansonsten verlief dieses Schuljahr ohne
besonders wichtige Ereignisse. Nur am 6. Dezem-
ber kam in alle Klassen der hl. Nikolaus, er-
mahnte die Faulen und belohnte durch Vertei-
lung von Äpfeln, Nüsse und Bäckereien die
Braven.

Zu Beginn des Jahres 1936 wurde plötzliche Frl. Huber
enthoben und an ihre Stelle kam die prov. Lehrerin
Josefine Schlesinger aus Ampfelwang, Bezirk
Vöcklabruck, da Fr. Fachl. Kotnik von der Schule
in Wels nicht mehr nach Hochburg zuückkehren
wollte und in Unterach angestellt wurde.

Dagegen machte der Herr Bürgermeister eine
Eingabe an den Landesschulrat und zur Freude
der Eltern u. Kinder kam nach 14 Tagen Frl.
Huber wieder nach Hochburg als prov. Lehrerin
in die 1. Klasse. Frl. Schlesinger wurde nach
Altheim versetzt.

Herr Lehrer Führer, der sich der großen Mühe unter-
zog in Hochburg einen Männergesangsverein
ins Leben zu rufen, hat sich in den Faschings-
tagen mit einem auserlesenem Programme
in die Öffentlichkeit gewagt. Im Gasthaus
Spitzwieser wurde ein großer Familienabend
mit lustigen Einaktern, Duetten, Terzetten
(Fidele Gerichtssitzung) humoristischen Männer-
chören und Orchesterstücken veranstaltet.
Es war ein voller Erfolg. Viele fanden nicht mehr

Platz und mußten umkehren. Leider traf bald
nachher die Nachricht ein, daß er uns am Ende
des Schuljahres verlassen wird, da er zum defini-
tiven Lehrer in St. Peter bei Braunau von der o. ö-
Landesregierung ernannt wurde. Wir verlieren
an ihm sehr viel, denn er hat sich allzeit in sehr
gewissenhafter Weise um die Arbeiten in der Schule
gekümmert.

Oberlehrer Gottfried Probst, der schon seit längerer Zeit
an einem Magenleiden litt, begab sich zur ärzt-
lichen Untersuchung am 15. Feber nach Braunau in
das allgemeine Krankenhaus. Auf Grund des ärztlichen
Befundes erhielt er einen Krankenurlaub von 4 Wochen
und anschließend noch 2 Wochen zur gänzlichen Ausheilung
vom B. Sch. R. Braunau bewilligt. Als sein Stellvertreter
übernahm die Klasse während der Dauer des Urlaubes
der prov. Lehrer Friedrich Watzinger, bisher prov.  Lehrer
in St. Pataleon.

Die Schule in Hochburg beteiligte sich an den Sammlun-
gen für Winterhilfe
in diesem Winter mit folgenden
Ergebnissen.
1.) Sammlung bei den Gehaltsempfängern November
bis April.                                                        S. 27,50
2.) Kindersammlung                        S. 13,64
3.) Sammlung des O.Sch.R.Hochburg
für die Suppenanstalt Hochburg                S.164,80
4.) für die Gulaschaktion des Herrn Landes
Hauptmannes wurden 70 Spendenzettel à 50g
verkauft. Die Schülerin Greti Probst verkaufte
allein 32 Stück in der Ortschaft Hochburg und
erhielt dadurch die Prämie des H. Landeshauptmannes.
Einen gebundenen Jahrgang der Jugendrotkreuz
Zeitschrift zugemittelt.
5.) Für das o. ö- Kinderhilfswerk ergab die Samm-
lung der Schüler den Betrag von                66 S 05 g.

In der Zeit vom 3. bis 10 Mai wurde die heilige
Mission von Patres Franziskaner aus Maria Schmolln
u. Salzburg abgehalten. Auch die Schuljugend beteiligte
sich daran. Am Montag hatten die Schulkinder den
Missionstag. Die Predigten waren nach der Schule um
4 Uhr und in der Früh um 7 Uhr. Die Schulfeier

am Sonntag den 3. V. mit Prozession bildete den Höhepunkt.
Vom B. Sch. R. in Braunau am Inn wurden als Eltern-
vertreter berufen Heinrich Schnaitl, Jungbauer in
Parsdorf und Josef Esterbauer, Fuchsschneider Söldner
in Grünhilling. Beide sind warme Freunde der Schule
und kann deren Berufung von der Lehrerschaft nur
wärmstens begrüßt werden.

Am Sonntag den 7. Juni wurde die Erstkommunionfeier
der Kleinen in gewohnt feierlicher Weise begangen.
Leider spielte uns das Wetter einen Streich. Es goß in Strö-
men. Viele Kinder mußten von den Eltern getragen werden,
da die Gießen die Wege überschwemmten. Alle Kinder er-
hielten aus frw. Spenden ein reichliches Frühstück, das
in der schöngeschmückten alten Schulklasse serviert wurde.
Frau Oberlehrer Probst u. Frl. Lehrerin Huber hatten alles so
gut zubereitet, und den Kleinen an diesem Ehrentage
eine Freude bereitet. 7 Torten zierten die Tafel.

Am 24. Juni machten beide Oberklassen einen Lehr-
ausflug
. Die 2te Klasse machte mit Herrn Lehrer
Josef Führer eine Reise mit Auto durch den Bezirk.
Wildshut um in heimatkundlicher Hinsicht Anschau-
ungen zu gewinnen. Dabei wurde auch die Frz. Xv.
Gruber Gedächtniskapelle in Oberndorf besucht. Die 3te
Klasse besuchte das Heimathaus und die Bezirksstadt Brau-
nau a. Inn. Dort wurden wir von Herrn Lehrer Prillhofer
in umsichtiger und liebenswürdiger Weise geführt.

Das Schuljahr wurde am Samstag den 4. Juli mit Zeug-
nisverteilung u. feierllichen hl. Geistamte geschlossen.
Der O.Sch.R. Hochburg hatte im vereine mit der Schul-
leitung beschlossen für den scheidenden H. L. Führer
am Sonntag den 5. Juli nachmittags in Spitzwiesers Gasthaus
eine Abschiedsfeier zu veranstalten. Es wurde dem
Scheidenden der Dank und die Anerkennung für pflicht-
eifriges Wirken ausgesprochen. Der Saal war bis auf
das letzte Plätzchen gefüllt. Der Männergesangsverein sang
dem scheidenden Chormeister Abschiedschöre, eine Streichmusik
mit Zitherbegleitung brachte Stücke zum Vortrage. Herr Ober-
lehrer Probst sprach namens der Schule u. Kollegenschaft, als
Dienststellenleiter und Herr Bürgermeister Frank für Gemeinde
und Eltern, ein Mitglied des Gesangsvereines für diesen Worte
des Dankes und der Verabschiedung an den Valetanten.

 

 

 

 

 

 

11. Nov. 1936.

       Buchegger

 

 

 

Vorliegende Chronik wurde von Gerda Lenzbauer,VOL i. R. aus Ach, Nachfahre des auf Seite 5 genannten Theodor Jungwirth(*1828 +1882),  im Jahre 2012 abgeschrieben mit sämtlichen Eigenheiten in der Schreibweise der jeweiligen Chronisten, um den nachfolgenden Generationen das Lesen zu erleichtern und darüber hinaus das Original zu schonen.

Ach, im November 2012

Gerda Lenzbauer

 

 


 

 

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